Neue Stu­die des H.I.MA.: War­um Nach­hal­tig­keit für Unter­neh­men im Wett­be­werb immer wich­ti­ger wird

Nach­hal­tig­keit ist mehr als ein Wer­be­slo­gan: Unter­neh­men ver­an­kern öko­lo­gi­sche und sozia­le Aspek­te in ihrer Wert­schöp­fungs­ket­te. Das ist das Ergeb­nis einer neu­en Stu­die des Insti­tuts für Han­del & Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting der Uni­ver­si­tät des Saarlandes.

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Nach­hal­tig­keit ist für vie­le Unter­neh­men weit mehr als ein Wer­be­slo­gan: Zuneh­mend ver­an­kern sie öko­lo­gi­sche und sozia­le Aspek­te in ihrer Wert­schöp­fungs­ket­te, also im Ver­lauf des gesam­ten Ent­ste­hungs­pro­zes­ses eines Pro­duk­tes bis hin zu sei­nem Ver­kauf. Das ist das Ergeb­nis einer neu­en Stu­die des Insti­tuts für Han­del & Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting (H.I.MA.) der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des. Dabei gaben eine Viel­zahl von Han­dels­un­ter­neh­men und Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler aus Deutsch­land und der Schweiz dar­über Aus­kunft, wie bedeut­sam das The­ma Nach­hal­tig­keit für ihr Unter­neh­men aktu­ell und bis 2020 ist und mit wel­chen Stra­te­gi­en sie Nach­hal­tig­keit kon­kret umsetzen.

Fleisch­skan­da­le in Euro­pa, gra­vie­ren­de sozia­le und öko­lo­gi­sche Miss­stän­de in Pro­duk­ti­ons- und Anbau­län­dern der Drit­ten Welt: Vor­komm­nis­se wie der Ver­kauf von nicht-dekla­rier­tem Pfer­de­fleisch oder die kata­stro­pha­len Brän­de in den Tex­til­fa­bri­ken Ban­gla­deschs empö­ren die Öffent­lich­keit immer wie­der. Dass dies durch­aus zu Ver­än­de­run­gen im Bewusst­sein und im Ver­hal­ten von Unter­neh­men führt, ist zen­tra­ler Gegen­stand der Unter­su­chung des Insti­tuts für Han­del & Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting (H.I.MA.) der Saar-Uni­ver­si­tät. Denn in Zei­ten rasan­ter media­ler Ver­brei­tung kön­nen unter­neh­me­ri­sches Fehl­ver­hal­ten und Miss­stän­de in der Wert­schöp­fungs­ket­te die Repu­ta­ti­on eines Unter­neh­mens inner­halb kür­zes­ter Zeit ruinieren.

In ihrer empi­ri­schen Stu­die „Nach­hal­ti­ge Mar­ken­füh­rung – Neu­ge­stal­tung der Wert­schöp­fungs­ket­te“ haben Pro­fes­sor Joa­chim Zen­tes sowie die Mit­au­to­rin­nen Vic­to­ria Lon­nes und Dar­le­ne Whita­ker ins­ge­samt 54 Unter­neh­men aus Deutsch­land und der Schweiz schrift­lich über ihre Nach­hal­tig­keits­stra­te­gi­en befragt. Dabei stamm­ten etwas mehr als die Hälf­te der Unter­neh­men aus der Lebens- und Genuss­mit­tel­bran­che, ein hoher Pro­zent­satz aus dem Tex­til- und Freizeitbereich.

