Nachfolge-Roadmap: Firma kaufen Schritt für Schritt | Anleitung

Neugründung muss nicht sein. Wie wäre es, als Nachfolger zum Firmenmogul zu werden? Wie das geht und worauf ihr beim Firmenkauf achten müsst, erfahrt ihr in dieser ausführlichen Schritt für Schritt Anleitung.

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Schritt 1: Gründen als Nachfolger – werde erstmal Gründer

Start | Traum | Idee | Recherche | Gründungsform | Perspektiven | Qualifikation

Traum & Idee – deine persönliche Unternehmensgründung

Jeder Unternehmensstart beginnt mit einem Traum. Für manche ist es der Traum vom eigenen kleinen Café. Für den anderen die Vorstellung, mit seinem Talent zur Organisation ein Business aufzuziehen. Ob es die einzigartige Produktidee ist oder auch der Wunsch, mit dem eigenen Unternehmen reich zu werden – etwas in euch muss brennen, wenn ihr euch als Gründer auf einen langen Weg machen wollt.
Doch bevor ihr los lauft:

  • denkt darüber nach, was euer Traum ist,
  • schreibt ihn so genau wie möglich auf,
  • überdenkt genau eure Motive zu diesem Traum, warum wollt ihr das und
  • malt euch selbst sprichwörtlich oder sogar tatsächlich ein Bild, wie die Erfüllung eures Traumes konkret aussehen könnte.

Dieser Fachartikel kann euch dabei helfen: Geschäftsideen entwickeln (1) – 6 erfolgreiche Brainstorming-Methoden zur Ideenfindung

Recherche – was haben andere vor euch gemacht?

Wagt ihr das Unmögliche? Oder ist der Traum, der euch treibt, ein alltäglicher, den Viele träumen und sogar schon Einige in die Tat umgesetzt haben? Überprüft eure Idee auf erfolgreiche Beispiele anderer, auf die Anforderungen, die er an euch stellt.
Ist eure Idee so neu, dass ihr wirklich ein neues Unternehmen gründen solltet? Wenn ja … dann schaut mal hier. Wenn nein, dann seid ihr in diesem Text genau richtig … denn mit der Nachfolge eines Unternehmens könnt ihr durchaus besser in die Selbstständigkeit starten.

Neu | Franchise | Nachfolge: 3 Gründungsformen und die richtige für euch

Alles neu – wer über eine Gründung nachdenkt, geht wahrscheinlich erst mal genau davon aus: Ich habe eine Idee, gründe ein Gesellschaft, entwickle ein Produkt oder eine Marke, suchen Mitarbeiter, Büro oder Produktionsstätte und dann gehe ich auf dem Markt. In der Hoffnung auf Kunden.
Tatsächlich ist die Neugründung nur eine von mehreren Optionen – und nicht in jedem Falle die bessere.
besonders geeignet für: völlig neue Produkte oder Dienstleistung / bisher nicht oder wenig geschöpfte Märkte / Egozentriker

Franchise – das Gründen nach System, ist in den vergangenen Jahren eine weitere wichtige Säule des Gründungsgeschehens. Der Vorteil liegt auf der Hand: ein Franchisegeber hat den Businesscase erdacht, geprüft und erfolgreich umgesetzt. Und ihr gründet auf Basis dieser Erfahrungen eure eigene Niederlassung. Mehr zum Gründen als Franchisenehmer erfahrt ihr in diesem Interview.
besonders geeignet für: für alle, die sich auf das Wirtschaftliche am Gründen konzentrieren wollen / Kaufleute mit dem Wunsch nach der eigenen Firma

Die Firmennachfolge ist ein bisschen wie Neugründen aber auch ein bisschen ins gemachte Nest. Wie sehr was überwiegt, liegt vor allem an dem zu übernehmenden Unternehmen. Und euren eigenen Zielen. Ein gut gehendes Café muss vielleicht nicht anders gemacht werden, als von euren Vorgängern. Obwohl: einen Latté mit Sojamilch werdet ihr eben doch anbieten. Weil ihr mit der Zeit geht. Und gerade in Deutschland heisst Übernahme auch immer… das Unternehmen in die Digitalisierung führen.
besonders geeignet für: für Kreative mit dem Wunsch nach Basis-Sicherheit / gut erschlossene Märkte, die Innovation benötigen / potenzielle Erben

Nachfolge – Markt & Chancen für eure Unternehmensgründung

Rund 150.000 Familienunternehmen mit rund 2,4 Millionen Beschäftigten stehen laut Schätzungen des IFM Bonn zwischen 2018 und 2022r zur Übergabe an. Glaubt man der KFW Bankengruppe, planen sogar 500.000 bis 600.000 mittelständischer Unternehmen kurz- oder mittelfristig, ihr Unternehmen zu übergeben oder zu verkaufen.
Die Chancen als Nachfolger stehen also grundsätzlich gut.

