Narzissmus bei Gründern? Das kann auch nach hinten losgehen

Die renommierte Handelshochschule Leipzig zeigt in einer Studie, wieviel EInfluss der Narzissmus der Gründenden auf die Entwicklung von Startups hat.

In der Anfangsphase eines Unternehmens kann ein narzisstischer Gründer profitable Effekte erzielen. In den späteren Phasen eines Unternehmens kann sich dies zu überwältigend negativen Auswirkungen des Narzissmus verschieben. Das ist das Ergebnis der aktuellsten Studie des Forscherteams an der Handelshochschule Leipzig (HHL), das zu Themen des Strategischen Unternehmertums forscht. Die Studie wurde jetzt im „Journal of Enterprising Communities“ (SJR: Q2) veröffentlicht. Der Titel: „The role of narcissism in entrepreneurial activity“ – Die Rolle von Narzissmus bei Unternehmerischen Tätigkeiten. Erstmals wurde eine Künstliche Intelligenz (GPT) zur Unterstützung der Forschungsstudie eingesetzt.

In den vergangenen Jahren wurde die Startup-Welt durch Skandale um stark narzisstische Gründer von Unternehmen wie Theranos und Uber erschüttert. Die Forschung hat die Bedeutung des Themas erkannt und in den letzten Jahren begonnen, die Rolle des Narzissmus im Unternehmertum besser zu verstehen. Derzeit gibt es eine Vielzahl von Forschungsarbeiten zu verschiedenen Themen, Methoden und Schwerpunkten. Dadurch wird es zunehmend schwieriger, den aktuellen Stand des Forschungsfeldes zu verstehen. Ziel dieser Studie ist es, ein umfassenderes Verständnis des Gründer-Narzissmus zu erlangen.

„Auch, wenn der Betrieb eines Start-ups chaotisch erscheinen mag, ist der Wertschöpfungsprozess doch hochgradig strukturiert. Wenn wir nicht verstehen, wie sich narzisstische Tendenzen auf die Entscheidungsfindung und die internen Abläufe eines Startups auswirken, haben wir kaum eine Chance zu verstehen, wie narzisstische Tendenzen die Leistung eines Startups beeinflussen. Die Forschung belegt, wie narzisstische Tendenzen Startups verändern“, so die Forscher.

Der Mythos des erfolgreichen Narzissten

Die innovativsten Produkte korrelieren mit narzisstischen Gründerpersönlichkeiten. Einhörner, private Startup-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro oder US-Dollar werden häufig durch innovative Technologie angetrieben. Die Studie stellt fest, dass es keine Hinweise auf die Überlebensrate von Unternehmen gibt, die extrem innovativ und ehrgeizig sind. Dennoch scheinen die Unternehmen, die überleben, mit Gründern zusammenzuhängen, die sehr narzisstisch sind.

„Da es sich bei diesen Einhörnern um die bekanntesten Startups handelt, besteht die Vorstellung, dass erfolgreiche Gründer narzisstisch sind, wobei viele Unternehmen mit narzisstischen Gründern, die gescheitert sind, übersehen werden. Diese Sichtweise kann jedoch irreführend sein, da es Anzeichen dafür gibt, dass sich die Vorteile des Narzissmus im Laufe der Entwicklung des Startups in Nachteile verwandeln“, so die Studie.

Autoren der Systematischen Literaturübersicht sind Dominik K. Kanbach (HHL), Bastian Burger (HHL) und Sascha Kraus (FU Bozen).

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