Nachfolgestory Weinladen.de: Vom Projektmanager in einer Holding zur Gründerin

Stephanie Döring hat weinladen.de von Anfang an aufgebaut. Die Sommelière war Projektverantwortliche in einer großen Holding. Als das Startup im Großunternehmen abgewickelt werden sollte, hat sie ihre Chance ergriffen und wurde Nachfolge-Gründerin. Mit Erfolg. Die ganze Nachfolgestory lest ihr hier.

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Name: weinladen.de | WSP weinladen Service GmbH Startup aus: Hamburg Nachfolge: 2019 Gründerin: Stephanie Döring  Webseite: www.weinladen.de

Vor der Nachfolge: Mein Weg als Gründerin

Schon während meiner harten Ausbildung zur Hotelfachfrau knüpfte ich wesentliche Kontakte in die Welt der Weine und bildete mich unermüdlich fort. Schon bald entdeckte Gordon Ramsay mein Talent und machte mich zur Chef-Sommelière in einem seiner Londoner Restaurants.

Von dort ging die Reise weiter nach New York, Prag, Versailles und Kapstadt, wo ich für den Sternekoch neue Restaurants eröffnen durfte. Bei meinem Drang, mehr über Wein zu lernen und ganz nah am Produkt zu arbeiten, hatte ich das Glück, als auf einem der renommiertesten Weingüter in Südafrika, als Praktikantin aufgenommen zu werden. Eine in jeder Hinsicht glückliche Entscheidung.

weinladen.de Gründerin Stephanie Döring ist stolz auf das Erreichte: Ein Startup aus einer Holding ist nun ihr ganz eigenes Projekt

Schließlich begegnete ich dort dem damaligen Geschäftsführer der Hawesko GmbH, der mich unmittelbar mit dem Aufbau der jungen Weinmarke „tvino.de“ in seinem Unternehmen betraute. 

Wunschunternehmen: So fand ich den Nachfolgekandidat

Eigentlich gab es gar keine Wahl. Ich liebe meinen Job und daher war es – trotz aller finanziellen Unsicherheiten – eine große emotionale Entscheidung.

Situation des Unternehmens vor Nachfolge

Aus dem Projekt „tvino.de“, dass ihr für die Hawesko GmbH aufgebaut habe, wurde „weinladen.de“ mit zwei stationären Weinläden in Hamburg und Köln. Den Overhead für dieses Projekts übernahm Jacques‘ Weindepot als erfahrene Marke im stationären Handel innerhalb der Hawesko Holding.

„weinladen.de“ wurde in diesem Prozess als eine Art innovatives Startup im eigenen Konzern betrachtet. Seit 2019 ist diese junge Marke eigenständig aus der Hawesko Holding herausgelöst.

Die Idee von „weinladen.de“ basierte immer auf einem Multi-Channel Konzept: Online Handel, stationärer Handel, Gastronomie, Events und B2B. Wir waren von Anfang an mit einem sehr kleinen Kernteam auf vielen Kanälen sehr aktiv, agil und erfolgreich.

Dass es zu Reibungen innerhalb der Konzernstruktur mit einem Startup kommt, liegt in der Natur der Sache. Und wir waren niemals mit einem eigenen Budget ausgestattet, das uns eigenständiges Handeln wirklich ermöglicht hätte.

Auch wenn wir jederzeit großartigen Support durch die Hawesko Holding bzw. Jacques‘ Weindepot erhalten haben, mahlten die Mühlen dort in einem anderen Tempo und in anderen Strukturen. Tatsächlich waren wir in den Holding Strukturen mit unserem Startup immer einen Schritt voraus.

Die Netzwerke, die ich dort aufbauen konnte, wollte ich einfach besser und schlanker bespielen. Eben nicht mehr spartengetrieben Arbeiten, sondern schneller und agiler auf die Bedürfnisse der Zielgruppen reagieren.

Dein Weg zur Übernahme

Glücklicherweise war die Übernahme ein beidseitiger, konstruktiver Prozess. Dennoch überforderte mich das Ergebnis der Ablöseverhandlungen finanziell.

Übernahmeprozess: So lange hat es gedauert

Der Übernahmeprozess ging relativ schnell. Innerhalb eines halben Jahres wurde alles abgewickelt. Dann stand ich da. Mit zwei stationären Weinläden und Bars in Hamburg und in Köln – ohne wirkliche Kreditwürdigkeit. Die Banken waren zudem überfordert, mich einzuordnen.  Gastronomin? Weinhändlerin? Sommelière?

