Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Grün­dungs­zu­schuss rich­tig bean­tra­gen: In 10 Schrit­ten zur Förderung

Durch die Reform des Grün­dungs­zu­schus­ses ist es schwie­ri­ger gewor­den, die wich­tigs­te För­de­rung für Grün­der und Selb­stän­di­ge in Deutsch­land zu erhal­ten. Doch mit Beharr­lich­keit und den rich­ti­gen Schrit­ten bekom­men Sie den Grün­dungs­zu­schuss von der Arbeits­agen­tur. Wie es geht, zeigt „Mr. Grün­dungs­zu­schuss“ Dr. Andre­as Lutz!

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Durch die Reform des Grün­dungs­zu­schus­ses ist es schwie­ri­ger gewor­den, die wich­tigs­te För­de­rung für Grün­der und Selb­stän­di­ge in Deutsch­land zu erhal­ten. Doch die Mühe lohnt sich: Bis zu 15.000 Euro bekom­men Allein­ste­hen­de, Ver­hei­ra­te­te mit Kind sogar bis zu 18.000 Euro – steu­er­frei, nicht rück­zahl­bar und zusätz­lich zum erziel­ten Gewinn. Mit dem Grün­dungs­zu­schuss geför­der­te Grün­der pro­fi­tie­ren zudem von gerin­ge­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen und haben dar­über hin­aus Zugang zu geför­der­ter Bera­tung im Wert von meh­re­ren tau­send Euro. 

Schritt 1: Über aktu­el­le Ver­ga­be­pra­xis beim Grün­dungs­zu­schuss informieren

Ende 2011 hat die Bun­des­re­gie­rung Ein­spa­run­gen beim Grün­dungs­zu­schuss vor­ge­nom­men. Seit­dem ver­su­chen Bera­ter bei den Arbeits­agen­tu­ren Grün­dungs­wil­li­ge abzu­wim­meln, oft mit frag­wür­di­gen Argu­men­ten. Doch von die­ser Tak­tik soll­ten Sie sich nicht aus­brem­sen las­sen: Wer sich nicht ver­un­si­chern lässt und einen guten Busi­ness­plan vor­legt, wird die För­de­rung in aller Regel erhalten.

Grün­der­rat:

Infor­mie­ren Sie sich vor­ab bei Grün­dungs­be­ra­tern oder Ein­rich­tun­gen wie Star­ter­cen­tern über die aktu­el­le Ver­ga­be­pra­xis und holen Sie sich Tipps zur rich­ti­gen Vor­ge­hens­wei­se, damit Sie in kei­ne Fuß­an­gel tre­ten. Im Event­ka­len­der von Grün­der­kü­che fin­den Sie hier­für eini­ge Angebote.

Schritt 2: Anspruchs-Grund­la­ge für Grün­dungs­zu­schuss sicher stellen

Sie bezie­hen noch kein Arbeits­lo­sen­geld I

Dann müs­sen Sie es zunächst bean­tra­gen: Inner­halb von drei Kalen­der­ta­gen nach Kün­di­gung oder Abschluss eines Auf­he­bungs­ver­tra­ges mel­den Sie sich per­sön­lich bei der Arbeits­agen­tur als arbeits­su­chend. Das kann zu Ruhe- oder Sperr­zei­ten füh­ren, zum Bei­spiel, weil Sie selbst kün­di­gen, einem Auf­he­bungs­ver­trag zustim­men oder die Kün­di­gungs­frist nicht ein­hal­ten. Um den Antrag auf Arbeits­lo­sen­geld I zu stel­len, benö­ti­gen Sie die Arbeits­be­schei­ni­gung des Arbeitgebers.

Sie bezie­hen bereits Arbeits­lo­sen­geld I

Wer­fen Sie einen Blick in Ihren Bewil­li­gungs­be­scheid: Ver­fü­gen Sie noch über mehr als 150 Tage (5 Mona­te) Rest­an­spruch? Wann müs­sen Sie spä­tes­tens grün­den, um in die­ser Frist den Grün­dungs­zu­schuss zu erhal­ten. Bemü­hen Sie sich nach der Kün­di­gung und wäh­rend der Arbeits­lo­sig­keit aktiv um eine Stel­le, um ent­spre­chen­de Eigen­be­mü­hun­gen nach­wei­sen zu können.

