Selbstständig machen mit Craftbeer – So gründet ihr eure eigene Brauerei

Was aufstrebende Nachwuchs-Brauer wissen müssen, um sich ihren Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen, und woran sie dabei unbedingt denken sollten, erfahrt ihr in diesem Artikel.

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Deutschland ist das Land des Bieres und spätestens seitdem der Trend hin zum Craftbeer geht, gibt es viele Hobbybrauer, die ihr eigenes kühles Blondes herstellen. Meistens geschieht das eher im kleinen Stil. Was aber, wenn es einem nicht mehr reicht, nur für sich selbst, Freunde und Familie zu brauen? Der nächste logische Schritt ist die Gründung einer Brauerei. Es ist jedoch kein kleiner Schritt und es gibt auch einiges dabei zu beachten.

Schritt 1: Können, Wissen & eure Idee | So werdet ihr Brauer

Wer sich dazu entscheidet, eine eigene Brauerei zu gründen, handelt meistens aus Leidenschaft zum Bier. Mittlerweile sprießen ganz viele kleinere Brauereien mit ihren diversen Craft-Beer-Kreationen aus dem Boden und feiern zum Teil große Erfolge. Da macht es Sinn, dass ihr ein Stück von diesem Bier-Kuchen abhaben möchtet.

Wissen und Können der Brauereikunst

Leider reicht nicht nur eine Idee, sondern ihr benötigt auch ein wenig Erfahrung und Wissen über Bier. Ihr solltet also schon häufiger Bier gebraut haben. Das geht beispielsweise mit speziellen Bierbrausets, mit denen ihr euer Wohnzimmer oder eure Küche in eine Kleinstbrauerei verwandeln könnt. Dann solltet ihr euch Schritt für Schritt steigern. Nach und nach könnt ihr so eigene Rezepte für die verschiedensten Biersorten entwickeln.

Werdet zum Kuckucksbrauer

Doch ohne fundierte Ausbildung wird euer Vorhaben, aus dem Hobby ein Business zu machen, schwierig. Habt ihr selbst kein Braudiplom und wollt es zur Gründung auch nicht erwerben, dann solltet ihr euch einen Braumeister ins Team holen. Oder ihr werdet zu einem so genannten Kuckucksbrauer. Die Idee: Ihr verzichtet auf eine eigene Braustätte und mietet euch in einer bestehenden Brauerei ein. Die braut dann euer Bier nach eurer Rezeptur. Euer Vorteil: Die Investitionskosten sind überschaubar.

Übrigens stärkt ihr damit auch die kleineren Brauereien, vor allem die Familienbetriebe, denn unter dem Marktdruck der Großen finden diese Brauereien ein paar Nischen, die ihnen das Überleben sichern.

Bei eurer Planung solltet ihr folgende Punkte im Fokus behalten:

Euer Geschäft mit dem Bier ist stark saisonabhängig, Sommer geht es besser, im Winter werdet ihr weniger verkaufen. Wichtig ist das für eure Produktionsplanung, die ihr natürlich an den (absehbaren) Absatz ausrichten solltet. Ansonsten drohen hohe Lagerkosten oder Schwierigkeiten mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eurer Produkte.

Das wichtigste ist der Vertrieb: Ihr werdet viel Zeit und Energie darauf verwenden, eure Marke zu entwickeln und eure Biere unter die Leute zu bringen. Überlegt euch euer Konzept genau, klärt für euch, ob eure Biere im Handel oder besser in der Gastronomie verkauft werden.

Der Boom vieler kleiner innovativer Softdrink-Gründungen der vergangenen Jahre hat deutliche Dellen bekommen. Viele der kleinen Anbieter sind daran gescheitert, dass plötzlich der Markt an Mehrweg-Flaschen wie leergefegt war. Das droht auch Bier-Herstellern. Also achtet darauf, hier nicht von der Versorgung abgeschnitten zu werden.

Schritt 2: Eine Brauerei eröffnen | Genehmigungen, Vorgaben und Lizenzen

Eine bestimmte Ausbildung ist in Deutschland nicht vorgegeben, um eine eigene Brauerei zu gründen. Aber es gibt die …

Das braucht ihr: Die staatliche Braulizenz

Hobbybrauer dürfen in ihrem Haushalt zum eigenen Verbrauch Bier bis zu 200 Liter pro Jahr steuerfrei herstellen. Dieses Bier darf aber nicht verkauft werden. Und vor dem ersten Brauvorgang ist dies dem zuständigen Hauptzollamt anzeigen, so sieht es das Biersteuergesetzes (BierStV) vor.

Bei Verkauf oder Ausschank von selbst gebrautem Bier ist eine Biersteuer von Beginn an zu entrichten und eure Braumenge anzumelden. Das für euch zuständiges Zollamt findet ihr unter www.zoll.de.

