Neue Studie: Viele Deutsche fühlen sich digital nur mittelmäßig fit
Dass der bundesweite Digitaltag in diesem Jahr die digitale Teilhabe und Kompetenzen in den Mittelpunkt gestellt hat, kommt nicht von ungefähr: Noch immer hat über ein Drittel der Deutschen Hemmungen, digitale Angebote zu nutzen.
Ob Online-Banking, KI-Tools oder Behördengänge im Netz: Die Digitalisierung gehört für die meisten längst zum Alltag. Trotzdem fühlen sich viele Menschen in Deutschland im Umgang mit digitalen Technologien noch unsicher. Das zeigt eine aktuelle Studie, die anlässlich des Digitaltags 2026 vorgestellt wurde.
Demnach bewerten die Deutschen ihre eigenen Digitalkompetenzen im Durchschnitt mit der Schulnote 2,6 – also „befriedigend“. Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Generationen: Während sich die 16- bis 29-Jährigen mit einer 2,1 vergleichsweise gute Kenntnisse bescheinigen, geben sich Menschen über 75 Jahren lediglich die Note 3,6.
Hinzu kommt: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) hat das Gefühl, dass sich digitale Technologien schneller weiterentwickeln, als sie neue Fähigkeiten erwerben können.
Die meisten bringen sich digitale Fähigkeiten selbst bei
Wenn es darum geht, neue digitale Kompetenzen zu lernen, setzen die meisten auf Eigeninitiative. Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) probieren neue Anwendungen einfach selbst aus. 71 Prozent lassen sich von Freunden, Familie oder Bekannten helfen.
Auch digitale Lernangebote spielen eine wichtige Rolle: Knapp die Hälfte (49 Prozent) nutzt Videos, etwa auf YouTube, um sich Wissen anzueignen. Bereits 45 Prozent greifen dabei auch auf KI-Anwendungen wie ChatGPT zurück. Klassische Weiterbildungsangebote werden dagegen deutlich seltener genutzt. 37 Prozent haben bereits Online-Schulungen besucht, 27 Prozent Seminare vor Ort.
Digitalisierung wird überwiegend positiv gesehen
Trotz aller Unsicherheiten blickt die große Mehrheit grundsätzlich optimistisch auf die Digitalisierung. 83 Prozent sehen sie als Chance für die Gesellschaft. Vier von fünf Befragten sagen, dass digitale Geräte und Anwendungen ihren Alltag erleichtern. 78 Prozent können sich ein Leben ohne Internet kaum noch vorstellen.
Auch die Technik selbst scheint benutzerfreundlicher geworden zu sein: 63 Prozent finden, dass sich digitale Geräte und Anwendungen heute einfacher einrichten lassen als noch vor einigen Jahren.
Viele haben weiterhin Hemmungen
Ganz ohne Vorbehalte ist die Digitalisierung allerdings nicht angekommen. Mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) gibt an, Hemmungen bei der Nutzung digitaler Angebote zu haben – etwa beim Online-Banking, in Online-Shops oder bei Behördendiensten.
Zudem empfindet eine Mehrheit von 60 Prozent die Gesellschaft weiterhin als digital gespalten. Immerhin: Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 67 Prozent.
Für Eva-Maria Welskop-Deffaa zeigen die Ergebnisse, dass digitale Bildung heute weit über das reine Bedienen von Apps hinausgeht. Kompetenzen im Umgang mit Social Media, Plattformen und Künstlicher Intelligenz müssten früh vermittelt werden. Gleichzeitig seien analoge Begegnungsräume wichtig, um Fähigkeiten wie Empathie, Urteilsvermögen und kritisches Denken zu stärken.
Digitaltag stellte Sicherheit in den Mittelpunkt
Der bundesweite Digitaltag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Digitale Sicherheit: Verstehen. Vermitteln. Vertrauen.“ Zwischen dem 20. und 28. Juni fanden deutschlandweit mehr als 2.000 Aktionen statt – von Workshops und Schulungen bis zu Beratungsangeboten und Tagen der offenen Tür.
Die Studie zeigt, dass viele Menschen digitalen Technologien durchaus vertrauen: 55 Prozent sagen, dass ihnen digitale Anwendungen im Alltag sogar ein größeres Sicherheitsgefühl geben.
Bei konkreten Sicherheitskompetenzen gibt es jedoch weiterhin Nachholbedarf. Zwar wissen 75 Prozent nach eigener Einschätzung, welche persönlichen Daten sie im Internet preisgeben sollten. 70 Prozent können sichere Passwörter erstellen. Doch nur 55 Prozent wissen, wie sich Zugriffsrechte von Apps einschränken lassen. 53 Prozent kennen Maßnahmen zum Schutz ihrer digitalen Identität, und lediglich 51 Prozent wissen, wie sie reagieren können, wenn ihre persönlichen Daten im Internet missbraucht wurden.
Auch Achim Brötel betonte die Bedeutung digitaler Sicherheit. Digitalisierung könne nur dann gelingen, wenn Menschen den eingesetzten Technologien vertrauen. Deshalb müssten Sicherheit und der Aufbau entsprechender Kompetenzen von Anfang an Teil jeder Digitalisierungsstrategie sein.
Die repräsentative Studie wurde anlässlich des Digitaltags unter 1.005 Personen ab 16 Jahren in Deutschland durchgeführt. Sie macht deutlich: Die Digitalisierung wird zwar überwiegend als Chance wahrgenommen – beim Ausbau digitaler Kompetenzen besteht jedoch weiterhin erheblicher Handlungsbedarf.