Laden eröffnen – selbstständig machen im Einzelhandel

Der Onlinehandel boomt zwar und so einige auch große Einzelhändler haben wirtschaftlich massive Probleme, aber pfiffig konzipierter Einzelhandel liegt nach wie vor im Trend. Wie ihr euren eigenen Laden eröffnet, zeigen wir euch hier.

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Gerade bei der Gründung eines physischen, lokalen Ladengeschäfts gilt es zahlreiche Faktoren zu beachten, damit ein langfristiges Überleben im Einzelhandel möglich ist. Dieser Beitrag zeigt einige grundlegende Schritte auf, die ihr beim Eröffnen eines Ladens berücksichtigen solltet.

Schritt 1: Laden eröffnen – von der Idee zur Planung

Ihr möchtet euch den Traum vom eigenen Laden erfüllen, wollt in eurer Stadt ein hochspezialisiertes Produkt direkt vor Ort verkaufen oder habt ein ganz anderes Konzept von eurem Laden im Kopf? Eure Idee muss in der Anfangsphase der Gründung einem ganz klaren Realitätscheck unterzogen werden, denn die Tragfähigkeit des Konzepts entscheidet über Erfolg und Scheitern. Wichtig ist auch, möglichst frühzeitig klare Alleinstellungsmerkmale zu definieren – also alles, was deinen Laden so besonders macht.

Kernfragen zur Planung deines Ladens sollten dabei sein:

  • Was bietet mein Laden/mein Geschäft, was es noch nicht vor Ort gibt?
  • Was macht mein Angebot und das Erlebnis in meinem Laden so unverwechselbar?
  • Wie sehen die idealen Zielkunden für meinen Laden aus?
  • Sind diese Kunden auch am Standort ausreichend vertreten?

Erste Details für deinen Businessplan könnt ihr zweifelsohne bereits in dieser Phase der Gründung notieren. Denn auch eine Geschäftsidee muss in diesem Dokument genau beschrieben werden.

Lesetipp: In 7 Schritten zum Businessplan

Schritt 2 Laden eröffnen: die Kosten im Überblick – ein entscheidender Faktor

Für die Eröffnung eines Ladens fallen hohe Initial-Kosten an: Wenn euch das Gebäude nicht gerade gehört, müsst ihr mit Mietkosten rechnen, außerdem kommen Nebenkosten für Wasser, Strom und sonstige notwendige Infrastruktur hinzu.

Die Ausstattung, Einrichtung, Kassensystem, Arbeitskleidung und zahllose weitere Faktoren müssen aufgelistet und mit einer Kostenschätzung versehen werden. So erhaltet ihr einen realistischen Überblick, was der Laden jeden Tag kostet. Natürlich gehört auch eine Profitberechnung in euren Businessplan. So wird einschätzbar, welche Umsätze ihr erwirtschaften müsst, um den Laden dauerhaft erfolgreich betreiben zu können. Gerade wenn ihr für die Eröffnung eures Ladens auf Fremdkapital, beispielsweise von der Bank, angewiesen bist, geht es nicht ohne Businessplan.

Schritt 3: Den idealen Standort für euren Laden wählen

Standortwahl und Geschäftsidee sind für Ladengeschäfte untrennbar miteinander verknüpft. Ein Laden in der Fußgängerzone wird sicherlich Laufkundschaft anziehen, während ein Einzelhändler mit einem hochspezialisierten Shop auch in zentraler Lage gezieltes Marketing benötigen wird.

Abhängig von eurem Laden-Konzept können auch die Werbemaßnahmen am und um den Laden gedacht werden. Habt ihr große Schaufenster? Dann nutzt diese Gestaltungsmöglichkeit, um auf beispielsweise saisonale Angebote, Sonderaktionen oder Events in eurem Laden aufmerksam zu machen. Mit Marketingbasics für die Eröffnung könnt ihr Neugierige in euren Laden locken – und dort von eurem einzigartigen Angebot überzeugen. Hier bekommt ihr zum Beispiel viele verschiedene Werbeschilder für euren Laden.

Schritt 4: Genehmigungen & Vorschriften zur Shoperöffnung

Ungeliebt aber unbedingt wichtig: der Papierkram. Klärt mit dem Ordnungs- und Bauamt, welche Vorgaben ihr mit eurem Laden erfüllen müsst. Auch, ob und wie ihr später Außenwerbung anbringen dürft, müsst ihr eventuell schon vorab mit den Ämtern abgeklären und rechtzeitig beantragen.

Checkliste: Diese Anmeldungen müsst ihr machen

Gewerbeanmeldung: Ihr müsst den Beginn eures Gewerbes bei der zuständigen Behörde anmelden (Gewerbeanmeldung). Mehr dazu und wie das funktioniert, erfahrt ihr hier Anleitung: Gewerbe anmelden (inklusive Gewerbeanmeldung Formular)“.

Anmeldung eurer selbstständigen gewerblichen Tätigkeit beim Finanzamt: Gewerbetreibende bekommen von ihrem zuständigen Finanzamt, welches von der Gemeinde nach der Gewerbeanmeldung über die Gründung eures Ladens informiert wurde, einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung (Betriebseröffnungsbogen) zugeschickt.