Schritt 3: Antrag auf Grün­dungs­zu­schuss abho­len und Vor­ge­spräch mit Arbeits­agen­tur führen

Wie gesagt: Las­sen Sie sich nicht von Ihrem Bera­ter ver­un­si­chern oder abwim­meln. Sie haben einen Rechts­an­spruch dar­auf, den Antrag auf Grün­dungs­zu­schuss zu erhal­ten. Sie müs­sen den Antrag unbe­dingt abho­len bevor Sie grün­den, ansons­ten ver­fällt Ihr Anspruch auf den Grün­dungs­zu­schuss. Der Tag der Antrags­ab­ho­lung wird auf den Antrag auf­ge­druckt. Den genau­en Grün­dungs­zeit­punkt, zu dem dann auch Ihr Arbeits­lo­sen­geld endet, kön­nen Sie spä­ter in Ruhe festlegen.

Schritt 4 zum Grün­dungs­zu­schuss: Erlaub­nis oder Zulas­sung beschaf­fen, falls nötig

Für man­che Tätig­kei­ten brau­chen Sie eine Erlaub­nis oder Zulas­sung, zum Bei­spiel eine Taxi­kon­zes­si­on oder die Erlaub­nis zur Aus­übung der Heil­kun­de. Deren Vor­lie­gen ist Vor­aus­set­zung für die För­de­rung einer selb­stän­di­gen Tätig­keit in der ent­spre­chen­den Bran­che. Die­se soll­ten Sie sich also besor­gen, bevor Sie den Antrag abgeben.

Schritt 5: Vor­grün­dungs­coa­ching bean­tra­gen, falls möglich

Eini­ge Bun­des­län­der för­dern die Exis­tenz­grün­der, die vor der Grün­dung eine Bera­tung in Anspruch neh­men. Die­se Start­hil­fe soll­ten Sie nut­zen. So ver­mei­den Sie, dass Sie teu­re Feh­ler ande­rer wie­der­ho­len. Ein guter Bera­ter beglei­tet Sie auf den nächs­ten Schrit­ten und beschleu­nigt so das Schrei­ben und Rech­nen des Busi­ness­plans und erhöht die Chan­cen auf die Bewil­li­gung des Gründungszuschusses.

Schritt 6 (wich­tig!): Busi­ness­plan schreiben

Die Haupt­ar­beit bei der Bean­tra­gung von Grün­dungs­zu­schuss ist die Erstel­lung des Busi­ness­plans. Sie brau­chen kei­ne 20 Sei­ten zu schrei­ben, aber drei Sei­ten sind defi­ni­tiv zu wenig, um Ant­wor­ten auf all die Fra­gen zu geben, die ein Busi­ness­plan beant­wor­ten sollte.

Ein guter Busi­ness­plan ist wie ein Koch­re­zept. Wenn Sie das Rezept Schritt für Schritt umset­zen, wer­den Sie erfolg­reich sein. Wenn das Rezept sich an der einen oder ande­ren Stel­le als nicht umsetz­bar erweist, müs­sen Sie den Plan über­ar­bei­ten, erken­nen aber sofort die zeit­li­chen und finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen, die dar­aus resultieren.

Grün­der­rat:

Es gibt Tools, die Ihnen dabei hel­fen, einen guten Busi­ness­plan (z.B. für den Antrag auf Grün­dungs­zu­schuss) zu schrei­ben. Wir haben 6 davon mal genau­er unter die Lupe genom­men. Lesen Sie den Fach­bei­trag „Top 6 Busi­ness­plan-Tools zum Erstel­len Ihres per­sön­li­chen Businessplans“.

Schritt 7 zum Grün­dungs­zu­schuss: Fach­kun­di­ge Stel­lung­nah­me einholen

Wich­tig ist, dass der Busi­ness­plan so for­mu­liert ist, dass er der Arbeits­agen­tur kei­ner­lei Vor­wand zur Ableh­nung bie­tet. Des­halb soll­ten Sie ihn in jedem Fall von einem erfah­re­nen Grün­dungs­be­ra­ter prü­fen las­sen. Fra­gen Sie ihn nach der Zahl der fach­kun­di­gen Stel­lung­nah­men, die er in den letz­ten zwölf Mona­ten durch­ge­führt hat und wie vie­le davon zu einer Bewil­li­gung geführt haben. Hören Sie auf den Rat des Bera­ters und über­ar­bei­ten Sie den Busi­ness­plan gegebenenfalls.

