Geschäftsideen entwickeln (1) - 6 erfolgreiche Brainstorming-Methoden zur Ideenfindung

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Die Mutter des Erfolges ist eine großartige Idee. Doch wie findet man die? Wer darauf wartet, von der Muse geküsst zu werden, verpasst in den meisten Fällen den großen Moment. Man kann aber auch strukturiert und systemisch an die Suche nach einer Idee gehen. Welche wichtigen Brainstorming-Methoden es gibt und wie sie funktionieren, zeigen wir hier.

Der Klassiker beim Brainstorming: die Pinnwandkarten

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Klar, klingt in Zeiten von IT und Onlinetools ein bisschen fade. Ist es aber nicht, denn physische Ergebnisse wie Pinnwandkarten mit Karteikarten & Stecknadeln sorgen für Erfolgserlebnisse. Wichtig: Kritisiert nicht gleich, was andere vorschlagen. Jede Ideen des anderen ist es wert, erst einmal weiterzuverfolgen.

Die Methode – so gehts

Mit diesen Techniken könnt ihr das Brainstorming strukturieren:
Die Fragetechnik: Es gelten die berühmten „Ws“: Wer, Wo, Was, Wann, Warum, Weswegen? Wer braucht unser Produkt? Wann braucht man es? Wann wurde ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht? Weshalb lief es/lief es nicht? Was ist das Gute an unserem Produkt? Wo liegen die Schwachstellen?
Die Umkehrtechnik: Anstatt zu fragen „Wer braucht es“ spielt man das Gegenteil durch. „Wer braucht unser Produkt nicht und warum?“ Oder: „Wie schaffen wir es, unser Produkt nicht zu verkaufen?“ „Wie bekämen wir weniger Traffic auf unserer Seite?“. Das ist gut zur Auflockerung und bietet ersten Initialzündung, was falsch läuft und was richtig wäre.
Die Konjunktiv-Methode: Was müsste passieren, damit… So geht ihr hier an die Suche heran. Setzt euch keine Grenzen. Alles ist theoretisch möglich.
Die Scribble-Methode: Der Oberhammer der Visualisierung: Eure Idee oder Frage als Bild, Comic oder Infografik. Je bunte, je besser. Denn so bekommt man Lust aufs Thema und die Farben und Bilder sorgen für Assoziationen Hängt das Bild groß auf und diskutiert.

Das Hemingway-Notizbuch – Geschäftsideen gezielt sammeln

Auch wenn die Geschichte mit dem Hemingway-Notizbuch nur ein PR-Gag von Moleskine war… Schon die berühmten Dichter und Denker wußten, dass Ideen nun mal nicht gerne auf Bestellung am Schreibtisch kommen, sondern einen meist überraschen. Sie entstehen in der Dusche, beim Spazierengehen, im Gespräch. „Es gibt keine Fakten im Büro, also gehen Sie nach draußen und sprechen Sie mit den Kunden“, schrieb schon Steve Blank in seiner Anleitung „The Startup Owners Manual“. Nehmt also immer euer Ideenbuch mit.

Die Methode – so gehts

Prinzipiell heisst es nicht anderes, als sein Notizbuch immer dabei haben. Mit der Zeit lernt ihr auch, was ihr eigentlich aufschreiben müsst: Unterscheidet Probleme, Lösungsideen, Hypothesen, Geschäftsmodelle… Auch das Wie spielt eine Rolle: Sortiere ich nach Kategorien? Bekommt jede Idee eine neue Seite? Lasse ich neben der Idee immer 2-3 Seiten Platz, um eine „Schnellvalidierung“ der Idee durchzuspielen? Sortiere ich nach Datum? Oder Themen? Wichtig ist es, sich eine Art Routine anzugewöhnen, z.B. jeden Abend die Notizen nochmal durchzugehen, damit das Unterbewußtsein über Nacht nach Lösungen sucht. Wer eine Idee aufschreibt, kann auch auf der Nebenseite immer einen ähnlichen Ablauf durchspielen: Was ist das gute an dieser Idee? Was kann man besser machen? Wo liegen Fehlerquellen? Wer hat ähnliches schon erfolgreich aufgesetzt?

