Nachfolge Finanzierung – So finanziert ihr den Unternehmenskauf

Ein bestehendes Unternehmen als Nachfolger zu übernehmen, kann eine lohnende Alternative zur Gründung einer eigenen Firma sein. Doch auch hier gilt: ohne Kapital wird es nicht funktionieren. Wie ihr den Unternehmenskauf finanzieren könnt und worauf ihr achten solltet, erfahrt ihr in unserer Übersicht.

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Gründen kostet Geld. Selbst die kleinstmögliche Form der Gründung (im Nebenerwerb) kommt nicht völlig ohne Kapital aus und bei der Übernahme einer Firma als Nachfolger können neben den allgemeinen Gründungskosten noch hohe Beträge an die bisherigen Unternehmenseigner dazu kommen.

Käufer und Verkäufer – zwei Seiten der Medaille

Beim Unternehmensverkauf treffen zwei Seiten aufeinander – die in der Regel erst einmal ganz verschiedene Erwartungen und Ansprüche haben. Während der Verkäufer den best möglichen also höchstmöglichen Kaufpreis für sein Unternehmen erreichen will und am liebsten die Zahlung sofort mit Übergabe der Firma auf seinem Konto hätte, will der Käufer eher einen niedrigeren Preis bezahlen, eigentlich so wenig wie möglich, damit der Start auch nicht von einer hohen Investition belastet ist und hat vor allem ein Interesse daran, dass der Kaufpreis nicht sofort fällig ist. Schliesslich hilft eine möglichst lange Zahlungsfrist dabei, die nicht immer alle sofort überprüfbaren Eigenschaften wie Kundenbestand, Einkaufskonditionen, Rentabilität über die Zeit zu prüfen und zu korrigieren.

Finanzmittelbedarf: das kostet eine Unternehmens-Nachfolge

Der Kaufpreis ist nicht das einzige, was ihr bei der Unternehmensnachfolge auf der Ausgabenseite kalkulieren solltet. Hier eine Zusammenstellung der wichtigsten Kostenpunkte bei der Nachfolge:

Gründungskosten

  • Beratungskosten für Nachfolge
  • Anwaltskosten (Übernahmevertrag, Kaufvertrag usw)
  • Notarkosten
  • Eintragungen Meisterrolle, IHK Mitgliedskosten usw
  • Kosten für Recherche etc.
  • Unternehmergehalt

Kosten direkt aus der Firmen-Übernahme

  • Kaufpreis
  • Abfindung für gekündigte Mitarbeiter
  • Kosten für die Einstellung neuer Mitarbeiter
  • Sachinvestitionen
  • eventuell Kauf von weiteren Gesellschaftsanteilen (von anderen Gesellschaftern)
  • Ablöse für Altverträge

Zusätzliche Kosten während der Nachfolge

  • Reserve für Unvorhergesehenes (Empfohlen werden mindestens 10% des Kaufbetrages)
  • Risikovorsorge

Die Gesamtkosten werden Gründer in Nachfolge selten aus dem privaten Barvermögen zahlen können. Ihr werdet also Kredite aufnehmen oder Finanziers finden müssen, um eure Nachfolge zu finanzieren. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Unternehmenskauf durch Bar-Offerte

Klar, für beide Seiten wäre die Finanzierung der Übernahme eines Unter­nehmens mittels Bar-Offerte die Variante, die sie bevorzugen. Der Vorteil: Ihr habt keine weiteren Kosten für eine externe Finanzierung (also Zinsen, Akquise von Geldgebern usw) und der Verkäufer bekommt sein Geld von einer Person.

Doch die Zahlung des Kauf­preises aus vorhandenen liquiden Mitteln – selbst wenn sie möglich ist – hat auch Gefahren: Als Käufer solltet ihr sicherstellen, dass ihr auch nach dem Verkauf noch genügend Rest­mittel habt. Schliesslich fangen dann die Unsicherheiten erst an und ihr werdet noch so manches Loch stopfen müssen. Tatsächlich lohnt es sich schon deshalb hier, euren Kauf mit Fremdkapital zu finanzieren, weil ihr mit günstigen Zinsen euer Unternehmen liquide haltet.

