Selbstständig machen als Landwirt/in: Bauernhof kaufen, mieten oder übernehmen

Traumberuf Landwirt? Leider nicht. Der eigene Bauernhof gilt vor allem bei jungen Menschen als wenig attraktiv. Und doch gibt es einiges Potenzial in der Branche und die Chance auf Selbstverwirklichung und eine wirklich relevante Tätigkeit. Wir haben euch die Pros und Contras und die wichtigsten Fakten auf dem Weg zum eigenen Bauernhof zusammengetragen.

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Schritt 1 zur Gründung eines Bauernhofes: Perspektiven in der Landwirtschaft

Weitläufige Kornfelder, blühende Kräutergärten, glückliche Tiere auf saftigen Wiesen und strahlende Hofbesitzer mit Karohemden, Gummistiefeln und Milchkanne – Hochglanzbilder von Landwirten und ihrer Umgebung gibt es in der Werbung oder den sozialen Medien genug. Auch beliebte TV-Formate der letzten Jahre tragen ihren Teil dazu bei, dass Landwirte eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit genießen. Kaum eine Tätigkeit ist im wahrsten Sinne des Wortes geerdet wie die des Landwirts. Ihr habt es mit handfesten Produkten zutun, arbeitet mit und in der Natur und seid Wind und Wetter, den Launen eurer Tiere und den Jahreszeiten ausgeliefert. Für die einen klingt das hochromantisch und kaum ein Städter träumt nichtdavon, zumindest ein Haus mit angeschlossenem kleinen Nutzgarten zu besitzen. Auf der anderen Seite verliert der Beruf des Landwirtes stetig an Attraktivität. Eben, weil das auch jede Menge harte Arbeit ist.

Dass der Beruf insbesondere bei der jungen Bevölkerung zunehmend an Attraktivität verliert, zeigen die Ausbildungszahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: Sie sind seit Jahren schwach rückläufig. 2010 entschieden sich noch 38.667 junge Menschen (davon 8.772 Frauen) für eine Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen. 2019 sank die Zahl der Nachwuchslandwirte um rund 6.000 auf 32.331 (davon 7.470 Frauen). Auch die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe schrumpft weiter: 2001 gab es noch rund 450.000 Betriebe in Deutschland, 20 Jahre später sind es noch knapp 263.000.

Wenig Interesse bei den Jüngeren

​​​​​​Der aktuelle Rabobank Food Navigator bestätigt diese Zahlen: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv erscheint der Beruf des Landwirts. Während bei den 65-Jährigen Zustimmung und Ablehnung noch relativ gleichauf liegen – 42,8 Prozent glauben nicht daran, 19,8 Prozent sind unentschieden und 37,4 Prozent sind überzeugt, dass der Beruf attraktiver werden wird, – klafft bei den 18- bis 29-Jährigen eine deutlich größere Lücke: 71,0 Prozent sehen die Attraktivität schwinden, fast doppelt so viele wie die Generation der Eltern und Großeltern. Dagegen kann sich nur ein Sechstel (16,0 Prozent) der jungen Menschen vorstellen, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft spannender wird. Bei den Altersgruppen dazwischen zeigt sich eine lineare Entwicklung: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv finden sie diesen Beruf.

Kaum Unterschiede zwischen Stadt und Land

Wer nun glaubt, die ohne den romantischen Blick aus der Stadt aufs Land, wissen es besser und sind skeptischer, der täuscht sich. Tatsächlich zeigt Blick auf die Bevölkerungsdichte wenig Unterschiede: In der Stadt ist man mit 57,7 Prozent am ehesten überzeugt, dass Landwirte künftig mehr Werbung für ihren Beruf machen müssen, auf dem Land sehen das 53,1 Prozent so.  Auf der anderen Seite leben hier – sicherlich der Nähe geschuldet – auch die meisten, die weiterhin an eine positive Entwicklung des Berufs glauben (31,3 Prozent). Nur in Kleinstädten finden sich noch etwas mehr Befürworter (31,5 Prozent).

Alternative Gründungen: Urban Farming & Co

Gleichzeitig zeigen sich auch deutliche Aufwärtstrends: Junge Menschen in Großstädten, die mit Urban Farming Projekten bisher ungenutzte Flächen für die Landwirtschaft erschließen, ein riesiger Trend zu Bienenzuchten im Stadtgebiet, Aquaponik, die Fischzucht und Gemüseanbau verbindet – Landwirtschaft wird an vielen Stellen neu gedacht und was noch besser ist: neu probiert.

