Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Dein häus­li­ches Arbeits­zim­mer von der Steu­er abset­zen – so funktioniert´s

Die Kos­ten für das häus­li­che Arbeits­zim­mer kön­nen in der Ein­kom­men­steu­er­klä­rung ange­ge­ben wer­den, ein Steu­er­vor­teil lässt sich jedoch nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen dar­aus zie­hen. Wel­che Regeln es zu beach­ten gilt, damit du Steu­ern sparst, zeigt die­ser Fachartikel.

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Vie­le Selb­stän­di­ge, Frei­be­ruf­ler und natür­lich Grün­der, die noch ganz am Anfang ihres Start­ups ste­hen, arbei­ten teil­wei­se oder im vol­len Umfang von zu Hau­se aus. Die Kos­ten für das häus­li­che Arbeits­zim­mer kön­nen in der Ein­kom­men­steu­er­klä­rung ange­ge­ben wer­den, ein Steu­er­vor­teil lässt sich jedoch nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen dar­aus zie­hen. Wel­che Regeln es zu beach­ten gilt, damit du Steu­ern sparst, zeigt die­ser Fachartikel.

Grund­sätz­lich: Das häus­li­che Arbeits­zim­mer ist nicht absetz­bar. Aber…

Fra­gen hin­sicht­lich der steu­er­li­chen Absetz­bar­keit des häus­li­chen Arbeits­zim­mers beschäf­ti­gen seit Jah­ren die zustän­di­gen Finanz­be­hör­den und Gerich­te. Bis ein­schließ­lich 1995 konn­te jeder Arbeit­neh­mer in Deutsch­land die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer steu­er­lich gel­tend machen. Die ein­zi­ge Vor­aus­set­zung war, dass der ent­spre­chen­de Raum vom übri­gen Wohn­be­reich getrennt und die pri­va­te Mit­nut­zung ein­deu­tig nach­ge­ord­net war.

Seit 1996 dür­fen die Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer grund­sätz­lich nicht mehr gel­tend gemacht wer­den, dies gilt für alle Ein­kunfts­ar­ten ein­schließ­lich Son­der­aus­ga­ben­be­reich. Auf­wen­dun­gen für die Woh­nung zäh­len zu den Lebens­hal­tungs­kos­ten, die­se sind steu­er­lich nicht absetzbar.

Es gibt jedoch zwei Aus­nah­men, bei denen du dein Arbeits­zim­mer doch abset­zen kann:

  • Aus­nah­me 1: Steu­er­pflich­ti­ge kön­nen einen Teil der Auf­wen­dun­gen bis zu einer Höhe von 1.250 Euro für das häus­li­che Arbeits­zim­mer bei der Steu­er ange­ben, wenn ihnen kein ande­rer Arbeits­platz, d.h. ein Büro beim Arbeit­ge­ber, zur Ver­fü­gung steht. ABER: Die Finanz­be­hör­den erken­nen ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur dann an, wenn eine gleich­zei­ti­ge pri­va­te Nut­zung als Wohn­raum (nahe­zu) aus­ge­schlos­sen oder von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist. Es gilt, dass der Anteil der pri­va­ten Nut­zung unter 10 Pro­zent lie­gen muss. Tei­len sich meh­re­re Per­so­nen in einer Woh­nung den ent­spre­chen­den Raum als Arbeits­zim­mer, ist der Höchst­be­trag (1.250 €) nach der anteils­mä­ßi­gen Nut­zung aufzuteilen.
  • Aus­nah­me 2: Die tat­säch­li­chen Kos­ten ohne Beschrän­kung kön­nen ange­setzt wer­den, wenn das häus­li­che Arbeits­zim­mer tat­säch­lich den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung aus­macht. Laut Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um sei die­se Bedin­gung erfüllt, wenn ein Arbeit­neh­mer min­des­tens an drei Tagen in der Woche von zu Hau­se aus arbei­tet. (Wer es genau wis­sen will: BMF, Schrei­ben v. 2.3.2011, BSt­Bl. 2011 I S. 195, Rz. 11)

Die­se Arbeits­zim­mer­kos­ten kannst du gel­tend machen…

Die Rechts­la­ge sieht vor, dass nur die antei­li­gen Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer ange­ge­ben wer­den kön­nen. Fol­gen­de Auf­wen­dun­gen kön­nen bei der Steu­er ein­ge­reicht werden:

  • Mie­te,
  • Neben­kos­ten, z.B. Grund­steu­er, Müll­ab­fuhr­ge­büh­ren, Gebäu­de­ver­si­che­rung sowie Kos­ten für den jewei­li­gen Was­ser- und Ener­gie­ver­brauch (Hei­zung, Strom),
  • Abschrei­bung für das Gebäu­de (Abset­zung für Abnut­zung, Sonderabschreibung),
  • Repa­ra­tur- und Reno­vie­rungs­kos­ten am sowie im Gebäude,
  • Finan­zie­rungs­kos­ten der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten des Gebäu­des sowie der Repa­ra­tur- und Renovierungskosten,
  • Kos­ten für die Raum­aus­stat­tung, bei­spiels­wei­se Boden­be­lag, Tape­ten, Beleuch­tung oder Gardinen.

