Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Biss, ver­trau­ens­wür­di­ge Freun­de & eine gute Idee: Höh­le-der-Löwen Inves­tor Vural Öger über das erfolg­rei­che Gründen

Zur rech­ten Zeit am rich­ti­gen Ort. Und dann noch die rich­ti­ge Idee. Das, was Vural Öger in den 60er/70er Jah­ren in Ber­lin gelang, das wünscht der Pio­nier aus der Tou­ris­mus­bran­che auch ande­ren Exis­tenz­grün­dern. Über Feh­ler, glück­li­che Umstän­de und Durch­hal­te­ver­mö­gen erzählt der Inves­tor und Unter­neh­mens­be­ra­ter in unse­rem Gründerküche-Interview.

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Zur rech­ten Zeit am rich­ti­gen Ort. Und dann noch die rich­ti­ge Idee. Das, was Vural Öger in den 60er/70er Jah­ren in Ber­lin gelang, das wünscht der Pio­nier aus der Tou­ris­mus­bran­che auch ande­ren Exis­tenz­grün­dern. Über Feh­ler, glück­li­che Umstän­de und Durch­hal­te­ver­mö­gen erzählt der Inves­tor und Unter­neh­mens­be­ra­ter in unse­rem Gründerküche-Interview.

Grün­der­kü­che: Herr Öger, als Sie mit Ihrem Unter­neh­men gestar­tet sind, hat­ten Sie da viel Gegen­wind oder gab es Unterstützer?

Vural Öger: Ich hat­te mit mei­nem Grün­dungs­um­feld viel Glück und bekam von Anfang an Rücken­wind – dies lag natür­lich auch dar­an, dass ich es mit mei­ner Tätig­keit wirk­lich vie­len Rei­sen­den erheb­lich leich­ter mach­te. Es gab zu der Zeit, als ich die Öger Türk Tur grün­de­te, noch kei­ne Direkt­flü­ge aus Ham­burg: Alle muss­ten nach Düs­sel­dorf oder Ber­lin, um von dort abzufliegen.

GK: Haben Sie das „Grün­der­gen“?

VÖ: Ich bin mir nicht sicher, ob es das gibt – zu viel hängt von den Umstän­den ab: Am rich­ti­gen Ort, zur rich­ti­gen Zeit die rich­ti­ge Idee zu haben und dann auch die Mit­tel, die­se zu rea­li­sie­ren. Die­se glück­li­chen Umstän­de ver­hal­fen mir dazu, ein erfolg­rei­cher Unter­neh­mer wer­den zu kön­nen. Das meis­te lern­te ich jedoch ent­lang des Weges!

GK: Was war in Ihren Anfän­gen beson­ders schwer?

VÖ: Die rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten zu set­zen. Das heißt, gut zu ana­ly­sie­ren und zu durch­bli­cken, was die wich­tigs­ten nächs­ten Schrit­te sind, so dass man sich nicht ver­zet­telt, aber wich­ti­ge Geschäfts­ent­wick­lun­gen und Expan­si­ons­mög­lich­kei­ten auch nicht verschläft.

GK: Hat­ten sie all das Know-how, das man als Grün­der braucht? Und wenn ja, wo hat­ten Sie es her?

VÖ: Ich hat­te ein paar kauf­män­ni­sche Grund­kennt­nis­se und schon immer ein gutes wirt­schaft­li­ches Ver­ständ­nis, jedoch muss ich sagen, dass ich das meis­te „on the job“ lern­te. Das Wich­tigs­te ist nicht, als Grün­der von Anfang an alles Know-how zu haben, son­dern eine enorm gute Lern­ka­pa­zi­tät mit­zu­brin­gen: Schnell auf­nah­me­fä­hig, adap­ti­ons­fä­hig zu sein, nie­mals arro­gant auf­zu­tre­ten, son­dern bereit zu sein, Feh­ler zu machen und sich die­se auch ein­zu­ge­ste­hen. Zudem soll­te man immer wis­sens- und inno­va­ti­ons­be­gie­rig sein.

GK: Das Schei­tern gehört zum Grün­den – sagen vie­le. Sehen Sie das auch so und gibt es auch eine Pha­se, in der Sie geschei­tert sind?

VÖ: Ein Unter­neh­men zu grün­den und zu mana­gen gleicht immer einer Achterbahnfahrt:

Es kann nie­mals nur steil nach oben gehen, son­dern man darf sich sicher sein, dass die Fahrt auch bei­zei­ten rasant berg­ab gehen wird.

