Gründen im Nebengewerbe: Unterschiede, Vorteile und Gründungsfahrplan

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Eine Gründung im Nebengewerbe kann eine gute und vor allem sichere Möglichkeit sein, seine Selbständigkeit aufzubauen. Welche Vorteile eine nebengewerbliche Gründung im Vergleich zum Hauptgewerbe bringt, und wie es Schritt für Schritt geht, haben wir hier deshalb einmal übersichtlich zusammengefasst.

Nebengewerbe und Hauptgewerbe – die Unterschiede

In Deutschland ist es Pflicht, „jede dauerhafte und auf die Erzielung von Gewinn gerichtete Tätigkeit“ beim Gewerbeamt anzumelden. Man benötigt dafür keine Erlaubnis – denn in Deutschland besteht Gewerbefreiheit – man muss die Ausübung einer solchen Tätigkeit aber immer anzeigen. Auch wenn sie nebenberuflich ausgeübt wird. In dieser Hinsicht gibt es beim Hauptgewerbe und beim Nebengewerbe keine Unterschiede, auch nicht bei der Steuer- und Buchhaltungspflicht. Wie ihr eine Gewerbe richtig anmeldet, erfahrt ihr in unserem Fachartikel „Gewerbeanmeldung – so meldet man ein Gewerbe richtig an (inklusive Gewerbeanmeldung Formular)“.
Einen Unterschied gibt es aber beim sogenannten Lebenserwerb: Während das Hauptgewerbe den Lebensunterhalt sichert, gibt es beim Nebengewerbe noch mindestens eine weitere Einkommensquelle, die hauptsächlich den Lebensunterhalt sichert. Das wird in den meisten Fällen ein unselbständiges Arbeitsverhältnis als Arbeitnehmer oder Angestellter sein – kann aber natürlich auch eine Beamtentätigkeit oder eine Tätigkeit in Land- und Forstwirtschaft darstellen. Wichtig also: Beim Nebengewerbe dient die gewerbliche Tätigkeit nicht ausschließlich der Sicherung des Lebensunterhaltes.

Für ein Nebengewerbe ist außerdem keine eigene Krankenversicherung notwendig. Die Krankenkassen haben dafür allerdings eine eigene Orientierungsrichtlinie geschaffen: Um ein Nebengewerbe handelt es sich für die Krankenkassen immer dann, wenn nicht mehr als 15 Stunden Arbeitszeit für den Betrieb des Gewerbes aufgewendet werden.

Die Vorteile einer Gründung im Nebenerwerb

1. Finanzielle Absicherung

Der wichtigste Vorteil ist natürlich klar die weiter bestehende finanzielle Absicherung. Die Lebenshaltungskosten sind gedeckt, man ist auch zu Zeiten, wo das Gewerbe gerade keinen Gewinn abwirft, abgesichert. Auch wenn etwas nicht so läuft, wie man es geplant hat, kommt es zu keiner Krise des Unternehmens.

2. Investitionsspritze für das Unternehmen

Wer seinen Job kündigt, hat allenfalls die Abfindung, die er in sein neu gegründetes Unternehmen investieren kann. Ist sie aufgebraucht, gibt es kein „Reservekapital“ mehr. Bei einem weiter bestehenden Arbeitsverhältnis kann man aber immer wieder Kleinbeträge zuschießen oder auch ansparen. Solche laufenden „Kleininvestitionen“ können am Ende auch dazu führen, dass das Unternehmen schneller wachsen kann. Den Effekt sollte man nicht unterschätzen.

3. Geschäftskontakte und eigene Kunden

Wer in einem verwandten Bereich seines unselbständig ausgeübten Berufes gründet, der wird sicherlich die beruflichen Kontakte gut nutzen können. Sie bestehen durch das Arbeitsverhältnis weiter und werden weiter laufend gepflegt. Beachten sollte man aber hierbei, dass man seinem Arbeitgeber nicht etwa Konkurrenz macht oder gar Kunden abwirbt. Er sollte auch darüber informiert werden, dass man diese Kontakte nutzt und muss selbstverständlich einverstanden sein – ansonsten besteht ein Grund für eine Kündigung. Auch bei Gründungen in einem anderen Bereich als dem ausgeübten Beruf können die vielfältigen Kontakte zu Menschen unter Umständen vorteilhaft sein. Immer wieder kennt ein Kollege jemanden, der vielleicht jemanden kennt … und so weiter.

4. Bessere Bonität des Selbstständigen

Wer von seiner Selbständigkeit lebt, der wird bei Banken sehr intensiv geprüft – immerhin besteht bei rein Selbständigen ein höheres Ausfallsrisiko, als wenn es noch ein festes, unselbständiges Arbeitsverhältnis mit pfändbaren Bezügen gibt. Finanzierungen für das Unternehmen lassen sich so vor allem bei Banken leichter erhalten.

