Das richtige Konto für die Gründung einer GbR mit mehreren Gesellschaftern

Für die Gründung einer GbR mit mehreren Gesellschaftern eignet sich eine ganz bestimmte Form von Geschäftskonto. Welche, erfahrt ihr hier.

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Die Gründung eines Unternehmens ist ein Prozess, der viel Planung und Umsicht erfordert. Schließlich können solche Entscheidungen weitreichende Konsequenzen für das gesamte Leben haben. Neben der gewählten Unternehmensform und dem Business-Plan sollten sich angehende Unternehmer jedoch auch Gedanken um die finanzielle Schnittstelle zur Außenwelt machen. Für die Gründung einer GbR mit mehreren Gesellschaftern eignet sich dabei eine ganz bestimmte Form von Konto.

Ein frisch gegründetes Unternehmen benötigt neben einer Geschäftsadresse, einem guten Produkt oder einer Dienstleistung sowie einem guten Businessplan auch ein Girokonto. Diesbezüglich gibt es vor allem bei mehreren Gesellschaftern einiges zu beachten. Wer hat wann Zugriff auf das Konto? Wie wird die Haftung geregelt? Glücklicherweise lassen sich zahlreiche dieser Frage mit einem Gemeinschaftskonto klären.

Die GbR – ein Konstrukt mit mehreren Gesellschaftern

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist eine Gesellschaftsform, die gerade bei der Gründung mit mehreren Gesellschaftern gerne genutzt wird. Dies liegt an der Tatsache, dass sie insgesamt die niedrigsten formalen Ansprüche stellt. Laut existenzgründer.de entsteht sie quasi automatisch, wenn sich zwei oder mehrere Personen zusammenschließen, um einen gemeinsamen Zweck zu erreichen. Dabei existieren folgende Besonderheiten:

Mindestkapital

Es ist kein Mindestkapital vorgeschrieben

Gesellschafter

Mindestens 2, nach oben hin keine Grenze

Haftung

Die Haftung erstreckt sich auf das Gesellschaftsvermögen sowie das Privatvermögen der Gesellschafter.

Gesellschaftsart

Personengesellschaft

Formalitäten bei der Gründung

Keine, da auch eine mündliche Absprache gilt. Wird kein Vertrag festgelegt, gelten die gesetzlichen Bestimmungen.

Natürlich stellt sich auch die Frage der Entlohnung der einzelnen Gesellschafter. Diese erfolgt in Form von Privatentnahmen vom jeweiligen Geschäftskonto. Doch wie lässt sich hier eine Regelung treffen, die einfach und zugleich sicher für alle Beteiligten ist?

Das Gemeinschaftskonto als Lösung für GbR-Gesellschafter?

Im Gegensatz zu vielen anderen Gesellschaftsformen zählt die GbR als der „lockerste“ Zusammenschluss von Geschäftspartnern. Es ist also durchaus möglich, auf ein Geschäftskonto der GbR zu verzichten und die Ausgaben anteilig von den Konten der Gesellschafter zu tätigen. Dies bringt jedoch einige Schwierigkeiten mit sich:

1. Probleme mit den Einnahmen

In Bezug auf die Einnahmen lässt sich eine solche Teilung nicht so einfach vornehmen. Schließlich will die Gesellschaft nach außen hin trotzdem als Einheit auftreten. Hier müssten sich die Geschäftspartner also auf das Konto eines der Gesellschafter einigen. Hier besteht wiederum das Problem, dass dieser daraufhin die Anteile der anderen Gesellschafter an diese überweisen müsste.

2. Stetiges Rechnen

Darüber hinaus können sich jedoch auch bei den Ausgaben Probleme ergeben, da stets gerechnet werden muss, wer wie viel gezahlt hat. Dies trägt zudem nicht gerade zur Übersicht bei.

3. Komplizierte Steuererklärung

In Bezug auf die Steuererklärung wird der gesamte Vorgang noch einmal komplizierter. Es müssen die kompletten Kontoauszüge aller Gesellschafter komplett dokumentiert werden, um die Ausgaben und Einnahmen zu erfassen.

Das Gemeinschaftskonto – Vorteile im Überblick

Ein Gemeinschaftskonto für die Gesellschafter sorgt dafür, dass sich viele der oben genannten Probleme geschickt umschiffen lassen. Dies liegt vor allem an folgenden Möglichkeiten:

1. Zugriff für alle Gesellschafter:

Jeder Gesellschafter kann auf das Konto zugreifen. Dies garantiert Transparenz und Gerechtigkeit.