Vorteile der Unternehmensnachfolge

  • erprobtes Geschäftsmodell – wenn das übernommene Unternehmen solide ist
  • Übernahme einer Marke mit einem Wert, allein schon durch die Dauer ihrer Existenz
  • Übernahme bestehender und funktionierender Strukturen und Prozesse
  • Zulieferer, Partner, Mitarbeiter – ihr müsst nichts neu erfinden
  • bestehende Kundschaft mit Vertrauen in eure Marke

Herausforderungen der Unternehmensnachfolge
Es sind gar nicht so sehr Nachteile, die eine Unternehmensnachfolge zusätzlich belasten – beinahe alle Punkte hier können euch auch in der Unternehmensgründung treffen. Allerdings solltet ihr über diese Herausforderungen nachgedacht haben und schon vorab wissen, wie ihr ihnen begegnet.

  • Keine Zeit in den Job als Unternehmer zu wachsen – ihr seid recht schnell eigenverantwortlich.
  • Die Probleme eines bestehenden Unternehmens sind manchmal versteckt. Und ihr entdeckt sie vielleicht erst spät.
  • Marktveränderung ist mit einem schlanken jungen Unternehmen schneller aufgefangen – ein altes aber solides Schiff bringt man langsamer auf neuen Kurs.
  • Das war früher aber anders – den Satz werdet ihr wohl in jeder Übernahme hören – ob von Mitarbeitern oder Kunden. Es gilt, zu überzeugen.
  • Kaum ein Unternehmen, dass zur Nachfolge ansteht, hat den Digitalisierungsprozess schon gut hinter sich. Eure Vorgänger sind hier entweder nicht mehr mit der Zeit gegangen oder haben die Investition gescheut. Gleichzeitig steckt hier das größte Potenzial: Prozesse zu verschlanken, mit neuer Technologie eure Produkte verbessern und andere Märkte zu erschliessen.
  • Eure Vorgänger haben mit viel Herzblut ein Unternehmen geschaffen. Und kaum einer gibt das ganz locker und entspannt weg und auf. Auch hier werdet ihr euch mehr als einmal auf dem Prüfstand wiederfinden.

Der besondere Fall: die Übernahme eines Familienunternehmens

Es ist der eigentlich klassische Fall: Eine Generation baut ein Unternehmen auf, die andere übernimmt es und macht es größer, besser, erfolgreicher oder globaler. Die Landwirtschaft hat Jahrhunderte so funktioniert.

Gleichzeitig ist das Unternehmen von Generation zu Generation ein aussterbendes Modell. Wer seine Eltern das ganze Berufsleben dabei beobachten konnte, welche Opfer ein Unternehmer so aufbringen muss – der sucht sich häufig einen anderen Job.

Und doch: Solltet ihr das bestehende Unternehmen eurer Eltern oder gar Großeltern übernehmen, dann hat das natürlich viele Vorteile: Ihr kennt die Firma selbst schon lange und wahrscheinlich besser als jeder ausserhalb der Familie. Ihr könnt auf die Unterstützung der Gründer hoffen, ob nun im wirtschaftlichen oder tatkräftigen Sinne.

Gleichzeitig müsst ihr aber auch damit rechnen, dass dieser Übergang nicht konfliktlos funktioniert: Unterschiedliche Herangehensweisen an die Unternehmensführung haben eventuell auch private Auswirkungen und den Gründern wird es immer ein bisschen schwerer fallen, sich mit gutem Rat zurückzuhalten, wenn es die eigenen Kinder sind, die da den Neuanfang waren.

Gerade in der internen Familiennachfolge spielen Emotionen eine große Rolle. Die Nähe in der Familie wird im Unternehmen weitergelebt, Rollen werden vermischt. Der Sohn oder die Tochter wird als Nachfolger*in nicht konsequent anerkannt, wichtige unternehmerische Entscheidungen werden von der derzeitigen Generation „Eltern“  lieber doch selbst getätigt. Eine Trennung von Bedürfnissen der Familie und Interessen des Unternehmens ist ohne eine externe Moderation kaum möglich, so Nachfolgebegleiter Wolf Wilder.

