Formen der Unternehmensnachfolge: diese Modelle der Nachfolge gibt es

Es gibt verschiedene Methoden, die Nachfolge eines Unternehmens zu planen, bzw. eine Firma zu übernehmen. Nicht immer steht in der Familie jemand bereit, in die Fussstapfen der Gründergeneration zu treten. Hier bieten sich Chancen für Externe oder aber auch Mitarbeiter. Hier erfahrt ihr, welche Formen der Nachfolge es gibt und worauf dabei zu achten ist.

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Diese Formen der Unternehmensnachfolge gibt es

Nicht immer ist die Familiennachfolge die einzige und beste Option für ein Unternehmen. Diese Formen unterscheidet man:

  • familieninterne Übergabe, Family-Buy-out
  • Verkauf an Externe, Management-Buy-in (MBI)
  • Übergabe an Mitarbeitende, Management-Buy-out (MBO)
  • Überführung in eine Stiftung
  • Verantwortungseigentum

Welche Form ist die richtige? Macht euch eure Unternehmensziele klar!

Bevor ihr einen Nachfolger für die Geschäftsführung aussuchen, solltet ihr euch in jedem Fall klar darüber sein, was die Erwartungen an einen Nachfolger sind. Dies betrifft vor allem die Zukunft der Firma. Folgende Fragen solltet ihr euch als Unternehmer, der einen Nachfolger sucht, deshalb beantworten, um zu klären, welches Modell der Nachfolge für euch passt:

  • Soll der Nachfolger eure Führung übernehmen oder soll er anders handeln?
  • Seid ihr offen für neue Ideen oder wünscht ihr euch, dass weiterhin so verfahren wird, wie es schon seit Jahren praktiziert wird?

Umgedreht sollten potenzielle Nachfolge diese Fragen aus ihrer Sicht überdenken:

  • Was sind meine persönlichen Motive und Vorstellungen, die Unternehmung zu führen?
  • Wie viel Mitspracherecht und Einfluss der Altunternehmer bin ich bereit, zuzulassen?

Diese absoluten Grundzüge der Nachfolge solltet ihr in jedem Falle vorab klären – nur so finden sich Unternehmen und Nachfolger. Mehr zu einer strukturierten und gut durchgeplanten Nachfolgeplanung findet ihr in unserer Nachfolge-Roadmap

Family-Buy-out: Nachfolge in der Familie

Klar, beinahe jeder Unternehmer wünscht sich einen Nachfolger aus der Familie. Eigentum möchte man gern vererben und damit schützen, der nachfolgenden Generation den Weg ins Berufsleben erleichtern und sicher ist der Glaube, in der Familie bliebe auch ein gewisses Mitspracherecht erhalten, ist eine zusätzliche Motivation.

Handelt es sich bei der Firma um ein altehrwürdiges Familienunternehmen, werden die Söhne und Töchter sicher mit den Abläufen vertraut sein. Dies ist ein entscheidender Vorteil, wenn es darum geht, ein Unternehmen den Wünschen der Gründergeneration entsprechend weiterzuführen. Da sie mit dem Unternehmen aufgewachsen sind und vermutlich auch viele Mitarbeiter bereits seit vielen Jahren kennen, verfügen Familienmitglieder über einen gewissen Stellenwert. Die Kollegen wissen, wer das Unternehmen führt und an wen sie sich wenden können. Einen Rang müssen sich Familienmitglieder nicht erst erarbeiten.

Tatsächlich funktioniert das Modell aber immer seltener. Falls aber die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie organisiert werden soll, gibt es diese Wege.

Wege zur Übertragung der Firma in der Familie

  • Ihr könnt das Unternehmen über eine vorweggenommene Erbfolge (Schenkung) zu Lebzeiten übertragen
  • Ihr könnt die Nachfolge verbunden mit verabredeten Renten, Raten oder wiederkehrende Leistungen als Versorgungs- und Unterhaltsleistungen übertragen
  • oder aber ihr kauft als Nachfolger das Unternehmens von der Gründergeneration.

Management-Buy-out: Mitarbeitern den Aufstieg ermöglichen

Solltet ihr nicht die Möglichkeit haben, einen würdigen Nachfolger innerhalb der Familie zu finden, verfügt das Unternehmen immer noch über fähige Mitarbeiter. Möglicherweise eignet sich einer von ihnen dazu, die Geschicke der Firma zu leiten. Im besten Falle wählen Unternehmer den Nachfolger frühzeitig aus, um ihn auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Nach und nach kann er so in die verschiedenen Aufgabenfelder eingearbeitet werden und langsam immer mehr Bereiche übernehmen. Wichtig ist dabei, dass er zur Autoritätsperson wird. Seine ehemaligen Kollegen werden ihm schließlich bald unterstellt sein. Daher empfiehlt sich z. B. der Besuch von Fortbildungen. Das Seminar vom Kollegen zum Vorgesetzten bietet sich hier hervorragend an. Schließlich soll das Arbeitsklima nicht unter der Beförderung eines Einzelnen leiden.

