Gründen im Handwerk (Teil 1) – Selbstständig machen als Maler

Sich als Handwerker – und insbesondere als Maler – selbständig zu machen, braucht schon im Vorfeld viel Überlegung und Vorarbeit. Am Ende zahlt sich dass dann aber aus – wenn das eigene Handwerk dann tatsächlich goldenen Boden hat und man sein eigener Chef ist.

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Handwerk hat goldenen Boden, heißt es – das gilt umso mehr, wenn man sein eigener Chef ist. Ein eigenes Handwerksunternehmen bringt natürlich auch einiges an Verantwortung mit sich, aber das kann auch befriedigend sein. Wie man sich im Malerberuf selbständig machen kann, welche Voraussetzungen für eine Selbständigkeit gegeben sein müssen und wie man seinen neu gegründeten Betrieb auch wirklich erfolgreich und gewinnbringend macht, haben wir für euch in diesem Beitrag ausführlich beleuchtet.

Wer darf sich als Maler selbständig machen…

Der Handwerksberuf des Malers ist ein sogenanntes zulassungspflichtiges Handwerk in Deutschland – das heißt, man muss neben einer einschlägigen Berufsausbildung als Maler auch noch weitere Voraussetzungen erfüllen und um eine Zulassung ersuchen, einen Betrieb gründen zu dürfen. Diese Regelung gilt für viele Handwerksberufe.

…mit Meister oder mit der Handwerksrolle

Wer Malermeister bist, also einen Meisterbrief besitzt, hat die wichtigste Voraussetzung für die Gründung bereits erfüllt – die Meisterpflicht. Mit dem Meisterbrief ist es möglich, sich in die sogenannte Handwerksrolle bei der zuständigen Handwerkskammer eintragen lassen und damit sind alle Voraussetzungen für die Gründung erfüllt. Wie das genau geht, erfahrt ihr in diesem Artikel: Basics: So tragt ihr euren Handwerksbetrieb in die Handwerksrolle ein.

…als „Altgeselle“

Schwieriger wird es, wenn keine Meisterausbildung absolviert wurde. Wer lediglich Geselle ist, kann sich grundsätzlich auch selbständig machen – allerdings nur dann, wenn er insgesamt mehr als 6 Jahre im Malerberuf gearbeitet hat und mindestens 4 Jahre in einer leitenden Position. Das muss man auch ausreichend belegen können – dann kann man die sogenannte „Altgesellenregelung“ nach § 7b der Handwerksordnung (HWO) in Anspruch nehmen.

Ist auch das nicht erfüllt, bleibt nur noch, sich einen Malermeister zu suchen und ihn als verantwortlichen Betriebsleiter fest anzustellen. In diesem Fall gilt die Meisterpflicht ebenfalls als erfüllt.

Unternehmen anmelden als Maler – wo und welche Kosten

Um einen Handwerksbetrieb als Maler zu eröffnen, reicht die Eintragung in die Handwerksrolle nicht aus – sie ist lediglich die Voraussetzung für eine Gewerbeanmeldung.

Die Eintragung in die Handwerksrolle ist übrigens nicht kostenlos – je nach Handwerkskammer (Bundesland) fallen dafür Kosten zwischen 50 und 90 Euro an.

Wer in die Handwerksrolle eingetragen ist, kann sich dann an die Gründung machen. Der nächste Schritt ist die Gewerbeanmeldung in der Gemeinde, in der der Betrieb später seinen Sitz haben soll.

Auch hier muss die erfüllte Meisterpflicht nachgewiesen werden: entweder durch den eigenen Meisterbrief, der vorgelegt wird, oder durch die erfüllte Altgesellenregelung.

Etwas schwieriger wird es, wenn man einen Maler-Meister als Betriebsleiter einstellt: Für die Gewerbeanmeldung muss hier ein Arbeitsvertrag mit dem Meister vorgelegt werden, der später als Betriebsleiter tätig ist. Das klingt auf den ersten Blick ein wenig unlogisch – ein Unternehmen, das noch nicht gegründet ist, kann ja eigentlich keinen Arbeitsvertrag ausstellen. In der Regel geht das aber unproblematisch.

Handwerkskarte von der Handwerkskammer

Bei der Gewerbeanmeldung muss außerdem eine Handwerkskarte vorgelegt werden, die die zuständige Handwerkskammer ausstellt. Kosten fallen für die Handwerkskarte natürlich auch an: in der Regel müsst ihr hier mit rund 50 Euro rechnen, der genaue Betrag ist aber von Gemeinde zu Gemeinde leicht unterschiedlich.

