Das schnelle & geheime Geld: ICO-Finanzierung für Startups

Venture Capital – für viele innovative Startup-Unternehmen Schnee von gestern. ICO hingegen scheint das neue Zauberwort: Die Finanzierung durch das sogenannte Initial Coin Offering, basierend auf Kryptowährungen. Doch was steckt wirklich hinter dem derzeitigen Heiligen Gral der Gründerszene? Lohnt es, auf das hohe Risiko und die komplizierten Regularien dieses innovativen Crowdfundings einzugehen?

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Ebenso wie beim herkömmlichen Crowdfunding, finanzieren Investoren mit ihrem „Token Sale“ beim ICO ein spezielles Projekt oder Unternehmen. Der Unterschied: Während diese sich beim Erstgenannten sich noch in der Planung befinden, erwerben die Geldgeber beim ICO bereits Anteile, teils sogar bestimmte Rechte (Storjcoin). Basierend auf der Blockchain-Technolgie werden die neuen Kryptowährungen geschaffen. Das finanzierte Unternehmen händigt den Geldgebern als Anteile diese Coins bzw. Tokens aus und erhält dafür selber oft Bitcoins, Ether oder eine andere Kryptowährung.

Fachleute erkennen hierbei zahlreiche Vorteile gegenüber offengelegten Finanzgeschäften – unter anderem eben deren Anonymität.

Initial Coin Offering (ICO) – kurz erklärt

Bei einem Initial Coin wird ein Anteil einer künftigen Kryptowährung im Austausch gegen staatlich emittierte oder andere Kryptowährungen verkauft. Weltweit ist es Interessenten möglich, über eine Online-Plattform Tokens zu erwerben und im Gegenzug das Unternehmen mitzufinanzieren. In den USA gewinnen ICOs und Token Sales mit rasanter Geschwindigkeit an Popularität. Und auch hier setzen Experten aus der Gründerszene immer öfter auf diese Form der Unternehmensfinanzierung. Zum ersten Mal erfolgte der Verkauf sogenannter Tokens im Sommer 2013 durch Mastercoin. Knapp ein Jahr später zog das ICO von Karmacoin nach.

ICO für Startups – Beispiele: Heute gibt es über 30 dokumentierte Websites mit ICOs. Der Run auf diese spricht Bände: Im Juli 2017 generierten die über 60 ICO-Angebote des damals neuen Webbrowsers Brave innerhalb einer halben Minute rund 35 Millionen US-Dollar! In Deutschland war die Berliner Wysker UG Vorreiter beim Verkauf von Token. Inzwischen haben viele Start-ups aus Deutschland nachgezogen und konnten durch ICOs bereits erfolgreich finanziert werden. Hierzu zählen unter anderem Lisk und IOTA, Gnosis, Simpletoken, Raiden und SwipeStox. Und mehr als 100 weitere, darunter Savdroid, CloudEO oder Brickblock, planen für das laufende Jahr.

Initial Coin Offering (ICO) – Risiken für Anleger

ICOs als Ersatz für Venture Capital oder Projektfinanzierungen bergen Risiken. Diese werden in einem White Paper festgehalten und sind abhängig von der Ausgestaltung der Token, die alle online vertrieben werden. Daher gelten grundsätzlich die Regularien des Fernabsatzrechtes. Weitergehend wird zwischen Intrinsic bzw. Native Tokens wie Bitcoin oder Etherium und Assed-backed Tokens unterschieden. Bei den Letztgenannten hat der Geldgeber einen Anspruch auf eine bestimmte Leistung oder ein Produkt.

Nachteile – Mehr Regulierung als erwartet

Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Ansicht sind Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Litecoin reguliert. Bei ICOs mit einem Inlandsbezug greifen die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen des deutschen Rechts. Kontrolliert werden sie von der Bundesanstalt für das Finanzdienstleistungsrecht. Wegen des Internet-Vertriebs werden regelmäßig auch das Bankenaufsichts-, Datenschutz-, Fernabsatz sowie Steuer und Gewerberecht berührt. Wer gegen Vorgaben verstößt, der muss mit Bußgeldern, Schadens- und Unterlassungsansprüchen rechnen. Die jeweiligen wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu erkennen, ist äußerst kompliziert und sollte den Experten überlassen werden.

