Gründungszuschuss 2022: Anspruch, Höhe, Voraussetzungen sowie der richtige Antrag bei der Agentur für Arbeit

Im vergangenen Jahr hat die Bundesagentur für Arbeit ihr Budget für die Gründungsförderung aus der Arbeitslosigkeit verdoppelt.

 Auch 2022 soll der Zuschuss helfen, direkt aus der Arbeitslosigkeit zu gründen und sich ein eigenes Geschäft aufzubauen. Doch wie funktioniert der Gründungszuschuss 2022?

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So beantragt man den Gründungszuschuss 2022

Aus der Arbeitslosigkeit zum Unternehmer: Der Gründungszuschuss kann – richtig genutzt – die notwendige Starthilfe in ein erfolgreiches Leben als Gründer und Unternehmer sein. Dafür sollte man aber einiges wissen – und das Richtige tun.

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Anspruch auf Gründungszuschuss: Wer darf die Förderung beantragen?

Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Bezieher von Arbeitslosengeld I, unter Umständen auch anderer Leistungen nach SGB III, wenn sie noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen haben, und mit der Gründung eines Unternehmens ihre Arbeitslosigkeit beenden wollen. Die Gewährung des Gründungszuschusses ist aber eine Ermessensleistung – das heißt dein Vermittler entscheidet, ob du die Förderung bekommst.

Diese Punkte musst du für den Anspruch auf Gründungszuschuss erfüllen:

  • Als Antragsteller muss man ALG I beziehen und zwar mindestens einen Tag, bevor gegründet wird.
  • Erst nach Ausschöpfung des Arbeitslosengelds zu gründen ist auch nicht zulässig, der Restanspruch von 150 Tagen muss eingehalten werden.
  • Vermittlungsvorrang in den Arbeitsmarkt: Der Arbeitsvermittler wird in jedem Fall prüfen, ob es zur Gründung die Vermittlungsalternative gibt. Das heißt: Im Zweifel wird er versuchen, Sie in ein adäquates Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln.
  • Da die Zuerkennung im Ermessen des zuständigen Vermittlers liegt, muss man als Antragsteller vor allem eines: überzeugen. Am besten mit einem guten Businessplan und einem stichhaltigen Finanzkonzept.
  • Der Gründungszuschuss endet in jedem Fall mit Erreichen des 65. Lebensjahres.
  • Bei wiederkehrender Arbeitslosigkeit wird der neuerliche Anspruch auf ALG I um die Zahl der Tage verkürzt, für die der Gründungszuschuss bezogen wurde.

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Gründungszuschuss Voraussetzungen 2022: Was wird gefördert?

Gefördert werden alle selbständigen, hauptberuflichen Tätigkeiten, wenn sie die festgelegten Voraussetzungen erfüllen: Es muss sich hierbei um ein tragfähiges, Erfolg versprechendes Unternehmenskonzept handeln, der Antragsteller muss die erforderlichen fachlichen und persönlichen Eignungen für diese Tätigkeit mitbringen und auch die materiellen Voraussetzungen für eine unternehmerische Tätigkeit haben. All diese Voraussetzungen sollten nach Möglichkeit auch zweifelsfrei belegt werden können.

Wichtige Punkte, die gerne übersehen werden:

  • Die Tätigkeit muss in hauptberuflichem Umfang ausgeübt werden und der zu erwartende Gewinn muss ausreichen, um die Existenz zu sichern.
  • Fachliche Eignungen kann man nachweisen, persönliche Eignung sollte man auch be-weisen: durch Ergreifen der Initiative, Pünktlichkeit, eigenes Engagement und Zuverlässigkeit. Auch als Persönlichkeit muss man überzeugen.
  • Überzeugend sind nur harte, nachprüfbare „Facts“ und klare, logische Argumente. Große Träume und sehr großes Selbstbewusstsein allein befähigen noch nicht zur Selbständigkeit. Das sollte man im Auge behalten: Businessplan, Liquiditätsplanung, Rentabilitätsvorschau.