Außerdem solltet ihr auch die Verwerfungen im größeren Familienkreis beachten: Mit der Firmenübernahme kann sich auch die Frage nach dem Familienvermögen und den Anteilen daran zum Problem entwickeln. Insbesondere, wenn ihr Geschwister habt.

Unternehmertyp & persönliche Qualifikationen

Ebenfalls zu diesem Schritt gehört, dass ihr euch ganz ehrlich folgende Fragen stellt:

  • Wer seid ihr?
    Und wer müsst ihr werden, um die vor euch liegende Aufgabe bewältigen zu können?
  • Prüft ehrlich und grundsätzlich, ob der Einstieg in ein Unternehmen für euch wirklich der passende Start ist. Habt ihr Spaß am Managen, Führen und Organisieren?

Diese Selbstbetrachtung sollte auch die formale Qualifikation einschließen die für einen Unternehmer in eurer Branche erwartet wird. Als Maler, Elektriker und vielen anderen Handwerksbranchen müsst ihr zum Beispiel einen Meistertitel vorweisen (oder einen Meister einstellen). Und auch wenn ihr Geschick bei der Gestaltung eines Cafés habt … das Kerngeschäft verlangt Barista-Qualitäten, Backfähigkeiten und Kundenfreundlichkeit.

Und auch das ist eine grundsätzliche Wahrheit beim Gründen, die nicht nur Nachfolger trifft: Die meisten Unternehmungen scheitern an den betriebswirtschaftlichen Schwächen der Gründer. Richtig investieren, Mitarbeiter finden und führen, Buchhaltung, Steuern, Personalabrechnung, sinnvolles Marketing – es werden sehr viele richtige Entscheidungen von euch verlangt. Damit ihr diese auch fällen könnt, benötigt ihr viel Wissen. Oder könnt euch das Wissen einkaufen.

Je nachdem, wie ihr hier in eurer eigenen Analyse abschneidet, definieren sich vielleicht auch schon erste Aufgaben:

  • Hilft es, eure Wunschbranche in Praktikas, Nebenjobs oder als Angestellter kennenzulernen?
  • Solltet ihr Weiterbildungen & Trainings nutzen?
  • Gibt es Schwächen, die ihr durch Selbststudium lösen könnt?
  • Gründer müssen nicht alles können: Wo solltet ihr auf euer Netzwerk bauen?

Noch mehr Fragen über euch? Dann lest hier Gründerpersönlichkeit: Das solltet ihr als Gründer mitbringen | mit Tests

Baut euch ein Netzwerk für die Nachfolge auf

Als Unternehmer werdet ihr um so erfolgreicher sein, umso besser euer Netzwerk ist. Damit ist nicht die Social Media Verknüpfung mit tausenden Freunden gemeint (obwohl auch die Crowd bei einigen Probleme hilfreich sein kann) – sondern wie ihr euer Unternehmen gut auf die Dienstleistungen anderer aufgebaut habt. Ein guter Anwalt kann ebenso Wunder wirken wie ein vertrauenswürdiger Steuerberater oder ein kreativer und kluger Designer.

Auch die Übernahme eines Unternehmens ist nicht ohne Netzwerk möglich. Es gibt hervorragende Fachleute und Ratgeber, die euch bei diesem Prozess helfen können. Die euch mit anwaltlicher oder steuerrechtlicher Einschätzungen von dem richtigen Nachfolge-Kandidaten überzeugen können, die als Mittler zwischen euch und dem bestehenden Unternehmen aktiv sein können. Sehr wahrscheinlich werdet ihr einen Wirtschaftsprüfer einschalten und früher oder später – nämlich bei den Verträgen – werdet ihr auch auf die Dienste eines Notars zurückgreifen.

Soweit so praktisch. Doch nicht minder wichtig sind solche Berater, die zwar keine fachliche Expertise aber wohl eine motivierende Rolle in diesem Prozess spielen können: Ein Coach, der euch über die zu erwartenden Täler eures Unternehmerweges bringt, der euch an euren Traum und eure Motivation erinnert und euch auch immer wieder den Spiegel vorhält, damit ihr euch und eure Entscheidungen ehrlich prüfen könnt, kann sehr hilfreich sein. In aller Regel wird diese Rolle eurem Lebenspartner zufallen. Doch die Erfahrung lehrt: das kann gut gehen, muss es aber nicht. Überfordert eure Partnerschaft nicht mit eurem Gründungsvorhaben.

