Auf Scha­den vor­be­rei­tet: Mit einer Haft­pflicht­ver­si­che­rung sor­gen Start­ups vor

Auch ein klei­nes Start­up kann gro­ßen Risi­ken aus­ge­setzt sein: Damit das eige­ne Unter­neh­men nicht unter einer Lawi­ne von Scha­den­er­satz­for­de­run­gen begra­ben wird, soll­ten sich Grün­der gegen beruf­li­che Risi­ken absi­chern. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che erklärt Risi­ko­ex­per­te Tobi­as Tess­artz vom Spe­zi­al­ver­si­che­rer His­cox, was eine gute Berufs­haft­pflicht-Ver­si­che­run­gen aus­macht und war­um Grün­der nicht ris­kan­ter arbei­ten als ande­re. Dazu gibt’s prak­ti­sche Tipps für den Versicherungsabschluss.

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Auch ein klei­nes Start­up kann gro­ßen Risi­ken aus­ge­setzt sein: Damit das eige­ne Unter­neh­men nicht unter einer Lawi­ne von Scha­den­er­satz­for­de­run­gen begra­ben wird, soll­ten sich Grün­der gegen beruf­li­che Risi­ken absi­chern. Das gilt für den ein­zel­nen Web-Desi­gner genau­so wie für das Soft­ware­ent­wick­lungs-Trio oder die Func­tio­nal-Food-Fir­ma. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che erklärt Risi­ko­ex­per­te Tobi­as Tess­artz vom Spe­zi­al­ver­si­che­rer His­cox was eine gute Berufs­haft­pflicht-Ver­si­che­run­gen aus­macht und war­um Grün­der nicht ris­kan­ter arbei­ten als ande­re. Dazu gibt’s prak­ti­sche Tipps für den Ver­si­che­rungs­ab­schluss: wie hoch die Deckungs­sum­me sein soll­te, wor­auf man beim Ver­gleich der Ange­bo­te ach­ten muss und war­um die Kos­ten für einen guten Anwalt im Ver­trag ent­hal­ten sein sollten.

Wel­che Ver­si­che­run­gen sind eigent­lich Pflicht für ein Startup?

Das ist zunächst immer eine betriebs­wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung. Wel­che Risi­ken kann und will man sel­ber tra­gen? Wel­che Risi­ken will man aus­glie­dern? Grund­sätz­lich soll­te alles abge­si­chert sein, was exis­tenz­ge­fähr­dend ist. Wenn ich zum Bei­spiel als klei­nes Start­up einen Kun­den gewin­ne, der mir ein Auf­trags­vo­lu­men im Mil­lio­nen­be­reich beschert und die­ser dann gegen mich Haf­tungs­an­sprü­che erhebt, weil irgend­et­was schief gelau­fen ist, dann ist der Traum vom eige­nen Unter­neh­men schnell aus­ge­träumt, wenn ich kei­ne Ver­si­che­rung als Back­up habe.

Also benö­tigt ein Start­up unbe­dingt eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung?

Die­se Ver­si­che­rung ist ja im Kern eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung: Es kann eini­ges pas­sie­ren, je nach­dem in wel­cher Bran­che das Start­up tätig ist. Eine IT-Fir­ma hat zum Bei­spiel eine beson­ders inno­va­ti­ve Buch­hal­tungs­soft­ware ent­wi­ckelt. Bei der Imple­men­tie­rung beim Kun­den wird ein Feh­ler über­se­hen, sodass Buchun­gen falsch berech­net oder besteu­ert wer­den. Oder die Soft­ware ver­ur­sacht einen Sys­tem­aus­fall und der Kun­de macht bei unse­rem Ver­si­che­rungs­neh­mer Scha­den­er­satz­an­sprü­che gel­tend. Die wer­den dann von His­cox übernommen.

Vie­le Start­ups wis­sen gera­de in der Grün­dungs­pha­se noch gar nicht, wohin sie sich ent­wi­ckeln. Wor­auf soll­ten Sie bei einem Ver­trags­ab­schluss achten?

Bei vie­len Wett­be­wer­bern sind nur die expli­zit genann­te Tätig­kei­ten A, B und C einer Fir­ma ver­si­chert. Alles, was nicht genannt wird, ist nicht ver­si­chert. Bei His­cox ist das anders­rum: Wir ver­wen­den offe­ne Bedin­gungs­wer­ke und sagen, dass alle übli­chen Tätig­kei­ten des Unter­neh­mens ver­si­chert sind. Dann schlie­ßen wir even­tu­ell A, B und C aus. Dadurch kön­nen Start­ups ihre Geschäfts­fel­der erwei­tern, ohne den Ver­si­che­rungs­schutz zu verlieren.

