Business-Knigge: Das erfolgreiche Geschäftsessen mit den potenziellen Investoren

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Der Pitch ist über die Bühne gebracht, das Konzept kam gut an und der Businessplan überzeugt. Nun wollen die Investoren die Gründer und Geschäftsführer des Start-ups bei einem Geschäftsessen näher kennenlernen, um sich ein genaueres Bild vom Team und dessen Fähigkeiten zu machen. Jetzt heißt es, zu überzeugen – nicht nur fachlich (das muss nebenher locker rüberkommen) sondern auch durch Persönlichkeit, Wissen, Charme, Weltgewandtheit und Umgangsformen. Gute Tischmanieren sind zu so einem Anlass natürlich unerlässlich.

Klar ist, mit vollem Mund wird nicht gesprochen oder über den Durst nicht getrunken. Doch welche Knigge-Regeln gibt es sonst noch zu beachten, will man seinen Geschäftspartner auch durch Persönlichkeit überzeugen? Lockere Tischgespräche sind die Kür. Gute Rhetoriker versprühen Enthusiasmus und setzen ihren kommunikativen Fähigkeiten auch beim Businesslunch für die eigene Sache ein. Doch es gibt auch einige Regeln, die es zu beachten gilt:

Die Wahl der Location

Die potentiellen Investoren im Vorfeld nach ihren Vorlieben oder bevorzugten Locations zu fragen, ist aufmerksam und wünschenswert. Kommen sie aus derselben Stadt, haben sie vielleicht schon eine Vorliebe für ein bestimmtes Restaurant. Reisen die Investoren von außerhalb an, ist die Wahl eines gehobenen Restaurants mit regionalen Spezialitäten eine gute Idee.

Folgende Kriterien sollte man bedenken:

  • Idealerweise haben die Gründer/Geschäftsführer des Start-ups in dem gewählten Restaurant selbst schon gegessen und sich von der Qualität der Speisen überzeugt. So können sie ihren Gästen bei Bedarf bestimmte Gerichte empfehlen.
  • Wenn möglich und gerade bei Mittagessen sollte das Restaurant in der Nähe des Büros sein, schliesslich will man ja zeigen, dass man auch jetzt schon hart arbeitet.
  • Gute Akkustik: Ziel ist es, sich in normaler Sprechstimme zu unterhalten. Die Location sollte also nicht zu laut sein, die Tische nicht zu dicht gedrängt stehen.
  • Die Reservierung eines Tisches ist Pflicht. Dieser sollte weder zu nah am Eingang, noch in der Nähe der Toiletten liegen – und vor allem, sich für Gespräche eignen.
  • Pünktlichkeit ist ebenfalls sehr wichtig. Am besten wird ein Treffpunkt direkt im Restaurant mit den Investoren verabredet. Sollten sich diese verspäten, muss das Start-up Team nicht vor der Tür warten, sondern kann schon Platz nehmen.

Der Dresscode oder: Hilfe, was soll ich anziehen?

Faustregel: Auch mit allen Äußerlichkeiten verkörpert das Team die Geschäftsidee. Letztendlich will der Investor sich überzeugen, daß die Personen in der Lage sind, ihr Produkt auch zu vermarkten. Das heisst: Was man herstellt und wer die Kunden sind kann ein guter Hinweis auf den Dresscode sein. Für ein Start-up aus dem kreativen Bereich, App-Programmierer & Co. können Jeans und Blazer durchaus eine Option sein. Bei einem ehrgeizigen FinTech Projekt hingegen, das Banken oder die Finanzbranche als Kunde hat, wirken Anzug und Krawatte seriöser. Für alle, die das Binden der Krawatte in ihrer Startup Zeit schon vergessen haben, hier eine kleine Erinnerung.

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Danke an den Krawatten-Ratgeber von Happy-Size für die Veranschaulichung.

Doch auch die Branche und die Persönlichkeit des Investors, die Location und die Tageszeit des Essen spielen eine Rolle. Während zur Mittagszeit der Dresscode legerer ausfallen darf und sollte, ist bei einem Abendessen meist mehr Eleganz erwünscht. Frauen sollten tagsüber zu natürlichem und dezentem Make-up greifen. Ein schicker Hosenanzug ist für ein Essen in einem gehobenen Restaurant bei Tag eine gute Option, ein edles Business-Kleid ist eher für die Abendstunden zu empfehlen. Bei allen allgemeinen Regel sollte man jedoch nicht vergessen: Das Outfit sollte grundsätzlich immer die eigene Persönlichkeit unterstreichen.