Das Gewerbeamt informiert dann ohne weiteres Zutun automatisch das zuständige Finanzamt, die Berufsgenossenschaft und auch das statistische Landesamt. Diese Institutionen kommen dann von sich aus auf euch zu, was allerdings in manchen Fällen eine Weile dauern kann.

Handelsregistereintrag & Innungsmitgliedschaft

Die Mitgliedschaft in der Innung ist grundsätzlich nicht Pflicht – aber durchaus ratsam. Die Innung ist die Interessensvertretung für alle Handwerksbetriebe und auch die erste Anlaufstelle, wenn man als Handwerksbetrieb Fragen oder Probleme hat – das gilt etwa auch, wenn man Lehrlinge einstellen will oder Informationen braucht, was nach den geltenden Tarifverträgen für die Mitarbeiter zulässig ist und was nicht.

Beim Handelsregistereintrag ist das entscheidende Kriterium die Rechtsform. Ein Einzelunternehmen braucht im Allgemeinen nicht eingetragen zu werden, außer es wird als sogenannter „kaufmännischer Betrieb“ eingestuft. Davon kann man immer dann ausgehen, wenn mehr als 5 Angestellte im Unternehmen tätig sind und das Betriebsvermögen einen Wert von 100.000 Euro übersteigt – im Einzelfall kann das aber abweichen.

Firmiert der Betrieb als GmbH, oder auch als KG oder OHG ist – ebenso wie bei einer AG – ein Handelsregistereintrag allerdings Pflicht. Die Gebühren für den Eintrag richten sich im Einzelnen nach dem Geschäftswert des Unternehmens (und damit nach dem Betriebsvermögen). Für die Gründung einer GmbH oder einer anderen Personen- oder Kapitalgesellschaft sind aber ohnehin höhere Gründungskosten zu veranschlagen. Wie hoch die Kosten für die gesamte Gründung am Ende sind, hängt hier stark vom jeweiligen Einzelfall ab.

Ein solides Geschäft: Planung & Kalkulation

Auf keinen Fall sollte man sich aus einer Laune heraus oder aus einem bloßen Impuls heraus selbständig machen: Ein Geschäft zu führen, erst recht, wenn man Mitarbeiter anstellt, bringt eine Menge Verantwortung mit sich – und gerade im Handwerksbereich ist eine sorgfältige Planung der eigenen Geschäftstätigkeit unerlässlich. Einfach einen Brancheneintrag als Malerbetrieb in den Gelben Seiten vorzunehmen und zu hoffen, dass die Kunden dann schon kommen werden, ist heute eindeutig zu wenig.

Die erste Frage gilt dem Feld der eigenen Geschäftstätigkeit: Möchtet ihr vor allem Aufträge auf großen Baustellen und/oder als Subunternehmer bekommen, oder wollt ihr lieber bevorzugt für Privatkunden arbeiten?

Im ersten Fall ist eine gewisse Mindestgröße des Unternehmens sinnvoll, um auch größere Aufträge in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu schaffen – im zweiten Fall muss man sich überlegen, mit welchen besonderen Leistungen man bei Kunden Punkten kann. Natürlich geht hier viel über den Preis – günstige Preise allein sind aber keine Garantie für volle Auftragsbücher. Dafür ist die semiprofessionelle Konkurrenz auf dem Markt deutlich zu groß.

Die zweite Frage ist eigentlich eine Reihe von Fragen und betrifft die Kalkulation:

  • Welche Preise kann man überhaupt bieten, welche Umlage muss man kalkulieren, und bei welchen Leistungen muss man darauf achten, dass die Baustelle kein Verlustgeschäft wird?
  • Welche Kosten muss man für Mitarbeiter rechnen – und für Ersatzkräfte, wenn die Mitarbeiter wegen Krankheit und Urlaub einmal fehlen sollten?
  • Was kostet die Mitarbeiterstunde – und wie kann man das dem Kunden verrechnen? Welche Mindestkosten fallen an, die man auch dann tragen muss, wenn gerade keine Aufträge vorhanden sind?

Studien der IHK und anderer Institutionen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass viele Handwerksbetriebe hier erschreckende Schwachpunkte haben – Kalkulation ist offensichtlich nicht die Stärke der meisten Handwerksbetriebe.

Wer kein betriebswirtschaftliches Grundwissen mitbringt, oder sich auch bei der Kalkulation der eigenen Leistung unsicher ist, kann sich hier gut weiterbilden – die Angebote von allen möglichen Institutionen sind durchaus zahlreich. Klar ist: Wer nicht richtig kalkulieren kann, wird es auch schwer haben, tatsächlich erfolgreich sein. Über den Daumen gepeilte Preise auf dem Bierdeckel sind kein besonders gutes Erfolgsrezept, schon gar nicht langfristig.