Wenn ihr Schritt 1 visualisieren wollt, dann wäre dies am ehesten ein Letter of Intend. Eine A4 Seite, auf der ihr ganz persönlich euren Unternehmerweg beschreibt. Was, warum und bezüglich der Nachfolge wie. Nicht das Detail zählt sondern euer persönliches Statement, quasi das Motivationsschreiben.

Eine schöne Visualisierung ist die SWOT-Analyse, in der ihr die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken eures Vorhabens in einer Matrix zusammenfasst. Mehr dazu und wie ihr eine SWOT-Analyse erstellt, erfahrt ihr hier: SWOT-Analyse für den Businessplan erstellen

Schritt 2: Übernahme-Kandidaten – So sucht ihr richtig

K.O. Kriterien | Persönliches Netzwerk | Nachfolgebörsen | M&A Berater

Während ihr euch in Schritt 1 vor allem mit euch beschäftigt habt, geht es mit Schritt 2 nach draussen. Ihr seid entschlossen, als Unternehmensnachfolger zu gründen, jetzt gilt es, das richtige Unternehmen für euch zu finden. Die reine Recherche nach Optionen erübrigens sich natürlich, wenn ihr als Familiennachfolger oder als Angestellter eine konkrete Firma übernehmen wollt.
Doch die Prüfung des zu übernehmenden Unternehmens auf Herz und Nieren ist natürlich auch hier wichtig.

Geeignete Übernahmekandidaten finden

Die Suche nach dem passenden Unternehmen, dass ihr übernehmen wollt, kann ganz einfach sein.
Solltet ihr allerdings nicht als Familiennachfolger schon ein konkretes Unternehmen zur Übernahme haben, dann solltet ihr euren Blick weit genug öffnen. Euer Ziel sollte sein, eine Auswahl von drei bis fünf Unternehmen zu haben, die ihr euch in der Übernahme vorstellen könnt.

K.O. Kriterien definieren

Dazu definiert ihr am besten so genannte K.O.-Kriterien, die sich an euren Bedürfnissen orientieren. Das kann die Größe, die Lage, die Branche und die Anzahl an Mitarbeitern sein. Ihr könnt aber auch Erwartungen wie die Nachhaltigkeit oder die Sozialverträglichkeit einer Unternehmung als wichtig definieren. Folgende Kriterien solltet ihr in jedem Falle aufschreiben:

  • Markt
  • Branche
  • Ort/Lage
  • Zustand
  • Preis

Schreibt euch diese Kriterien und eure Vorstellungen klar auf!

Macht euch auf die Suche

Manchmal liegt das Gute so nah. Vielleicht ist das Unternehmen, dass ihr gern übernehmen würdet, ja das, in dem ihr gerade arbeitet. Findet doch mal heraus, ob es da schon eine Nachfolgeplanung gibt. Oder aber in eurem Bekannten- und Familienkreis steht die Rente an und ein Unternehmer weiss noch gar nicht, wie er mit seiner Firma umgehen soll.

Nachfolgebörsen

Das Thema Nachfolge ist inzwischen gesellschaftlich so wichtig geworden, dass auf Initiative einiger Institutionen wie IHK und Wirtschaftsministerium extra Börsen entwickelt wurden, in denen sich aktuelle Liste von Unternehmen mit Nachfolger-Suche zu finden sind. Eine der bekannten Börsen ist Nexxt-change, in der ihr branchenspezifisch und regional suchen könnt.
Eine Übersicht der wichtigsten Börsen: Unternehmensnachfolge: Die besten Nachfolge-Börsen im Überblick

Nachfolge finden mit M&A-Berater

Auch für Unternehmensnachfolge gibt es spezialisierte Maklerbüros, bekannt unter dem Begriff „M&A-Berater“ („Mergers & Acquisitions“). Die Herausforderung besteht darin, den richtigen Berater für eure Pläne zu finden. Ihr solltet auf fachliche Kompetenz bestehen, also nach den M&A-Erfahrung des Beraters fragen und auch sein Verständnis für euer Geschäftsmodell fragen. Auch Branchen Know-how sollte vorhanden sein. Besprecht mit dem Berater den Prozessablauf und klärt genau, wie der Berater euch bei diesem Prozess begleitet und wieviel Zeit er dafür plant. Außerdem solltet ihr euch mindestens garantieren lassen (und das eventuell auch überprüfen), dass der Berater nicht in Interessenskonflikte geraten kann. Unabhängige Berater haben keine eigenen wirtschaftlichen Interessen, die den Verkaufsprozess beeinflussen könnten. Banken sind unter Umständen daran interessiert, die Kaufpreisfinanzierung zu übernehmen.