Doch damit hat der klassische Bauernhof nicht ausgedient – insbesondere dann nicht, wenn ihr euch als Betreiber einem Biokonzept verpflichten wollt.

Bio ist in den Köpfen der Menschen angekommen

Das Umweltbewusstsein hat im letzten Jahrzehnt deutlich zugenommen. Immer mehr Kunden verzichten auf den Kauf von billigem Fleisch und sind bereit, für hochwertige Qualität etwas mehr Geld auszugeben. Gleiches gilt für die Zucht von Getreide oder Gemüse, das von einem Biohof stammt und frei von Schadstoffen ist. Der Start in die Selbstständigkeit ist mit viel Arbeit verbunden. Diese kann sich jedoch lohnen, wenn ihr gute Qualität liefert. Dann kann es euch gelingen, kurzfristig einen soliden Kundenstamm aufzubauen und Gewinn zu erwirtschaften. In der ersten Zeit könnt ihr auf Kunden aus der Region setzen. Auf diese Weise gelingt es euch, sich einen guten Namen zu machen. Wenn eure Produkte von hoher Qualität sind, spricht sich das schnell herum. Zufriedene Kunden empfehlen euch weiter. So erreicht ihr in der ersten Zeit immer mehr Interessenten und könnt euer Unternehmen auf ein solides Fundament stellen.

Schritt 2: Bauernhof finden, kaufen oder übernehmen

In aller Regel werdet ihr keinen komplett neuen Hof gründen, also eine Scholle kaufen, Haus und Stall bauen und Geräte kaufen. Entweder ihr kauft einen bestehenden Bauernhof und übernehmt ihn oder aber mietet bzw. pachtet euch irgendwo in bestehende Strukturen ein.

Möglichkeiten, einen bestehenden Bauernhof zu übernehmen

Denkbar sind

  • die Pacht eines Gesamtbetriebes, also mit allen bestehenden Betriebsteilen (wie zB Tierzucht, Pflanzenanbau etc)
  • Kauf eines Gesamtbetriebes
  • Kauf eines so genannten Resthofes und dann eventuell weitere Flächen dazu pachten
  • Kauf eines Hofes inklusive der Gebäude und Pacht der restlichen Flächen (eventuell mit Option auf Kauf der Restflächen)
  • “Revitalisierung” eines Höfes, der von seinen Eigentümern aufgegeben wurde
  • Pacht von einem gemeinnützigen Träger, der den Hof gekauft hat

Der Plan vom eigenen Hof

Um sich auch über die Suche eines Bauernhofes klar zu werden, solltet ihr einen grundsätzlichen Plan für euer Leben als Landwirt/in haben. Folgende Fragen helfen euch bei der Orientierung:

  • Welche Ziele verfolgt ihr mit der Selbstständigkeit – geht es um das Eigene, um die Lebensmittel, die besondere Tierhaltung, das Leben auf dem Land?
  • Wie stellt ihr euch die Bewirtschaftung vor: allein, als Familie oder in einer Betriebsgemeinschaft?
  • Wofür seid ihr bereits qualifiziert – wo benötigt ihr noch dringend Fachwissen und damit vielleicht auch einen sanften Einstieg?
  • Wie gut seid ihr privat, wirtschaftlich aber auch durch euer soziales Netz für die Gründungsphase abgesichert?

Suche nach dem geeigneten Bauernhof

Auch wenn viele Bauernhöfe kurz vor der Aufgabe stehen oder Nachfolger suchen – ihr solltet euch auf eine langwierige Suche einstellen. Zuviele Faktoren sprechen für oder gegen einen Hof, die Investitionen sind zum Teil hoch. Fachleute in der Bauernhof-Nachfolge, wie etwa die Berater von Hof sucht Bauer berichten aus ihrer Praxis, dass “Nachfolger häufig aus der weiteren Familie oder aus dem regionalen oder persönlichen Umfeld, z.B. ehemalige Lehrlinge, Praktikanten oder andere Mitarbeiter stammen.” Dieser engere Kreis ist dann auch die erste Möglichkeit zur Suche nach dem geeigneten Bauernhof. Alternativ helfen “Suchanzeigen in Verbandszeitschriften und in der landwirtschaftlichen Fachpresse, die Hofbörsen verschiedener Träger, Makler oder Aushänge an landwirtschaftlichen Fach- und Hochschulen.”