 

Ich war immer ein risi­ko­freu­di­ger Unter­neh­mer und bin daher auch oft geschei­tert – wir sind z.B. zu früh und mit den fal­schen Leu­ten nach Öster­reich und Frank­reich expan­diert. Das hat nicht funk­tio­niert und es hat mich viel Zeit und Geld gekos­tet. Des­we­gen auf­ge­ben? Niemals!

GK: Wie sind Sie da rausgekommen?

VÖ: Auf­ste­hen und wei­ter­ma­chen, das war die Devi­se. Zum The­ma Schei­tern fällt mir immer eine exzel­len­te Stro­phe von Simon Beckett aus „Worst­ward Ho“ ein:

Alles seit je. / Nie was ande­res. / Immer ver­sucht. / Immer geschei­tert. / Einer­lei. / Wie­der ver­su­chen. / Wie­der schei­tern. / Bes­ser scheitern.“

 

Natür­lich ist es nie­mals schön zu schei­tern. Der gute Unter­neh­mer zieht jedoch sei­ne Leh­ren dar­aus und macht wei­ter. Macht es das nächs­te Mal besser.

GK: Wel­che eige­nen Feh­ler wür­den Sie gern heu­ti­gen Grün­dern ersparen?

VÖ: Den fal­schen Men­schen Ver­trau­en zu schen­ken und von die­sen zutiefst ent­täuscht zu wer­den. Zah­len kön­nen auch ent­täu­schen, aber sie spre­chen eine ande­re Spra­che und lügen nicht. Nichts ist so trau­rig und ver­let­zend wie hin­ter­häl­ti­ge Geschäftspartner.

GK: Ihre Erfolgs­tipps, wor­auf kommt es wirk­lich an, damit ein Unter­neh­men gelingt?

VÖ: Eine gute Idee, zur rich­ti­gen Zeit, im rich­ti­gen Markt, in einem klas­se Team, gut umge­setzt – dar­auf kommt es an.

GK: Was ist Ihnen als Start­up-Bera­ter, etwa bei der VOX-Serie „Die Höh­le der Löwen“ beson­ders wich­tig: Über­zeu­gung der Grün­der, wirt­schaft­li­che Kenn­zah­len, die gran­dio­se Idee oder ganz was anderes?

VÖ: Eine Kom­bi­na­ti­on aus allem, wobei sich hier die Gewich­tun­gen ver­schie­ben kön­nen, bzw. von Anfang an unter­schied­lich aus­ba­lan­ciert sind:

Je genia­ler die Idee, des­to mehr wird sie Schwä­chen im Team aus­glei­chen kön­nen, je bes­ser die wirt­schaft­li­chen Kenn­zah­len, des­to grö­ßer wächst die Über­zeu­gung der Gründer.

Je bes­ser das Team, des­to schnel­ler wird es Schwä­chen im Pro­dukt erken­nen und aus­glei­chen kön­nen, so dass eine anfäng­lich schwie­ri­ge Wirt­schaft­lich­keit zu guten Umsät­zen und Gewin­nen führt, etc.

GK: In der „Höh­le der Löwen“ haben Sie jetzt eine gan­ze Men­ge Grün­der ken­nen­ge­lernt: Haben wir einen Man­gel an Grün­der­wil­li­gen, haben wir einen Man­gel an guten Ide­en, haben wir einen Man­gel an Unter­stüt­zern oder haben wir eine Man­gel an Wissen?

VÖ: Ich glau­be, es exis­tiert ledig­lich ein Man­gel an Selbst­ver­trau­en, es zu schaf­fen. Es gibt vie­le gute Ide­en, vie­le poten­ti­el­le Unter­stüt­zer, viel Wis­sen: Es muss nur ange­packt und gemacht werden!

GK: Oder haben wir gar kei­nen Man­gel? Aber war­um grün­den Deut­sche so zöger­lich bis gar nicht?

VÖ: Sie­he oben – der Man­gel an Selbst­ver­trau­en ist ent­schei­dend. Mei­ne Emp­feh­lung: Wenn die ver­meint­lich gute Idee da ist, ana­ly­sie­ren und stu­die­ren Sie, machen Sie gründ­li­che Markt­re­cher­che, erkun­di­gen Sie sich früh nach Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten. Erscheint die Idee immer noch gut? Dann legen Sie los.

GK: Sie sind Tou­ris­mus­ex­per­te: sind hier noch Inno­va­tio­nen im Markt zu erwarten?