Auf der Suche nach einem geeigeneten M&A Berater könnt ihr euch an die Vereinigung Deutscher M&A-Berater (VMA) oder den Bundesverband Mergers & Acquisitions wenden.

Schritt 3: Übernahmekandidaten auswählen & prüfen

Kandidaten sondieren | Mit KO-Kriterien abgleichen | Due-Diligence-Prozess | Chancen | Risiken | Altlasten | Lizenzen/Patente | Preis

Vor Schritt 3 habt ihr euch über einige Unternehmen informiert und zwei bis drei Kandidaten ausgewählt, die euren Kriterien entsprechen. Diese Shortlist müsst ihr nun genauer analysieren. Dabei hilft euch das Netzwerk an Experten, dass ihr in Schritt 1 aufgebaut habt.

Geschäftsmodell verstehen

Wichtig, damit ihr wisst, worauf ihr euch bei dem Unternehmen einlasst, ist das Verständnis des Geschäftsmodells. Das mag bei einem Café noch recht einfach sein – bei größeren und technischen Firmen hingegen kann das schon recht tricky sein.
Das Geschäftsmodell beschreibt das Wesentliche der Unternehmung. Folgende Fragen beantwortet das Modell:

  • Value Proposition … Wert oder Nutzen für eure Kundschaft
  • Geschäftsstruktur … Prozesse, wie dieser Wert geschaffen wird
  • Ertragsmodell … wie ihr damit Geld verdient
  • Unternehmensgeist … was treibt das Unternehmen und was treibt euch

Am besten erfasst ihr dieses Modell in einem „Business Model Canvas“. So habt ihr eine strukturierte Darstellung des Geschäftsmodells und könnt das Unternehmen und wie es funktioniert besser einschätzen. Wie das geht, lest ihr hier: Business Model Canvas – so nutzt ihr das Tool zur Geschäftsmodell-Entwicklung für Startups

Abgleich mit K.O.-Kriterien

Nun solltet ihr den Ist-Stand des Unternehmens mit euren Ansprüchen abgleichen. Läuft die Wertschöpfung im Unternehmen so, wie ihr euch das vorstellt? Welchen Transformationsbedarf seht ihr, wo gibt es einen Investitionsstau? Passen eure wichtigsten Kriterien auf das ausgesuchte Unternehmen? Welche Kompromisse müsstet ihr eingehen und wollt ihr das?

Beachtet: Habt ihr viele Transformation im Geschäftsmodell entdeckt, die ihr angehen müsstet, sollten die Alarmglocken klingeln. Den Vertrieb zu digitalisieren, technische Anlagen zu modernisieren und vielleicht auch noch ein modernes Team neu aufzubauen – zuviele Baustellen werden euch extrem fordern. Also schaut genau, was ihr wirklich leisten könnt.

Exkurs: Kontakt mit dem Unternehmenseigentümer

Wenn ihr bisher noch unter dem Schirm gearbeitet habt und eure Interessen an einer Unternehmensnachfolge nicht kommuniziert habt … Nun ist Zeit, euch zu offenbaren.
Nehmt also Kontakt mit dem Inhaber des Unternehmens auf, erklärt euer Interesse und habt auch Antworten auf seine ersten Fragen nach euch und eurem Hintergrund.

Ihr solltet ihm zeigen, dass ihr euch schon intensiv mit seiner Firma, dem Markt usw beschäftigt habt. Und gleichzeitig solltet ihr die Gelegenheit nutzen, mit ihm sein Geschäftsmodell zu besprechen. Lasst Kritik an dieser Stelle. Ihr seid der Lehrling, der etwas verstehen will.
Und je besser ihr fragt, umso besser könnt ihr euer Business Model Canvas vervollständigen.

Denn grundsätzlich solltet ihr bedenken: Beinahe jeder Unternehmensnachfolge wird auf den Konflikt „Wertschätzung des Lebenswerks vs. angemessener Kaufpreis“ hinaus laufen. Und ganz ehrlich: Wie lässt sich ein Leben lang Arbeit, Aufopferung und Tatenkraft in eine Kaufsumme pressen? Ihr solltet also die Wertschätzung auch auf anderem Wege kommunizieren können: Immerhin stellt ihr dem Eigentümer in Aussicht, dass sein Lebenswerk weiterleben kann, vielleicht sogar wachsen und schöner und erfolgreicher werden kann. Und ihr solltet mit Respekt und Anerkennung über die Arbeit anderer sprechen.

