Factoring für Startups – so funktioniert es: Kosten und Beispiele

Mit Factoring übertragt ihr – vereinfacht gesagt – eure Geldforderung gegen jemanden an eine Bank oder ein spezialisiertes Institut. Erfahrt hier alles, was ihr über Factoring wissen solltet, mit welchen Kosten ihr rechnen müsst und welche Anbieter es gibt.

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Die finanzielle Sicherheit eures Startups ist von enormer Bedeutung, um den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu sichern. Diese finanzielle Absicherung wird in erster Linie dadurch erreicht, dass ihr euch um einen geregelten Ablauf des Zahlungsverkehrs für die von euch erbrachten Leistungen kümmert. In der Gründungsphase haben Unternehmen in der Regel aber kaum Kapazitäten, um die Zahlungseingänge zu überwachen und zu verfolgen. Eine gute Lösung ist das Factoring – die alternative Unternehmensfinanzierung, die sich laut G.R. Factoring vor allem für den Mittelstand anbietet. Es dient dazu, den Kapitalfluss in das Unternehmen, der gerade am Anfang so wichtig ist, auf unkomplizierte Weise sicherzustellen. Ein großer Vorteil dieser Finanzierungsform besteht darin, dass ihr eine große finanzielle Sicherheit genießt und der Aufwand gleichzeitig gering ist.

Was ist Factoring?

Als Factoring bezeichnet man eine Finanzierungsform, die die Liquidität eines Unternehmens unmittelbar steigert, indem offene Forderungen an Dritte verkauft werden. Das Unternehmen generiert auf diese Weise einen Finanzierungsspielraum, der sofort verfügbar ist und dem eigentlichen Umsatz entspricht. Deshalb gehört das Factoring zu den umsatzkongruenten Finanzierungsformen. Factoring bringt einen konkreten Liquiditätszuwachs und geht mit einem Anstieg der Eigenkapitalquote einher, während steigende Auflagen für mögliche Kredite eine negative Auswirkung auf akute Investitionen haben. Das Factoring ist also dazu geeignet, in Wachstumsphasen weiterhin sinnvoll zu investieren, sich permanent weiterzuentwickeln und der Konkurrenz immer einen wichtigen Schritt voraus zu sein.

Das Factoring erfreut sich seit einigen Jahren insbesondere im Mittelstand einer großen Beliebtheit und wird von vielen Unternehmen als alternatives und starkes Finanzierungsinstrument betrachtet. Die Anzahl der Firmen, die auf Factoring setzen, nahm in den letzten Jahren erheblich zu.

Heute gibt es mehr als 250 Factoring-Anbieter am Markt, die in Bezug auf Zinssatz, Kosten, Mindestumsatz und Branche teilweise deutlich abweichende Konditionen anbieten. Zudem könnt ihr aus vielen verschiedenen Factoring-Arten wählen. Wichtig ist, dass ihr ein Angebot einholt, das zu euren individuellen Bedürfnissen passt. Eine Übersicht der wichtigsten Factoring Anbieter haben wir hier für euch zusammengestellt.

Wie funktioniert Factoring? Die 6 Schritte beim Factoring:

Ein Factoring-Geschäft kann vereinfacht in sechs Schritten beschrieben werden:

Schritt 1. Eine Forderung entsteht

Ein Unternehmen erzeugt eine Forderung gegenüber einem Kunden, indem es eine Leistung erbringt. Dabei kann es sich um Produkte oder um eine Dienstleistung handeln. Entscheidend für das Factoring ist die Verität. Die Forderung muss also tatsächlich existieren und an den Factor abtretbar sein, denn nur dann ist der Verkauf der Forderung rechtskräftig.

Schritt 2. Prüfung der Bonität des Debitors

Die Verität der Forderung bildet die Basis für das Factoring, es kommt für den Factor aber auch auf die Bonität des Debitors an. Er trägt nach dem Kauf der Forderung das komplette Ausfallrisiko. Deshalb muss der Factor anschließend die Bonität des Debitors prüfen.

Schritt 3. Verkauf der Forderung

Nach erfolgreicher Bonitätsprüfung des Kunden kann das Unternehmen seine Forderung an den Factor verkaufen.

