Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Hol­ding – Steu­er­spa­ren mit einer Hol­ding­struk­tur: Tipp für Gründer!

Hol­ding – das klingt nach rie­si­gen Unter­neh­men und weit­ver­zweig­ten, meist glo­bal akti­ven Netz­wer­ken. Hier wer­den sie auch häu­fig genutzt, denn eine Hol­ding bie­tet Absi­che­rung im Haf­tungs­fall, Steu­er­erspar­nis und – wenn man will – sogar Anony­mi­tät. Auch für so man­ches Start­up bie­tet die Hol­ding-Struk­tur tat­säch­lich hand­fes­te Vorteile.

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Was ist eine Holding?

Eine Hol­ding ist kei­ne geson­der­te Rechts­form, son­dern eine Orga­ni­sa­ti­ons­form. Eine Hol­ding besteht immer aus min­des­tens zwei Unter­neh­men, der Mut­ter­ge­sell­schaft und der Toch­ter­ge­sell­schaft. Als Hol­ding bezeich­net man die Mut­ter­ge­sell­schaft, auch Dach­ge­sell­schaft genannt. Die Mut­ter­ge­sell­schaft hält Antei­le an der Tochtergesellschaft.

Hol­dings kön­nen je nach Zweck unter­schied­lich auf­ge­baut sein, des­halb unter­schei­det man zwi­schen fünf Holding-Varianten.

Die 5 Hol­ding Varianten

Die Ope­ra­ti­ve Holding

Bei einer ope­ra­ti­ven Hol­ding ist die Mut­ter­ge­sell­schaft ope­ra­tiv tätig und führt die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten als Niederlassungen.

Die Manage­ment-Hol­ding

In einer Manage­ment-Hol­ding lie­gen wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen und das Con­trol­ling bei der Dach­hol­ding. Die­se kann ihren Fir­men­sitz aus steu­er­li­chen Grün­den in ein Land mit güns­ti­gen Steu­er­ge­set­zen verlegen.

Die Finanz­hol­ding

Über­nimmt die Hol­ding nur die Ver­mö­gens­ver­wal­tung oder dient als kon­zern­in­ter­ne Bank, spricht man von einer Finanzholding.

Die Orga­ni­sa­to­ri­sche oder struk­tu­rel­le Holding

Wird ein Unter­neh­men mit­tels einer Hol­ding in ver­schie­de­ne Spar­ten unter­teilt, han­delt es sich um eine orga­ni­sa­to­ri­sche oder struk­tu­rel­le Holding.

Grün­der­rat „Betei­li­gungs-Hol­ding gründen“:

Bei KMUs und Grün­dern ist die Betei­li­gungs-Hol­ding als Hol­ding­va­ri­an­te beliebt, in der die Hol­ding nur als Gesell­schaf­ter agiert und die ope­ra­ti­ve Steue­rung von der Toch­ter­ge­sell­schaft über­nom­men wird. Das senkt den Verwaltungsaufwand.

Wann ist die Grün­dung einer Hol­ding sinnvoll?

Gibt es meh­re­re Grün­der oder Gesell­schaf­ter, kann jeder ein­zel­ne eine eige­ne Hol­ding­ge­sell­schaft grün­den, die sich dann an der ope­ra­tiv täti­gen Toch­ter­ge­sell­schaft betei­ligt. Die­se Vari­an­te bie­tet sich vor allem bei Grün­dun­gen von Start­ups und Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men an, die spä­ter einen mög­li­chen Exit anstreben.

Wer schon bei der Grün­dung absieht, dass das Unter­neh­men nach eini­gen Jah­ren ver­kauft wird, soll­te sich direkt bei der Grün­dung für eine Hol­ding ent­schei­den. Denn bei einem Ver­kauf des Unter­neh­mens kann der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn in Höhe von etwa 98 Pro­zent für Reinves­ti­ti­ons­zwe­cke genutzt werden.

Grün­der­rat „Hol­ding-Struk­tur für bestehen­de Startups“:

Auch für bereits bestehen­de Unter­neh­men kann eine Hol­ding­struk­tur gegrün­det wer­den. Aller­dings pro­fi­tiert man bei einem Ver­kauf nicht sofort von den steu­er­li­chen Vor­tei­len der Hol­ding, hier gilt zuerst eine War­te­zeit von 7 Jah­ren. Fin­det der Ver­kauf vor­her statt, wer­den die abge­lau­fe­nen Jah­re seit Grün­dung der Hol­ding aber antei­lig berücksichtigt.

Vor­tei­le einer Holding

1. Steu­er­erspar­nis

Inner­halb einer Hol­ding­struk­tur kön­nen Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne der Toch­ter­ge­sell­schaft steu­er­lich güns­tig an die Mut­ter­ge­sell­schaft über­tra­gen wer­den. 95 Pro­zent des Betrags sind steu­er­frei. Die rest­li­chen 5 Pro­zent wer­den dann mit den übli­chen Regeln besteu­ert (15 Pro­zent Kör­per­schafts­steu­er plus 5,5 Pro­zent Soli plus 15 pro­zent Gewer­be­steu­er). Dar­aus ergibt sich eine Steu­er­ab­ga­be in der Regel von 1,5 bis 2 Pro­zent auf die Gesamtsumme.

Der so an die Hol­ding über­tra­ge­ne Ver­äu­ße­rungs­ge­winn kann für Reinves­ti­ti­ons­zwe­cke genutzt werden.

