Wagniskapital für Startups: Was das ist, für welche Gründer diese Finanzierung sinnvoll ist und wann das Geld an den VC zurückfließt

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„Wagniskapital” besteht aus den Worten Wagnis und Kapital. “Wagnis”: das steht für das hohe Risiko, welches mit Investitionen in Unternehmen in  der Frühphase einhergeht. Defacto droht bei einem Scheitern der Unternehmung der komplette Verlust des Investments. Deshalb ist es für die Investoren immens wichtig, aus der Masse der weit über tausend Beteiligungsanfragen pro Jahr die Kandidaten herauszufiltern, welche neben diesem Risiko ein entsprechendes Chancenprofil mitbringen und einen deutlich überdurchschnittlichen Return für uns  als Investor erwirtschaften können. Dabei werden Verluste mit einkalkuliert.

Das Wort “Kapital” steht für die Bereitstellung von Eigenkapital. Das Kapital soll in erster Linie dem Wachstum des Unternehmens dienen. Im Gegenzug erhalten Wagniskapitalgeber (Venture Capitalists bzw. VCs) Anteile an dem jungen Unternehmen und sichern sich so die Chancen auf überproportionale Renditen – also deutlich mehr, als würden sie in weniger risikoreiche Unternehmungen investieren.

Welche Startups brauchen die Finanzierung mit Wagniskapital?

Wagniskapital ist eine Finanzierungsform, die Startups mit deutlich überdurchschnittlichem Wachstumspotential vorbehalten ist. Investoren wollen schließlich für das hohe Risiko mit hohen
Renditen entlohnt werden. Damit kommt per se nur ein Bruchteil der Unternehmensgründungen für Wagniskapital in Frage. Solche Unternehmen sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass sie eine
junge Historie haben, die Businesspläne weitestgehend auf Annahmen basieren und es wenig bis gar keine Kunden gibt. Auf Grund fehlender Stabilität, geringer Planbarkeit und einem hohen
Unternehmensrisiko verfügen solche Startups über eine niedrige Kreditwürdigkeit. Fremdkapital, wie beispielsweise Bankkredite, sind in dieser Situation ohne Sicherheiten nicht zu bekommen.
Wagniskapital ist dann oft die einzige Alternative.

In welcher Gründungsphase ist das relevant?

Wagniskapital kann grundsätzlich in jeder Gründungsphase sinnvoll sein. Wir unterscheiden in Seed-, Early- und Growth-Stage. Für jede Stufe gibt es spezialisierte VCs, da besonders von Startup-Seite die Ansprüche und Bedürfnisse in jeder Phase unterschiedlich sind. Oftmals suchen Gründer in ihren Investoren einen Sparringspartner, der auf Augenhöhe kommuniziert und berät und für die jeweilige Gründungsphase das nötige Know-how und Netzwerk mitbringt.

Wagniskapital beim Startup Adjust: ein Beispiel…

Ein gutes Beispiel bietet unser Portfoliounternehmen Adjust – mittlerweile ein Global Player für die Analyse von Mobile Apps: Die erste Finanzierungsrunde – die sogenannte “Seed-Runde” erfolgte 2012 mit einem Wagniskapitalgeber auf Basis einer Powerpoint Präsentation und dem Verkaufstalent des Gründerteams – mehr gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Anschließend, in der  “Early-Stage-Runde”, investierten wir mit Capnamic Ventures. Adjust verfügte zu dieser Zeit bereits über ein erstes Produkt mit Kundenbeziehungen. Das Geld dieser Finanzierungsrunde wurde in die Weiterentwicklung des Produkts und die Akquise neuer Kunden investiert. Über das starke  Unternehmensnetzwerk von Capnamic Ventures konnte das Startup früh namhafte Leuchtturmkunden gewinnen und Fuß im Ausland fassen.

Ende 2015 investierte Highland Capital Partners, ein namhafter UK Fond für Wachstumsfinanzierungen, um Adjust bei der weiteren Internationalisierung und Etablierung als globaler Marktführer zu unterstützen. Mit jeder Runde steigen das Finanzierungsvolumen und die Unternehmensbewertung.

Welche Geldgeber kommen für das Wagniskapital in Frage?

Für die verschiedenen Lifecycles des Startups gibt es verschiedene Geldgeber. Alles beginnt mit ein paar Tausend Euros durch die so genannten “FFF” (Family, Fools and Friends). Anschließend können Business Angels dazukommen – vermögende Privatleute, idealerweise selbst Unternehmer mit Verständnis für das Geschäftsmodell. Das Finanzierungsvolumen liegt hier in der Regel zwischen 10.000 und 100.000 Euro.

Es gibt darüber hinaus Crowdfunding-Programme wie Kickstarter, mit denen Startups zwischen 100.000 und 1 Million Euro einnehmen können. Die Plattformen sind meist öffentlich, so dass jeder dem die Idee gefällt investieren kann. Die einzelnen Investtitionssummen sind deutlich geringer. Hier gilt: die Masse machts.

Staatliche Förderprogramme auf EU-, Bundes-, oder Landesebene, wie z.B. Exist stellen sowohl Eigenkapital als auch Ressourcen zur Verfügung. In der Regel müssen Gründer hierfür keine Anteile abgeben, sollten sich aber auf einen langwierigen Antragsprozess mit ungewissem Ausgang einstellen.

Early-Stage Venture Capital Fonds erwarten in der Regel bereits erste, kleine Erfolge im Markt, den sogenannten proof-of.concept, investieren aber auch Beträge zwischen 500.000 und 5 Millionen Euro. Um einen Growth-Fonds von sich zu überzeugen, sollte das Geschäftsmodell bereits vollends bewiesen sein. Das Investitionsvolumen liegt dann bei mindestens 10 Millionen Euro. Das Kapital dient in solchen Fällen vor allem der Skalierung und Internationalisierung.

Und was genau gibt das Startup dafür her?

Zunächst wird jeder Kapitalgeber Unternehmensanteile für sein Geld verlangen. Wie viele Anteile Gründer abgeben müssen, hängt von der erzielten Bewertung, der Höhe der Finanzierungsrunde
und den weiteren Beteiligungskonditionen ab. Ausschlaggebend für das Verhandlungsergebnis sind nicht zuletzt Angebot und Nachfrage sowie das Verhandlungsgeschick der Parteien. VCs
verlangen in der Regel zwischen 10 – 30 Prozent am Unternehmen. Um das hohe Risiko zu minimieren, bzw. das eingesetzte Kapital zu schützen, verlangen Investoren zudem Mitsprache und
Vetorechte. Dazu gehören beispielsweise auch Informationsrechte oder Vesting Vereinbarungen, die das Ziel haben, das Gründerteam auf absehbare Zeit an das Unternehmen zu binden.

Wann hat der VC, der Geldgeber etwas von der Investition?

Der VC verdient dann Geld, wenn seine Anteile zu einer deutlich höheren Bewertung verkauft werden (Exit) oder sobald das Startup profitabel ist und Dividenden an seine Shareholder bzw. Anteilseigner ausschüttet. Letzteres ist aber eher unüblich, da die Gewinne in aller Regel in das weitere Wachstum investiert werden.

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