Gründen in Mainz – Das müsst ihr über das Gründerökosystem wissen

Noch schlummert die Mainzer Startup-Szene ein bisschen. Doch spannende Angebote und gute Vernetzung versprechen eine rosige Zukunft.

5/5 (3)

Die kleine Rheinland-Pfalz mit ihrer Hauptstadt Mainz hat es nicht besonders leicht, auf der Startup Landkarte eine relevante Größe zu spielen. Zu erdrückend sind die nahe liegenden Konkurrenten Frankfurt/Main, Darmstadt oder gleich nebenan Wiesbaden. Und so findet Mainz gleich gar keine Erwähnung im Startup Monitor 2019.

Doch wie wir bei der Betrachtung schon einiger Gründerökosysteme in kleineren Städten erfahren konnten – gerade hier entwickeln sich häufig in überschaubareren Strukturen qualitativ hochwertige Zentren der Gründerszene. Und da kann Mainz sich durchaus sehen lassen.

Im Vergleich zum eigenen Bundesland sind die Anzahl von Gründungen deutlich höher: In Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2018 nach Angaben des Statistischen Landesamtes insgesamt 31.966 Gewerbe angemeldet. Das waren ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Gewerbeabmeldungen lag um 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Etwa 450 Betriebsgründungen kommen aus Mainz – das ist doppelt soviel wie in der nächst größeren Gründerstadt Ludwigshafen mit 278 Betriebsgründungen.

Und die Stadt gegenüber der Mündung des Mains am Rhein hat wirtschaftlich einiges zu bieten und kann auch für Gründer eine spannende Adresse sein.

Faktor 1: Zukunftsperspektiven – Der Wirtschaftsstandort Mainz

Geht man bei der Wirtschaft und Infrastruktur von Mainz auf die Faktoren Produktivität, Bruttoeinkommen und Investitionen ein, dann steht die Stadt gar nicht schlecht da: In einer Studie der Wirtschaftswoche von 2005 belegt Mainz im Vergleich von 50 deutschen Städten den vierten Rang, 2006 den fünften Rang.

Bei der Kaufkraft von 25.035 Euro pro Einwohner (2018) liegt die Stadt um 7,3 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das BIP je Erwerbsperson beträgt 74.345 € und liegt damit recht hoch.

Das sind die wichtigsten Unternehmen in Mainz

  • Größter Arbeitgeber in Mainz: die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Uni mit fast 8.000 Mitarbeiter und über 600 Auszubildenden in 60 Kliniken und Instituten und einem Jahresumsatz von rund 750 Millionen Euro.
  • Platz zwei – wie passend – das ZDF. Das Zweite Deutsche Fernsehen beschäftigt rund 3.500 Mitarbeiter und rund 4.500 freie Mitarbeiter. Der Marktanteil des ZDF liegt bei rund 13%, das ist mehr als das Erste Deutsche Fernsehen (ARD).
  • Die Schott Aktiengesellschaft hat rund 2.400 Mitarbeiter in Mainz, jährliche Umsatz des Technologiekonzerns mehr als zwei Milliarden Euro.
  • Viertgrößter Arbeitgeber ist die Stadt Mainz selbst mit über 2.000 Menschen in der Stadtverwaltung. Die Stadtwerke Mainz beschäftigen rund 1.450 Menschen.
  • Wesentlich auch der Südwestrundfunk (SWR) – Sender der ARD – mit etwa 1.300 Mitarbeitern am Standort Mainz.
  • Weitere große Unternehmen sind die DB Cargo AG, die Mainzer Volksbank, Werner & Mertz und der Kreditversicherer Coface for Trade.

Eine tolle Übersicht der Unternehmen und der Hidden Champions der Region findet ihr in dem Projekt “Mach Deins” des TechnologieZentrum Mainz:

Mehr zur Wirtschaftskraft des Gründerökosystems auf MACH DEINS

Vorteile für Gründer:

Starke und große Unternehmen können wichtige Partner für Gründer sein. Hier könnt ihr neue Produkte und Dienstleistungen in einem professionellen Umfeld entwickeln und testen. Oder ihr könnt als Werkstudenten erste Erfahrungen sammeln und vor allem erste Kontakte knüpfen und eure Gründeridee auf einer ganz anderen Ebene besprechen.

Viele der Unternehmen suchen ständig nach Innovationen, betreiben Hubs und Gründerzentren sowie Acceleratoren. Hier gibt es Bedarf und auch Geld für eure Ideen.

Faktor 2: Hochschulen & Institute – Technologisch bestens aufgestellt

Hochschule Mainz und Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben gemeinsam mit dem größten Arbeitgeber in der Stadt, der Universitätsmedizin Mainz, eines der wesentlichsten Gründerzentren etabliert: Das GRÜNDUNGSBÜRO MAINZ dient in erster Linie allen gründungsinteressierten Hochschulangehörigen und Alumni in der Vorgründungsphase.

Interessierte erhalten Informationen und Beratung zur gezielten Hochschulausgründung sowie zu Fördermöglichkeiten durch das Programm EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie beraten.

Die Hochschule Mainz betreibt darüber hinaus den Gründungscampus „meins“ (Mainz für Entrepreneurship, Innovation, Nachfolge und Startup).

Auch die Technischen Hochschule (TH) Bingen hat ein Existenzgründerprogramm gestartet, seit der Unterstützung durch die Wirtschaftspaten e.V. auch in allen Studiengängen. Dazu gehören neben Gründerseminaren auch Vorlesungen durch Experten aus der Praxis oder eine regelmäßige Gründersprechstunde.

Forschungsinstitute in Mainz

Besonders viel Exellenz findet ihr in Mainz bei Forschungsinsituten.