2. Schutz im Haftungsfall

Kommt es zum Haf­tungs­fall, schützt eine Hol­ding­struk­tur zusätz­lich das Ver­mö­gen. Vor­aus­ge­setzt, die Gewin­ne wur­den in die Hol­ding über­tra­gen, denn die Hol­ding­mut­ter haf­tet in der Regel nicht für ihre Toch­ter­un­ter­neh­men. Im Haf­tungs­fall kann des­halb nur auf das Ver­mö­gen der Toch­ter­ge­sell­schaft zuge­grif­fen werden.

Grün­der­rat:

Gibt es risi­ko­rei­che­re Berei­che im Unter­neh­men, kön­nen die­se in eine eige­ne Hol­ding-Toch­ter aus­ge­la­gert wer­den. Kommt es zum Haf­tungs­fall, bleibt der Scha­den auf die Toch­ter­ge­sell­schaft begrenzt.

3. Auf­tei­lung für das phy­si­sche Betriebsvermögen

Für den Haf­tungs­fall kann über eine Betriebs­auf­spal­tung durch eine Orga­ni­sa­ti­on als Hol­ding­ge­sell­schaft auch das phy­si­sche Betriebs­ver­mö­gen geschützt wer­den. Wird eine Toch­ter­ge­sell­schaft nur für Arbeits­ge­rä­te oder ähn­li­ches gegrün­det, ist das Betriebs­ver­mö­gen geschützt, wenn eine ande­re Hol­ding­toch­ter haf­tet. Zum Bei­spiel kön­nen teu­re Soft­ware-Lizen­zen oder Maschi­nen­parks in eine Besitz­ge­sell­schaft ein­ge­führt wer­den und sind von der ope­ra­ti­ven Toch­ter­ge­sell­schaft recht­lich getrennt.

4. Anony­me Holding

Aus ver­schie­de­nen Grün­den, zum Bei­spiel aus Image­zwe­cken oder zur Preis­dif­fe­ren­zie­rung, kann es sinn­voll sein, wenn nach außen nicht erkenn­bar wird, wer sich hin­ter einer Toch­ter­ge­sell­schaft ver­birgt. Die­se Anony­mi­tät erreicht man über zwi­schen­ge­schal­te­te Treu­hän­der. Außen­ste­hen­de wie Geschäfts­part­ner oder Lie­fe­ran­ten, aus­ge­nom­men das Finanz­amt, kön­nen dann nicht mehr erken­nen, wer das Unter­neh­men de fac­to führt.

Nach­tei­le der Holding-Struktur

In einem der wesent­li­chen Vor­tei­le der Hol­ding steckt auch ein Nach­teil: Der Ver­äu­ße­rungs­er­lös ist in den Hol­ding-Gesell­schaf­ten fest­ge­setzt. Sobald man den Erlös dort her­aus neh­men will, muss man doch Steu­ern zah­len. Hier beginnt dann die Welt der Finanz­fach­män­ner – es gibt ein paar Wege, hier Steu­ern zu sparen…

Bei einem Grün­dungs­team sind meh­re­re Gesell­schaf­ten schnell gegrün­det – doch dann kommt der Fol­ge­auf­wand: meh­re­re Buch­füh­run­gen, meh­re­re Jah­res­ab­schlüs­se und ver­schie­de­ne Verträge.

Eine Hol­ding grün­den – wie geht das?

Da sich eine Hol­ding aus min­des­tens zwei Unter­neh­men zusam­men­setzt, müs­sen ent­we­der zwei Unter­neh­men neu gegrün­det wer­den oder ein bestehen­des Unter­neh­men mit einem zwei­ten, mög­li­cher­wei­se neu gegrün­de­ten, Unter­neh­men zu einer Hol­ding­ge­sell­schaft ver­bun­den wer­den. Eine Hol­ding grün­den kann man mit:

  • UGs (haf­tungs­be­schränkt),
  • GmbHs,
  • AGs
  • oder Ltds.

Wer­den bei­de Unter­neh­men für die Hol­ding­struk­tur neu gegrün­det, kann das an einem Tag und wäh­rend des glei­chen Notar­ter­mins geschehen.

Die Grün­dun­gen der Gesell­schaf­ten lau­fen dabei wie nor­ma­le UG- oder GmbH-Grün­dun­gen ab. Der ein­zi­ge Unter­schied ist, dass die Hol­ding Antei­le der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten über­nimmt, bezie­hungs­wei­se als Gesell­schaf­ter der Toch­ter­ge­sell­schaft ein­ge­setzt wird. Infos zu Grün­dungs­pa­ke­ten, z.B. zur Grün­dung einer GmbH, gibt es hier.

UG Hol­ding grün­den – Beson­ders inter­es­sant für Existenzgründer

Seit Ein­füh­rung der UG in Deutsch­land ist der Auf­bau einer Hol­ding­struk­tur schon mit der Grün­dung von zwei UGs mög­lich. Da eine UG schon ab einem Euro Stamm­ka­pi­tal gegrün­det wer­den kann, ist eine Hol­ding­struk­tur mit zwei UGs auch mit sehr gerin­gem Stamm­ka­pi­tal­ein­satz umsetz­bar. Es ist mög­lich, eine UG als Mut­ter­ge­sell­schaft mit wenig Stamm­ka­pi­tal zu füh­ren und eine GmbH als ope­ra­ti­ve Tochtergesellschaft.

Die Hol­ding ist in Deutsch­land noch ein weit­ge­hend unbe­kann­tes Modell, obwohl sie gera­de für klei­ne und mit­tel­stän­di­ge Unter­neh­men vie­le Vor­tei­le bie­ten kann. Der zusätz­li­che Auf­wand einer Hol­ding und die Mehr­kos­ten, die durch die Buch­hal­tung für zwei oder mehr Gesell­schaf­ten und bei der Grün­dung ent­ste­hen, kön­nen sich durch­aus lohnen.

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