Gründungsmetropole Rhein-Ruhr? Hier gilt es aufzuholen

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Der Deutsche Startup Monitor analysiert einmal im Jahr verschiedene Daten rund um das Thema Unternehmensgründungen. Erstmals wurde in den Bericht für das Jahr 2014 neben den etablierten Gründungszentren Berlin, Hamburg und München auch die Metropolregion Rhein-Ruhr aufgenommen. „Die Analyse zeigt: Wir haben an einigen Stellen noch deutlichen Nachholbedarf“, sagt Dr. Thilo Pukall vom Entrepreneurship Zentrum Witten (EZW) der Uni Witten/Herdecke. „Allerdings ist es ein Erfolg, dass wir mittlerweile überhaupt als Gründungsregion wahrgenommen werden.“ Ziel des erst in diesem Jahr gegründeten EZW ist es, im Ruhrgebiet ein tragfähiges Netzwerk sowie die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um innovationsorientierte Unternehmensgründungen aus dem Kontext der Hochschulen zu erleichtern und ihre Anzahl und Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Noch: Hintere Plätze in der Statistik

Dass derartige Anstrengungen notwendig sind, zeigt ein Blick in den Startup Monitor, der alljährlich vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk KPMG herausgegeben wird. So landeten Startups aus der Rhein-Ruhr-Region beim durchschnittlichen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr im Vergleich der vier Regionen hinter Berlin, München und Hamburg nur auf dem letzten Platz. Allerdings gaben 5,1 Prozent der hiesigen Neugründungen an, in diesem Zeitraum einen Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro erzielt zu haben. Nur in Berlin schafften das mehr junge Unternehmen (9,4 Prozent), in Hamburg und München waren es 4,9 beziehungsweise 2,8 Prozent. Der größte Teil der Startups an Rhein und Ruhr (56 Prozent) erzielte jedoch einen vergleichsweise geringen Umsatz zwischen einem und 250.000 Euro. Auch bei der durchschnittlichen Anzahl der von „12-Months-Startups“ (Unternehmen, die jünger als ein Jahr sind) beschäftigten Mitarbeiter landete die Region mit 1,7 hinter Berlin (5,5), Hamburg (3,3) und München (1,8) auf dem letzten Platz. „Die Statistik zeigt aber auch Lichtblicke“, sagt Dr. Thilo Pukall. „Nur 2,6 Prozent der hiesigen Startups haben im vergangenen Geschäftsjahr gar keinen Gewinn gemacht. Damit liegen wir in dieser Kategorie deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10 Prozent, aber auch vor Berlin mit 10 Prozent, Hamburg mit 9,8 Prozent und München mit 5,6 Prozent.“

Die Tendenz zu Teamgründungen, die Startups in der Regel erfolgreicher macht, ist in der Rhein-Ruhr-Metropole nicht so ausgeprägt wie in den „klassischen“ Gründungsregionen. Bei den „12-Months-Startups“ gründeten in der Region lediglich knapp 63 Prozent im Team, fast 37 Prozent versuchten es allein. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (77 Prozent Teamgründungen). Spitzenreiter bei den Gründungen im Team ist Hamburg (94 Prozent) vor Berlin (82 Prozent) und München (78 Prozent). „Statistisch gesehen erhöht sich die Erfolgswahrscheinlichkeit von Startups, wenn sie von mehr als einer Person gegründet werden“, erläutert Dr. Thilo Pukall. „Durch die geschickte Kombination der Gründer-Kompetenzen wird nicht nur der Markteintritt einfacher, sondern auch der durchschnittlich erzielte Umsatz höher.“ Ein Grund für die vergleichsweise geringe Anzahl der Teamgründungen an Rhein und Ruhr könne die oftmals noch unzureichende Vernetzung der beteiligten Akteure sein. Dr. Pukall: „Unter anderem aus diesem Grund haben wir das EZW gegründet. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Verbesserung der Gründungsbedingungen vor Ort, brauchen dabei aber trotzdem auch einen langen Atem.“

Finanzierung das größte Problem

Problematisch ist für junge Unternehmen der Region vor allem die Beschaffung der notwendigen Finanzmittel. Während sich im Bundesdurchschnitt 21,4 Prozent der Startups unter anderem mit Hilfe von Risikokapitalgebern finanzierten, waren es an Rhein und Ruhr nur 20,6 Prozent (Berlin 27,9 Prozent, München 24,3 Prozent, Hamburg 16,7 Prozent). Auch die Politik der Landesregierung im Hinblick auf die Förderung des Bundeslandes als Gründerstandort bewerteten die hiesigen Unternehmen kritisch – in dieser Statistik landete NRW lediglich auf dem 13. Platz. Bundesweit stellte auch der schwierige Zugang zu Bankkrediten für rund 44 Prozent der befragten Startups ein schwerwiegendes Hemmnis dar. Dr. Pukall: „Es ist sehr wichtig, dass sich regionale Wirtschaft, Banken, Landespolitik und Hochschulen für ‚ihre’ Startups engagieren. Sie alle profitieren letztendlich von ihrer Innovationskraft.“

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3. Oktober 2014

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