GovTech Startup Monitor 2026: Startups sehen Milliardenmarkt – scheitern aber an der Bürokratie
Startups sehen im Staat einen riesigen Zukunftsmarkt. Doch komplizierte Vergabeverfahren und lange Entscheidungswege bremsen Innovationen aus, zeigt der GovTech Startup Monitor 2026.
Der Staat könnte für viele Startups ein attraktiver Kunde sein. Doch zwischen innovativen Lösungen und öffentlichen Aufträgen liegen oft komplizierte Ausschreibungen, lange Entscheidungswege und schwer auffindbare Ansprechpartner. Das zeigt der neue GovTech Startup Monitor 2026 des Startup-Verbands, von Accenture und dem Centre for Digital Governance der Hertie School.
Demnach bewerten 78 Prozent der GovTech-affinen Startups das öffentliche Auftragsvolumen als attraktiv. 71 Prozent sehen Behörden zudem als wertvolle Referenzkunden. Trotzdem bevorzugen die meisten junge Unternehmen weiterhin den Privatmarkt: Nur elf Prozent halten die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung für attraktiver als das Geschäft mit Unternehmen. Für 59 Prozent ist der Staat sogar die unattraktivere Option.
Verfahren bremsen Innovationen aus
Als Hauptproblem nennen die Startups nicht unterschiedliche Unternehmenskulturen, sondern die Strukturen der öffentlichen Beschaffung. 79 Prozent haben bereits Schwierigkeiten, überhaupt die richtigen Ansprechpartner in Behörden zu finden. Statt klarer Anlaufstellen sind persönliche Kontakte oft der wichtigste Weg in die Verwaltung.
Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, folgen weitere Hürden: 85 Prozent kritisieren zu lange Entscheidungsprozesse, 72 Prozent empfinden Ausschreibungen als zu komplex. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Referenzen und Umsatz sowie ein starker Fokus auf den niedrigsten Preis. Nur 28 Prozent sehen kulturelle Unterschiede zwischen Startups und Behörden als wesentliches Hindernis.
Startups fordern Reform des Vergaberechts
Für viele Gründerinnen und Gründer ist das mehr als ein Effizienzproblem. 86 Prozent betrachten die öffentliche Beschaffung auch als zentrale Frage der digitalen Souveränität Deutschlands. Gleichzeitig sind 77 Prozent überzeugt, dass das aktuelle Vergabesystem etablierte Anbieter systematisch bevorzugt.
Entsprechend groß ist der Wunsch nach Reformen. 92 Prozent sprechen sich dafür aus, bei öffentlichen Ausschreibungen stärker auf Ergebnisse statt auf formale Prozesse zu achten.
„Wir reden viel über digitale Souveränität, aber dafür brauchen wir im ersten Schritt deutlich startup-freundlichere Bedingungen bei öffentlichen Ausschreibungen. Tausende Startups stehen bereit und haben genau die Technologien parat, die ein moderner Staat braucht. Wenn wir das Vergaberecht jetzt anpassen, wird aus öffentlicher Beschaffung ein Hebel für Wachstum und Souveränität“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.
Beide Seiten wollen enger zusammenarbeiten
Der Monitor zeigt jedoch auch positive Signale. 71 Prozent der befragten Startups würden ihre Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor ausbauen, wenn sich die Rahmenbedingungen verbessern. Als wichtigste Hebel nennen sie schnellere Entscheidungsprozesse und ein startup-freunlicheres Vergaberecht.
Große Hoffnungen setzen die Unternehmen zudem auf öffentliche IT-Dienstleister. Vier von fünf Startups wünschen sich diese als Vermittler zwischen Verwaltung und jungen Technologieunternehmen.
Auch auf Seiten der Behörden sei die Bereitschaft zur Zusammenarbeit vorhanden, heißt es im Bericht. Die Herausforderungen würden von Verwaltung und Startups ähnlich eingeschätzt – insbesondere bei den langwierigen Beschaffungsprozessen.
„Das Problem ist nicht der kulturelle Unterschied zwischen Verwaltung und Startups, es sind die Verfahren. Komplexe Ausschreibungen und lange Entscheidungswege sortieren junge Anbieter aus, bevor es überhaupt um die beste Lösung geht“, sagt Sebastian Günther, Strategy Innovation Lead für Mittel- und Osteuropa bei Accenture.
Enormes Potenzial für GovTech
Das Marktpotenzial gilt als erheblich. Rund 15.000 Startups in Deutschland arbeiten bereits heute mit Geschäfts- oder Verwaltungskunden. Der GovTech Startup Monitor macht deutlich: Am Interesse mangelt es weder auf Seiten der Startups noch der Verwaltung. Damit junge Unternehmen künftig stärker zur Digitalisierung des Staates beitragen können, müssten vor allem Vergabeverfahren einfacher, schneller und startup-freundlicher werden.
Den kompletten GovTech Startup Monitor 2026 kannst du hier herunterladen.