Pflicht zur Betriebshaftpflichtversicherung: Grundsätzlich musst ihr prüfen, ob euer Gründungsvorhaben eine Haftpflichtversicherung voraussetzt. Ob es eine solche Verpflichtung für euer Vorhaben eine Pflicht besteht, erfahrt ihr in diesem Fachartikel “Die Berufshaftpflicht- und Betriebshaftpflichtversicherung: Was das ist und wer sie braucht“.
Zusätzlich kommen verschiedene Versicherungen auf einen zu. Welche verpflichtend und welche als zusätzliche Ergänzung sinnvoll sind für euren Shop, muss im Einzelfall überprüft werden. Außerdem solltet ihr das unternehmerische Risiko, die betrieblichen und auch eure persönlichen Risiken absichern.

Rechtsform und eure Firma: Grundsätzlich habt ihr zwei verschiedenen Möglichkeiten, ihr könnt eurem Ladengeschäft einen schönen sprechenden Namen geben und die Organisation (also den Betrieb) anders nennen und müsst dann hier je nach Rechtsform die Regeln einhalten. Oder ihr bringt das beides zusammen, dann solltet ihr allerdings eine Rechtsform wählen, in der ihr auch frei in der Benennung eurer Firma seid. Ob GmbH, UG (haftungsbeschränkt), GbR, AG, OHG oder Limited – ihr solltet genau prüfen, welche Rechtsform sich für euer Unternehmen eignet.

Anmeldung eurer Mitarbeiter: Euer Unternehmen benötigt eine Betriebsnummer, die ihr bei der zuständigen Agentur für Arbeit beantragt. Der Sozialversicherungsausweis eurer Mitarbeiter benötigt ihr, um Sozialversicherungsbeiträge eurer Mitarbeiter monatlich an die zuständige(n) Krankenkasse(n) abführen. Das Meldeverfahren für geringfügig Beschäftigte läuft über die Knappschaft Bahn See (KBS).

Schritt 5: Laden eröffnen – mehr als eine Party

Zur Eröffnungsfeier darf aus dem ganzen Portfolio an Werbemaßnahmen geschöpft werden, um lokal Aufmerksamkeit zu schaffen.

Soft-Opening – ein Testlauf

Nichts ist Schlimmer, als wenn ihr in eurem Laden den Start verpatzt – missmutige Kunden kommen nicht nur nicht wieder – sie erzählen auch rum, dass es bei euch keinen Spass macht. Bevor ihr also mit Pauken und Trompeten zur Eröffnung ruft, denkt mal über die Möglichkeit nach, mit einem sogenannten Soft-Opening zu starten: Dabei könnt ihr prüfen, ob die Abläufe stimmen, ob ihr euren Laden sinnvoll und kundenfreundlich gestaltet habt und was sonst an der Organisation noch fehlen könnte. Dazu können Freunde und Bekannte eingeladen werden, um unter den echten Bedingungen eines vollen Ladens zu testen, ob die Technik der Belastung standhält und ob Arbeitsabläufe funktionieren.

Checkliste für die Eröffnung

Denn für die wirkliche Eröffnung eures Ladens können die örtlichen Medien eingeladen, mit Sonderaktionen wie Sonderpreisen, Musikbeschallung, Kinderhüpfburg oder vielleicht auch einer spielerischen Versteigerung können zudem Erstbesucher angelockt werden. Hier noch ein paar wichtige Fragen, auf die ihr Antworten haben solltet:

  • Ist die lokale Presse über die Eröffnung informiert?
  • Eine Eröffnungsfeier mit attraktiven Programmpunkten schafft Aufmerksamkeit
  • Ist ausreichend Werbematerial für Interessenten vorhanden?
  • Beschilderungen helfen, den Weg zu deinem Laden leicht zu finden

Viele weitere, zu eurem Geschäft individuell passende Aktivitäten und Aktionen helfen dabei, Aufmerksamkeit bei potentiellen Kunden zu schaffen.

Die wichtigsten Online-Marketing-Maßnahmen

Auch wenn euer Ladengeschäft nur lokal agiert, solltet ihr eure Online-Marketing-Maßnahmen nicht vernachlässigen und eure Zielgruppe möglichst direkt ansprechen. Schließlich suchen die meisten Menschen heute mit dem Mobilgerät nach Angeboten, auch von lokalen Ladengeschäften.

  • Ein gut gepflegter Eintrag auf Google MyBusiness ist deswegen trotzdem Pflicht.
  • Mit guten Bewertungen auf Online-Portalen wie Yelp zeigt ihr Interessierten, was ihr könnt.
  • Gut konzipierte Social-Media-Profile helfen euch, eure Reichweite zu erhöhen und auch überregional Kundschaft anzuziehen.
  • Langfristiges Marketing arbeitet mit den Bedürfnissen eurer Zielkunden: Welche Lösungen bietet ihr für sie an? Arbeitet mit einem Newsletter, um eure Kunden und deren Wünsche besser zu verstehen.

Auf Basis dieser Frage könnt ihr erfolgreiche Online- wie auch Offline-Werbekampagnen aufbauen.

Strukturwandel im Einzelhandel – Holt euch Hilfe

Mit Konkurrenz durch Amazon & Co sind auch vermeindlich feste und große Einzelhändler ins Straucheln geraten – sogar MediaMarkt und Saturn haben Probleme. Das haben auch staatliche Stellen erkannt und stellen über die Dialogplattform des Wirtschaftsministeriums, an der sich auch der DStGB beratend beteiligt hat, systematische Lösungsansätze für die Probleme des stationären Einzelhandels vor.

Hier findet ihr die PDF zum kostenlosen Download: Neue Perspektiven für den Einzelhandel Handlungsempfehlungen der Dialogplattform Einzelhandel

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