Basics: Welche Rechtsform passt für mein Unternehmen?

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Schon in einer frühen Phase eurer Gründung werdet ihr vor der Frage stehen, wie ihr eure Firma rein rechtlich organisieren wollt. Startet ihr als Freiberufler, als Einzelunternehmer oder plant ihr eine GmbH und geht den Umweg einer UG (haftungsbeschränkt)? Oder ist eure Geschäftsidee so kapitalintensiv, dass ihr gleich zur Aktiengesellschaft neigt?

Wenn ihr wissen wollt, welche Rechtsform für euer Unternehmen am besten passt, dann haben wir hier für euch die 9 wichtigsten Fragen und Entscheidungshilfen zusammengestellt. Wir zeigen euch hier:

  1. Anzahl der Gründer: Was die passenden Rechtsformen für ein oder mehrere Gründer sind,
  2. Haftung: Bei welcher Rechtsform ihr die Haftung reduzieren könnt,
  3. Stammkapital: welche die richtige Rechtsform für euer Stammkapital ist,
  4. Firmennamen: bei welcher Rechtsform ihr euren Firmennamen frei bestimmen könnt,
  5. Gründungsformalien: wie die verschiedenen Rechtsformen bezüglich Formalien zu unterscheiden sind,
  6. Buchhaltung: was ihr beim Thema Buchhaltung beachten müsst
  7. welche Steuern bei den Rechtsformen anfallen und
  8. Gründungskosten: welche Rechtsformen euch beim Start wieviel kosten,
  9. Pro Investor: welche Rechtsformen sind für Investoren eignen.

Dabei vergleichen wir das Einzelunternehmen, die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), die Offene Handelsgesellschaft (OHG), die Kommanditgesellschaft (KG), die Unternehmergesellschaft UG (haftungsbeschränkt), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Partnergesellschaft (PartnerG) und die Aktiengesellschaft (AG).

Eine ausführliche Übersicht dieser Rechtsformen und ihre Vor- und Nachteile findet ihr in unserem Artikel Unternehmensformen im Überblick: Das müsst ihr über UG, GmbH, Einzelunternehmer, AG, GbR und KG wissen.

1. Mit wie vielen Gesellschaftern wollt ihr gründen?

Allein als Einzelkämpfer oder gleich mit einem Partner? Ein Geldgeber dabei, der auch strategisch ins Unternehmen eingreifen soll oder doch gleich mit dem Geld vieler? In Ausübung eines so genannten Freien Berufes oder tatsächlich als Händler? Ihr solltet wissen, wer mit wem und dann entsprechend der Anzahl an Gründern und ihren geplanten Funktionen im Unternehmen die richtige Rechtsform wählen.

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Ein Gründer
Mehrere Gründer

2. Die passende Rechtsform: Wie wichtig ist eine reduzierte Haftung eures Unternehmens?

Davon habt ihr sicher alle schon gehört: Wie man mit seinem Unternehmen haftet, ist ein wesentlicher Teil der Entscheidung für die richtige Rechtsform. Haftet ihr unbeschränkt, dann meint das euer gesamten Vermögen inklusive des Privatvermögens. Eine Begrenzung der Haftung ist durch die Wahl der Rechtsform oder die Festlegung auf ein Haftungskapital möglich.

Grundsätzliche Haftung in Personengesellschaften: Die Haftung ist grundsätzlich nicht beschränkt, sie erfolgt auf Ebene der Gesellschafter, nicht der Gesellschaft.

Grundsätzliche Haftung in Kapitalgesellschaften: Üblicherweise ist eine Kapitalgesellschaft auf Höhe des Kapitals, der Einlage etc beschränkt. Das kann unter Umständen anders sein, wenn Sorgfaltspflichten verletzt werden.

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Persönliche Haftung

3. Rechtsform mit Startkapital: Gründet ihr mit oder ohne Stammkapital?

Ohne Startkapital zu gründen – das ist eh nicht ratsam. Denn alleine für den Gründungsprozess benötigt ihr einen gewissen Betrag, ganz abgesehen davon, was es an Geldmitteln braucht, um euer Business tatsächlich in Gang zu bringen.

Drei der Gesellschaftsformen geben ein Mindeststammkapital vor – vor allem auch deshalb, weil diese Gesellschaften nur mit diesem Kapital haften. Bei der GmbH sind das 25.000 Euro, wovon 12.500 Euro tatsächlich bei der Gründung eingezahlt werden müssen. Bei der AG sind es 50.000 Euro. Die UG (haftungsbeschränkt) als Mini-GmbH kann mit 1 Euro Mindeststammkapital gegründet werden.