© geralt/pixabay

Businessplan „Maler“: Finanzierung eures Handwerkbetriebes

Werkzeuge müssen angeschafft werden, bei den ersten Aufträgen wird man mit dem Material in Vorleistung gehen müssen, zusätzlich sollte auch noch genug „Polster“ vorhanden sein, um die Auslagen bei nicht oder erst spät bezahlten Rechnungen noch tragen zu können, ohne dass man finanziell ins Straucheln kommt. Wenn das Eigenkapital für die notwendigen Anschaffungen nicht reicht (was wohl in sehr vielen Fällen so sein wird), muss man sich in jedem Fall schon vor der Gründung an entsprechende Finanzierer wenden: die Hausbank, die KfW oder andere Geldgeber. Weitere Infos findet ihr hier:

Die muss man allerdings auch mit einem tragfähigen und erfolgversprechenden Konzept überzeugen können. Daher: um einen sorgfältig ausgearbeiteten Businessplan kommt man hier in keinem Fall herum.

Kundenaquise und Marketing für Handwerker

„Wer nicht wirbt, stirbt“ – hat schon Henry Ford erkannt. Das gilt genauso für Handwerksbetriebe. Nur wer es schafft, auf sich aufmerksam zu machen, wer Kontakte knüpft und Beziehungen pflegt, wird langfristig an ausreichend Aufträge kommen.

Marketing bedeutet, eine „Unique Selling Proposition“ (USP), also ein Alleinstellungsmerkmal zu haben oder zu schaffen – und das auch ausreichend gut zu kommunizieren, und möglichst genug Menschen damit zu erreichen.

Die eigene Webseite und Local SEO sind schon einmal die Grundausstattung beim Marketing. Darüber hinaus muss man sich, vor allem wenn man im Privatkundenfeld arbeitet, etwas einfallen lassen. Wer sich in Fachforen als Experte für sein Handwerk einen guten Ruf erarbeitet, gewinnt langfristig meist auch einige Aufträge, daneben kann man auch über die eigene Webseite Tipps und Hilfestellungen geben, um ein positives Image für sich und sein Unternehmen aufzubauen.

Erfolgreich ist auch, zu zeigen, was man kann: Kunden möchten immer gerne vor Augen haben, was sie erwarten können. Das ist dann überzeugend – und schafft auch Vertrauen in den Handwerksbetrieb. Wer seine gelungenen Arbeiten oder besondere Gestaltungen in den sozialen Medien (etwa auf Instagram) präsentiert, und sich bemüht, genug Aufmerksamkeit zu erzeugen, wird davon auf jeden Fall profitieren können. Das ist natürlich nur ein Weg – aber immerhin auch eine Überlegung wert.

Wie das gesamte Geschäft und die Kalkulation sollte man auch das Marketing bereits im Vorhinein sorgfältig und detailliert planen – nur so kann man mit einem soliden, gut durchgeplanten Geschäftsmodell starten, bei dem man keine Bauchschmerzen zu haben braucht und sich ständig vor der nächsten Auftragsflaute fürchten muss. Kontakte aufzubauen lohnt sich ebenfalls bereits im Vorhinein – unter Umständen kann man dann schon mit ein, zwei lukrativen Aufträgen starten und so gleich von vornherein auch ein wenig finanzielles Polster schaffen.

Arbeitsschutzes – auch Berufsbekleidung zählt

Arbeitskleidung inklusive Arbeitsschuhe kann vor leichten bis hin zu schweren Verletzungen bewahren. Dabei lässt sich die staatlich vorgeschriebene und die freiwillige Schutzkleidung unterscheiden. In vielen Berufen müssen Beschäftigte bestimmte Sicherheitsschuhe anziehen. Diese versehen die Hersteller unter anderem mit einer Stahlkappe oder einer rutschfesten Sohle. Gründer sollten diese Sicherheitsbestimmungen einhalten. Spätestens nach einem Arbeitsunfall kann es ansonsten zu Problemen kommen, bei einer Missachtung entsteht für den Arbeitgeber eine Haftungspflicht. Diese haben zugleich ein großes Eigeninteresse daran, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben. Melden sich Angestellte aufgrund von Verletzungen krank, bedeutet das für den Betrieb Kosten und eventuell mangels Personal organisatorische Schwierigkeiten. Gründer sollten deshalb nicht nur die gesetzlichen Vorschriften ernst nehmen, sondern auch freiwillig sichere Arbeitsbekleidung und hochwertiges Schutzzubehör erwerben.

Gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen müssen alle Hersteller von Arbeitskleidung entsprechen. Erhebliche Unterschiede zeigen sich dagegen bei der Funktionalität und dem Tragekomfort. Es zahlt sich aus, die Berufsbekleidung vom Fachmann zu kaufen. Diese beiden Aspekte sollte kein Gründer unterschätzen, sie beeinflussen die Effizienz der Beschäftigten. Handwerker sollten beispielsweise Arbeitsbekleidung mit vielen großen und kleinen Taschen besitzen, in denen sie Werkzeuge, Schrauben und weitere Utensilien übersichtlich verstauen können. Auf diese Weise haben sie Erforderliches stets griffbereit und müssen nicht jedes Mal zum Werkzeugkoffer gehen. Der Grad der Funktionalität hängt auch davon ab, inwieweit Berufsbekleidung atmungsaktiv ist. Bei hohen Temperaturen ist das genauso ein Muss wie bei schweren körperlichen Arbeiten. Gehen Beschäftigte bei tiefen Temperaturen oder bei schlechtem Wetter Tätigkeiten in Außenbereichen nach, muss Arbeitskleidung Kälte, Niederschläge und Wind zuverlässig abhalten.

Darüber hinaus eignet sich Berufsbekleidung in allen Branchen perfekt, um eine individuelle Corporate Identity umzusetzen. Eine einheitliche Kleidung für die Angestellten vermittelt jedem Außenstehenden die Zugehörigkeit zu einer Firma. Arbeitskleidung lässt sich zielgerichtet für das Marketing einsetzen, indem Unternehmen sie mit ihrem Logo oder einem Slogan versehen. Diese lassen sich individuell aufdrucken, eine Bestickung ist eine weitere Option. Kontaktdaten wie eine Homepage-Adresse lassen sich ebenfalls anbringen. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis beeindruckt: Die Kosten für eine Veredelung der Arbeitskleidung sind gering, in der Folge sehen zahlreiche Kunden und potenzielle Kunden das Logo oder den Slogan.

Aquise – So könnt ihr zum Start als Maler Aufträge generieren

In früheren Jahren gingen sie auf die Walz – die Handwerker, die neu im Geschäft waren. Das machen nur noch wenige. Doch das heisst nicht, dass angehende Maler modernere Formen des Marketings und der Aquise bevorzugen. Tatsächlich zeigen mehrere Studien, dass die meisten Handwerker weder Telefonmarketing noch sonst eine Aquise betreiben.

Ein Fehler! Denn auch wenn der Markt gerade recht gut aussieht und in den meisten Gegenden Maler gesucht werden – das kann sich auch ändern. Ihr solltet den Markt unter Kontrolle haben und auf Veränderungen vorbereitet sein. Außerdem gibt es immer Phasen der leeren Auftragsbücher – clever organisiert könnt ihr diese Phasen eventuell besser füllen.

Erfolgreicher Vertrieb für Maler: Richtig telefonieren

Es muss gar nicht sein, dass ihr euch ins Büro setzt und per Telefon eure Leistung anpreist. Oft reicht es schon, professionell und freundlich mit den Anrufen umzugehen, die euch erreichen. Klar könnt ihr während eines Kundentermins nicht reden. Aber nehmt doch das Gespräch an, sagt dass es gerade ungünstig ist und vereinbart einen Telefontermin. Das zeigt eurem aktuellen Kunden Professionalität und lässt den zukünftigen Kunden nicht im Regen stehen. Falls ihr es euch leisten könnt, dann sorgt für ein Büroanschluss, wo euer Zeitmanagement organisiert wird. Hier gibt es auch Dienstleister, die euh weiterhelfen können und eure Dispo organisieren können.

Erfolgreicher Vertrieb für Maler: Augen auf und Visitenkarte zur Hand

Das Geld bzw. die Aufträge liegen sprichwörtlich auf der Straße. Schaut euch mal um und ihr entdeckt jede Menge Potenzial: die Hauswand, die schon lange einen Anstrich benötigt. Das neu gebauten Einfamilienhaus, deren Bewohner vielleicht Hilfe bei der Innengestaltung benötigen… habt eine kleine Karte, ob Flyer oder Visitenkarte, dabei und sucht am besten das direkte Gespräch. Zumindest aber hinterlasst einen Hinweis auf euch.

Erfolgreicher Vertrieb für Maler: Angebote nachverfolgen

Ihr habt Angebote geschrieben und wartet nun auf Auftragserteilung? Wieder falsch! Natürlich sollt ihr niemanden täglich nerven – aber es schadet nicht, seinem Gegenüber (ob Architekt oder Bauherr) zum Ausdruck zu bringen, dass ihr den Job wirklich gern machen wollt. Das Klischee vom Handwerker, den man bitten muss, die Arbeit aufzunehmen, zu bestätigen – ist kein Zeichen von Stärke sondern nervt tatsächlich jeden.

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