„Due-Diligence“-Verfahren zur Unternehmensprüfung

Es wird Zeit, genauer in ein Unternehmen zu schauen. In dem „Due-Diligence“-Verfahren werden die Bücher geöffnet und ihr erhaltet einen tiefen Einblick in die Lage und Struktur des Unternehmens.
Für eine Due-Diligence-Prüfung solltet ihr mit spezialisierten Berater und entsprechenden Dienstleister zusammenarbeiten. Der Prozess einer wirtschaftlichen Bewertung eines Unternehmens ist ebenso wie die Gestaltung sinnvoller Verträge für die Unternehmensnachfolge ein komplexes Thema und sollte deshalb von Profis begleitet werden.

Bei der sogenannte Financial Due Diligence wird geprüft, wie solide die Buchhaltung und die Abschlüsse des Unternehmens sind. Das Controlling wird geprüft, ebenso die Höhe der Betriebsmittel des Unternehmens und mögliche Risiken, die das Finanzamt bisher nicht erkannt hat und woraus sich Steuernachforderungen ergeben könnten.

Es folgt eine Legal Due Diligence, die die rechtliche Seite des Unternehmens prüft: Wie ist die rechtliche Stellung des Unternehmeneigentümers, gibt es belastende Vorverträge und wie sehen die Mitarbeiterverträge aus?

Values: Unternehmensbewertung

Was ist ein Unternehmen im Markt wert? Tatsächlich gibt es Berechnungsgrundlagen – und unabhängig von allen emotionalen Werten – sollte dieser Marktwert auch berechnet werden.

Die wichtigsten Faktoren zur Bewertung eines Unternehmens sind:

  • Attraktivität eures Marktes
  • Reputation der Gründer
  • Innovationsgrad eures Produktes
  • Stärke der Traction
  • Höhe eurer Umsätze

Hinzu kommen bei bestehenden Unternehmen:

  • die Risiken innerhalb des Unternehmens
  • Altlasten der Altunternehmer
  • Bestehende Lizenzen und Patente

Es gibt einige Methoden zur Bewertung von Unternehmen, die wichtigsten und wie sie funktionieren, findet ihr in unserer Checkliste Unternehmen bewerten | mit PDF zum kostenlosen Download

Der Kaufpreis in der Unternehmensnachfolge

In aller Regel wird der Unternehmer, der seine Firma weggeben will, mehr dafür erwarten, als der Käufer und Unternehmensnachfolger bereit ist, zu zahlen. Vergesst dabei nie auch den emotionalen Faktor: Es geht auch darum, irgendwie in einer einzigen Zahl die Arbeitsleistung eines Menschen abzubilden. Das kann nicht wirklich funktionieren.

Insofern hilft hier Moderation. Einen von beiden Partnern anerkannter Dritter, der beide Vorstellungen und Ansprüche miteinander verknüpfen kann, unemotional Argumente vorbringen kann und vermittelt – ist hier viel wert.

Schritt 4: Fortführungsplan scheiben

Wie bei einer Neugründung ist eines der wichtigsten Elemente eurer Planung der Businessplan. Darin stehen alle die Keyfacts, wichtigen Zahlen und auch die Herausforderungen, denen ihr euch nicht nur im Übernahmeprozess sondern auch in den kommenden Schritten bei der Unternehmensführung stellten müsst.

In dem Businessplan schreibt ihr euer Geschäftskonzept nieder – nicht nur das bestehende sondern auch das eure, neue. Ihr ermittelt euren Finanzbedarf, klärt die Finanzierungsformen, die ihr dafür nutzen wollt.

Im Ergebnis habt ihr einen Plan, der euch in den kommenden Jahren auch immer als Leitfaden für die anstehenden unternehmerischen Entscheidungen dienen kann und soll.

Für die Unternehmensnachfolge heisst der Businessplan übrigens Fortführungsplan. Die Unterschiede liegen auf der Hand: Ihr baut auf ein bereits laufendes Geschäft auf, könnt also viele Zahlen weniger auf Vermutungen wie im normalen Businessplan sondern auf Erfahrungen stützen, ihr könnt Kunden, Kooperationspartner, Lieferanten, Konkurrenten usw. sehr viel genauer benennen. Enstsprechend werden von euch im Fortführungsplan aber auch diese detaillierteren Zahlen und Fakten erwartet.