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ohne Mindestkapital

4. Welche Firmenbezeichnung lässt die Rechtsform zu?

Die SUPERTOLLE IDEE GmbH könnt ihr ohne weiteres gründen, aber dürft ihr euch auch HANS DIETER SUPERTOLL GbR nennen? Tatsächlich zieht das deutsche Recht ziemlich klare Vorgaben, wie ein Unternehmen zu heißen hat. Bei der GmbH habt ihr da große Freiheiten. Bei der GbR hingegen gar nicht.

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Fantasienamen zulässig

5. Formalien der passenden Rechtsform: Das müsst ihr bei der Gründung beachten

Aufwand macht die Gründung eines Unternehmens immer. Und wenn ihr nicht gerade als Einzelunternehmer aktiv seid, wo ihr im Zweifel sowieso mit keinem weiteren Gesellschafter und Unternehmer Absprachen machen müsst, dann ist das ein wesentlicher Faktor, den ihr bei der Wahl der richtigen Rechtsform beachten sollte.

Einen Gesellschaftsvertrag solltet ihr immer schriftlich niederlegen – auch unter GbR Gesellschaftern sollte das so geschehen. Häufig merkt man erst beim Niederschreiben, welche wichtigen Regelungen ihr bisher gar nicht bedacht habt. Außerdem sorgt ihr unter einander für Rechtssicherheit und Klarheit.

Das Aufsetzen eines Gesellschaftsvertrages muss nicht so schwierig sein … Musterprotokolle helfen hier:

  • hier findet ihr das UG-Paket, darin enthalten die kompletten Unterlagen zur Gründung einer UG (haftungsbeschränkt)
  • wie ihr eine GbR gründet erfahrt ihr hier Schritt für Schritt inklusive Mustervertrag
  • und auch unsere Anleitung zur GmbH gründen beinhaltet ein Musterprotokoll.
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Gewerbeanmeldung
Anmeldung Finanzamt
Eintrag Handelsregister
Notartermin nötig
Gesellschaftsvertrag zwingend

6. Buchführung – Was fordert die Rechtsform von euch?

Auch so ein richtig spannendes Thema für Gründer: Was, wie und Warum müsst ihr bei der Buchführung beachten. Reicht eine einfache Einnahmen/Ausgaben-Rechnung, müsst ihr Bilanzen führen oder was ist doppelte Buchführung? Und kann ich das alles auch alleine?

Wir haben für euch schon eine ganze Reihe von Fachartikeln, die euch bei der Buchhaltung helfen können:

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Buchführung nach EÜR
Bilanzierungspflicht
Offenlegung Jahresabschluss

7. Welche Steuern fallen bei eurer Rechtsform an?

Die Steuerbelastung, das ewiger Graus des Unternehmers. Auch wenn es zu Beginn eurer Gründung noch nicht absehbar ist, dass euch die Steuer schwer belasten wird – denkt es schon früh mit. Denn mit den Umsätzen kommen die Steuern…

Übrigens Kleinunternehmerregelung: Die ist nicht an irgend eine Rechtsform gebunden sondern bezieht sich ausschließlich auf die Umsätze: Anspruch auf den Kleinunternehmer-Status haben Unternehmer und Selbstständige, deren Umsatz mit umsatzsteuerpflichtigen Lieferungen und Leistungen im Vorjahr nicht über 17.500 Euro gelegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro betragen wird.

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Einkommenssteuer
Umsatzsteuer
Lohnsteuer
Körperschaftssteuer
Gewerbesteuer
Freibetrag Gewerbesteuer24.500 Euro24.500 Euro24.500 Euro24.500 Euro24.500 Euro
Kleinunternehmerregelung möglich

8. Gründungskosten

Auch nicht unwichtig, denn ihr wollt natürlich möglichst wenig Geld zum Start in die Administration stecken, sind die Kosten der Gründung einer Rechtsform. Während ihr für den Start als Einzelunternehmer im Zweifel gar nichts bezahlen müsst, wird es vor allem bei Kapitalgesellschaften schnell teuer: Eintragung im Handelsregister, notarielle Beglaubigungen, Vertragsentwürfe durch den Anwalt usw. – da kommt so einiges zusammen. Wir haben euch hier die typischen, also in der Regel unumgänglichen Kosten einer Gründung zur jeweiligen Rechtsform zusammengestellt.

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Gründungskosten0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro

9. Welche Unternehmensrechtsform ist für die Investorensuche geeignet?

Investoren wollen neben tollen Ideen, großartigen Gründerteams und einem validen Businessmodell vor allem eines: ein rechtssicheres Unternehmen. Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. Am besten passen deshalb alle Rechtsformen, die ihre Haftung beschränken können. Damit riskieren Investoren zwar das Geld, das sie investiert haben. Aber nicht ihr Privatvermögen.

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Investoren lieben es

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