Der Design Sprint: Produktentwicklung in 5 Tagen

Wer nicht innovativ ist und sich selbst stets neu erfindet, bleibt auf der Strecke. Gerade im Bereich des Produktdesigns kann man sich von den ganz Großen, wie Google, das ein oder andere abschauen: Bei der Produktentwicklung greift Google auf eine bestimmte Methode der Designschule zurück, den Design Sprint. Das erlaubt einen kurzen Entwicklungsprozess und eine schnelle und ergebnisorientierte Lösung und das alles innerhalb kürzester Zeit. Wie das ganze in der Praxis funktioniert, erklärt dieser Artikel.

Startups und natürlich auch etablierte Unternehmen müssen sich immer wieder neu erfinden, neue Produkte auf den Markt bringen und so am Zahn der Zeit bleiben. Wer nicht innovativ ist und sich selbst stets neu erfindet, bleibt auf der Strecke. Wer so schnell sein will, wie Usain Bolt, der kann gerade im Bereich des Produktdesigns von den ganz Großen, wie Google etwa, lernen und sich auch das ein oder andere abschauen. Bei der Produktentwicklung greift Google auf eine bestimmte Methode zurück, den Google Design Sprint. Das erlaubt einen kurzen Entwicklungsprozess und eine schnelle und ergebnisorientierte Lösung und das alles innerhalb kürzester Zeit. Wie das ganze in der Praxis funktioniert, erklärt dieser Artikel, damit auch ihr zum Sprint-Weltmeister werdet:

Mit Design Sprint schneller auf den Punkt gebracht

Das Ziel des Design Sprints ist es, den ganzen Entwicklungsprozess zu verkürzen und stark zu komprimieren. Das Prinzip lässt sich auf jede Produktentwicklung anwenden, ganz egal ob Apps, Software oder auch Offline-Produkte. Auch für die Problemlösung ist der Design Sprint eine tolle Methode, um sich einem Problem und den damit verbundenen Aspekten und der Lösungsfindung innerhalb von fünf Tagen anzunähern. So können unnötig lange Prozesse beschleunigt werden und es wird im Team lösungsorientierter gearbeitet. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Endergebnis nach den fünf Tagen des Design Sprints und damit sind erste Prototypen erstellt und die Kosten für den Entwicklungsprozess außerdem deutlich minimiert.

Was genau ist der Design Sprint also?

Der Design Sprint ist eine Methode, die sich für große Projekte und große Veränderungen eignet, es geht dabei weniger um kleine, kontinuierliche Optimierungen. Monatelange Testphasen und Entwicklungsrunden sind damit Vergangenheit. Aussichtslose Debatten und die Verwässerung von Ideen sind damit Geschichte. Der 5-tägige Design Sprint bringt am Ende ein Produkt hervor, das quasi bedienfertig ist und bereits von Nutzern getestet wurde. Damit lassen sich wochenlange und kostspielige Entwicklungsstadien umgehen. Während des Design Sprints können individuelle Ideen im Team eingebracht werden und verfolgt und auf ihre Tauglichkeit überprüft werden, so ist das gesamte Team eingebunden und kann seinen Teil dazu beitragen.

Was braucht man für einen Design Sprint?

In der praktischen Umsetzung ist der Prozess denkbar einfach. Am besten wird Material und der Raum schon in der Woche VOR dem Design Sprint vorbereitet. Es braucht dafür nur:

  • einen großen Raum, wie etwa einen Konferenzraum mit entsprechender Bestuhlung und natürlichen Tischen
  • Whiteboards und davon jede Menge, denn darauf wird alles festgehalten, natürlich können dafür auch Flipcharts verwendet werden oder aber selbstklebendes Papier, das an die Wand geklebt wird
  • Haftzettel wie Post-Its möglichst in einer Farbe, das lenkt dann nicht so sehr ab und ausreichend groß (etwa 10 x 15 cm)
  • Whiteboard-Marker in verschiedenen Farben oder eben passende Marker für das Material, das ihr sonst verwendet
  • Filzstifte in schwarzer Farbe und nicht zu dünn / Damit werden die Lösungsskizzen und Ansätze festgehalten und das sollte daher gut leserlich sein.
  • Druckerpapier für die Lösungsskizzen
  • Klebeband o.ä., damit werden die Skizzen auf Papier angeklebt
  • Klebepunkte in zwei unterschiedlichen Größen und davon mehrere jeweils etwa 200 Stück, denn diese werden für die Abstimmungen während des Design Sprints verwendet
  • eine Stopp-Uhr, so ist die Zeit im Blick und wer mag, kann eine zweite Countdown-Uhr verwenden, um die Pausen einzuhalten
  • gesundes Snacks für die Pausen, um den Energielevel zu halten
  • je nach Produkt, das entwickelt werden soll, eventuell eine Developerstation, um den Prototypen auszuarbeiten

Wie läuft der Design Prozess im Sprint konkret ab?

Der Design Sprint ist auf 5 Tage herunter gebrochen und durchläuft dadurch alle wichtigen Phasen der Produktentwicklung innerhalb kürzester Zeit. Das erfolgt durch Team- und User-Input. Die klare Struktur ist auf die fünf Tage angelegt und gibt für jeden Tag eine konkrete Aufgabe vor. Darüber hinaus sollten grundlegende Regeln aufgestellt werden, die den kreativen Prozess unterstützen und in den Fokus stellen. Dazu ist eine feste Struktur der Woche wichtig, was beinhaltet, dass jeden Tag von 10 bis 17 Uhr daran gearbeitet wird, mit kleinen Unterbrechungen in Form von Pausen und Timeboxing, sodass alle konzentriert und frisch im Kopf bleiben können. Mails, Handys, Termine und andere Ablenkungen sind in der Zeit „verboten“. Außerdem braucht das Team einen Entscheider, der im Notfall das Team-Voting zu den Ergebnissen überstimmen kann. Damit lassen sich mittelmäßige Kompromisse ausschließen.

1. Tag /Montag: Zielfindung

Am ersten Tag des Design Sprints geht es vor allem um das Verständnis. Es gilt dabei, die Aufgabenstellung und Herausforderung klar zu definieren, sodass jeder weiß, worum es geht und worauf es in den nächsten Tagen ankommt. Sollten externe Experten mit im Team sein, ist es außerdem ratsam, dass die Philosophie des Unternehmens Teil dieses Tages ist und näher beleuchtet wird. Im Fokus steht die Zielfindung und damit die zu erreichende User Experience. Es sollte am Ende des Tages allen klar sein, welchen Mehrwert der Nutzer vom Produkt hat. Dabei kann es auch von Vorteil sein, sich einmal näher anzusehen, wie vergangene Entwicklungsprozesse im Unternehmen abgelaufen sind, was erfolgreich gelaufen ist oder daran verbessert werden muss, um erfolgreich zu sein und natürlich muss man auch die Konkurrenz im Blick zu haben.

2. Tag /Dienstag: Entwicklung verschiedener Lösungsansätze

Am Dienstag und damit der zweiten Stufe des Prozesses geht es um die Entwicklung möglicher Lösungen für das Problem bzw. das Produkt. Im Prinzip ist hier eine Art Brainstorming Zentrum des Tages, allerdings werden die Ergebnisse nicht direkt mit der Gruppe geteilt. Jeder arbeitet hier erst einmal für sich und damit ist Raum für individuelle Ideen und Lösungsansätze, ganz unabhängig von den Meinungen des restlichen Teams. So bleibt auch die Form der Lösungsansätze offen, wer lieber grafisch arbeitet, kann sich hier entfalten und seiner Kreativität freien Lauf lassen, andere können ihre Ideen in Textform festhalten. Am Ende des Tages sollte die Lösungsfindung abgeschlossen sein und damit verschiedene Ideen auf Papier gebracht werden. Hier kommen Haftzettel und das Druckerpapier zum Einsatz.