Haben Sie ein kon­kre­tes Beispiel?

Blei­ben wir doch bei der IT-Fir­ma: Sie ent­wi­ckelt zunächst nur eine Soft­ware – die­ser Bereich ist durch die Poli­ce abge­deckt. Dann läuft der Laden so gut, dass Imple­men­tie­rung beim Kun­den, Ver­trieb und Coa­ching hin­zu­kom­men: Das sind alles Tätig­kei­ten, die nicht in der Poli­ce ste­hen, aber üblich für ein IT-Unter­neh­men und damit bei uns mit­ver­si­chert sind. Das Start­up kann sich also ganz ruhig ent­wi­ckeln, ohne sich über die Ver­mö­gens­scha­den-Haft­pflicht­ver­si­che­rung den Kopf zer­bre­chen zu müssen.

Was pas­siert mit den Ver­si­che­rungs­prä­mi­en, wenn sich ein Start­up rasant entwickelt?

Bei Ver­trags­ab­schluss fra­gen wir nach dem letz­ten Jah­res­um­satz, oder bei einem Start­up nach der Pro­gno­se für das kom­men­de Jahr. Wenn sich der Umsatz signi­fi­kant erhöht, steigt auch die Prä­mie. Aller­dings nicht pro­por­tio­nal zur Umsatz­ent­wick­lung. Aber: Nur weil sich der Umsatz ver­fünf­facht, ist ja das Risi­ko nicht fünf mal höher. Die Soft­ware ist immer noch die glei­che. Die Fir­ma ist aber rou­ti­nier­ter in ihrem Ver­trieb. Des­we­gen haben wir Spiel­raum bei der Beitragsgestaltung.

Vie­le Start­ups ent­wi­ckeln neue Pro­duk­te oder inno­va­ti­ve Dienst­leis­tun­gen: Wie läuft bei His­cox die Risi­ko-Ein­schät­zung ab, wenn Sie einen neu­en Kun­den versichern?

Es gibt bei uns vier Basis­ta­ri­fe, die sich je nach Bran­che des Kun­den aus­rich­ten. „Con­sult“ ist unser Pro­dukt für Bera­ter und bera­ten­de Unter­neh­men, „Net IT“ für alle Unter­neh­men in der IT- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che. Es gibt ein spe­zi­el­les Pro­dukt für Mar­ke­ting­un­ter­neh­men und Medi­en­agen­tu­ren sowie einen Tarif für alle ande­ren Dienst­leis­ter. Nach die­ser gro­ben Ein­tei­lung gehen wir dann ins Detail und prü­fen für jeden Kun­den den best­mög­li­chen Schutz. Ist ein IT-Unter­neh­men vor­ran­gig bera­tend tätig, oder ent­wi­ckelt es sel­ber Soft­ware und imple­men­tiert sie gege­be­nen­falls sogar beim Kun­den? Das sind natür­lich ver­schie­de­ne Risiken.

Wie tief gehen Sie mit Ihrer Risikoanalyse?

Wir schau­en recht genau hin. Bei der IT-Fir­ma wür­de uns inter­es­sie­ren, wel­che Art von Soft­ware sie ent­wi­ckelt. Ein ein­fa­ches Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm oder eine Soft­ware, die bei Logis­tik­un­ter­neh­men ins Lager­ma­nage­ment ein­greift, oder die Pro­duk­ti­ons­stre­cken mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­men steu­ert? Die Poli­cen wer­den von uns spe­zi­ell auf die Geschäfts­be­rei­che der Fir­men ange­passt, um etwa auch Tätig­kei­ten, die viel­leicht aus dem Rah­men fal­len, mitzuversichern.

Wor­auf soll­ten jun­ge Unter­neh­mer ach­ten, wenn ein Scha­dens­fall eintritt?

Grund­sätz­lich soll­te jeder Scha­den und jeder Ver­dacht, dass ein Scha­den ent­ste­hen könn­te, so früh­zei­tig wie mög­lich ange­zeigt wer­den. Wir kön­nen dann mit unse­ren eige­nen Fach­leu­ten even­tu­ell noch gegen­steu­ern, um den Scha­den für alle Betei­lig­ten zu begrenzen.