2. Sicherheitsmöglichkeiten:

Ein Gemeinschaftskonto lässt sich als sogenanntes „Und-Konto“ führen. Dies bedeutet, dass für einen Kontozugriff stets alle Kontoinhaber (Gesellschafter) zustimmen müssen.

3. Einfache Abrechnung:

Da jeder Gesellschafter eine eigene Karte für das Konto erhält, lassen sich auch geschäftliche Reisekosten sehr gut darüber abrechnen.

Die Vorteile machen ein Gemeinschaftskonto zu einer sehr interessanten Überlegung für die Gesellschafter einer GbR. Alle Beteiligten behalten die volle Kontrolle über die Finanzen und trotzdem besteht eine zentrale Finanzschnittstelle, mit der sich Zahlungen tätigen und empfangen lassen.

Was macht ein gutes Gemeinschaftskonto aus?

Für die Auswahl des richtigen Gemeinschaftskontos sollten Gründer sich natürlich die wichtigsten Leistungs- und Kostenmerkmale der jeweiligen Bank anschauen:

1. Kontoführungsgebühren:

Es gibt einige Gemeinschaftskonten für Selbständige, die kostenlos geführt werden können. Dies beschränkt sich im Normalfall jedoch auf die freiberuflichen Tätigkeiten. Somit sind solche Konten vor allem für gemeinschaftliche Arztpraxen und Anwaltskanzleien geeignet.

2. Transaktionskosten:

Gerade bei Konten für Unternehmen werde Transaktionen mitunter extra berechnet. In diesem Fall wird entweder eine hohe pauschale Gebühr bei niedrigen Transaktionskosten erhoben oder umgekehrt. Bei vielen eigenen Buchungen sind Pauschalmodelle oftmals kostengünstiger, wohingegen bei wenigen Buchungen eher auf die Einzelabrechnung gesetzt werden sollte.

3. Finanzielle Flexibilität:

Für einige Gründer ist es gerade zu Beginn sehr wichtig, finanzielle Flexibilität zu haben. Deshalb kann ein Kontokorrentkredit bei entsprechender Bonität sinnvoll sein. Natürlich sollten Interessenten dabei die Zinsen für einen solchen Kontokorrentkredit im Auge behalten.

4. Wichtige Funktionen:

Wenn Gründer für Ihre Produkte oder Dienstleistungen auch die Lastschrift als Zahlungsoption anbieten, sollte das Gemeinschaftskonto diese Option auch bereithalten. Hier kommt es also ganz auf den eigenen Bedarf an.

5. Online-Banking:

Ist das Online-Banking-System einer Bank benutzerfreundlich? Lassen sich alle wichtigen Funktion schnell und intuitiv einrichten? Wenn Interessenten diese Fragen bei einer Bank mit ja beantworten können, spricht dies für ein Gemeinschaftskonto beim entsprechenden Finanzinstitut.

6. Service:

Der Service einer Bank sollte ebenfalls ein wichtiges Entscheidungskriterium darstellen. Wie schnell werden Probleme gelöst? Wie freundlich sind die Mitarbeiter? Wie und in welchem Zeitraum kann die Bank kontaktiert werden? Diese Fragen stehen bei der Service-Beurteilung im Vordergrund.

Die Wahl eines passenden Gemeinschaftskontos sollte grundsätzlich also mit einer gewissen Vorsicht vollzogen werden. Wer vorher genau hinschaut, kann die Kosten niedrig halten und somit den Start für das eigene Unternehmen vereinfachen.

Fazit

Die Gründung eines Unternehmens ist mit vielen Hürden verbunden. Neben der Wahl der Gesellschaftsform, einer guten Geschäftsidee sowie dem Gesellschaftervertrag muss natürlich auch die finanzielle Seite geklärt werden. Hier kommt zum einen die Finanzierung eines Startups in Betracht. Darüber hinaus ist es jedoch auch sehr wichtig, sich Gedanken um die finanzielle Schnittstelle zur Außenwelt Gedanken zu machen. Ein leistungsstarkes Gemeinschaftskonto kann hierbei gerade für eine GbR sehr interessante Dienste leisten. Doch natürlich ist es sehr wichtig, sich verschiedene Konten anzuschauen und das Gemeinschaftskonto zu wählen, welches den eigenen Wünschen und Bedürfnissen am nächsten kommt.

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