In dieser Phase hilft die Methode: Immer. Sich Ideen, Anregungen aufzuschreiben und zu sammeln ist eine Angewohnheit und ist die Grundlage für neue Geschäftsideen, sowie Innovationen & Verbesserungen bei bereits vorhandenen Ideen.

Solo vs. Team: Das ist eindeutig eine Solo-Brainstorming-Methode. Allerdings kann man einen zentrale „Ideensammelstelle“ anlegen, die muss dann aber thematisch klar definiert sein, sonst wirds schnell chaotisch.

Tools & Tipps: Wer gerne einen Timeplaner nutzt, sollte sich spezielle Brainstorming-Papiere holen. Für Filofax gibt es sogar MindMapping-Papier. Wer schon eine Geschäftsidee mit sich trägt und nach Anregungen zur Umsetzung sucht, kann sich auch – wie zum Beispiel bei brandbook – sein Notizbuch branden lassen. Das ist laut NLP gut, um die Idee schon real ins Bewußtsein zu rufen. Wer eher digital unterwegs kann das berühmte Moleskine-Notizbuch jetzt auch als App nutzen.

MindMapping & BusinessMindMaps – Geschäftsmodelle visualisieren und gezielt entwickeln

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Eine der bekanntesten Brainstorming-Methoden, um gezielt und strukturiert Ideen zu sammeln und übersichtlich darzustellen, sind Mindmaps.

Die Methode – so gehts

Die Idee steht beim MindMap im Zentrum. Dabei kann man unterscheiden, ob man einen allgemeinen Begriff in die Mitte setzt (Geschäftsideen oder Selbstständig machen), ein Problem (Kontowechsel bei Banken) oder schon eine bestimmte Idee (Blumenladen oder Spanisch-Lern-App).

Das Kochrezept: Nehmt ein Blatt im Querformat, schreibt den Hauptgedanke in die Mitte (umkreist ihn oder benutzt ein Bild oder Icon als Zentrum. Von diesem zentralen Gedanken gehen die Äste ab, die ihr farbig unterscheide solltet, darin: Assoziationen zum zentralen Punkt. Die Hauptgedanken schreibt ihr in Großbuchstaben und werdet immer kleiner. Ein Mindmap kann jederzeit unterbrochen, fortgeführt und erweitert werden. Prima Methode, um die beim Brainstorming oder die im Notizbuch gesammelten Ideen zu sortieren/weiterzuführen. Eine ausführliche Anleitung findet ihr in unserem Fachartikel „How to“ Mindmap: 7 praktische Schritte zum Profi Mind Map“.

In welcher Phase: In jeder Phase – als Vorbereitung zum Businessplan, oder Business Canvas Modell (hier: jeder für sich, danach im Team), in späteren Phasen zur Zeit und Projektplanung, ist das Mindmapping geeignet.

Tools & Tipps für Mindmaps

IMindMap ist das Tool von Tony Buzan, dem Erfinder, Es gibt allerdings auch eine Menge Online-Tools. In unserem Fachartikel „Unsere Top 10: Coole Tools um Mindmaps online zu erstellen“ findet ihr eine gute Übersicht.

Die 6-3-5 Methode: In 30 Minuten 108 Geschäftsideen am laufenden Band produzieren

Ideen auf Knopfdruck – Brainstorming organisiert und nach Zeitplan: Bei dieser Methode werden im Team (im Startup, oder in der Familie, mit Freunden etc) jeweils mit 6 Teilnehmern 3 Ideen in 5 Minuten entwickelt. Ihr werdet staunen, wie vielfältig das wird.

Die Methode – so gehts

Schritt 1: Ihr wollt ein Problem lösen, sucht eine Geschäftsidee oder wollen eine Idee weiterentwickeln. 6 Teammitglieder setzen sich zusammen. Die Thema wird zentral auf einem Flipchart aufgeschrieben, jeder Teilnehmer erhält 1 Notizblatt, auf das er ebenfalls die Idee schreibt. Das Blatt wird in 6 Zeilen für die 6 Teilnehmer unterteilt. In die erste Zeile schreibt jeder nun innerhalb von 5 Minuten 3 Ideen. Nehmt die Stoppuhr und mogelt nicht. Es lohnt sich.
Schritt 2: Nach 5 Minuten wird abgesetzt und das Blatt weitergegeben. Nun erhält Teilnehmer 2 also die 3 Ideen von Teilnehmer 1. In den nächsten 5 Minuten schreibt Teilnehmer 2 wiederum 3 Ideen auf, allerdings sind diese die Fortführung der Ideen von Teilnehmer 1. Nach 5 Minuten wird das Blatt wieder weitergereicht. Dies erfolgt so lange bis alle auf jeden Zettel geschrieben haben.