Vorteil der Kuckucksbrauer: Sie benötigen keine eigene Lizenz sondern es reicht, wenn die Brauerei, mit der sie zusammenarbeiten, eine hat.

Für Ausschenker: die Schanklizenz

Wollt ihr euer Bier direkt in eurer Kneipe, eurem Club oder Restaurant verkaufen, benötigt ihr in einigen Bundesländern eine Gaststättenbetriebserlaubnis, auch Schanklizenz genannt.

Voraussetzungen sind:

  • Nachweis persönliche Zuverlässigkeit
  • Teilnahme an einer Gaststättenunterrichtung (IHK)
  • geeignete Gasträume, die den lebensmittel- und baurechtlichen Bestimmungen genügen

Richtige Rechtsform und Gewerbe anmelden

Wenn ihr eure Brauerei als Gewerbe anmelden wollt, müsst ihr euch vorher für eine Rechtsform entscheiden. Die geläufigsten Rechtsformen für einen Bierbraubetrieb sind UG, GmbH oder GmbH & Co. KG. Je nach Wahl solltet ihr allerdings beachten, dass sich die einzelnen Rechtsformen steuerlich unterscheiden. Sobald ihr euch entschieden habt, solltet ihr euch um euren Eintrag ins Handelsregister kümmern.

Unabhängig von der Rechtsform müsst ihr euch mit eurem Firmensitz beim entsprechenden Gewerbeamt anmelden, damit euch das zuständige Finanzamt auch erfassen kann. Nach der Prüfung bekommt ihr eine Steuernummer, mit der ihr dann Rechnungen ausstellen dürft.

Handwerkskammer – Keine Pflicht

Die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer ist für Bierbrauer keine Pflicht. Doch es kann sich für euch lohnen, trotzdem Mitglied zu werden.

Mitarbeiter – dann Berufsgenossenschaft

Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Unternehmen und deren Beschäftigte. Ihr müsst euch selbständig bei der Berufsgenossenschaft anmelden, das gilt auch für Kleinunternehmer ohne Personal. Als Bierbrauer kommt für euch zum Beispiel die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) infrage.

Das deutsche Reinheitsgebot

In Deutschland unterliegt Bier dem Reinheitsgebot. Das ist genau in der Bierverordnung festgeschrieben. Es ist also gesetzlich geregelt, dass untergäriges Bier in Deutschland nur aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser bestehen darf. Allerdings werden im weiteren Gesetzestext noch weitere Sonderregelungen eingeführt, die ein wenig mehr Freiheit schaffen. Weicht ihr jedoch zu sehr von diesen Bestimmungen ab, benötigt ihr noch weitere Sondergenehmigungen.

Denn das Reinheitsgebot ist eher Zeichen für die Bewahrung der traditionellen Braukunst als Gesetz. Viele Zusatz- und Hilfsstoffe sind doch erlaubt und werden vor allem in der industrielle Großproduktion auch verwendet. „Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot“ hat heutzutage nicht mehr viel mit der ursprünglichen Braukunst zu tun hat, wie sie vor 500 Jahren verbreitet war.

Für euch stellt sich die Frage, ob ihr auf dieses Label Wert legt oder lieber die Freiheit nutzen wollt, euer Bier nach euren Vorstellungen zu kreiieren.

Hygiene und Konzession – Weitere Auflagen

Mit am Wichtigsten sind jedoch die geltenden Hygienevorschriften, über die man sich im Vorfeld beim Gesundheitsamt informieren sollte. Dazu gehören die regelmäßige Reinigung der Anlage und die richtige Aufbewahrung der Zutaten und des Endprodukts sind dabei ebenfalls sehr wichtig.

Hinzu kommen Auflagen, die von Ort zu Ort unterschiedlich sind. Beispielsweise braucht man für das gewerbliche Bierbrauen eine sogenannte Konzession. Dazu müsst ihr normalerweise ein fachliches Grundwissen nachweisen.

Schritt 3: Skalierung vom Produkt zum Business | Businessplan und Finanzierung

Gerade am Anfang spielt das Finanzielle eine große Rolle. Denn es müssen nicht nur Räumlichkeiten angemietet oder sogar gekauft werden, sondern auch die passenden Gerätschaften angeschafft werden. Selbst bei einer eher kleineren Brauerei ist ein gewisses Startkapital nötig. Zunächst solltet ihr schon eine gewisse Summe angespart haben, der Rest wird in der Regel mittels Kredit finanziert oder durch ein Darlehen ergänzt. Vor allem online findet man viele Angebote, bei denen die Finanzierung relativ unkompliziert abläuft.