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Dauer und Höhe des Gründungszuschusses: Wie hoch ist die Förderung 2022 und wie lange bekomme ich Geld?

Die Förderung läuft in zwei Phasen ab, in der jeweils unterschiedliche Förderhöhen gelten:

  • In der ersten Phase des Gründungszuschusses, die 6 Monate dauert, wird die gesamte Höhe der ALG I Leistung weiterbezahlt. Dazu kommt ein Betrag von 300 EUR zur sozialen Absicherung des Antragstellers.
  • Danach kommt es zu einer Neubewertung: Die Arbeitsagentur prüft die Aktivitäten des Antragstellers während der sechsmonatigen Förderphase und die Tragfähigkeit des Konzepts noch einmal anhand der erreichten Ergebnisse. Die geplanten Ziele für die ersten sechs Monate im Geschäftsplan sollten dabei möglichst erreicht worden sein.
  • Danach kann sich eine zweite Förderphase von insgesamt 9 Monaten anschließen, sofern die Beurteilung erfolgreich ausfällt. Hier wird allerdings nur noch der monatliche Betrag von 300 EUR zur sozialen Absicherung von der Arbeitsagentur geleistet.

Gründerküche Tipp: Der Gründungszuschuss ist bereits euer erster Firmenumsatz. Ihr solltet ihn deshalb von euren privaten Einkünften trennen. Dafür solltet ihr unbedingt ein extra Konto haben. Die besten Geschäftskonto-Anbieter findet ihr hier.

Vorsicht bei Hinzuverdienst zum Gründungszuschuss!

Klar: bei niedrigem Anspruch auf Arbeitslosengeld-I gibt es auch nur einen geringeren Gründungszuschuss. Da scheint es logisch, dass Existenzgründer während der Anlaufphase der Selbständigkeit den Lebensunterhalt durch eine nichtselbständige Nebentätigkeit aufbessern. Doch hier ist Vorsicht geboten: Eine Förderung ist nur möglich, wenn die selbständige Tätigkeit hauptberuflich ausgeübt wird. Die nebenberufliche – nichtselbständige – Tätigkeit darf 15 Wochenstunden nicht übersteigen. Auf den Verdienst kommt es dabei nicht an. Die Teilzeit darf durchaus mehr abwerfen, als die hauptberufliche Selbstständigkeit.

Nebentätigkeit abklären

Zusätzliche Beschäftigungen müssen während des Förderbezugs bei der Arbeitsagentur angegeben werden. Kläre unbedingt bereits im Vorfeld mit deinem Arbeitsvermittler, ob die geplante Nebentätigkeit zulässig ist und nicht zu einem Abbruch der Förderung führen könnte.

Gründungszuschuss und Krankenversicherung

Bezüglich eurer Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung solltet ihr folgendes wissen: Der Gründungszuschuss wird als Einnahme gewertet, d.h. je nach eurer Einnahmesituation könnte es passieren, dass eure Krankenkassenbeiträge steigen.

Als Selbstständiger mit gesetzlicher Krankenversicherung zählt ihr zur Gruppe der freiwillig Versicherten. Die Höhe eurer Krankenkassenbeiträge richtet sich nach euren Einnahmen, dem allgemeinen Beitragssatz und einem individuellen Zusatzbeitrag. Für die Berechnung müsst ihr sämtliche Einnahmen einrechnen, relevant sind auch:

  • Unterhaltszahlungen (falls vorhanden)
  • Kapitalerträge aus Dividenden oder Zinsen
  • Einnahmen aus Verpachtung/Vermietung
  • Rentenzahlungen
  • gewährter Gründungszuschuss (abzüglich der Pauschale über 300 Euro für die soziale Grundsicherung)

Damit kann sich der Gründungszuschuss – gedacht als finanzielle Erleichterung – schnell auch zum Nachteil entwickeln, weil er zu höheren Krankenkassenbeiträgen führt. Es lohnt sich deshalb die Überlegung, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Vorteile der privaten Krankenversicherung (PKV) für Gründer

Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung GKV orientieren sich an den Einkommen der Versicherten. In der PKV sind die Beiträge einkommensunabhängig. (Ausnahme: Angestellte müssen ihr Einkommen nachweisen, wenn es über der aktuellen Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt).