Unternehmenskauf durch Mezzanine-Kapital

Eine sehr gute Methode, sein Eigenkapital bei der Unternehmensnachfolge zu stärken, sind so genannte Mezzanine-Kredite. Diese hybride Finan­zierungs­form sind (meist nachrangige) Darlehen und gelten steuerlich als Fremd­kapital. Der Vorteil: Die Tilgungs­bedingungen von Mezzanine-Kapital sind in der Regel deutlich flexibler als andere Kredite und das mit langen Lauf­zeiten von bis zu 15 Jahren. Mezzanine wird sowohl von Förder­instituten und auch von privaten Anbietern angeboten.

Unternehmenskauf durch den klassischen Bankkredit

Die wohl klassischste Form, eure Unternehmens­nachfolge zu finanzieren, ist ein Bankkredit. In der Regel werdet ihr euch zu eurer Hausbank begeben, um einen entsprechenden Kredit zu erhalten. Doch aufgepasst: Es gibt Banken, die sich auf diese Art der Finanzierung spezialisiert haben, eventuell sind dort besser Konditionen zu bekommen. Und in der Regel hilft es auch, wenn ihr in eure Fremdkapital-Kalkulation staatliche Unterstützung einplant (siehe Förderungen).

Unternehmensnachfolge finanzieren mit Leveraged-Buy-Out

Eine weitere Form der Finanzierung einer Unternehmens­nachfolge ist der Leveraged-Buy-Out, bei dem ein über­pro­portional hoher Betrag über Fremd­kapital finanziert wird und so das Eigen­kapital gehebelt wird. (Begriffserklärung: to leverage, englisch für hebeln).

Möglich ist diese Nachfolge-Finanzierung dann, wenn ein hoher Cash-Flow beim über­nommenen Unter­nehmen nachgewiesen werden kann. Denn darüber sichert sich der Kreditgeber den Rückfluss des hohe Fremd­kapitals.

Der Vorteil: ihr bekommt mehr Fremdkapital als beim normalen Kredit, allerdings sind die Kosten für Leveraged-Buy-Out auch höher, da das Risiko für die Bank auch größer ist.

Unternehmenskauf mit Verkäuferdarlehen (Vendor Loan)

Beim Verkäufer­darlehen wird in der Regel ein Teil der Kauf­summe aus Eigen­mittel des Nach­folgers finanziert und der Rest über ein Vendor Loan (also einem Darlehen, dass der Verkäufer dem Käufer einräumt).

Ihr könnt das auch als vertrauensbildende Maßnahme verstehen: der Verkäufer traut euch zu, seinen Laden auch ohne ihn erfolgreich zu führen und damit die Rückzahlungsraten von seinem Darlehen zurückzahlen zu können. Und ihr könnt darauf vertrauen, dass er euch kein Unternehmen verkauft, dass mit soviel Risiko behaftet ist, dass ihr keine Darlehensraten mehr zahlen könnt. Es braucht also beidseitiges Vertrauen, umso mehr als dass die Vendor Loans in der Regel als Nachrang­darlehen gegenüber Fremd­finanzierungen gewertet werden.

Unternehmensnachfolge mit einem Earn-Out finanzieren

Die Earn-Out Klausel ist weniger eine Finanzierungsform als eine zusätzliche Vereinbarung, mit der ihr euren Finanzierungsmix günstig gestalten könnt. Das Prinzip ist simpel: In den Unter­nehmens­kauf­verträgen definiert ihr einen Anteil des Kauf­preises, der zu einem späteren Zeit­punkt erfolgs­abhängig bezahlt wird.

