Drohnen-Anschläge, Sabotage und Cyberattacken: Die deutsche Wirtschaft schlägt Alarm
Fast neun von zehn deutschen Unternehmen fürchten eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe. Dabei könnten Tech-Start-ups bei Cybersecurity, Drohnenabwehr und dem Schutz kritischer Infrastruktur eine Schlüsselrolle spielen.
Der mutmaßliche Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle vor zwei Wochen hat die Gefahr hybrider Angriffe zuletzt sehr konkret vor Augen geführt. Ermittler gehen von einem Anschlagsversuch aus, die Bundesanwaltschaft ermittelt.
Auch in der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge vor Attacken auf Unternehmen und kritische Infrastruktur. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom hält eine große Mehrheit der Unternehmen eine ernsthafte Krise infolge hybrider Angriffe für wahrscheinlich.
Unter hybriden Angriffen versteht man eine Kombination verschiedener Mittel, etwa Cyberattacken, Sabotage, Spionage oder Desinformation. Ziel kann es sein, Unternehmen, Behörden oder kritische Infrastruktur zu beeinträchtigen und Staaten zu destabilisieren.
Unternehmen rechnen mit ernsthafter Krise
Laut der vorliegenden Bitkom-Befragung halten 87 Prozent der Unternehmen eine ernsthafte Krise infolge hybrider Angriffe für wahrscheinlich. 18 Prozent schätzen ein solches Szenario als äußerst wahrscheinlich ein, weitere 69 Prozent als eher wahrscheinlich.
Nur 5 Prozent halten eine solche Krise für eher unwahrscheinlich, 3 Prozent für äußerst unwahrscheinlich. Für die aktuelle Erhebung wurden den Angaben zufolge 1.003 Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn Beschäftigten befragt.
Bereits eine frühere Bitkom-Studie aus dem Februar 2026 hatte eine hohe Besorgnis gezeigt. Damals erwarteten 83 Prozent der befragten Unternehmen eine ernsthafte Krise durch hybride Angriffe.
„Bei der Diskussion über hybride Angriffe in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden geht es nicht mehr um ein theoretisches Risiko“, warnt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Deutschland werde täglich mit Cyberattacken konfrontiert, zugleich seien auch physische Angriffe auf kritische Infrastruktur, Behörden und Unternehmen eine reale Bedrohung.
Start-ups könnten bei der Abwehr eine wichtige Rolle spielen
Für die Start-up-Szene ergibt sich daraus ein wachsendes Geschäftsfeld. Gefragt sind unter anderem Technologien zur Drohnenabwehr, Cybersecurity-Lösungen, Systeme zur Überwachung kritischer Infrastruktur sowie Anwendungen zur schnellen Erkennung und Analyse von Bedrohungen.
Wintergerst sieht gerade Tech-Unternehmen und Start-ups in einer wichtigen Rolle. Sie könnten mit innovativen Technologien dazu beitragen, hybride Bedrohungen abzuwehren und die Widerstandsfähigkeit Deutschlands zu erhöhen.
Dass hier Nachholbedarf besteht, zeigen auch andere Bitkom-Erhebungen. Im Februar stuften 87 Prozent der befragten deutschen DefTech- und Dual-Use-Start-ups die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands als gering oder sehr gering ein.
Geopolitische Spannungen verschärfen die Sorge
Drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) gehen laut aktueller Befragung davon aus, dass geopolitische Spannungen – etwa zwischen Russland und der NATO oder den USA und Iran – die Gefahr analoger und digitaler Angriffe auf Deutschland erhöhen.
Gleichzeitig sieht sich Deutschland aus Sicht der Wirtschaft nur unzureichend gewappnet. Lediglich 33 Prozent der Unternehmen halten das Land aktuell für gut auf Cyberangriffe vorbereitet.
Der Handlungsdruck steigt damit nicht nur für Politik und Sicherheitsbehörden. Auch Unternehmen müssen sich stärker mit ihrer eigenen Widerstandsfähigkeit beschäftigen – von IT-Sicherheit und Backups über Notfallpläne bis hin zur Absicherung von Standorten und Lieferketten.