Honorar Freelancer, Freiberufler & Selbstständige: So berechnet ihr eure Honorare richtig

Für Selbstständige ein wichtiges Thema schon gleich in der Gründung: Wieviel ist die eigene Arbeit wert und welches Honorar könnt ihr verlangen? Ob ihr in Stunden- oder Tagessätze abrechnet oder gar ein Festhonorar vereinbart und wie ihr euer Honorar richtig berechnet, erfahrt ihr in diesem Fachartikel.

Euer Honorar als Freiberufler oder Selbstständiger wird maßgeblich über euren Erfolg bestimmen. Verlangt ihr zuviel, seid ihr gegenüber Konkurrenten eventuell nicht marktfähig – verkauft ihr euch unter Wert, wird sich das mittelfristig in euer Gesamtbilanz negativ auswirken.

Ihr solltet also schon früh bei der Gründung – und für den Businessplan braucht ihr die Einnahmenseite auch schon – euch Gedanken über eure Honorarhöhe machen.

Honorarberechnung Freelancer – die Keyfacts

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die alle in eurer Honorarberechnung als Freelancer berücksichtigt werden müssen.

Bedenkt euren administrativen Aufwand, der sich aus der Selbstständigkeit ergibt.

  • Euer hoher zeitliche Aufwand für Akquise, Angebotserstellung, Terminplanung, Kommunikation mit Dienstleistern und Subunternehmern und die ganzen Abläufe von Abrechnung bis Buchhaltung und Steuer.
  • Auch das Netzwerken, Teil der Aquise, kostet Geld aber vor allem Zeit: Euren Aufwand für die Erstellung und Wartung der eigenen Website und anderer Marketingmaßnahmen solltet ihr ebenfalls mitkalkulieren.
  • Im Tagesgeschäft eines Freelancers sind viele Aufgaben, die nicht direkt mit einem Auftrag verbunden sind – aber eben doch gemacht werden müssen. Eure Geschäftsabläufe, vom Lesen & Beantworten der Emails bis zur Wartung eurer Betriebsanlagen (und wenn es nur das Windows- oder Mac-Update auf eurem Rechner ist) kosten ebenfalls Zeit und Geld. Übrigens: Erfahrungen zeigen, dass dieser zeitliche Aufwand üblicherweise bei bis zu 40 Prozent eurer Arbeitszeit liegen kann.
  • Dazu gehört auch, dass ihr euch beinahe täglich auch über den aktuellen Stand der Technik, die rechtlichen Rahmenbedingungen und relevanten politischen Entscheidungen (aktuell etwa die Corona-bedingten Schliessungen) informieren müsst. Auch das kostet Zeit.

Achtet auf die Kosten, die ihr durch eure Freelancer-Tätigkeit habt.

Ihr müsst ebenfalls wissen, wie viel Geld ihr eigentlich ausgeben müsst, um eurer Tätigkeit überhaupt nachgehen zu können. Diese Kostenseite wird ganz maßgeblich darüber entscheiden, wieviel ihr verdienen müsst, um am Ende auch ein positives Betriebsergebnis zu haben. Deshalb berechnet, welche

  • laufende Kosten für Büromiete, Geschäftsausstattung (Möbel, Betriebsmittel etc),
  • Kosten für Kommunikation (Telefon- Handy- und Internetverträge),
  • Ausgaben für Verbrauchsmaterialien, Software-Ausstattung, Wartung und Instandhaltung,
  • Kosten für Steuerberater, Rechtsanwalt, Gewerbeversicherungen,
  • Rücklagen für Neuanschaffungen, in die ihr absehbar investieren müsst,
  • Kosten für Fort- und Weiterbildungen, für Fachliteratur und Seminare inklusive der Fahrt- und Reisekosten
  • Ausgaben für Angestellte, Subunternehmer, weitere Dienstleister und
  • die betriebliche Steuerbelastung

auf euch zukommen.

Nicht Vergessen: Eure persönlichen Kosten

Und natürlich wollt ihr nicht nur, dass eure Einnahmen die Kosten des Betriebes decken – ihr wollt von eurer Arbeit auch euer Leben finanzieren.

Außerdem müsst ihr Steuerrücklagen (etwa für eure Einkommenssteuer) bilden, habt persönliche Versicherungen, tragt die Sozialversicherungen für euch selbst, müsst euch selbst (privat) krankenversichern und euch um eure Altersvorsorge kümmern.

Hilfe dabei bietet unser Fachartikel Businessplan schreiben: So kalkuliert Ihr Euren Unternehmerlohn.

Kosten und Aufwand nicht unterschätzen

Klar, wenn ihr versuchen wollt, euren Honorarsatz so gering wie möglich zu bekommen, um im Markt starten zu können … dann liegt es nahe, etwa auf Kosten für Weiterbildung einfach zu verzichten. Muss ja nicht.

Doch Vorsicht: Das mag zu Beginn noch funktionieren, aber ihr wollt ja auch dauerhaft bestehen. Und dann kommt ihr um Weiterbildung nicht drumrum.

Um den durchschnittlichen Aufwand und die üblichen Kosten von Freiberuflern abschätzen zu können, hilft euch der Freelancer Kompass von freelancermap.

Ein paar Fakten aus dem Kompass, die ihr bei eurer Planung beachten solltet:

  • 68 % der Befragten sehen in der Akquise die größte Herausforderung
  • 83 % führen ihren Erfolg auf Fachwissen zurück
  • 55 % nennen als größten eigenen Gründerfehler einen zu geringen Stundensatz
  • 27 Urlaubstage nehmen Freelancer im Durchschnitt
  • 998 € monatlich werden für Altersvorsorge zurückgelegt

Stundensatz, Tagessatz oder festes Honorar?