VÖ: Ich den­ke schon und wir arbei­ten gera­de mit Nach­druck dar­an, Teil davon sein zu kön­nen. Die Tou­ris­mus­bran­che ist kein ein­fa­ches Fach und von höchs­tem Kon­kur­renz­druck gekenn­zeich­net. Gera­de dar­um ist es nötig, trotz lang­jäh­ri­ger Erfah­rung und zum Teil alt­ein­ge­ses­se­nen Struk­tu­ren offen für Inno­va­tio­nen und neue Tech­nik zu sein – und die­se aktiv voranzutreiben.

GK: War­um enga­gie­ren Sie sich als Inves­tor und Gründungsberater?

VÖ: Ich freue mich, jun­gen Men­schen mit mei­ner Erfah­rung und mei­nem Rat, letzt­end­lich auch mit Kapi­tal­sprit­zen hel­fen zu kön­nen. Von neu­en, fri­schen Ide­en lebt die Wirt­schaft und unser Land – die der­zei­ti­ge Grün­dungs­en­er­gie muss kon­stant geför­dert werden.

GK: Was wün­schen Sie sich von Grün­dern, was fehlt Ihnen in aller Regel?

VÖ: Das lässt sich kaum pau­scha­li­sie­ren, denn bei jedem Grün­der­team gibt es unter­schied­li­che Stär­ken und Schwächen.

Was ich mir immer wün­sche ist natür­lich: Eine sehr gründ­li­che Vor­be­rei­tung und dar­aus abge­lei­tet ein schlüs­si­ges Kon­zept, 100%iges Com­mit­ment und die Bereit­schaft, hart zu arbeiten.

Die­se Ent­schlos­sen­heit ist wich­tig, aber auch die Offen­heit, immer Neu­es auf­zu­sau­gen und mit auf den Weg zu neh­men. Nur so wird es gelingen.

GK: Migran­ten stel­len einen wach­sen­den Anteil von Grün­dun­gen in Deutsch­land. Haben sie es schwe­rer oder leichter?

VÖ: Eine Fir­men­grün­dung an sich ist ja nie­mals leicht. Ich per­sön­lich hat­te jedoch nicht das Gefühl, dass mir auf­grund mei­ner tür­ki­schen Her­kunft zusätz­li­che Stei­ne in den Weg gelegt wurden.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Zur Per­son Vural Öger

vural-oegerDipl.Ing. Vural Öger ist Inha­ber der Vural Öger Tou­ris­tik­grup­pe, die aus dem Rei­se­ver­an­stal­ter V.Ö. Tra­vel, dem Flug­ver­an­stal­ter Öger Türk Tur, der Hotel­ket­te Majes­ty und der Inco­m­ing Agen­tur Holi­day Plan besteht. Außer­dem ist er geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter des Bera­tungs­un­ter­neh­mens Öger Con­sul­ting und der Vural Öger Invest­ment GmbH.
Der deutsch-tür­ki­sche Unter­neh­mer und Poli­ti­ker, Jahr­gang 1942, kam als Acht­zehn­jäh­ri­ger für das Inge­nieurs­stu­di­um an der TU Ber­lin nach Deutsch­land – der jun­ge tür­ki­sche Stu­dent war damals Zuwan­de­rer Num­mer 31. Früh vom Rei­sen und vor allem vom Flie­gen begeis­tert, ent­deck­te er hier eine Geschäfts­ni­sche: Es gab noch kei­ne Direkt­flü­ge von Ham­burg in die Tür­kei. So grün­de­te Vural Öger 1969 das Rei­se­bü­ro Istan­bul und char­ter­te sei­ne ers­ten Flug­zeu­ge, mit denen er die vie­len tür­ki­schen Zuwan­de­rer in die Hei­mat flog. 1972 folg­te die Fir­men­grün­dung des Flug­ver­an­stal­ters Öger Türk Tur, der heu­te noch 19 Flug­hä­fen in der Tür­kei anfliegt und somit im Markt als größ­ter Spe­zia­list für Tür­kei­flü­ge bekannt ist. 1982 grün­de­te er das Unter­neh­men Öger Tours GmbH in Ham­burg und ließ den deut­schen Urlau­ber das Rei­se­land Tür­kei ent­de­cken und lie­ben lernen.
Inner­halb weni­ger Jah­re ent­wi­ckel­te sich die Öger-Grup­pe mit 1,2 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren und einem Umsatz von über 700 Mil­lio­nen Euro jähr­lich zum größ­ten Anbie­ter für Tür­kei­rei­sen in Euro­pa. Als Unter­neh­mens­be­ra­ter & Inves­tor ist er auch in der „Höh­le der Löwen“ aktiv, einer Start­up- und Exis­tenz­grün­der­se­rie des Fern­seh­sen­ders VOX.

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