Knigge: Die Begrüßung ist der erste Eindruck…

Ein fester Handschlag und Augenkontakt sind selbstverständlich. Die wichtigste Knigge-Regel bei der Begrüßung: hierarchischen Gegebenheiten beachten. Die Mitglieder des Start-up Teams grüßen die Investoren zuerst, unabhängig von ihrem Alter. Selbstverständlich stehen alle Beteiligten dazu von ihren Plätzen auf.

Sind Personen anwesend, die sich während des Pitch noch nicht kennengelernt haben, stellen die Start-up Gründer und Geschäftsführer diese den Investoren vor, nachdem sie selbst die Investoren begrüßt haben.

Die besten Plätze am Tisch, also jene, die einen guten Blick in den Raum oder einen tollen Ausblick aus dem Fenster bieten, gehören selbstverständlich den Investoren. Gibt es einen potenziellen Hauptinvestor, sollte dieser rechts neben dem ranghöchsten Start-up Mitglied sitzen. Das ranghöchste Start-up Mitglied richtet seinen Platz strategisch so aus, dass es einen freien Blick zu den Kellnern hat.

Der Businessplan sollte auf keinen Fall direkt zu Anfang des Essens herausgeholt werden. Etwas Smalltalk ist im Vorfeld unerlässlich. Erst, wenn der Investor von sich aus Andeutungen machen, ist es an der Zeit, geschäftliche Themen auf den Tisch zu bringen.

Knigge-Regeln: Die Essensbestellung

  • Bevor die Speisekarte zur Hand genommen wird, gehört es sich, die Serviette auf dem Schoß zu platzieren.
  • Meist wird vor dem eigentlichen Essen ein Brotkorb serviert. Daran kann sich jeder in Maßen bedienen. Das Brot darf dabei nicht geschnitten werden, sondern wird von Hand in mundgerechte Stücke gebrochen, welche dann mit Butter bestrichen werden können. Das Brotstück dann mit der linken Hand zum Mund führen. Also: keine „Stulle“ machen und abbeissen!
  • Alkohol zu bestellen ist grundsätzlich in Ordnung, sich zu betrinken logischerweise nicht.
  • Wird das Essen serviert, wartet jeder am Tisch, bis alle ihren Teller vor sich haben, erst dann wird mit dem Essen begonnen.

Knigge-Regeln: So genießt man das Essen…

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  • Basics: Bei mehreren Gängen wird das Besteck von außen nach innen benutzt. Bei der Reihenfolge der Gläser ist es genau andersherum. Das Glas, welches am nächsten zum Gast steht, wird als erstes gebraucht.
  • Früher war es üblich sich gegenseitig einen guten Appetit zu wünschen, das wird heute nicht mehr getan.
  • Manche Speisen dürfen mit den Fingern gegessen werden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn zu dem Gericht eine Fingerschale zur späteren Reinigung serviert wird. Andernfalls ist das Besteck zu verwenden.
  • Wichtige Regel: Hat man einmal das Besteck in die Hand genommen und mit dem Essen begonnen, darf es den Tisch nicht mehr berühren! Macht man eine Pause, wird es in der 20 nach 8 Stellung („Dreieck“) auf den Teller gelegt.
  • Ist man fertig, wird das Besteck zusammen auf die „20 nach 4 Uhr“-Stellung auf den Teller gelegt – die Serviette kommt zusammengefaltet auf den Tisch neben den Teller und auf keinen Fall unter oder auf den Teller.

Gründerrat:

Wer unsicher ist, wie bestimmt Gerichte verzehrt werden, sollte bei einem solchen Anlass kein Risiko eingehen. Finger weg also von Fisch mit Gräten, Schnecken und andere anspruchsvolle Speisen.

Die Konversation bei Tisch

Nun zu Kür des Geschäftsessens mit den potentiellen Investoren. Schliesslich haben Sie ein Ziel: überzeugen.

Das Zauberwort #1 in diesem Fall heißt Enthusiasmus.

Nur, wer die Investoren von sich begeistern kann, hat die Chance, sich aus der grauen Masse der zahlreichen Start-ups hervorzuheben. Viele Menschen verfallen automatisch in Monotonie, wenn mehrere Augenpaare gleichzeitig auf sie gerichtet sind. Die Stimme wird eintönig, die Körperhaltung starr.

