Welthandel wird langfristig schwächer wachsen

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Der Welthandel ist in den vergangenen Jahren wesentlich schwächer gewachsen als in den Jahren zuvor, 2012 und 2013 sogar mit geringerer Rate als das Welt-BIP. Nach einer aktuellen RWI-Studie deutet vieles darauf hin, dass diese Wachstumsschwäche neben den konjunkturellen auch langfristig wirkende Ursachen hat; eine könnte ein wieder zunehmender Protektionismus sein.

Zudem haben viele Schwellenländer mittlerweile ein Entwicklungsstadium erreicht, in dem sie importierte Güter durch heimische Produktion ersetzen. Mit einer besseren Konjunktur wird der Welthandel zwar voraussichtlich in den kommenden Jahren wieder etwas stärker wachsen, aber wohl nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre erreichen.

Das Wachstum des Welthandels hat sich in den vergangenen Jahren stark verlangsamt. Während der Welthandel in den Jahren 1991 bis 2000 noch doppelt so schnell wie die Weltindustrieproduktion wuchs, nahm er zwischen 2010 und 2013 mit geringerer Rate als diese zu. Nach einer aktuellen RWI-Studie deutet vieles darauf hin, dass die derzeitige Wachstumsschwäche des Welthandels sowohl konjunkturelle als auch langfristig wirkende Ursachen hat. Zwar dürften die konjunkturellen Faktoren in den kommenden Jahren wieder an Bedeutung verlieren und der Welthandel wieder etwas stärker wachsen. Die langfristig wirkenden Faktoren dürften jedoch dafür sorgen, dass der Welthandel künftig nicht mehr so viel schneller als das Welt-BIP wachsen wird, wie dies in der Vergangenheit der Fall war.

Die voraussichtlich schwächere Entwicklung dieser so genannten „Einkommenselastizität“ des Welthandels, hier verstanden als das Verhältnis der Wachstumsrate von Welthandel und Weltproduktion, hat spürbare Konsequenzen für die kurz- und mittelfristigen Prognosen für die sehr exportorientierte deutsche Wirtschaft. Entsprechend wird künftig bei kurzfristigen Prognosen von einem geringeren Wachstum des Welthandels ausgegangen werden, als man es früher bei vergleichbarem Wirtschaftswachstum erwartet hätte.

Finanz- und Wirtschaftskrise haben den Welthandel geschwächt

Verantwortlich dafür, dass der Welthandel in den vergangenen beiden Jahren deutlich an Tempo verloren hat, ist vor allem die weltweite Wachstumsschwäche nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier dürfte insbesondere die Krise im Euro-Raum zu Buche geschlagen haben. Die hohe Arbeitsteilung zwischen den EU-Ländern erhöht deren Beitrag zum Welthandel, während das wirtschaftliche Gewicht der EU in der Welt aufgrund der geringen Größe vieler EU-Mitglieder deutlich niedriger ausfällt. Dementsprechend dürfte die Nachfrageschwäche in vielen Ländern des Euro-Raums den Welthandel stärker gedämpft haben als das Welt-BIP.

Dafür, dass der Welthandel zwischen 1991 und 2000 doppelt so schnell wuchs wie das Welt-BIP, waren vor allem drei Faktoren verantwortlich. Erstens wurde die Liberalisierung des Welthandels in diesem Zeitraum merklich vorangetrieben. Zweitens reduzierten sich die Transportkosten deutlich, so dass in der Folge Produktionsprozesse stärker auf verschiedene Länder verteilt wurden. Diese grenzübergreifenden Herstellungsprozesse erhöhten den Welthandel stärker als die Wirtschaftsleistung, in der Vorleistungsgüter nur einmal erfasst werden. Drittens stärkte die Entwicklung der aufstrebenden Schwellenländer den Welthandel, weil diese im Rahmen des wirtschaftlichen Aufholprozesses ihre heimischen Märkte öffneten.

Liberalisierung des Welthandels stockt, Protektionismus nimmt wieder zu

Diese drei Faktoren erklären nun aber auch einen Teil der aktuellen Wachstumsschwäche des Welthandels. So ist die Liberalisierung des Welthandels zwischenzeitlich ins Stocken geraten. Es gibt sogar Anzeichen, dass mit der Wirtschafts- und Finanzkrise der Protektionismus wieder zugenommen hat, Staaten also versuchen, durch Handelshemmnisse gegenüber ausländischen Anbietern ihren inländischen Markt zu schützen. Die Welthandelsorganisation (WTO) und andere warnen davor, dass die Handelsaktivitäten dadurch weltweit eingeschränkt werden.

Auch der Aufholprozess vieler Schwellenländer ist mittlerweile abgeschlossen. Mit steigender Kaufkraft erreichen deren Märkte eine Größe, bei der es sich lohnt, inländische Produktionskapazitäten für Güter aufzubauen, die bisher aus dem Ausland bezogen wurden. Diese Produktion lässt das Welt-BIP steigen, zugleich aber die Importquoten der Schwellenländer stagnieren oder sinken, was den Anstieg des Welthandels dämpft. Langfristig dämpfend auf den Welthandel könnte zudem wirken, dass mit steigendem Einkommen verstärkt persönliche Dienstleistungen nachgefragt werden. Diese werden nicht international gehandelt und sind daher auch nicht Teil des Welthandels.

Detailiert lesen Sie die Studie des RWI hier.

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