Das Helmholtz-Institut Mainz (HIM) ist eine institutionelle Kooperation der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt. Es verknüpft die akademische Welt einer Hochschule mit den wissenschaftlichen Möglichkeiten eines international renommierten Beschleunigerzentrums. Im Zentrum der Arbeiten steht der Beschleunigerkomplex FAIR, der derzeit in Darmstadt gebaut wird. Im Institutsneubau in Mainz gibt es neben hochwertigen Laser- und Chemielabors einen Reinraum, der beispielsweise für die Montage und Präparation von supraleitenden Beschleunigermodulen genutzt wird. Der institutseigene Rechnercluster HIMster II erlaubt aufwändige Computersimulationen, zudem haben die Forscher Zugriff auf den MOGON II-Rechner der Universität, der derzeit schnellste Hochleistungsrechner an einer deutschen Hochschule.

Das Fraunhofer IMM arbeitet in den Bereichen Energie- und Chemietechnik sowie Analysesysteme und Sensorik. Hier erbringen Wissenschaftler Transferleistungen von der wissenschaftlichen Idee hin zur Innovation. Dadurch ist es uns möglich, die Zuverlässigkeit und Wirksamkeit kompakter Stoff- und Energiewandlungssysteme sowie dezentraler, mobiler Energieversorgungseinheiten zu verbessern.

Auch das Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) bietet ideale Voraussetzungen für exzellente Forschung: Vom kreativen Design neuer Materialien, über ihre Synthese im Labor bis zu ihrer physikalischen Charakterisierung und schließlich dem theoretischem Verständnis der Polymereigenschaften bündelt es alle notwendigen Fachkompetenzen. Es zählt zu den international führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Polymerwissenschaft.

Das Max-Planck-Institut für Chemie ist eines der beiden ältesten Institute der Max-Planck-Gesellschaft. Es wurde 1912 als Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin gegründet und zog 1949 nach Mainz um. Besonders bekannte Wissenschaftler in der Geschichte des Instituts sind die Nobelpreisträger Richard Willstätter, Otto Hahn und Paul Crutzen. Zu Ehren des früheren Direktors und Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft trägt das Max-Planck-Institut für Chemie den Beinamen Otto-Hahn-Institut. Es zielt auf ein integrales Verständnis der chemischen Prozesse im Erdsystem, insbesondere in der Atmosphäre und Biosphäre. Untersucht werden vielfältige Wechselwirkungen zwischen Luft, Wasser, Boden, Leben und Klima im Verlauf der Erdgeschichte bis zum heutigen durch Menschen geprägten Zeitalter, dem Anthropozän.

Vorteile für Gründer

Geballtes Wissen und eine starke Forschung hat gleich zwei wesentliche Effekte für Gründer:

  1. könnt ihr davon ausgehen, dass in diesem Umfeld viel Offenheit für Innovation und Startup-Mentalität zu erwarten ist und
  2. mehr oder weniger direkt an den Unis und Instituten könnt ihr euch Know-how verschaffen. In jedem Falle aber über die Gründerzentren, die enge Kontakte pflegen.

Faktor 3: Perfekte Verkehrsanbindung

Fluch und Segen zugleich: Mainz liegt im Rhein-Main-Gebiet und das bedeutet Nähe zu Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden. Zum 25 km entfernten Flughafen Frankfurt fahren mehrmals in der Stunde Züge des Fern- und Nahverkehrs. Der Flughafen Hahn, der etwas über 80 km von Mainz entfernt liegt, wird mit einer direkten Busverbindung angefahren. Dank S-Bahn-Anbindung ist man im 30 Minuten Takt Richtung Frankfurt, Hanau und Offenbach unterwegs.

Vorteile für Gründer:

Die Lage von Mainz sollte euer Vorteil sein: Schnell seit ihr im Finanzplatz Nr.1 in Deutschland, weitere große Städte sind in der Nähe. Also ist auch der Markt groß.

Faktor 4: Gründerzentren und Hubs – das sind die Enabler in Mainz

Mainz ist recht gut mit Gründerzentren versorgt: das Technolgiezentrum, Gründerbüro, EULE e.V. – da gibt es viel Unterstützung für euch. Eine komplette Übersicht zu den Gründerzentren und wichtigen Adressen findet ihr hier.

Faktor 5: Startup Mentalität in Mainz

Mainz wird maßgeblich von seinen Studenten geprägt, es ist in Angebot und Nischen weitaus reicher, als das benachbarte Wiesbaden. Entsprechend ist die Stimmung in der Stadt: Man weiss, dass man nicht Berlin oder Köln ist, will das aber auch gar nicht sein, sondern pflegt das Ureigene.

Vernetzung hat die Mainzer Gründerszene verstanden, das sieht man nicht nur an den Kooperationen der Großen – auch innerhalb der Kultur- und Kunstszene sowie der überschaubaren Gründerszene.

Es gibt noch Räume, die finanzierbar sind – auch wenn sich wie in allen Städten diese durch Verdichtung immer mehr schließen.

Wie mit viel Cleverness eine Stadt aus ihren Möglichkeiten etwas macht, zeigt sich an einer schönen Aktion im hiesigen Stadion:

Energie-Unternehmer Matthias Willenbacher, der mit seiner Online-Plattform wiwin.de Investments an nachhaltige Startups und Projekte vermittelt, holt Startups in die Gründerloge beim Fußball-Bundesligisten Mainz 05. Dort trefen sich Gründer, Investoren und Multiplikatoren und vernetzen sich.

Fazit zum Gründerökosystem Mainz

Fertig und bis ins Detail organisiert ist die Gründerszene in der Stadt noch nicht, es gibt Potenziale. Aber wer hier neu startet, der kann hat viele Docks, an denen er sein junges Schiff erstmal anlanden kann.

Bitte bewerte diesen Artikel:

X
X