Finanzierung: Die Herausforderungen bei der Übernahme

Ich musste mir erst einmal Geld von Freunden leihen, da das Projekt weinladen.de auch Banken gegenüber schwer darstellbar war. Auch deshalb hatte die Hawesko Holding nicht an dem Projekt festgehalten.

Private Rücklagen hatte ich nicht. Mein einzig vorhandenes Kapital war ein großartiges Netzwerk, an das ich glaubte. Von dem ich mir aber zunächst Nichts kaufen konnte. 

Zudem musste ich mein kleines Kernteam davon überzeugen, aus der sicheren Betriebsstruktur eines Konzerns in ein Unternehmen zu wechseln, an dessen Zukunft wir nur alle glauben konnten. Ich bin sehr dankbar, dass alle diesen Weg mitgegangen sind.

Auch bei vielen Winzern war die Verunsicherung zunächst groß und Vorauskasse gefragt. Der Rollen- und Positionswechsel stellt viele Geschäftsbeziehungen ganz neu auf.

Motivation: Daher kam die Kraft für den Übernahmeprozess

Die unglaubliche Solidarität, die ich mit dem Hamburger Weinladen auf St. Pauli erfahren durfte, ist überwältigend. Dass wir dort unsere Philosophie „Wein ohne Dresscode“ im wahrsten Sinne des Wortes leben konnten, hat uns nicht nur als Unternehmen bestätigt, sondern vor allem sehr viel emotionalen Rückhalt gegeben – auch aus branchenfremden Bereichen.

Außerdem wurde mit der von uns gelebten Philosophie „Wein ohne Dresscode“ sowie unseren Weinläden in Hamburg St. Pauli und in der Kölner Südstadt mein Unternehmen „weinladen.de“ mehrfach von der Fachwelt ausgezeichnet, u. a. als bester „Weinhändler des Jahres 2019“ und als „Gerolsteiner WeinPlaces“.

Mein Netzwerk: Berater, Wegbegleiter & Unterstützer

Das Netzwerk, das ich aufgebaut hatte, bestärkte mich in meiner Entscheidung. Ohne Vertraute und sehr gute Freunde wäre ich diesen Schritt in die Selbstständigkeit nie gegangen. Zudem unterstützten mich meine Vorgesetzten bei Hawesko und nicht zuletzt Wolf Wilder.

Rückblick: Fehler & Dinge, die ich anders machen würde…

Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung, auch wenn es nach wie vor ein harter Weg ist. Ich habe mir schon immer viel vorgenommen. Dabei habe ich manchmal mein kleines Team mit meinen Ansprüchen maßlos überfordert. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mehr Zeit für eine Übernahme gehabt, weil die Erwartungen an das Unternehmen sehr hoch und die Ressourcen sehr knapp waren.

Deine Tipps für Nachfolge-Gründer …

Nicht alles, was man mitnimmt an Erfahrungen und Strukturen, muss unbedingt überworfen werden. Dennoch ist es wichtig, alle Beteiligten auf einen Neuanfang einzuschwören. Eine Übernahme ist ein Restart unter neuer Flagge mit Potentialen, die in einer neuen Struktur ausgebaut und entwickelt werden können. Für mich stand immer ein Aspekt im Vordergrund: welche brachliegenden Bereiche und Aufgaben wir nun endlich zusammen angehen können. Das ist der Motor für Innovation. Nachtreten ist für mich ebenso tabu wie das Schönreden der Vergangenheit.

Darauf sollten Gründer achten …

Ohne Verbündete braucht man nicht anfangen. An erster Stelle steht Schwächen zu erkennen und schnell vertrauenswürdige Partner zu finden, um das zu kompensieren.

Überblick Unternehmensdaten weinladen.de

Name: weinladen.de | WSP weinladen Service GmbH
Logo:
Nachfolge Datum: 2019
Nachfolge Modell: Management Buy Out
Gesellschaftsform: GmbH
Gründerin/Nachfolgerin: Stephanie Döring
Hier findet ihr uns: Kronsaalsweg 70, 22525 Hamburg
Website: www.weinladen.de

 

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