Eine erste wichtige Entscheidung für das Honorar, dass ihr für eure Leistung verlangen wollt, ist die Frage, ob ihr nach Stunden, Tagen oder pauschal berechnet.

Freelancer Honorar nach Stundensatz berechnen

Ein Stundensatz ist gängig. Die Vorteile:

  • 90 Euro/Stunde klingt erstmal weniger als 720 Euro/Tag
  • Kunden können sehr genau euer Zeitinvest nachvollziehen
  • ihr seid flexibel bezüglich zu neuen Details und Anforderungen des Auftrages

Die Nachteile sind allerdings nicht zu unterschätzen:

  • administrative Arbeiten und Kosten (siehe oben) müssen im Stundensatz integriert werden
  • Zeitmanagement und Zeiterfassung muss auftragsgenau erfolgen
  • Kunden wünschen sich eigentlich eine Budgetplanung, ihr seid in der Verantwortung, dass das Budget nicht überstiegen wird

In jedem Falle solltet ihr ein gutes System zur Zeiterfassung gleich zu Beginn in euren Arbeitsalltag integrieren.  Das geht heute auch in Form einer mobilen Zeiterfassung per App.

Freelancer Honorar nach Tagessätzen berechnen

Auch Tagessätze sind üblich. Sie geben euch ein bisschen mehr Freiheit in der Arbeitszeit-Planung und könnt in einen Arbeitstag auch die unproduktive Arbeitszeit (etwa für alle die Arbeiten, die zur Koordination eures Unternehmens zählen) unterbringen. Auf der anderen Seite ist der Arbeitstag für den Kunden nicht ganz so leicht nachvollziehbar. Heisst denn ein Tagessatz dann 8 Stunden durchknüppeln? Habt ihr Pausen hinein oder herausgerechnet? Und was passiert, wenn ihr nur halbe Tage daran arbeitet oder gar nur mal eine Stunde Meeting abrechnen wollt?

Modernes Pricing für Freelancer: das Festpreismodell

Beim Festpreismodell schätzt ihr die kompletten Kosten eines Projektes. Dafür müsst ihr die Anzahl der für das Projekt erforderlichen Stunden und euren Stundensatz berechnet und ermittelt daraus einen Gesamtpreis.

Die Vorteile eines festen Honorars:

  • In jedem Falle freuen sich Kunden über das Modell, denn sie können mit einem festen Budget rechnen.
  • Ihr habt erst einmal einen klaren Budgetrahmen und müsst nicht jede (zusätzliche) Stunde rechtfertigen.

Tatsächlich argumentieren einige, dass das Stundenmodell rein psychologisch nicht für moderne Freelancer passt. Denn es basiert letztlich auf dem Verkauf seiner Arbeitsstunden, ist also dem “Tagelöhner”-Prinzip entsprechend. Nicht die eigentliche Leistung (eure kreative Dienstleistung) sondern eure Zeit wird bezahlt.

Die Wertschätzung eurer tatsächlichen Leistung würde sich steigern, wenn Kunden für das Ergebnis bezahlen und nicht für eure Arbeitszeit. Mag sein.

Tatsächlich hat das Festpreismodell aber auch einige praktische Nachteile:

  • Ändern sich die Projektanforderungen, müsst ihr entweder die Mehrarbeit ohne weiteres Honorar leisten oder mit dem Kunden nachverhandeln.
  • Ihr müsst viel Projekterfahrung besitzen, damit eure Schätzung realistisch ist.
  • Sehr klare Kommunikation schon bei Auftragserteilung: Euer Projektmanagement benötigt ein detailiertes Lasten- und Pflichtenheft.

Klarzahlen – so berechnet ihr euer Honorar

Im Idealfall würdet ihr alle Kosten, die ihr wie oben beschrieben, berechnet habt zusammenrechnen, dazu das Unternehmergehalt und dann diese diese Kostenseite auf den einzelnen Arbeitstag herunterrechnen bzw. auf die einzelne Arbeitsstunde.

Ein Tipp: Das solltet ihr auf jeden Fall auch mal tun – denn mit dem Wissen um euer Idealhonorar könnt ihr auch besser abschätzen, wie effizient ihr arbeitet.

Idealhonorar berechnen

So berechnet ihr euer Idealhonorar, folgende Daten braucht ihr:

Alle Kosten (inkl. Gehalt) im Jahr / Potenzielle Arbeitsstage (365 Kalendertage pro Jahr – 104 Tage Wochenenden – 13 Feiertage – 20 Urlaubstage – 12 (durchschnittliche) Krankheitstage – 5 (durchschnittliche) Kinderkrankheitstage) = Tagessatz

Recherche: Freelancer Honorare im Markt checken

Es wäre toll, wenn ihr auf dem Wege des Idealhonorares auch tatsächlich eure Honorarforderungen an eure Kunden berechnen könntet. Es mag ganz besondere Dienstleistungen geben, bei denen ihr mit der Preisgestaltung ganz frei seid. In der Regel aber müsst ihr im Auge behalten, welche Preise im Markt tatsächlich bezahlt werden – sprich, was eure Konkurrenz verlangt.

Dabei können direkte Vergleiche mit freiberuflichen Kollegen euch ebenso helfen wie Studien und Marktanalysen. So findet ihr im Freelancer-Kompass von Freelancermap Durchschnittswerte für das monatliche Einkommen von Freiberuflern aus verschiedenen Fachbereichen.

Durchschnitt bedeutet hier immer, dass die bundesweiten Zahlen auf ein Mittel gebracht werden. Wie die Honorare in euer Region ausfallen, solltet ihr im Detail herausfinden. Helfen können euch dabei auch Projektbörsen für Freelancer.

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