Generation Y: Nur anspruchsvoll oder gar unbescheiden?

Zu beliebig, zu bisslos, zu angepasst: Die sogenannte „Generation Y“, also alle Angehörigen der Geburtenjahrgänge nach 1980, sieht sich als Prügelknabe der Nation zahllosen Vorurteilen ausgesetzt. Aber auch Anwandlungen von Selbstüberschätzung und falschen Ansprüchen werden ihr angekreidet. Unter der Leitung von Prof. Andreas Zimber von der Fakultät für Angewandte Psychologie an der SRH Hochschule Heidelberg stellten fünf Absolventinnen ihre Bachelor- und Masterthesen zu den Arbeitsplatzerwartungen ihrer Generation vor und diskutierten diese daraufhin im Plenum.

Die Generation Y treibt auch die Personaler um. Schließlich müssen sie angesichts der demografischen Entwicklung mehr denn je junge Arbeitnehmer gewinnen und binden – eine gewisse Anspruchshaltung scheint vor diesem Hintergrund durchaus berechtigt. Zugleich gilt es, die Generationen miteinander zu verknüpfen, so dass es innerhalb der Unternehmen zu keinem Bruch kommt. „Wir brauchen mehr Forschung in diesem Bereich“, sagt Benedikt von Kettler, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Krähberg Consulting, die sich eingehend mit dem Thema Demografiemanagement beschäftigt. „Auch das Studium muss sich verändern, um auf diese Herausforderungen vorzubereiten.“

Wer könnte an diesem Thema näher dran sein als die Studierenden selbst, die in Kürze den Arbeitsmarkt entern? Die SRH Hochschule Heidelberg greift das Thema Demografie- und Gesundheitsmanagement in den Fächern Wirtschafts- und Gesundheitspsychologie sowie im Masterstudiengang Psychologie auf. Jetzt förderten die Studierenden in ihren Thesen hohe Erwartungen zutage, die die Generation Y an ihre Arbeitgeber stellt. Vor allem karriereorientierten Absolventen sind gute Bezahlung (46%) und Entwicklungsmöglichkeiten sehr wichtig (69%). Eine Garantie auf Arbeitsplatzsicherheit (44%), ein harmonierendes Team (58%), eine sinnvolle Tätigkeit (64%) und flexible Arbeitszeiten werden überdies gewünscht (29%). Dies ergab eine Umfrage unter 202 Studierenden und Generation Y-Vertretern. Im Gegenzug wurde eine weniger beständige Stressresistenz bei den jungen Arbeitnehmern deutlich. Über die Ursachen der geringeren Belastbarkeit kann nur spekuliert werden. Auch die Wertschätzung des Privatlebens hat im Vergleich zu früheren Generationen zugenommen.

„Es gibt mehr Vermutungen als wissenschaftliche Evidenz“, äußert sich Prof. Zimber zur Generation Y. Er fordert seine Studierenden deshalb ausdrücklich dazu auf, sich mit dem Thema Demografiemanagement auseinanderzusetzen. „Eines scheint jedoch klar zu sein: es ist eine Altersgruppe mit hohen Erwartungen – an Sicherheit und Stabilität ebenso wie an Autonomie, Sinngebung, Spaß und Verwirklichung im Privaten. Ob das alles an einer Arbeitsstelle zusammengehen kann, muss sich erst noch zeigen.“

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