5. Geordneter Aufbau des Unternehmens

Natürlich steht für einen Unternehmensaufbau im Nebenerwerb insgesamt weniger Zeit zur Verfügung, als bei einer hauptberuflichen Gründung. Das muss aber nicht immer ein Nachteil sein. „Gut Ding will Weile haben“ sagt der Volksmund. Wer ohne Gewinndruck, mit zusätzlich vorhandenem Kapital und Kontakten sein Unternehmen ruhig und überlegt aufbauen kann, erreicht oft eine viel solidere Marktposition. Wenn man dagegen von Anfang an auf die Erzielung eines bestimmten Gewinns jeden Monat angewiesen ist und in einem bestimmten Rahmen wachsen muss, entsteht oft Druck, der eine solide Unternehmensbasis verhindert.

6. Bessere Marktkenntnis

Man kann in Ruhe den Markt, auf dem man tätig ist, beobachten und kennenlernen. Man lernt besser, Marktschwankungen einschätzen, erkennt über einen längeren Zeitraum hinweg sich etablierende Trends und kann ohne Gewinndruck darauf reagieren. Diese Zeit der „stillen Beobachtung“ ohne unternehmerischen Gewinndruck kann viel zur Solidität des späteren Unternehmens beitragen.

Wer doch noch eine Finanzspritze braucht: Finanzierung sichern

Klar, wer sein Startup neben dem Hauptberuf gründet, der hat den Vorteil, dass seine zentrale Einkommensquelle bestehen bleibt. Und eventuell kann ein Teil dieses Einkommens zur Finanzierung der Gründung verwendet werden. Doch das ist nicht immer möglich oder ausreichend, dann werden weitere finanzielle Mittel nötig.

Für kleine Vorhaben lohnt es sich, einen Kredit aufzunehmen. Wie für so vieles in der heutigen Zeit besteht die Möglichkeit, den Kredit online zu beantragen. Startup-Gründer können sich auf toptarif.de einen Überblick über den aktuellen Markt verschaffen und die Angebote mit den besten Zinsen vergleichen. Für den Vergleich müssen Interessenten drei Angaben tätigen:

  • Nettokreditbetrag
  • Laufzeit
  • Verwendung

Anschließend werden die Kredite verschiedener Institute übersichtlich aufgelistet. Zu jedem Produkt kann der Gründer die Produktdetails, Annahmerichtlinien und zu erbringenden Nachweise einsehen.

Gründungsfahrplan

Für die nebenberufliche Gründung gelten dieselben Schritte wie für die hauptberufliche Gründung auch:

1. Unternehmensidee und Business-Plan

Eine sorgfältige Überlegung der Unternehmensidee, eine ausführliche Recherche der Marktchancen und eine sehr sorgfältige Gestaltung des Businessfahrplans sind auch hier für den Gründer zwingend notwendig. In diesem Fall weniger, um Geldgeber zu überzeugen, sondern um selbst eine klare Orientierung zu haben, wo es hingeht.
Einen tollen Einstieg in die Entwicklung eures Jungunternehmens bieten euch unsere beiden Fachartikel „Geschäftsideen entwickeln (1) – 6 erfolgreiche Brainstorming-Methoden zur Ideenfindung“ und „Geschäftsideen entwickeln (2) – der Weg von der Idee zum Geschäftsmodell„.

2. Anmeldung am Gewerbeamt

Das Gewerbeamt nimmt die Anmeldung für ein Gewerbe im Haupt- oder Nebenerwerb entgegen. Dass es sich um einen Nebenerwerb handelt, muss angegeben werden.

3. Planung auf den Nebenerwerb abstimmen

Einen Gründer stellen sich mit der Idee plötzliche viele Fragen, vor allem kaufmännische. Nur ein paar davon, auf die Sie schnell eine Antwort finden sollten:

  • Welcher Teil des Arbeitseinkommens und welche Sonderzahlungen können als zusätzliches Investitionskapital verwendet werden? Wie soll der Unternehmensaufbau vor sich gehen?
  • Welche einzelnen Schritte sind bis zu welchem Zeitpunkt erreichbar?
  • Welche Belastungen aus dem Hauptberuf müssen berücksichtigt werden (Dienstreisen, Überstunden, …)?
  • In welchem Zeitraum steht – wenn überhaupt – ein Wechsel zur hauptberuflichen Selbständigkeit an?
  • Wie können die im Nebenerwerb erwirtschafteten Gewinne bestmöglich verwendet werden (Re-Investition in das Gewerbe)?

Tatsache ist: Die Gründung im Nebenerwerb kann in vielen Fällen ein Vorteil sein. Viele Unternehmenspleiten von neu gegründeten Unternehmen wären wohl bei einer Gründung im Nebenerwerb zu verhindern gewesen – bessere und solidere Marktkenntnis, überlegteres und langsameres Wachstum und die Möglichkeit, über einen längerfristigen Zeitraum hinweg profitable Trends zu erkennen sprechen eindeutig für eine Gründung im Nebenerwerb. Die Doppel-Belastung und die knappen zeitlichen Ressourcen sind zwar ein Argument dagegen – aber nicht immer ein schlagendes.

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