Und im Fortführungsplan finden sich:

  • Datum der Unternehmensübergabe
  • Kaufpreis
  • Rechtsform
  • Kapitalbedarfsplanung
  • Liquiditätsplanung
  • Risikoplanung

Wichtig ist auch der Breakeven: Wann werden sich die Übernahmekosten aus dem laufenden Betrieb amortisiert haben?

Wie ihr den Fortführungsplan am besten aufstellt, erklärt euch dieser Fachartikel: Unternehmensnachfolge: So schreibt ihr einen Fortführungsplan | mit Übersicht

Schritt 5: Finanzplan | Finanzierung und Förderung klären

Keine Gründung und keine Nachfolge ohne Kapital. Soweit ist das sicher jedem angehenden Unternehmer klar. Die Frage ist allerdings, wieviel Kapital wird benötigt? Und wo kommt es her?
Die Finanzierung eurer Unternehmensnachfolge ist eine der größten Herausforderung eures Gründungsprozesses. Doch unter Umständen ist das leichter als als Neugründer: Immerhin habt ihr einen funktionierenden Businesscase und müsst Investoren nicht von einer völlig neuen – und damit durchaus unsicheren – Idee überzeugen.

Dafür ist der Aufbau eines Unternehmens nach der Lean-Startup-Methode bei der Nachfolge in aller Regel nicht möglich. Das Unternehmen (und damit sein Wert) steht schon. Hier langsam zu wachsen, wird kaum gelingen.

Finanzierungsplan erstellen

Allerdings solltet ihr durchaus alternative Finanzierungsformen auf ihren Nutzen für euch prüfen. Vielleicht gibt es ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit an der Weiterführung des Unternehmens und ein Crowdfunding könnte helfen. Oder der Altunternehmer ist so begeistert von euch und eurem Konzept, dass er sich auf Mietkäufe oder ähnliche Finanzierungen einlässt.

In jedem Falle solltet ihr das Thema Finanzierung ebenso wie die allgemeine Nachfolgeplanung klar ausarbeiten und in einem Finanzierungsplan (als Teil des Fortführungsplanes) festhalten. Wie das genau geht, zeigen wir euch in einem extra Fachartikel.

Mögliche Finanzierungsformen

Welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt und wie ihr diese am besten für euer Projekt nutzt, erfahrt ihr hier: Leitfaden Finanzierung von Existenzgründungen und Startups

Förderungen für Nachfolge

Und natürlich ist es auch bei der Nachfolge denkbar, dass ihr durch Förderungen euren Finanzbedarf – zumindest teilweise – decken könnt. Auch hierzu bieten wir euch einen ausführlichen Fachartikel.

Schritt 6: Rechtliche Vorbereitungen für die Nachfolge

Übernahmeform klären | Kaufvertrag & Übernahmevertrag | Altverträge
Im Fortführungsplan habt ihr bereits eure Entscheidung, in welcher Rechtsform ihr das Unternehmen führen wollt, niedergeschrieben. Häufig ergibt sich daraus, wie das Unternehmen vom bisherigen Eigentümer geführt wurde – aber das muss nicht so sein.
Ihr solltet wie auch bei der Unternehmensneugründung die verschiedenen möglichen Rechtsformen ob ihrer Vor- und Nachteile genau prüfen und die passende für euch heraussuchen.

Wie ihr den Unternehmenskaufvertrag ausgestaltet, solltet ihr in jedem Falle mit einem spezialisierten Juristen besprechen. Hier ein paar Hinweise, was unbedingt in diesem Vertrag geregelt sein muss:

  • präzise Angaben zum Unternehmen
  • Beschreibung des Kaufgegenstands
  • vom Verkäufer zugesagte Eigenschaften
  • Kaufpreis und Zahlungsmodalitäten
  • Zeitpunkt der Übergabe

Es gibt Musterverträge für den Unternehmenskauf – die können euch dabei helfen, den Regelungsbedarf zu erkennen. Hier findet ihr ein Muster der IHK Frankfurt.

