Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen – große Chancen, aber es hakt
90 % der etablierten Unternehmen sehen in Startups wichtige Innovationspartner – aber nur 11 % der Startups erleben im Kontext der aktuell schwierigen Wirtschaftslage eine hohe Kooperationsbereitschaft. Dabei steht die etablierte Wirtschaft unter Zugzwang …
Der globale Wettlauf um Innovationen wird immer schneller – und Deutschland droht weiter zurückzufallen. Das liegt unter anderem an der zögerlichen Haltung der etablierten Wirtschaft, das Potenzial von Innovationen und insbesondere digitalen Geschäftsmodellen zu erschließen. Ein neuer Report des Startup-Verbands und des Beratungsunternehmens Accenture (PDF-Download) zeigt, wie Kooperationen zwischen Startups und etablierter Wirtschaft hier helfen und den Standort stärken können. Über 500 Startups und etablierte Unternehmen wurden dafür befragt.
Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Agile Startups können mit ihrer Innovationskraft und Geschwindigkeit genau dort ansetzen, wo großen Unternehmen die Beweglichkeit fehlt. Umgekehrt verschaffen Etablierte jungen Unternehmen Zugang zu Kunden sowie großen internationalen Märkten und können so das Wachstum beschleunigen. Eigentlich eine perfekte Ergänzung.
Doch die Praxis sieht gerade in Deutschland anders aus und kulturelle Barrieren bremsen auf beiden Seiten. 59 % der Startups kritisieren langsame Prozesse, 49 % bemängeln die Risikoaversion der Etablierten. Den traditionellen Akteuren dagegen fehlt bei der Zusammenarbeit mit Startups die Erfahrung (41 %), außerdem ist ihnen die Unsicherheit zu groß (35 %).
Krise sorgt für Fokus
Die wirtschaftliche Kluft zwischen den USA und Deutschland wird immer größer – gerade auch, weil Deutschland bei Zukunftstechnologien hinterherhinkt. Während das reale Pro-Kopf-BIP Deutschlands in den letzten zehn Jahren nur um 4 % gestiegen ist, verzeichneten die USA ein Wachstum von 17 % – in großen Teilen durch die starke Digitalwirtschaft getragen. Dieser Trend dürfte sich noch beschleunigen, da die USA mittlerweile zehnmal so viel in KI investieren wie Europa.
Die engere Zusammenarbeit mit Startups kann hier ein wichtiger Impulsgeber sein. In der aktuell angespannten Wirtschaftslage suchen etablierte Unternehmen dabei aber einen sehr konkreten Mehrwert: 73 % der befragten Scaleups berichten, dass schnelle Ergebnisse immer wichtiger werden. Ziele von Kooperationsprojekten sind meist die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen (57 %) sowie der Zugang zu neuen Technologien (47 %).
Partnerwahl als Knackpunkt
Den richtigen Partner zu finden, bleibt die große Herausforderung: Sechs von zehn etablierten Unternehmen tun sich hier schwer. Dabei ist der Standort Deutschland heute mit rund 23.000 jungen Wachstumsunternehmen stark aufgestellt. Das macht es aber nicht leichter, starke Teams sowie relevante Use-Cases und Technologien zu identifizieren. Drei Viertel setzen daher auf externe Vermittler, wie Investoren, Beratungen oder Hochschulen. Die wichtigste Form des Matchings ist die persönliche Begegnung auf Konferenzen sowie Veranstaltungen (80 %).