5 Gründe warum Venture-Capital-Unternehmen keine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen

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Einige Startups greifen zu einer Verschwiegenheitserklärung, auch Geheimhaltungserklärung oder auf Englisch Non-Disclosure Agreement, kurz NDA, genannt, um sich vor Copycats zu schützen. Sie legen ihr Pitch-Deck dem potentiellen Geldgeber nur dann vor, wenn dieser eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnet. Für die meisten Venture-Capital-Unternehmen ist das ein klares No-Go. Fünf Gründe, warum wir VCs uns weigern, ein solches Papier zu unterschreiben.

Grund 1: Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche

Nur mal angenommen, wir würden NDAs unterzeichnen. Dann müsste jede einzelne Vereinbarung von unserem Anwalt geprüft und redigiert werden. Und das Ganze vielleicht sogar in mehreren Abstimmungsschleifen. Das wäre ein erheblicher Aufwand. Wir erhalten jedes Jahr über tausend Finanzierungsanfragen. Die NDAs würden somit nicht nur unglaublich viel Zeit verschlingen, sie würden auch enorme Kosten verursachen – und das nicht nur auf unserer Seite. Um es deutlich zu sagen: NDAs sind nicht wirtschaftlich und lenken vom Wesentlichen ab. Unsere Zeit und unser Geld stecken wir lieber in euer Unternehmen als in eine Anwaltskanzlei.

Grund 2: VCs sind euer Partner und keine Konkurrenten

Natürlich kann jedes Unternehmen frei entscheiden, wie viele Informationen es preisgeben will. Aber bitte vergesst nicht: Wir wollen euer Partner werden, nicht euer Konkurrent. Ohne Vertrauen funktioniert das nicht. Es ist unser Job als Wagniskapitalgeber, zwischen Startups und Investoren zu vermitteln und in gute Ideen zu investieren. Es liegt uns fern, eure Geschäftsideen darüber hinaus für uns zu nutzen. Wer seinem potentiellen Geldgeber einen NDA vorlegt, kann also leicht den Eindruck erwecken, die Branche nicht richtig verstanden zu haben.

Grund 3: Wir leben von unserer Reputation

Unser Ruf ist unser Kapital. Eure Finanzierungsanfragen sind die Grundlage für unser Geschäftsmodell. Schwarze Schafe, die den Vertrauensvorschuss von Startups missbrauchen, werden schnell abgestraft. Denn unsere Branche lebt von guten Netzwerken, in denen Fehlverhalten nicht einfach untergeht, geschweige denn vergessen wird. Anstatt also auf einem NDA zu beharren, zahlt es sich für Gründer aus, auf der Suche nach dem passenden Investor gründlich zu recherchieren.

Grund 4: Wir investieren in Persönlichkeit

Wer auf einem NDA beharrt, verkennt, worauf es am Ende ankommt: Eine gute Startup-Idee reicht bei weitem nicht aus. Gerade wir als Frühphasen-Kapitalgeber investieren vor allem in Persönlichkeiten. Das Gründerteam steht im Vordergrund. Nur wenn ihr den nötigen Drive, die Passion und den Durchhaltewillen besitzt, kommen wir mit an Bord. Gute Teams wissen auch, dass ihre Idee ohne sie nichts wert ist.

Grund 5: Eine gute Idee fürchtet keine Konkurrenz

Ihr sucht den perfekten Investor – wir suchen das beste Startup. Selbstverständlich führen wir dabei Gespräche mit vielen jungen Unternehmen. Und nicht selten kommt es vor, dass gleichzeitig mehrere Start-Ups an derselben Idee arbeiten. Durch einen NDA würde dieser Bewerbungsprozess praktisch zum Erliegen kommen. Die Suche nach dem besten Partner wäre zwangsläufig für beide Seiten schnell beendet. Wer eine gute Geschäftsidee hat und weiß, wie er aus dieser Idee ein intelligentes Geschäftsmodell macht, braucht sich vor Konkurrenz nicht zu fürchten!

Zusammengefasst gilt, dass NDAs Startups kaum vor Ideenklau schützen können – jedenfalls aus unserer Sicht. Was aber können Gründer tun, um Copycats zu entgehen? Unsere Top-3-Tipps, wie man sein Startup „konkurrenzfest“ macht:

Tipp 1: Geschäftsidee gekonnt umsetzen

Ideen gibt es wie Sand am Meer. Natürlich ziehen gerade gute Ideen Nachahmer an. Ein gelungenes Konzept allein macht aber noch kein Geschäft – auf die Umsetzung kommt es an. Über Erfolg oder Niederlage entscheidet nicht selten das Team hinter der Idee. Nur eine Mannschaft, die sich in ihren Kompetenzen ergänzt, am gleichen Strang zieht und die richtigen Entscheidungen trifft, hat die Chance, die Geschäftsidee zu verwirklichen und sich gegen Copycats durchzusetzen.

Tipp 2: Nachahmer abschrecken

Gründer brauchen eine starke Präsenz und ein gutes Netzwerk. Angefangen bei der eigenen Webseite, den Social Media-Kanälen sowie der App bis hin zur klassischen Medienarbeit – ein professioneller Auftritt und eine starke öffentliche Präsenz verhelfen nicht nur langfristig zu einem höheren Marktanteil, sondern schrecken auch potentielle Nachahmer ab. Zudem können auch namhafte Investoren und Kunden auf Nachahmer einschüchternd wirken und so dazu beitragen, dass sich das eigene Startup als Marktführer etabliert.

Tipp 3: Kunden binden

Kunden auf eine Idee aufmerksam zu machen ist die eine Sache, sie aber langfristig an das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung zu binden, eine ganz andere. Das gelingt nur denen, die den Markt und ihre Zielgruppe genau verstehen, ihre Wettbewerber kennen und alle Faktoren stets kritisch analysieren. Wer es schafft, neben einer auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichteten Idee auch noch Exklusivität zu wahren, braucht sich vor Copycats nicht zu fürchten.

Linktipp auf Gründerküche:

Wozu eignet sich eigentlich eine Geheimhaltungsvereinbarung und wie schreibst du sie? Hier erfährt du mehr: „Basics „Non-Disclosure-Agreement“: Wozu du eine Verschwiegenheitserklärung (NDA) brauchst und wie du sie schreibst

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