Die fach­kun­di­ge Stel­lung­nah­me beschei­nigt die Trag­fä­hig­keit Ihres Grün­dungs­vor­ha­bens („Trag­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung“), das heißt: Die Annah­men sind plau­si­bel und umsetz­bar. Sie wer­den im Erfolgs­fall dazu füh­ren, dass Sie nach einer Anlauf­pha­se vom Gewinn leben kön­nen. Zu opti­mis­tisch darf der Busi­ness­plan aber nicht sein, sonst kann dies zu einer Ableh­nung für den Grün­der­zu­schuss füh­ren nach dem Mot­to: „Sie kom­men auch ohne Grün­dungs­zu­schuss zurecht.“

Schritt 8: Selb­stän­dig­keit anmel­den und Antrag auf Grün­dungs­zu­schuss stellen

Spä­tes­tens jetzt müs­sen Sie die Selb­stän­dig­keit anmel­den und sich auf ein Grün­dungs­da­tum fest­le­gen. Als Gewer­be­trei­ben­der tun Sie das beim Gewer­be­amt, als Frei­be­ruf­ler direkt beim Finanz­amt. Der Grün­dungs­zei­punkt kann eini­ge Wochen in der Zukunft lie­gen. Ach­ten Sie dar­auf, dass Sie zu die­sem Zeit­punkt noch 150 Tage Rest­an­spruch auf Grün­dungs­zu­schuss haben.

Fül­len Sie die bei Antrags­ab­ho­lung erhal­te­nen For­mu­la­re aus und las­sen Sie auch die­se von der fach­kun­di­gen Stel­le durch­se­hen. Dann kön­nen Sie den Antrag auf Grün­dungs­zu­schuss bei der Arbeits­agen­tur ein­rei­chen. Dazu gehö­ren fol­gen­de Unterlagen:

  • Antrags­for­mu­la­re
  • Busi­ness­plan
  • Fach­kun­di­ge Stellungnahme
  • Nach­weis über die Anmel­dung der Selbständigkeit
  • Gege­be­nen­falls nöti­ge Erlaub­nis oder Zulassung

Schritt 9: Bewil­li­gung und eigent­li­che Gründung

Die Arbeits­agen­tur ent­schei­det übli­cher­wei­se inner­halb weni­ger Wochen. Im Fall einer Bewil­li­gung kön­nen Sie sich jetzt voll und ganz auf den Auf­bau Ihres Geschäfts küm­mern. Egal, was die Agen­tur vor­her gesagt hat: Die Erfah­rung mit von uns beglei­te­ten Grün­dern zeigt, dass gut durch­dach­te Anträ­ge nur sehr sel­ten abge­lehnt werden.

Bis Mit­te 2013 war das noch anders: Es wur­den sehr vie­le Anträ­ge abge­lehnt. Wer aller­dings gegen sol­che Ent­schei­dun­gen vor­ging, hat in den meis­ten Fäl­le eine vor­ge­richt­li­che Eini­gung mit der Arbeits­agen­tur erzielt oder vom Gericht recht erhal­ten. Inzwi­schen ist die recht­li­che Situa­ti­on wie­der klarer.

Schritt 10: Den­ken Sie recht­zei­tig an die Ver­län­ge­rung der Förderung

Der Grün­dungs­zu­schuss in Höhe von Arbeits­lo­sen­geld I plus 300 Euro läuft nach sechs Mona­ten aus. Sie soll­ten des­halb vier Mona­te nach Grün­dung Ihres Unter­neh­mens die Infor­ma­tio­nen für den Ver­län­ge­rungs­an­trag zusam­men­stel­len. Sie erhal­ten dann neun Mona­te lang 300 Euro, also ins­ge­samt 2.700 Euro. Ver­ges­sen Sie nicht im Eifer des Gefechts, den Ver­län­ge­rungs­an­trag abzusenden.

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