Schritt 7: Praktische Schritte zur Übernahme des Unternehmens

Formalitäten klären | Kommunikation | PR/Marketing
In der Regel dauert die Übernahme eines Unternehmens Monate, manchmal Jahre. Ihr solltet euch dieses langen Prozesses bewusst sein. Und für eure Zwecke nutzen …
Denn sobald die Verträge unterschrieben sind, wird von euch viel verlangt. Ihr habt die Außenkommunikation des Betreiber/Inhaberwechsels vor euch, müsst eure Mitarbeiter möglichst motiviert auf den Wechsel einstimmen und gleichzeitig alle die laufenden Prozesse aufrecht erhalten sowie allen relevanten Partnern den Wechsel kommunzieren. Dazu gehört:

  • Finanz-, Gewerbeamt, Arbeitsamt und Berufsgenossenschaft informieren
  • Mitgliedschaften in Kammern und Verbänden aktualisieren
  • Fahrzeugzulassungen, Konzessionen, Lizenzen etc. erneuern
  • laufende Verträge auf euch schreiben lassen
  • Impressum aktualisieren

Schritt 8: Neustart im Marketing

In PR und Marketing wird sich die Übernahme eines Unternehmens in der Regel am deutlichsten nach Außen zeigen. Tatsächlich kann so ein Neustart eines etablierten Unternehmens auch eine perfekte Situation für weitreichende und nutzbringende PR sein.

PR: Nutzt eure Nachfolgestory für Aufmerksamkeit

Die Presse ist an Geschichten der Veränderung immer interessiert: Wer ist neu in der Stadt? Was wird sich verändern? Warum wechselt ein Unternehmen den Besitzer? Es gibt eine gesundes Maß Neugier, dass eure Nachfolgestory auslösen kann und die Medien begleiten damit euren Neuanfang durch redaktionelle Beiträge.

Je nach Branche, in der ihr arbeitet, interessiert sich für euch mehr die Fachpresse (Branchenmagazine, Fachmagazine, Wirtschaftsjournalie) oder auch die regionalen Pressevertreter wie Stadtmagazine, Tageszeitungen usw. Übrigens: Ihr solltet darauf gefasst sein, dass wenn einmal über euch berichtet wurde, in der Regel zeitnah andere Medien ebenfalls anfragen.
Grundsätzlich könnt ihr diesen Prozess nachtürlich auch selbst forcieren: Schreibt und verschickt Pressemeldungen, in denen ihr die Nachfolge ankündigt. Wie ihr die Presse am besten erreicht, lest ihr hier: Storytelling: Wie man eine Pressemitteilung schreibt.

Redesign: Facelifting oder Neustart

Häufig sind Unternehmen, die zur Nachfolge stehen, in die Jahre gekommen – zumindest rein visuell. Der mediale Auftritt, von Logo über Hausschrift bis zu Website Auftritt entsprechen nicht den aktuellen Trends.

Trotzdem solltet ihr bei der Umgestaltung behutsam vorgehen: Alle grafischen Elemente eures neuen Altunternehmens – also das Corporate Design – sind geübt, dh Kunden kennen und erkennen sie. Veränderungen können hier auch bewirken, dass ihr diesen Wiedererkennungswert mindert oder gar zerstört.

Deshalb: Überlegt mit eurem Designer sehr genau, was und wie aufgefrischt werden kann, ohne komplett neu zu erscheinen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Mehr zur Gestaltung eurer Unternehmensgestaltung lest ihr hier … Corporate Design: Was ist das, wozu braucht ihr das, wie bekommt ihr es?

Marketingmix: Neu aufgestellt

Auch die Art, wie ihr Werbung und Marketing betreibt, werdet ihr in aller Regel modernisieren. Sicher werdet ihr moderne Online-Varianten wie Google Werbung und Social Media Ads verwenden. So könnt ihr zum Beispiel mit Twitch, Snapchat oder TikTok für euer Unternehmen werben.

Oft werdet ihr natürlich auch auf klassische Werbemittel zurückgreifen. Möglich wären etwa Bonus-Systeme und Stempelkärtchen zur Kundenbindung. Und natürlich könnt ihr auch zu den Klassikern der Werbemittel greifen und eure Kunden mit dem neuen Logo auf Giveaways wie USB Sticks oder Werbeartikeln wie Kugelschreiber von CRIMEX bekannt machen.

Feiert euren Neustart mit einem Event

Heute alles Neu. Probiert es aus! So oder ähnlich könnte die Botschaft lauten, die ihr euren Kunden in einem Event vermitteln wollt. Und in der Regel funktionieren solche Events sehr gut, denn die Neugier auf die Veränderung ist ein positiver Anschub für die Bestandskunden des Unternehmens, mal vorbei zu schauen und sogar jene, die bisher keine Kunden waren, wollen vielleicht wissen, was denn nun neu ist. Wie jedes Kundenevent solltet ihr eine ausreichende und umfangreiche Planung machen, damit die Feier ein Erfolg wird.

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