In welcher Phase: Diese Methode ist nicht immer geeignet. Sie funktioniert gut für ein erstes Brainstorming zu nicht allzu komplexen oder spezialisierten Fragestellungen. Beispielweise für Eventorganisation, Marketingideen, Linkbuilding, Trafficgenerierung, Gewinnspiele etc.

Solo vs. Team: Die Methode funktioniert nur im Team, am besten mit 6 Teilnehmern.

Tools & Tipps für die 6-3-5 Methode: Auch in bunt gemischten Team lässt sich die Methode testen (etwa für Messe-Marketing-Ideen mit einem Team aus ITler, Praktikant, Grafiker, Texter, CFO, Hausmeister

De Bono 6 Hüte Denken

Die 6-Hüte-Methode ist weniger eine Brainstorming-Methode, sie hilft euch, eine Geschäftsidee fortzuführen, weiterzudenken und in ihrer Gesamtheit zu betrachten. De Bono, einer der bekanntesten Kreativitätstrainern, hat diese Methode entwickelt, um die Ideenfindung gezielt in verschiedene Richtungen zu lenken, die nach Farben und Geisteshaltungen sortiert sind.

Die Methode – so gehts

Es gibt 6 gedachte Hüte, jeder dieser Hüte hat eine andere Farbe und andere Eigenschaften. Diese Hüte stellt ihr euch nur vor, manchmal ist es gut, eine farbige Karteikarte oder als Papphut zu visualisieren. Ihr schreibt eure Aufgabe wieder groß auf ein Flipchart. Alle sitzen im Kreis (klar: 6 Hüte also 6 Personen) und jeder bekommt einen Hut (also eine Farbe & eine Haltung) zugeordnet.
Hut Weiss = objektive Haltung, bewertet nach Zahlen, Beweisen, Statistiken & Berechnungen. Die Person muss sich neutral verhalten! Alle Entscheidungen müssen beweisbar sein! Verwendete Zahlen müssen eingefordert werden.
Hut Rot = genau das Gegenteil – darf emotional sein, subjektiv, eine persönliche Meinung, darf nach eigenem Geschmack, Empfinden reagieren.
Hut Gelb = der Optimist. Im Grunde der „Best Case der Problemlösung“. Gilt für alle Bereiche (Zeitplan, Markt, Kundenakquise).
Hut Schwarz = der Kritiker, muss alle negativen Aspekte nennen, darf Kritik üben, sollte die Schwachstellen aufzeigen, und das Worst Case Szenario vertreten.
Hut Grün = darf Ideen weiterspinnen, neue Ideen einbringen, Alternativen, Möglichkeiten etc. finden. Darf „in die Breite“ denken.
Hut Blau = der Moderator, der immer wieder das Gesagte der anderen Hüte zusammenfasst, Punkte aufnimmt und zusammenbringt. Und der am besten als Schriftführer die Infos zusammenfasst.

In welcher Phase: Die Methode ist weniger für ein erstes Brainstroming geeignet sondern schon eher zur Validierung einer Idee und zur Entscheidungsfindung.

Solo vs. Team: Beides ist möglich, allerdings werden im Team meist wirklich neue Aspekte mit eingebracht, während man allein aufpassen muss, nicht doch das ein oder andere Problem schönzureden.

Tools & Tipps: Die Methode sollte immer mal wieder auch in einfachen Problemstellungen geübt werden. Super ist sie zur Überprüfung des Businessplanes.

Disney Methode – Bunte Visionen

Diese Methode wurde von Walt-Disney gerne als Brainstorming-Methode und zur Entscheidungsfindung genutzt. Prinzipiell nimmt man beim Brainstorming-Rollenspiel 3 Positionen ein: den Träumer, den Visionär und den Kritiker.