Genau diese Monotonie langweilt die Zuhörer jedoch und macht keinen guten Eindruck. Wer sich auf einer Party mit Freunden unterhält, wechselt automatisch häufig das Tempo und die Lautstärke und gestikuliert, um seinen Aussagen Nachdruck zu verleihen. Diese Lockerheit in der Gesprächsführung ist auch beim Geschäftsessen mit den Investoren sehr wichtig.

Zauberwort #2 Zahlen-Gedächtnis

Ob Salat, Wein oder Schokomousse, ein guter Frager wird Sie zwischendrin immer wieder beiläufig nach Details zum Projekt fragen. Ihre Zahlen müssen Sie parat haben und jederzeit abrufen können. Immer. Aber verschlucken Sie sich nicht, wenn Sie antworten.

Natürlich dürfen und sollten beim Geschäftsessen auch andere Themen angeschnitten werden. Wer Probleme hat, einen Gesprächseinstieg zu finden, kann sich über das Restaurant, den Stadtteil oder ähnliches unterhalten. Auch Themen wie persönliche Interessen, Hobbys oder Reisen sind erwünscht. Auf diese Weise können die Investoren die Gründer und Geschäftsführer des Start-ups besser kennenlernen und herausfinden, ob die Chemie stimmt.

Gemeinsame Bekannte dürfen ebenfalls für die Konversation herhalten, solange die Aussagen stets positiv formuliert sind.
Negative Themen wie Krankheit, Gebrechen oder Tod sollten ausgespart werden. Genauso Religion, Politik oder andere weltanschauliche Themen, es sei denn, die Investoren selbst schneiden diese an.

Zauberwort #3 Fragen stellen

Das Stellen von Fragen, welche direkt an die potentiellen Investoren gerichtet sind und sich mit ihrer Person oder der Zusammenarbeit beschäftigen, zeugt von Selbstbewusstsein. Zudem vermittelt es dem Investor noch einmal den Willen der Start-up Gründer und Geschäftsführer, wirklich etwas zusammen auf die Beine zu stellen.

Gründerrat:

Wer ganz sicher gehen will, kann sich vorher bereits im Kopf eine Liste mit möglichen interessanten Themen zusammenstellen, um auf diese Weise unangenehme Gesprächspausen zu umgehen.

Der erfolgreiche Abschluss

Ist das Essen vorüber, sollte sich das ranghöchste Mitglied des Start-up Teams dezent entschuldigen und abseits vom Tisch diskret die Rechnung begleichen. Bestehen die potentiellen Investoren darauf, die Rechnung zu teilen oder ganz zu übernehmen, ist auch das in Ordnung. Wer 10 Prozent Trinkgeld gibt, ist auf der sicheren Seite. Achtung: Fünf Prozent waren früher üblich, inzwischen eher 10 Prozent. Vorsicht vor zu spendablem Trinkgeld, schliesslich wird sich der Investor Gedanken machen, ob mit seinem Geld dann auch so großzügig gewirtschaftet wird.

Wie herzlich der Abschied auch ausfällt, es zählen vor allem die richtigen Worte: „Wir freuen uns, von Ihnen zu hören“ ist eine mögliche Formel, „Wir freuen uns auf eine tolle Zusammenarbeit“ die andere. Wie schon bei dem Begrüßen werden auch beim Abschied die Hände der ranghöchsten Gäste zuerst geschüttelt.

Fazit: Knigge ist gut – aber nicht alles

Wer sich diese Basisregeln zu Herzen nimmt, wird bei dem Geschäftsessen mit den potentiellen Investoren sicher einen guten Eindruck machen. Sollte dennoch mal ein Malheur passieren, ist das nicht schlimm, solange der Betreffende damit richtig umgeht. Wer Wein auf seinen Tischnachbarn schüttet, entschuldigt sich in aller Förmlichkeit und bietet an, die Kosten für die Reinigung zu übernehmen. Landet der Wein auf dem eigenen Hemd, zieht sich der Betreffende diskret in den Waschraum zurück und trocknet seine Kleidung dort bestmöglich. Wer stets höflich und aufmerksam bleibt und die Tischrunde mit Enthusiasmus in seinen Bann zieht, kann auch die eine oder andere Wissenslücke bezüglich der Knigge-Regeln wieder wettmachen.

Gründerrat:

Sie sitzen in einer wichtigen Verhandlungsrunde und müssen überzeugen. Wie machen Sie das ganz ohne Worte? Körpersprachetipps vom Experten Michael Moesslang: Nonverbale Kommunikation – So verhandeln Sie erfolgreich den Deal Ihres Lebens.

 

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