Wie du das für dein Arbeits­zim­mer berech­nest, kannst du am bes­ten an einem Rechen­bei­spiel einer 75 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung und einem 15qm gro­ßen Arbeits­zim­mer nach­voll­zie­hen. Das Rechen­bei­spiel stammt von smart​steu​er​.de.

Ach­tung: Arbeits­mit­tel sind nach wie vor steu­er­lich absetzbar…

Auf­wen­dun­gen für Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de wie Com­pu­ter, Büro­stuhl, Schreib­tisch­lam­pe, Regal etc. kön­nen unab­hän­gig von den erläu­ter­ten Rege­lun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den. Denn es han­delt sich im steu­er­li­chen Sin­ne nicht um Raum­aus­stat­tung son­dern um Arbeits­mit­tel. Vor­aus­set­zung ist, dass die­se Mit­tel nahe­zu aus­schließ­lich betrieb­lich oder beruf­lich genutzt werden.

Hier­bei ist auf der einen Sei­te zu unter­schei­den zwi­schen Wer­bungs­kos­ten – Abzü­ge von den Ein­künf­ten der ent­spre­chen­den Ein­kunfts­art, z.B. die Repa­ra­tur­kos­ten einer ver­mie­te­ten Woh­nung von Ein­künf­ten aus der Ver­mie­tung oder Stu­di­en- und Ausbildungskosten.

Auf der ande­ren Sei­te las­sen sich Betriebs­aus­ga­ben als Kos­ten von Ein­künf­ten aus einer selb­stän­di­gen Tätig­keit bis zu einem gewis­sen Umfang eben­falls von der Steu­er absetzen.

Aktu­el­ler Streit­fall: Was mache ich mit zwei häus­li­chen Arbeitszimmern?

Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat in sei­nem Urteil vom 25.02.2015 (Akz. 2 K 159513) ent­schie­den, dass ein Steu­er­pflich­ti­ger bei den Wer­bungs­kos­ten bzw. bei den Betriebs­aus­ga­ben ledig­lich nur ein Arbeits­zim­mer steu­er­lich gel­tend machen kann, auch wenn er aus beruf­li­chen Grün­den zwei Woh­nun­gen besitzt.

Das Bei­spiel eines Selb­stän­di­gen mit zwei Woh­nun­gen und Arbeitszimmern

Die Klä­ger sind ver­hei­ra­tet, sie haben zwei Wohn­sit­ze – einen in Rhein­land-Pfalz, den ande­ren in Thü­rin­gen. Der Klä­ger ist sowohl selb­stän­dig tätig – er gibt Semi­na­re und Fort­bil­dungs­kur­se für Steu­er­be­ra­ter – als auch in einem nicht­selb­stän­di­gen Ver­hält­nis in Thü­rin­gen beschäf­tigt. Im betref­fen­den Fall mach­te der Klä­ger bei der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Jahr 2009 die Kos­ten für zwei Arbeits­zim­mer in Höhe von ins­ge­samt 2.575 Euro als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend. Als Begrün­dung gab der Klä­ger an, er benö­ti­ge in bei­den Woh­nun­gen ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer zur Aus­übung der selb­stän­di­gen Tätigkeit.

Gericht ent­schied: Nur eine Woh­nung / ein Arbeits­zim­mer ist absetzbar

Das Finanz­amt erkann­te jedoch nur ein Arbeits­zim­mer an, die Kos­ten der steu­er­li­chen Absetz­bar­keit wur­den auf 1.250 Euro begrenzt. Ein­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren der Klä­ger führ­ten bis­lang nicht zum Erfolg. Bei der Ver­kün­dung des noch nicht rechts­kräf­ti­gen Urteils über­nahm das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz die Auf­fas­sung des Finanz­am­tes mit der fol­gen­den Begründung:
Im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz sei gere­gelt, dass die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen steu­er­lich absetz­bar sei­en, zudem sei­en die­se Auf­wen­dun­gen in den meis­ten Fäl­len durch einen bestimm­ten Betrag in Höhe von maxi­mal 1.250 Euro beschränkt. Im auf­ge­führ­ten Fall sei ein vol­ler Abzug der tat­säch­li­chen Kos­ten nicht mög­lich, da der Klä­ger die Vor­trags­tä­tig­kei­ten außer­halb des häus­li­chen Arbeits­zim­mers durch­ge­führt habe. Aus die­sem Grund kön­ne er die Auf­wen­dun­gen nur bis zu dem ange­ge­ben Höchst­be­trag von 1.250 Euro steu­er­lich gel­tend machen.

Da die­ser maxi­ma­le Erstat­tungs­be­trag per­so­nen- und objekt­be­zo­gen ist, kön­ne die­ser auch nur ein­mal jähr­lich gewährt wer­den. Dies gel­te auch für den Fall, dass ver­schie­de­ne Per­so­nen in einem gewis­sen Zeit­raum das Arbeits­zim­mer nach­ein­an­der oder zwei Arbeits­räu­me zeit­gleich nut­zen wür­den. Da jedoch eine Per­son zwei Arbeits­zim­mer unter kei­nen Umstän­den zeit­gleich nut­zen kön­ne, kön­nen der Höchst­be­trag nur ein­mal gewährt werden.

2015-04-13 STB Vergleich

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