Übrigens erspart euch das auch Arbeit: Denn in der PKV fallen stetige Nachweise über eure persönlichen Einnahme- und Vermögensverhältnisse weg. Der Gründungszuschuss hat hier also keinen Einfluss auf eure Beiträge in der privaten Krankenversicherung.

Mit dem Existenzgründerstart solltet ihr also prüfen, ob sich für euch eine privaten Krankenversicherung lohnt. Der Anbieter ottonova adressiert explizit Gründer und punktet damit, seine Beiträge nicht regelmässig zu erhöhen.

Hier haben wir für euch eine ausführliche Übersicht über mögliche private Krankenversicherungen für Selbstständige.

Antrag auf Gründungszuschuss: welche Unterlagen brauche ich 2022?

Den entsprechenden Antrag auf Gründungszuschuss hält euer zuständige Vermittler der Arbeitsagentur für euch bereit. Darüber hinaus sind alle Unterlagen beizubringen, die möglichst umfassend

  • die fachliche und persönliche Eignung von euch als Gründer belegen
  • den zu erwartenden Erfolg eurer Geschäftstätigkeit belegen.

Die Unterlagen für den Gründungszuschuss 2022 im Überblick:

  1. ausgefüllten Antrag auf Gründungszuschuss
  2. Businessplan mit Kapitalbedarfsplan und Finanzierungsplan
  3. Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
  4. Tragfähigkeitsbescheinigung (= Gutachten von fachkundiger Stelle)
  5. Lebenslauf
  6. Nachweis der Anmeldung der selbständigen Tätigkeit (Gewerbeamt oder Finanzamt)

Wichtige Unterlage 1: Der Geschäftsplan oder Businessplan

Im Businessplan werden sowohl das Gründungsvorhaben beschrieben, als auch eine umfassende Finanzplanung und eine Umsatz- und Rentabilitätsvorausschau, die sich mindestens über 3 Jahre erstrecken sollen, sachlich korrekt dargelegt. 

Wichtige Unterlage 2: Die Tragfähigkeitsbescheinigung (= das Gutachten von fachkundiger Stelle)

Euren Businessplan müsst ihr von einer geeigneten fachkundigen Stelle begutachten lassen, damit diese euch eine Bescheinigung über die Tragfähigkeit des Vorhabens gibt (daher auch „Fachkundige Stellungnahme“ oder „Tragfähigkeitsbescheinigung„). Fachkundige Stellen können die entsprechenden Kammern sein, aber auch Wirtschaftsförderungen, Startercenter, Unternehmensberater oder auch Gründerzentren, bzw. Gründerberater.

Wichtige Unterlage 3: Nachweis der Qualifikation

Zum Nachweis der persönlichen und fachlichen Qualifikation (u.a. nachweisbare berufliche Erfahrung, kaufmännische Qualifikation) kann der Besuch bei einem Vorbereitungskurs oder Existenzgründerseminar notwendig sein. Erfragt bei eurem Arbeitsvermittler, was er hier von euch erwartet.

Gründungszuschuss beantragen

Die Gründerküche Checkliste

Wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Antrag auf Gründungszuschuss, auch 2022: Der Faktor Überzeugung

Für euch als Antragssteller ist es wichtig, sowohl fachlich als auch persönlich zu überzeugen. Darauf sollte größtes Augenmerk gelegt werden, da der Gründungszuschuss wie oben erwähnt, eine Ermessensleistung ist. Überzeugen kann man dabei sowohl durch sein persönliches Verhalten und sein ernsthaftes Bemühen als auch durch seine Fachkenntnis und durch immer nachprüfbare und nachvollziehbare Aussagen.

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