Euer Vorteil als Nach­folger: Durch diese Earn-Out-Klauseln könnt ihr die Raten davon abhängig machen, dass bestimmte Ziel­werte wie EBITDA oder EBIT erreicht werden.

Auch das stärkt das Vertrauen: Ihr könnt eure Skepsis gegenüber der Prognosen vom Verkäufer und damit auch der gesamten Be­wer­tung des Unter­nehmens durch Earn-Out-Klauseln mindern.

Finanzierung durch Fördermittel für Unternehmensnachfolge

Es gibt ein großes staatliches Interesse daran, dass bestehende und in der Regel gut laufende Unternehmer einen Nachfolger finden. Deshalb gibt es einige Förderprogramme, die genau diese Form der Gründung in der Finanzierung unterstützen.

Zu dieser Unterstützung gehören

  • Beratungs- und Informations­förderungen
  • zinsgünstige Dar­lehen (etwa durch die KfW)
  • Zuschüsse (häufig auch regionale Programm)
  • Bürg­schaften
  • Beteiligungen
  • Haftungs­frei­stellungen und
  • tilgungsfreie Anlauf­zeit

Diese Form der Finanzierung ist eine so wichtige in eurem Finanzierungsmix, dass wir für euch einen extra Fachartikel zur Übersicht der Fördermöglichkeiten 2021/2022 erstellt haben.

Crowdfunding zur Unternehmensnachfolge

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, dass die Crowd eher an neuen Produkten und jungen Startups interessiert ist… ihr solltet das Crowdfunding als Finanzierungsform für eure Nachfolge nicht ausser acht lassen. Denn immerhin gibt es bei bestehenden Unternehmen schon eine (möglicherweise auch große) Kunden- und Freundezahl. Ihr habt also eventuell schon eine Crowd. Und die könnte an dem Erhalt des Unternehmens durchaus Interesse haben.

Wie das Crowdfunding genau funktioniert und wie ihr am besten eine Kampagne für eure Gründung aufsetzt, erfahrt ihr hier: Crowdfunding für Startups – So finanziere ich mein Projekt durch die Crowd

Finanzierung der Nachfolge durch spezielle Wettbewerbe

Auch wenn man mit Preisgeldern erst mal schlecht rechnen kann: Ihr solltet auch die Gründerwettbewerbe, die häufig auch spezielle Kategorien für die Unternehmensnachfolge beinhalten, als mögliches weiteres finanzielles Standbein nicht vergessen.

Denn neben einem Preisgeld winkt hier auch viel Aufmerksamkeit, kostenlose PR, die euren Start ins Geschäftsleben unterstützen kann.

So werden beim she suceeds award, ehemals Next Generation Award, erfolgreiche Nachfolgerinnen ausgezeichnet und zudem Wegbereiter, die Unternehmerinnen mit ihrem Wirken die Nachfolge erleichtern.

Auch der Hessischer Gründerpreis zeichnet mit einer separaten Kategorie zukunftsfähige Nachfolge aus und gibt Nachfolgern damit eine Plattform und mehr Sichtbarkeit.

Der Wettbewerb KfW Award Gründen würdigt herausragende Leistungen von Unternehmen und Unternehmensnachfolgern und vergibt Preisgelder in Höhe von insgesamt 35.000 Euro an die Landessieger und den Bundessieger.

Alle Gründerwettbewerbe findet ihr in unserem Eventkalender.

Unternehmenskauf finanzieren: Findet den richtigen Mix

In aller Regel werdet ihr nicht nur einen Weg der Finanzierung eurer Unternehmensnachfolge wählen – der sinnvolle Mix macht es. Dafür solltet ihr externe Experten hinzu­zu­ziehen und deren explizites Fach­wissen und deren Erfahrungen zu nutzen.

Neben den oben genannten klassischen Wegen der Nachfolge-Finanzierung können natürlich auch andere Wege, an Geld zu kommen, für euren Unternehmenskauf helfen. In Frage kommt vielleicht eine Finanzierung über ein ICO

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