Schritt 4. Auszahlung der Bruttoforderung

Spätestens 24 Stunden, nachdem die Forderung abgetreten wurde, erhält das Unternehmen die Bruttoforderung von dem Factor. Damit kann die Liquidität gesteigert werden. Durch den Verkauf der Forderung wird das Debitoren-Management an den Factor übertragen. Er ist jetzt der Eigentümer der offenen Forderung und damit auch für ihre Einbringung verantwortlich. Das heißt für das Unternehmen, dass die Steigerung der Eigenkapitalquote und die Liquiditätserhöhung nicht von der Bonität des Kunden abhängen, weil der Factor für die Bonität des Kunden haftet und somit auch zu 100 Prozent das Risiko des Forderungsausfalls trägt.

Schritt 5. Eintreibung / Zahlung der Forderung durch Debitor

Die Forderung wird durch den Debitor, also demjenigen, gegen den ihr die Forderung hattet, bezahlt.

Schritt 6. Auszahlung Restsumme

Im Anschluss überweist der Factor den ausstehenden Betrag der Forderungssumme an das Unternehmen.

Welche Kosten entstehen beim Factoring?

Die Höhe der Factoring-Kosten hängt zum einen vom Unternehmen und zum anderen von seiner wirtschaftlichen Lage am Markt ab. Im Wesentlichen setzen sich die Kosten, die für das Factoring entstehen, aus drei Komponenten zusammen:

  1. Factoring-Gebühr: Sie steht im Verhältnis zum Jahresumsatz des Startups. Dieser Anteil der Factoring-Kosten soll den administrativen Aufwand des Factors entlohnen.
  2. Zinssatz der Vorfinanzierung: Wie hoch dieser Zinssatz ausfällt, hängt davon ab, welcher Anteil vom Jahresumsatz direkt ausgezahlt werden soll.
  3. Prüfgebühr: Sie wird dadurch beeinflusst, welche Art des Factorings durchgeführt wird. Der Factoring-Anbieter trägt beim Forderungsausfall das volle Risiko, sodass sich die Prüfgebühr auch nach der Menge der Debitoren richtet.

Vorteile und Nachteile des Factoring

Welche Vorteile euch das Factoring bietet, zeigt euch die folgende Liste:

  • Unmittelbare Liquidität: Der wichtigste Vorteil des Factorings besteht darin, dass ihr eine sofortige Liquidität genießt. Dadurch könnt ihr bei Bestellungen sogenannte Bezahlrabatte ausnutzen.
  • Entlastung des Unternehmens: Ihr lagert das komplette Debitoren-Management aus. Das Factoring-Unternehmen schreibt alle Rechnungen und Mahnungen und kümmert sich darum, Rückstände und Zahlungseingänge zu überwachen.
  • Ratingverbesserung: Alle Rechnungen, die ihr an den Factor verkauft, verschwinden aus eurer Bilanz und sind somit kein Risikofaktor mehr. Die neu gewonnene Liquidität könnt ihr außerdem nutzen, um Verbindlichkeiten zu reduzieren. Das erhöht die Eigenkapitalrate.
  • Höhere Sicherheit: Der Factor übernimmt das Zahlungsausfallrisiko, indem er Rechnungen kauft. Dadurch seid ihr vor Liquiditätsengpässen geschützt und könnt besser kalkulieren.

Allerdings hat das Factoring für Startups auch ein paar Nachteile. Von hoher Bedeutung ist, dass ihr vor Abschluss eines Vertrages die Vor- und Nachteile gründlich gegeneinander abwägt.

  • Entstehende Gebühren: Die Factoring-Nutzung ist mit Kosten verbunden, die vorab kalkuliert werden müssen, um eine Kostenfalle zu vermeiden.
  • Teilweise lange Laufzeiten: Factoring-Verträge werden für gewöhnlich mit einer relativ langen Laufzeit von mindestens einem Jahr abgeschlossen.

Wichtige Factoring Anbieter in Deutschland

Ihr möchtet Factoring mit eurem Start-up ausprobieren, wisst aber noch nicht, welcher Anbieter sich für euch eignet? Kein Problem: Einen aktuellen Überblick über Factoring-Anbieter für Startups haben wir euch in diesem Beitrag zusammengestellt. Dort findet ihr die wichtigsten Anbieter in Deutschland, die ihr euch genauer anschauen könnt. Denn wie immer gilt: Es gibt nicht den einen besten Anbieter, der ideal für alle Arten von Unternehmen ist. Stattdessen solltet ihr eure Auswahl anhand eurer Unternehmensgröße und der Rechnungsumfänge treffen.

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