8 Stunden mehr pro Woche: Wo Selbstständige in Deutschland am längsten arbeiten

Selbstständige arbeiten im Schnitt rund acht Stunden pro Woche mehr als alle Erwerbstätigen. Eine Analyse von 106 Städten zeigt zudem deutliche regionale Unterschiede.

Selbstständige in Deutschland arbeiten deutlich länger als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen. Im Schnitt kommen sie auf 33,58 Wochenstunden und damit auf rund acht Stunden oder 31 Prozent mehr. Das zeigt eine Analyse der Steuer-App Accountable auf Basis amtlicher Statistiken aus 106 kreisfreien Städten.

Allerdings umfasst die Statistik bei den Selbstständigen auch Personen, die im Neben- oder Teilerwerb tätig sind. Der Vergleichswert von 25,57 Stunden für alle Erwerbstätigen berücksichtigt wiederum unter anderem Teilzeitkräfte, Minijobber und Personen in Elternzeit.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In ostdeutschen Städten arbeiten Selbstständige durchschnittlich 33,34 Stunden pro Woche, im Westen sind es 32,81 Stunden. Die Differenz von gut einer halben Stunde summiert sich laut Accountable auf rund 28 Stunden im Jahr. 16 der 18 untersuchten ostdeutschen Städte landen zudem in der oberen Hälfte des Rankings.

Am längsten arbeiten Selbstständige in Dessau-Roßlau mit durchschnittlich 34,64 Stunden pro Woche. Dahinter folgen Frankfurt (Oder) und Schwerin mit jeweils 33,91 Stunden. Die niedrigsten Werte weisen Coburg mit 31,66 und Flensburg mit 31,79 Stunden auf.

Besonders groß ist die Differenz zu anderen Erwerbstätigen in Delmenhorst. Selbstständige kommen dort auf 33,73 Wochenstunden, der lokale Gesamtdurchschnitt liegt bei 24,41 Stunden. Das entspricht einem Plus von 38,2 Prozent. Die kleinste Lücke verzeichnet Wolfsburg mit 22,6 Prozent.

Accountable-Gründer Tino Keller sieht in den Zahlen auch einen Hinweis auf die Belastung durch administrative Aufgaben. Buchhaltung, Steuerthemen und gesetzliche Vorgaben beanspruchten Arbeitszeit, die Selbstständigen für ihr eigentliches Geschäft fehle. Neben der Debatte über längere Arbeitszeiten seien deshalb auch Bürokratieabbau, einfachere Prozesse und digitale Lösungen notwendig.