Vorteile – Mehr (potenzielle) Investoren als irgendwo sonst

Es gibt aber auch zahlreiche Vorteile: Einen fast unbegrenzten Kreis möglicher Investoren, die weltweit erreicht werden können. Eine beinahe automatisierte Abwicklung über die Blockchain ohne Zwischenstationen. Äußerst geringe Emissionskosten, einen potenziellen Handel über den Zweitmarkt sowie eine Implementierung von Programmen für Mitarbeiter. Besonders gerne wird allerdings auf die Anonymität der beteiligten Personen verwiesen.

Anonymität: wesentlicher Vorteil der ICOs

Da Venture Capitalists oder Banken bei Kryptowährungen nicht mit einbezogen werden, ist die Anonymität besonders hoch. Die in Panama angesiedelte Firma Eroiy eines Schweizer Investors etwa möchte mit der gleichnamigen Kryptowährung die Erotikindustrie befeuern. Wer ein Startup-Unternehmen in dieser Branche eröffnen möchte, weiß um die Sorge der potenziellen Partner und Kunden. Denn noch immer wird dieser Industriezweig von Vielen mit Argwohn betrachtet. Eroiy plant die Ausgabe von insgesamt 1,2 Milliarden Einheiten einer gleichnamigen Kryptowährung auf Basis des Blockchain-Protokolls New Economy Movement. Ende Februar dieses Jahres war die Erste von insgesamt zwei Finanzierungsrunden abgeschlossen, es wurden mehr als 13 Millionen US-Dollar in dem virtuellen Börsengang eingenommen.

Die Anonymität der Kryptocoins und der Schutz der persönlichen Kundendaten sollen durch ein eigens hergestelltes E-Wallet garantiert werden. Hierbei wird eine Extraschicht zwischen Wallet und Blockchain-Eintrag gelegt. Als Resultat wird die Kennung für den Nutzer und die virtuelle Geldbörse von einer Transaktion getrennt, eine Nachverfolgung, wer was wann erstanden hat, ist nicht mehr möglich. Statt persönlicher Daten nutzt der User ein Passwort und eine Code-Nummer bei seiner Bezahlung, die auf der nicht identifizierbaren E-Wallet-Adresse generiert werden.

Gaming-Szene nutzt ICO-Konzept

Auch in der Welt des Online-Gaming können die Token überzeugen: Zu den Pionieren der Gaming-Tokens gehört MobileGo (MGO), ein im Sommer 2014 gestarteter Dual-Blockchain-Token von Ethereum / WAVES. MobileGo ist die Schwesterwährung von GameCredits (GAME), einer der ersten ICOs für Gaming-Tokens. MobileGo dient als das Mutterschiff für die Entwicklung von dezentralen Anwendungen einschließlich eSport-Wetten und In-Game-Integration.

Das Angebot von MGO umfasst zwar offiziell 100 Millionen Euro, aber tatsächlich sind Token im Wert von 200 Millionen Euro erhältlich. Das liegt daran, dass die WAVES (WMGO) und Ethereum (EMGO) MobileGo-Token beide je über 100 Millionen Euro verfügen. Nach der Jahreshauptkonferenz, die im Mai 2017 stattfand, hatten die Anleger die Wahl, WMGO oder EMGO zu kreditieren. Für jedes verteilte WMGO und EMGO existiert ein gefrorenes Gegenstück auf der gegenüberliegenden Blockchain. Wenn zum Beispiel 70% des Angebots im Ethereum-Netzwerk beansprucht würden, würde die gleiche Anzahl (70 Millionen) Token im Waves-Netzwerk eingefroren sein.