Kriterien bei der Suche nach dem geeigneten Bauernhof

  • Entsprechend eurem Plan vom eigenen Bauernhof: welche Betriebszweige und Schwerpunkte soll der Betrieb haben?
  • In welcher Region soll der Betrieb liegen?
  • Wollt ihr lieber Schritt für Schritt einen Resthof aufbauen oder einen aktiven Bauernhof übernehmen?
  • Welche Übernahmeform ist für euch (und euer Budget) die richtige: Kauf, Pacht, Rentenkauf?
  • Für die Größe entscheidend: Wollt ihr den Hof im Haupt- oder im Nebenerwerb führen?

Übernahme eines Bauernhofs – die wichtigsten Schritte

Wie bei jeder Übernahme eines Unternehmens ist auch die eines Bauernhofes kein leichtes Unterfangen. Je größer der Hof – desto größer die Herausforderungen. Da in der Regel mit einem Bauernhof auch Eigentum an Grund und Boden, an Immobilien und Gerätschaften einher gehen, sind auch schnell Investitionssummen erreicht, bei denen jeder und jede schon sehr genau schauen muss.

Wir raten euch deshalb dringend, diesen Prozess mit Fachberatern anzugehen und euch schon früh Hilfe zu holen. Grundsätzlich kann euch unser Handbuch “Nachfolge statt Neugründung” wertvolles Handwerkszeug mit den Weg geben. Ihr bekommt es hier zum kostenlosen Download.

Nachfolge statt Neugründung | Das Gründerküche Handbuch

Schritt 3: Rechtliche Voraussetzungen zur Eröffnung eines Bauernhofes

Die grundsätzlichen Regelungen gelten auch für den angehenden Landwirt.

Gewerbeanmeldung für Bauernhof nicht nötig

Landwirte zählen nicht zu den Freien Berufen (Katalogberufen). Allerdings benötigen sie trotzdem keine Gewerbeanmeldung. Die Betriebe der Urproduktion werden nicht als „Gewerbebetriebe“ angesehen. Dazu gehören Land- und Forstwirtschaft, Garten- und Weinbau, Fischerei und Bergbau. Betriebe der Urproduktion können ihre Erzeugnisse verkaufen, ohne dies als Handelsgewerbe nach § 14 der Gewerbeordnung (GewO) anzeigen zu müssen.

Die Gründung eines Landwirtschaftsbetriebes bedarf keiner Anzeige beim zuständigen Landwirtschaftsamt.

Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft

Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss aber bei der Berufsgenossenschaft angemeldet werden und sind ab ca. 2,8 – 5 ha (je nach Hektarwert) mitgliedspflichtig, soweit sie nicht auf Grund einer bereits bestehenden gesetzlichen Alterssicherung eine Befreiung bei der Alterskasse beantragen.

Anmeldung bei Tierhaltung

Die Futtermittelhygieneverordnung gibt vor, dass jeder tierhaltende Betrieb verpflichtet ist, sich bei der zuständigen Behörde registrieren zu lassen. Eventuell erwarten euch hier auch zusätzliche Auflagen. Nach der Tierkennzeichnungsverordnung müssen Kühe, Schweine, Schafe und Ziegen gekennzeichnet und registriert werden.

Grundsätzlich sollte ihr dies im Blick behalten:

  • Futtermittelhygieneverordnung
  • Viehverkehrsordnung
  • Informations- und Herkunftssicherungssystem für Tiere
  • Anmeldung beim Veterinäramt
  • Tierseuchenkasse

Und wenn ihr euch mit dem ökologischen Landbau beschäftigt, müssen hier strenge Kriterien erfüllt werden, um das begehrte Bio-Siegel tragen zu dürfen.

© HarryStueber / Pixabay

Schritt 4 zum eigenen Bauernhof: Businessplan und Finanzierung

Wie jede Gründung solltet ihr einen ausführlichen Businessplan schreiben, um eure Gründungsschritte zum eigenen Bauernhof abzusichern.

Wichtige Überlegungen für euren Bauernhof-Businessplan sollten sein:

  • Wie sieht die Konkurrenzlage aus, kommen andere Höfe und Zulieferer als Partner in Frage?
  • Wie häufig ist eure angestrebte Spezialisierung?
  • Welche Immobilie würden sich eignen, was sind die Kosten?
  • Welche Ausstattung benötigt ihr – auch hier die Kosten?
  • Welche Versicherungen sind notwendig?
  • Wieviel Personal braucht ihr und wo bekommt ihr das her?
  • Wieviel Geld benötigt ihr für euch selbst (Unternehmerlohn!)?
  • Wie kommt ihr an Kunden? Auch hier unbedingt die Werbekosten aufstellen!