Die Methode – so gehts

Drei bis vier Teilnehmer (es geht auch alleine, dabei nimmt man dann entsprechend unterschiedliche Positionen ein) nehmen im Kreis Platz. Die Stühle sind entsprechend mit einem großen Schild gekennzeichnet.
Stuhl & Position 1: Der Träumer, der Visionär entwickelt die Ideen, denkt in die Breite und vor allem groß, ohne jeglichen Gedanken, was tatsächlich möglich ist! Er ist begeistungsfähig, leidenschaftlich, denkt in keinster Weise an Umsetzbarkeit.
Stuhl & Position 2: Der Realist und Macher überlegt, wie er die Ideen umsetzen könnte, welche Tools es gibt, was man dafür bräuchte, bedenkt die Kosten, die Zeit, das Team. Er ist neutral und (wichtig!) spielt jede Idee ohne Wertung in ihrer Umsetzung durch!
Stuhl & Position 3: Der Kritiker stellt die Fragen, die weh tun. Er sucht die Schwachstellen, malt die Worst-Case Szenarios aus, ist zurückhaltend, abwägend und sehr zahlenorientiert.
Im Team empfiehlt es sich, eine weitere Position zu besetzen: die des neutralen Moderators, der dann auch die Gedanken und Punkte notiert. Sinnvoll ist es auch, nach der ersten Runde die Positionen, also auch die Stühle zu wechseln.

In welcher Phase: Die Methode eignet sich hervorragend bei einer konkreteren Idee, die im Team weiterentwicklt und überprüft werden soll. Sie ist also auch gut als Vorbereitung des Businessplans.

Solo vs. Team: Beides ist möglich, im Team wird es sicher einfacher und verhindert, zur gespaltenen Persönlichkeit zu werden.

Tools & Tipps: Oft nimmt der Realist automatisch auch die Rolle des Kritikers ein – das ist aber ein Kernpunkt des Modells: Der Realist denkt alles konkret zu Ende, ohne Wertung, ohne Ideen abzulehnen. Sein Motto: ich setze alles um! Seine Aufgabe ist es, auch die verrückteste Idee gedanklich zuzulassen. Dadurch entstehen dann auch erst neue Ideen.

Evaluation einer Geschäftsidee: Business Model Canvas

Der Business Model Canvas (BMC) eignet sich hervorragend, um das Geschäftsmodell oder eine Startup Idee zu visualisieren und zu testen, ob da auch unternehmerisch was dran ist. Entwickelt wurde es von Alexander Osterwalder. Sein Buch gilt als Handbuch für Visionäre und Impulsgeber, die veraltete Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen und Innovation vorantreiben wollen.

Die Methode – so gehts

Das Modell liefert euch eine klare Vorlage an Punkten, die es bei eurer Idee zu überdenken gibt. Ihr müsst nun dieses Model gross ausdrucken und es füllen. Das sind die Segmente:

Customer Segments: Zielgruppe, Marktsegment – hier steht die Antwort auf die Frage: Wer sind eure Zielgruppen?
Value Propositons: Was ist der Nutzen eures gedachten Business oder eures Produktes?
Channels: Hier beschreibt ihr wie ihr mit euren Kunden interagiert.
Customer Relationships: Hier erklärt ihr, welchen Service ihr euren Kunden liefern wollt.
Revenue Streams: Wichtige Antwort auf die Frage: Womit wollt ihr das Geld verdienen?
Key Resources: Welche Ressourcen braucht ihr zur Umsetzung (Personal, Infrastruktur, Beziehungen etc)?
Key Activities: Welche Schritte müsst ihr gehen, um euer Geschäftsmodell am Laufen zu halten?
Key Partnerships: Wer sind eure unverzichtbaren Partner?
Cost Structure: Hier benennt ihr die unverzichtbaren Kosten, um euer Geschäftsmodell umzusetzen.

In welcher Phase: Ganz klar, zum Brainstormen hilft euch das Modell nicht, hier geht es darum, aus einer Geschäftsidee eine Geschäftsmodell zu machen.

Solo vs. Team: Das geht natürlich auch alleine, vorausgesetzt, ihr könnt auch alle diese Fragen beantworten.

Um eine Geschäftsidee zu evaluieren und zu einem Businessmodel zu kommen, gibt es noch ein paar andere Methoden, etwa die SWOT-Analyse oder die ANSOFF-Analyse. Wie ihr damit zu einem tragfähigen Konzept kommt, zeigen wir euch im zweiten Teil dieses Artikels.

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