Vorteile des Management-Buy-out Verfahrens

  • ähnlich wie bei der Familiennachfolge haben Unternehmer Einfluss auf den fortlaufenden Prozess, vielleicht sogar direkter als bei der Familie
  • Mitarbeiter können in ihre Position wachsen, können eng abgestimmt mit dem bisherigen Unternehmer neue Prozesse anstossen und Veränderungen so noch gemeinsam tragen
  • der Übergang im Unternehmen ist so fließend, dass viele organisatorische Hürden wie etwa Information der Partner und Zulieferer sehr viel einfacher sind
  • Altunternehmer kennt den Nachfolger persönlich und kann den Prozess besser einschätzen
  • Nachfolger kennt das Unternehmen und wird in der Regel weniger von blinden Flecken überrascht

Management-Buy-in: Verkauf an Externe

Das Unternehmen an einen externen Nachfolger zu verkaufen, ist sicher der aufwändigste und auch potenziell unsicherste Weg. Schliesslich kennt keiner der Beteiligten sich. Doch gleichzeitig ist der Management-Buy-in nicht unbedingt der schlechteste Weg. Denn Basis dieser Unternehmensnachfolge ist eine zwar aufwändige aber auch ehrliche Analyse des Unternehmens. Alle Kennzahlen kommen auf den Tisch und sind die eigentliche Basis der Entscheidung (und des Kaufpreises). Die emotionale Aufladung des Prozesses – etwa der ganz persönliche Wert des Unternehmens für den Gründer – wird so gering wie möglich gehalten. (Doch Vorsicht: Gänzlich werdet ihr das nicht ausklammern können. Schliesslich stecken viele Jahre Arbeit, Aufopferung und Investment in dem Unternehmen. Irgendwie erwartet der bisherige Firmeninhaber immer eine Anerkennung dieser Leistungen.)

Eine ausführliche Anleitung zur Firmenübernahme findet ihr in diesem Fachartikel: Unternehmensnachfolge – so klappt es mit der Übernahme einer Firma

Matching von Firma und Nachfolger: Nachfolge-Börsen

Die größte Herausforderung bei der Suche eines Nachfolgers für ein Unternehmen extern ist das Matching: findet den richtigen Entrepreneur. Auch umgekehrt ist das so: Gründer, die gern ein Unternehmen übernehmen möchten, sehen sich einerseits einem großen Markt gegenüber (mehrere 10.000 Firmen warten auf einen Nachfolger) – andererseits steht das ja nicht auf den Websites der Unternehmen.

Hier helfen die Nachfolge-Börsen.

Familienunternehmen in eine Stiftung überführen

Ein Familienunternehmer kann außerdem eine Stiftung gründen, in die das Unternehmen überführt wird. Was irgendwie nach Wohltätigkeit klingt oder nach einem merkwürdigen Modell aus dem Kleinstaat Luxemburg ist tatsächlich ein sinnvolles Mittel immer dann, wenn kein geeigneter Nachfolger bereit steht oder aber der Nachfolger in der Familie einfach noch nicht so weit ist.

Mit eine Stiftung kann der Unternehmer sein Lebenswerkes über den Tod hinaus sichern, denn durch die Stiftung wird das unternehmerische Vermögen abgekoppelt von Eigentümerinteressen: Die Stiftung gehört keinem, besteht also ganz für sich allein. Aus ihr entstehen also keine Interessen eines (zukünftigen) Eigentümers. Das einzige Interesse ist das des Stifters, und das wird in der Stiftungssatzung festgelegt und kann dann auch nicht mehr geändert werden.

Gleichzeitig kann mit der Stiftung auch für die Versorgung der eigenen Erben und Familienmitglieder gesichert werden: etwa durch Beschäftigungsverhältnisse oder durch originäre, zweckgerichtete Zuwendungen.

Die Vorteile einer Stiftung gehen noch weiter: Etwa wenn sich der Stifter für eine gemeinnützige Stiftung entscheidet. Vor allem steuerlich macht das Sinn.

Steuerliche Vorteile aus Nachfolge durch Stiftung

  • für die Vermögensübertragung auf die Stiftung fällt keine Erbschafts- und Schenkungssteuer an
  • es muss keine Erbersatzsteuer gezahlt werden
  • die Stifter können ihre Ertragssteuerlast senken

Um hier vor allem langfristig alles richtig zu machen, sollten Unternehmer und die Nachfolge-Betroffenen sich von Experten, die auf das Thema Stiftung spezialisiert sind, beraten und individuell auf ihre Bedürfnisse eine entsprechende Stiftungssatzung erarbeiten lassen.

Firma ohne Nachfolger: Verantwortungseigentum (GmbH-VE)

Eine ganz neue und aktuell heiss diskutierte Form der Nachfolge ist das Verantwortungseigentum. Im Kern geht beim Verantwortungseigentum darum, dass Unternehmensgründer sicherstellen wollen, dass ihre Firma in ihrem Sinne weitergeführt wird. Dass sich ihre Nachfolger an die Firmenziele halten. Ein Wunsch, den die meisten der Unternehmer bei der Suche nach einem Nachfolger hegen.

Bisher wird das am ehesten über die Modelle gemeinnützigen Stiftung, Familienstiftung, Doppelstiftung oder Stiftung & Co. umgesetzt. Doch diese Wege sind häufig juristisch und steuerrechtlich komplex und wenig flexibel.

Wie genau das Verantwortungseigentum gesetzlich ausgestalten sein wird, ist noch unklar. Aber es gibt einen Gesetzesentwurf und der sieht folgende Regelungen vor:

  • Jahresüberschuss der GmbH-VE steht nicht den Gesellschaftern sondern der Gesellschaft zu.
  • Vermögen wird an die Gesellschaft und ihren Zweck gebunden.

Das Unternehmen wird bei dieser Form der Nachfolge nicht vererbt oder verkauft sondern bleibt selbstständig und wird treuhänderisch verwaltet.

 

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