Lesetipp: Wie ihr einen Businessplan schnell und effektiv erstellt, erfahrt ihr in unserem Fachartikel Basics: In 7 Schritten zum Businessplan.

Finanzierung eures Bauernhofes

Auch die Finanzierung eures Traumes vom eigenen Bauernhof wird für so einige Kopfschmerzen sorgen. Denn es gilt Zahlen zu prüfen, in die Zukunft zu orakeln und doch möglichst valide einen Plan aufzustellen, wie ihr auch wirtschaftlich erfolgreich arbeiten wollt und könnt.

Grundsätzlich hilft euch unser Leitfaden Finanzierung von Existenzgründungen und Startups dabei, einen guten Finanzierungsplan zu schreiben und eure Finanzierung wasserdicht zu gestalten.

Darüber hinaus haben die Fachberater von “Hof sucht Bauer” in ihrem Text zur Finanzierung eines Bauernhofes eine Liste von besonderen Förderungen und eine tolle Beispielfinanzierung erstellt, die euch helfen kann.

Schritt 5: Marketing für euren Bauernhof

Man möchte meinen, für gute Produkte muss man keine Werbung machen. Stimmt leider nicht. Gerade bei den Lebensmitteln gibt es noch immer den deutschen Trend des billig und schnell verfügbar – eine große Zahl eurer potenziellen Kunden lebt in der Stadt, also weit weg von eurem Hof und euren Produkten. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Kampagnen und Marketingaktionen, um Bauernhöfe bei ihrem Produktabsatz zu unterstützen. Hier solltet ihr auf jeden Fall mit den Kollegen/innen und auch den Verbänden zusammenarbeiten.

Aber auch das Direktmarketing und die Direktvermarktung sind ein wichtiger Ansatz.

Um erfolgreich eure Produkte direkt an eure Endkunden zu bringen, benötigt ihr Kontakt. Und zwar so direkt wie möglich. Das kann das Hoffest sein, das ihr nutzt, um Städter aufs Land zu locken und sie von der Frische, Qualität und Handarbeit eurer Produkte zu überzeugen. Ihr solltet aber auch die digitalen Kanäle nicht vergessen: Ob Facebook, Instagram, Youtube, TikTok oder Google Business.

Da ihr aber vor allem saisonale Angebote vermarkten werdet, lohnt sich ein qualitätiv hochwertiges Email-Marketing.

Email-Marketing für größere Reichweite über die Region hinaus

Je bekannter ihr euren Bauernhof über die Grenzen eurer Region hinaus macht, umso größer die Zielgruppe. Ihr könnt auf eurer Webseite Produkte anbieteen und über einen Webshop verkaufen oder eure Kunden mit informativen Mails, in denen ihr Sonderangebote, saisonale Produkte oder besondere Rabatte vorstellt, erreichen. Wichtig ist, dass ihr eure Kunden mit den Mails ansprecht, das meint sowohl im Ton als auch im Inhalt. Ihr solltet also darauf achten, dass ihr eure E-Mails mit attraktivem Design versendet.

Template für den Versand der E-Mails nutzen

Von Vorteil ist es, wenn ihre ein Template nutzt. Hierbei handelt es sich um eine Vorlage, die ihr in Farbe und Design an euer Unternehmen anpassen könnt. Die Kunden erkennen eure Mails auf einen Blick und wissen, dass sie mit interessanten Informationen versorgt werden. Dies ist wichtig, weil Kunden unter ihren Mails zwischen relevanten Informationen und lästigem Spam unterscheiden – und dies eine Sache von Sekunden ist.

Werbemails bringen verschiedene Vorteile

Werbemails sind deutlich besser als ihr Ruf. Es kommt jedoch darauf an, wie ihr die Informationen verpacket: Achtet darauf, die Mails nicht zu oft zu versenden. Auch der Inhalt sollte ansprechend gestaltet sein.

  • wählt eine größere gut lesbare Schrift
  • das wichtigste Angebot sollte auf einen Blick erkennbar sein
  • haltet die Mails kurz und präzise
  • schickt nicht mehr als eine Mail pro Woche

Um eure Zielgruppe stetig zu erweitern, bittet eure Kunden aktiv, sich für den Newsletter anzumelden. Denn oft ist es die Erinnerung einer Email, die einen Bestandskunden aktiviert, doch noch mal zu bestellen.

 

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