Die For­de­rung an Unter­neh­men nach Nach­hal­tig­keit ist nicht neu, wohl aber die Vehe­menz, mit der Sta­ke­hol­der, also Anspruchs­grup­pen wie Kun­den, Mit­ar­bei­ter, Medi­en oder die Poli­tik, der­ar­ti­ge For­de­run­gen stel­len“, erklärt Zen­tes. Dabei gehe es nicht um blo­ße Ver­spre­chun­gen aus den Mar­ke­ting-Abtei­lun­gen, son­dern dar­um, Nach­hal­tig­keit kon­kret in der Wert­schöp­fungs­ket­te der Unter­neh­men umzu­set­zen. Wel­che Stra­te­gi­en hier­bei beson­ders wich­tig sind, ermit­tel­ten die Saar­brü­cker Wis­sen­schaft­ler vor Beginn der eigent­li­chen Stu­die durch Gesprä­che mit Exper­ten aus dem Han­del und der Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie. Zu den bedeut­sams­ten Stra­te­gi­en gehö­ren dem­nach die Trans­pa­renz und Kon­trol­le der Wert­schöp­fungs­ket­te sowie die Koope­ra­ti­on mit Wert­schöp­fungs­part­nern und Nichtregierungsorganisationen.

Trans­pa­renz wich­tigs­te Strategie

Bei der Befra­gung von 54 Unter­neh­men ging es zunächst um eine Ein­schät­zung der aktu­el­len und zukünf­ti­gen Bedeu­tung von Nach­hal­tig­keit im eige­nen Unter­neh­men: Knapp 52 Pro­zent hal­ten Nach­hal­tig­keit aktu­ell für wich­tig bis sehr wich­tig und mehr als 80 Pro­zent der Befrag­ten glau­ben, dass das The­ma bis 2020 sehr rele­vant wer­den wird. Bezüg­lich der wich­tigs­ten Stra­te­gi­en zur Ver­an­ke­rung von Nach­hal­tig­keit zeigt sich fol­gen­des Ergeb­nis: Trans­pa­renz wur­de als eine der wich­tigs­ten Stra­te­gi­en genannt, und zwar sowohl in der Wert­schöp­fungs­ket­te sel­ber, in der man sämt­li­che Zulie­fe­rer und Pro­zes­se kennt, als auch nach außen durch die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Anspruchs­grup­pen. „Trans­pa­renz ist fast zu einem Syn­onym für Nach­hal­tig­keit gewor­den“, sagt Vic­to­ria Lon­nes. Wäh­rend aktu­ell rund 26 Pro­zent der Unter­neh­men ihre Wert­schöp­fungs­ket­te für trans­pa­rent oder sehr trans­pa­rent hal­ten, wol­len fast 63 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men bis 2020 ihre Trans­pa­renz stark aus­bau­en. Auch auf star­ke bis sehr star­ke Kon­trol­len und for­ma­le Vor­ga­ben für die Wert­schöp­fungs­ket­te set­zen gegen­wär­tig nur 24 Pro­zent der Unter­neh­men, aber 59 Pro­zent geben an, dies bis 2020 umset­zen zu wol­len. „Um noch nach­hal­ti­ger zu wer­den, ist auch die Koope­ra­ti­on mit Wert­schöp­fungs­part­nern ganz ent­schei­dend“, erklärt Dar­le­ne Whita­ker. Das gel­te zwar auch der­zeit schon, wer­de aber in Zukunft noch wich­ti­ger. Als Bei­spiel nennt sie den Betrieb von Baum­woll­plan­ta­gen in Afri­ka, wo die Lebens­be­din­gun­gen und die Gesund­heit der Plan­ta­gen­ar­bei­ter nur durch die Zusam­men­ar­beit mit Part­nern vor Ort nach­hal­tig gesi­chert wer­den könne.

Die Stu­die „Nach­hal­ti­ge Mar­ken­füh­rung – Neu­ge­stal­tung der Wert­schöp­fungs­ket­te“ der Auto­ren Joa­chim Zen­tes, Vic­to­ria Lon­nes und Dar­le­ne Whita­ker kann auf Anfra­ge beim Insti­tut für Han­del & Inter­na­tio­na­les Mar­ke­ting (H.I.MA.) bezo­gen werden.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://​www​.hima​.uni​-saar​land​.de

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