Mit dieser Implementierung kann GNation Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die die Stärken beider Plattformen ausspielen. Mit anderen Worten, sie beinhalten die Leichtigkeit und das Potenzial von Ethereum Smart Contracts sowie die Geschwindigkeit von Waves. MGO bietet vertrauenswürdige und dezentrale Anwendungen, wie sie noch nie zuvor gesehen wurden, wie zum Beispiel im Bereich der Online-Spielwetten.

Mit Kryptowährung sparen – FinTech-Startup startet ICO

Das auf Artificial Intelligence spezialisierte FinTech-Unternehmen savedroid AG startete Ende 2017 den ersten deutschen ICO zur Blockchain-Inklusion. Damit sollen Nutzer ihre Sparbeträge einfach in Bitcoin oder Ethereum tauschen und sicher speichern können. Damit will savedroid erstmals auch Otto Normalsparern einen einfachen Zugang zu Kryptowährungen ohne technologische Adaptionsbarrieren bieten.

„Die Zugangsbarrieren zu Kryptowährungen sind extrem hoch: Angefangen bei der Auswahl und Registrierung bei einer Kryptobörse, über die Auswahl und Verwaltung einer Wallet, bis hin zum Speichern der persönlichen Keys handelt es sich um höchst komplexe Prozesse. Wir sind der Überzeugung, dass es einer grundlegenden Vereinfachung bedarf, um Kryptowährungen für Otto Normalverbraucher zugänglich zu machen. Genau das ist das Ziel von savedroid. Wir eliminieren die Zugangsbarrieren und ermöglichen erstmals Krypto-Sparen für Jedermann“, sagt Dr. Yassin Hankir, Gründer und CEO der savedroid AG.

ÜBerblick: Diese Kryptowährungen gibt es

  • Bitcoin: seit 2009, Marktwert derzeit rund 160 Milliarden US-Dollar, hohe Sicherheit, hoher Stromverbrauch
  • Litecoin: seit 2011, Marktwert derzeit rund 425 Millionen US-Dollar, schnelle Transaktionsrate
  • Auroracoin: seit 2014, Marktwert derzeit rund 151 Millionen US-Dollar, echte Währung ab 25. März: jeder Isländer soll 31,8 Auroracoins erhalten
  • Peercoin: seit 2012, Marktwert derzeit rund 58 Millionen US-Dollar, energiesparend, User erhält seine Coins nach dem Zufallsprinzip
  • Dogecoin: seit Dezember 2013, Marktwert derzeit rund eine Milliarde US-Dollar, Internet-Meme Doge zeigt das Bild eines japanischen Shiba-Hundes
  • Ripple: keine freie Währung, wird ausschließlich im Netzwerk von Ripple Labs erzeugt und verteilt

ICO & Co: Wo kann man sich weiter informieren?

Wer englisch versteht, ist hier klar im Vorteil: Die weitgehendsten Informationen sind in der Regel auf Englisch erhältlich. Hier eine Auswahl an Quellen in der Blockchain- und Kryptowelt: Wer Updates zu Startterminen künftiger ICOs sucht, der kann auf der Plattform ICO Alert seine E-Mail-Adresse angeben. Die Listen werden automatisch zugesandt und sind chronologisch sortiert. Übersichtliche Basisinformationen wie Studien, Profile, Analysen und Marktberichte zu Kryptowährungen und Schwellentechnologien findet man bei der Smith + Crown Forschungsgruppe.

Der ICOindex hat eine Extrafunktion, durch die Unregelmäßigkeiten oder ein Betrugsverdacht mitgeteilt und Investments so abgesichert werden können. Ein sogenanntes Social-Media-Barometer hält der Token Market bereit. Hier wird auch die Umsetzung von ICOs angeboten. Am größten und bekanntesten schließlich ist mit Bitcointalk.org das offizielle Bitcoin-Forum – und daher auf Englisch und Deutsch erhältlich. Hier findet man alles, was man schon immer über Blockchain, Bitcoin und andere Kryptowährungen und Altcoin-Projekte wissen wollte.

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