Erhöht sich die Prä­mie im Scha­dens­fall, wie man das von KFZ-Ver­si­che­run­gen kennt?

Das kann man pau­schal nicht sagen. Wenn ein Ver­si­che­rungs­fall ein­tritt, über­le­gen unse­re Risi­ko-Exper­ten gemein­sam mit dem Kun­den, wie es wei­ter­geht. Die Prä­mie muss nicht unbe­dingt stei­gen, viel­leicht wird aber der Selbst­be­halt erhöht. Prin­zi­pi­ell ver­su­chen wir immer, mit dem Kun­den Maß­nah­men zu ergrei­fen, damit die­sel­be Art von Feh­ler nicht noch ein­mal passiert.

Wie kon­trol­lie­ren Sie, ob beim Kun­den kon­kre­te Maß­nah­men ein­ge­lei­tet wurden?

Unser Leit­spruch ist: „Who’s the cli­ent?“ Wir wol­len genau wis­sen, wer unse­re Kun­den sind und sie ver­ste­hen. Wir set­zen vor allem auf die Ehr­lich­keit der Kun­den und wol­len viel­leicht eine schrift­li­che Bestä­ti­gung, dass zum Bei­spiel das Qua­li­täts­ma­nage­ment ver­än­dert wur­de. Es ist also vor allem eine Vertrauensfrage.

Start­ups gehen oft mit fri­schen Ide­en an den Markt, deren Risi­ken schwer kal­ku­lier­bar sind: Wie gehen Sie damit um?

Klar, bei Start­ups hat man oft wenig Erfah­rungs­wer­te. Ande­rer­seits ste­cken die Grün­der sehr viel Herz­blut in ihre Unter­neh­men und set­zen Eigen­ka­pi­tal ein. Sie haben also ein natür­li­ches, eige­nes Inter­es­se, dass nichts pas­siert. Und: Die Risi­ken sind im Ver­gleich zu eta­blier­ten Unter­neh­men mit ähn­li­chen Tätig­keits­fel­dern nicht höher, nur weil eine Fir­ma jung ist.

Kön­nen Grün­der spe­zi­el­le Tari­fe in Anspruch nehmen?

Gene­rell bekom­men Fir­men, die bei Ver­trags­ab­schluss jün­ger als ein Jahr sind, einen 15-pro­zen­ti­gen Exis­tenz­grün­der-Nach­lass. Start­ups sind für uns eine inter­es­san­te Ziel­grup­pe: Es ist einer­seits span­nend, die ver­schie­dens­ten neu­en Geschäfts­mo­del­le ken­nen­zu­ler­nen. Ande­rer­seits wol­len wir früh die Basis für eine lang­jäh­ri­ge, ver­trau­ens­vol­le und ver­läss­li­che Geschäfts­be­zie­hung legen.

Wor­auf soll­ten Start­ups beim Ver­gleich ver­schie­de­ner Ver­mö­gens­scha­den-Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen achten?

Auf jeden Fall auf ein offe­nes Bedin­gungs­werk, sodass man nicht bei jeder Erwei­te­rung der Fir­ma eine Ver­trags­er­wei­te­rung abschlie­ßen muss. Wich­tig ist auch, dass die Scha­dens­re­gu­lie­rung unkom­pli­ziert ist: Es ist durch­aus rat­sam, sich dies­be­züg­lich zu infor­mie­ren und auf die Erfah­run­gen von ande­ren Kun­den zurück­zu­grei­fen. Die Ver­si­che­rung soll­te auch eine pas­si­ve Rechts­schutz­ver­si­che­rung sein: Der Ver­si­che­rer hilft mit eige­nen Anwäl­ten aktiv dabei, unbe­grün­de­te Ansprü­che an den Ver­si­che­rungs­neh­mer abzuwehren.

Zur Per­son:

tobias-tessartzTobi­as Tess­artz, Jahr­gang 1988, schloss sein Stu­di­um der Volks­wirt­schafts­leh­re an der Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät Bonn 2012 mit dem Bache­lor ab. 2013 been­de­te erfolg­reich den Mas­ter-Stu­di­en­gang Finan­ci­al Eco­no­mics an Maas­tricht University,Niederland. Seit Okto­ber 2013 ist er bei His­cox Inter­na­tio­nal Trai­nee im Bereich Under­wri­ting Beruf­li­che Risiken.

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