Von Lanzenreitern zu Alleskönnern: eine kurze Geschichte des Freelancings zum Tag des Freelancers

Sie waren frei arbeitende Söldner, Handwerker oder Hofnarren: Selbstständige gibt es schon seit Jahrhunderten. Zum Tag des Freelancers, der jährlich am 14. Mai gefeiert wird, sehen wir uns die Geschichte des Freelancings näher an – und wagen einen Blick in die Zukunft selbstständiger Arbeit.

Freelancing ist aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken: Annähernd die Hälfte der arbeitenden Weltbevölkerung ist heute selbstständig tätig. Auch hierzulande steigt die Zahl der Freiberufler:innen unaufhörlich: Waren es vor drei Jahrzehnten noch etwa 500.000, sind es inzwischen knapp 1,5 Millionen.

„Freelancing ist die Antwort auf viele Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen heutzutage auseinandersetzen müssen. So können Selbstständige beispielsweise dabei unterstützen, den allgegenwärtigen Fachkräftemangel abzufedern, flexibel kurzfristige Auftragsspitzen aufzufangen oder zusätzliche Expertise in Unternehmen einzubringen“, so Thomas Maas, CEO der Freelancing-Plattform freelancermap. Eine echte Erfolgsgeschichte ist das Freelancing aber schon seit Hunderten von Jahren.

Die Anfänge des Freelancings

Obwohl es – vor allem im militärischen Bereich – schon früher selbstständig Tätige gab, entstand der Begriff des „Freelancers“ erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Als sein Erfinder gilt der schottische Schriftsteller Sir Walter Scott, der 1820 in seinem Roman „Ivanhoe“ freie Lanzenreiter als „Free Lances“ betitelte. Im Laufe der Jahr(hundert)e wurde diese Bedeutung dann metaphorisch auf alle Personen übertragen, die ihre Fähigkeiten und ihr Wissen auf Projektbasis anbieten, ohne dabei fest an einen Arbeitgeber gebunden zu sein.

Solche Personen gab es schon im Mittelalter zuhauf und über die verschiedensten Berufsgruppen hinweg: Sie waren etwa Handwerker oder auch Künstler. So arbeitete auch ein Universalgenie wie Leonardo da Vinci selbstständig und auf Auftragsbasis, wenn er nicht gerade an einem adeligen Hof festangestellt war.

Auf dem Weg in die Moderne: Freelancing zu Zeiten der industriellen Revolution

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann die erste industrielle Revolution, die Anfang des 19. Jahrhunderts auch hierzulande Fahrt aufnahm. Mit ihr wandelte sich die Agrar- zur Industriegesellschaft, was zu erheblichen Veränderungen im Leben der Menschen – und damit auch der arbeitenden Bevölkerung – führte.

So implementierte der erste deutsche Reichskanzler, Otto von Bismarck, in den 1880er Jahren das weltweit erste Sozialgesetz, das eine Kranken-, eine Unfall- sowie eine Invaliden- und Altersversicherung beinhaltete. „Zugleich kam es zu einer Abgrenzung von freiberuflich Tätigen gegenüber anderen Formen der Erwerbstätigkeit wie Unternehmertum, Angestelltenverhältnis oder Lohnarbeit“, so der CEO von freelancermap. „Denn Selbstständige kamen nicht in den Genuss dieser modernen Entwicklungen.“

Freelancing-Boom im digitalen Zeitalter

Zu einem echten Freelancing-Boom kam es in Deutschland ab den 1970er-Jahren im Rahmen der dritten industriellen Revolution: Die Arbeitswelt begann, sich durch die fortschreitende Globalisierung und den technologischen Wandel massiv zu verändern.

Dies führte zu einer merklichen Zunahme von flexibleren, oft projektbezogenen Arbeitsformen, wie sie vor allem in den Bereichen IT, Beratung, Gestaltung und Medien vorkommen. Mit dem Einzug des Internets – und später der sozialen Medien – in den Lebensalltag der Menschen erhielt das Freelancing einen weiteren Schub: In immer mehr Branchen und Tätigkeitsbereichen sind Selbstständige zu finden.

Auch Freelancing-Plattformen wie freelancermap haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Sie ermöglichen es Freiberufler:innen, Aufträge leichter zu finden und ihre Dienstleistungen auch über regionale und staatliche Grenzen hinweg anzubieten.

Verbesserungsbedarf in Sachen soziale Absicherung von Selbstständigen gibt es jedoch nach wie vor: Freelancer müssen sich hierzulande auch heute noch selbst um Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern. Zumindest ihre Rechte und Arbeitsbedingungen sind inzwischen rechtlich festgeschrieben – wenn auch nur in Form einer Kombination von Gesetzen und Regelungen aus verschiedenen Gesetzbüchern, etwa dem Sozialgesetzbuch, der Gewerbeordnung und dem Einkommenssteuergesetz.

Die Zukunft des Freelancings

In einem sind sich Expert:innen einig: Die Zukunft der Arbeitswelt wird von Freelancern mitgestaltet. Als hervorragend qualifizierte und flexible moderne „Lanzenreiter:innen“ bilden sie schon heute das Rückgrat der Wirtschaft. Zudem hat sich Freelancing in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem echten Lebensstil entwickelt: Vor allem die Generationen Y und Z entscheiden sich immer häufiger gegen ein klassisches Angestelltenverhältnis.

In den USA sind bereits 52 Prozent der arbeitenden Generation Z als Freelancer unterwegs. Auch in Deutschland wird dieses Wachstum durch die jüngeren Generationen vorangetrieben. Aspekte wie Selbstbestimmung und Unabhängigkeit spielen zunehmend zentrale Rollen. Das sehen auch die Freelancer selbst so: Laut dem aktuellen Freelancer-Kompass 2024 von freelancermap würde sich nur ein Prozent der Befragten nicht wieder für das Freelancing entscheiden.

 

Eine kurze Geschichte des Freelancing.
Eine kurze Geschichte des Freelancing. | © freelancermap
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