3. Tag /Mittwoch: Auswahl der besten Ideen

Der dritte Tag ist da und damit ist die Hälfte des Design Sprints erreicht. An diesem Tag werden Entscheidungen gefällt. Die Ideen und Ansätze, die am Tag zuvor jeder für sich entwickelt hat, werden nun gesammelt und auf dem Whiteboard zusammengetragen. Das Team entscheidet als Gruppe, welche Ideen lohnenswert sind und weiter verfolgt werden sollten. Hier kommen die Klebepunkte zum Einsatz, denn nachdem die Ergebnissammlung komplett ist, kann jeder Punkte auf die Skizzierung der Ideen kleben, die er für realisierbar und sehr gut hält. Dadurch entsteht eine Heatmap der besten Lösungsansätze. Eine weitere Runde Klebepunkte sorgt für einen Fokus auf wenige Ideen, die wirklich gut sind und die im nächsten Schritt weiter konkretisiert werden. Diese lassen sich dann zusammenfassen, kombinieren oder abstrahieren.

4. Tag /Donnerstag: Entwicklung des Prototypen

Der vierte Tag und damit der Donnerstag ist der Prototypen-Entwicklung gewidmet. Der Prototyp, der hier entstehen soll, ist bereits für User gedacht und nicht nur intern für das Projektteam. Bei Apps, Seiten und Software spricht man von Click Dummys, die vor allem einen Konzeptentwurf für die spätere Usability und Bedienerfreundlichkeit liefern soll. Ein unbedarfter und außenstehender Nutzer soll den entwickelten Prototypen am Ende auf den ersten Blick verstehen können. Feinheiten müssen dabei noch nicht ausgereift oder integriert sein, es geht um die grundlegenden Eigenschaften des Produktes.

5. Tag /Freitag: Prototypen-Test

Der letzte Tag ist erreicht und damit die meiste Arbeit getan. Im letzten Schritt geht es um den Test und damit die Überprüfung des Vision Prototype. Hier braucht es externe Produkttester, die ohne Vorerfahrung das entwickelte Produkt prüfen sollen. Dabei geht es um einen ehrlichen Ersteindruck des Produktes und die Tester sollten ihre Erfahrungen und Meinungen festhalten. Dieses Feedback dient dann nämlich als Verbesserungsvorschläge und Anreiz für weitere Optimierungen, vorausgesetzt der Prototyp des Produkts überzeugt im Test. Natürlich ist das auch die Bestätigung dessen, was das Team die letzten fünf Tage erarbeitet hat.

Im Sprint zum Design

Mit diesen fünf Schritten innerhalb einer Arbeitswoche ist der Design Sprint durchgeführt und somit das Produkt entwickelt, abgesehen vom Feinschliff, der dann noch folgt. Der Verlauf von der Idee bis hin zum User-Feedback wurde so extrem komprimiert und liefert am Ende ein konkretes Ergebnis, dass dann weiter ausgerollt werden kann. Diese Methode ist bei Startups bewährt und das Buch dazu ist ein guter Do-it-yourself-Leitfaden, um eigen Sprints durchzuführen. Der Design Sprint lässt Spielraum für viele individuelle Ideen und Vorschläge anstatt langer Diskussionen und einem ermüdenden und vielleicht auch diplomatischen Brainstorming-Prozess. Diese kurze, aber intensive Entwicklungsarbeit ist innerhalb einer Woche umgesetzt: Am Montag wird das Problem analysiert und die Aufgabenstellung definiert, am Dienstag kommen mögliche Lösungen zu Papier, der Mittwoch ist der Entscheidung gewidmet und macht aus Ideen testbare Hypothesen, am Donnerstag wird der Prototyp entwickelt und der Freitag ist der Testtag an echten Menschen. Der Design Sprint ermöglicht dadurch vor allem für kleine Gruppen am Ende messbare Ergebnisse und hoffentlich auch Erfolge.

 

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