Damit ihr euch bei der Rückzahlung nicht verzettelt ist es wichtig, dass ihr einen Businessplan entwerft, nach dem ihr euch richten könnt. Dazu solltet ihr euch folgende Fragen stellen:

  • Wie sieht die Zielgruppe aus?
  • Was für ein Konzept wird die Brauerei haben?
  • Welche Einnahmen/Ausgaben werden erwartet?
  • Wie hoch wird der Preis für das Bier sein?
  • Gibt es irgendwelche Risiken, die beachtet werden müssen?

Wichtiges Kriterium: Standort

Bier, das gebraut wird, will auch getrunken werden. Viele kleinere Brauereien kombinieren das Brauen mit der Gastronomie. Dadurch kann wiederum zusätzliches Geld in die Kassen gespült werden. Gerade dann ist der Standort besonders wichtig. Am besten sind hier Räumlichkeiten geeignet, die leicht ohne größeren Aufwand erreichbar sind.

Allerdings ist dann zusätzlicher Platz von Nöten. Ihr benötigt Räume für den Brauereibereich, für die Gastronomie und ein Extra-Büro ist von Vorteil, um den nötigen Papierkram zu erledigen. Auch die Miete sollte bei den Kalkulationen im Vorfeld beachtet werden.

Wirtschaftlich planen: Kosten der Gründung einer Brauerei

Auch wenn die genauen Kosten für die Gründung einer Brauerei sich pauschal nicht leicht beziffern lassen: Zieht ihr euer Unternehmen von Null auf 100 und komplett auf, dann könnt ihr mit einem großen Budget rechnen.

Grundsätzlich hängt die genaue Höhe von eurem Geschäftsmodell ab. Als Gründung einer Kuckucksbrauerei könnt ihr euch bei der Finanzierung auf Produktentwicklung und Sales konzentrieren und spart euch hohe Investitionskosten für die eigene Brauerei.

Doch diese (minimalen) Kosten solltet ihr in jedem Falle kalkulieren:

  • Miete (Büro)
  • Strom
  • Personalkosten
  • Lager
  • Fuhrpark
  • Beratungskosten und Gebühren für Anwalts- und Notarbüros
  • Lizenzgebühren
  • Website
  • Marketing
  • Versicherungen
  • Gründungskosten wie Anmeldungen, Verträge etc

Schritt 4: Euer Bier zum Kunden | Marketing und Vertrieb

Grundsätzlich sollte für euch folgende Grundregel im Vertrieb gelten: Ist das Bier erstmal gebraut, muss es schnellsten von der Brauerei ins Lager und von dort zur Kundschaft. Könnt ihr das Lager sparen – umso besser.

Mögliche Vertriebswege für euer Bier

Diese Wege vom Sudhaus zur Kundschaft gibt es, natürlich könnt ihr die verschiedener Vertriebskanäle auch kombinieren:

  • zum Einzel- oder Zwischenhandel
  • direkt zur Gastronomie
  • in euren eigenen Laden oder Schankraum
  • über Onlineshops

Für den Onlinevertrieb spricht, dass ihr den Gewinn nicht mit Zwischenhändlern teilen müsst. Auch teure Verkaufs- oder Schankräume und Personal dafür spart ihr euch. Auf der anderen Seite sthet der finanzielle Aufwand für den Versand und die hohen Versandkosten.

Über die Einzel- und Zwischenhändler wird es zu Beginn besonders mühsam, weil bei der Vielzahl von Konkurrenzprodukten die Einkäufer nur schwerlich von einer weiteren Biermarke zu überzeugen sind. Dafür sind hier die Umsätze sicher die besseren.

Wenn ihr euch den Aufwand eines eigenen Schankraumes ersparen wollt – bleibt für den Start nur der Direktvertrieb in die Gastronomie. Euer Vorteil dabei: Gastronomen sind in der Regel experimentierfreudig, wollen dem Publikum etwas neues bieten, der Regionalfaktor ist in vielen Läden wichtig und ihr könnt auf Augenhöhe sprechen und verhandeln. Aber: Euch stehen viele einzelne Verkaufsgespräche bevor.

Marketing – Genug aber kein Geld verbrennen

Ihr solltet von Anfang einrechnen: Ein neues Produkt auf einen gesättigten Markt zu platzieren, ist keine einfache Aufgabe. Und schwierig ist in der Regel teuer. Deswegen: Macht von Anfang an eure Hausaufgaben, klärt die USP eures Produktes, denkt das Produkt schon zu Beginn aus der Marketing-Sicht. Warum sollten Menschen dieses Bier bevorzugen? Wie könnt ihr das präsentieren? Wo erreichst du deine potenzielle Kundschaft? Und welche Kanäle nutzt sie? In welche Bars und Restaurants geht sie?

Nutzt das Internet, um eure Marke aufzubauen, sie bekannt zu machen, schaut euch an, wie andere Marken ihre Produkte inszenieren.

Auch klassische Werbemaßnahmen können euch in dem regionalen Markt helfen.

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