Book a Tiger: Lieferheld-Erfinder Nikita Fahrenholz über sein neues Startup

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Reinigung per App – so einfach lässt sich das Konzept von BOOK A TIGER zusammenfassen, ein Online-Service, der Kunden mit Putzleuten zusammenbringt. Mit-Gründer Nikita Fahrenholz, der schon als Lieferheld erfolgreich war, hatte offenbar einmal mehr den richtigen Riecher und weiß, was die Leute wollen. Der Markt für Putzkraft-Vermittler boomt, BOOK A TIGER ist nicht der einzige Player: Konkurrenz, wie das Rocket-Internet-Baby Helpling, sieht er aber als Belebung für das Geschäft. Im Interview mit Gründerküche erklärt Nikita Fahrenholz den Trend zur On-Demand-Economy, erklärt, was ein nicht aufgebautes Ikea-Regal mit BOOK A TIGER zu tun hat und gibt Tipps, wie man ein Unternehmen erfolgreich am Markt etabliert.

Gründerküche: Herr Fahrenholz, vom Lieferhelden zur Fachkraft für Raumpflege: Erklären Sie doch bitte kurz mal das Geschäftsmodell ihrer neuen Firma BOOK A TIGER.

Nikita Fahrenholz: BOOK A TIGER ist eine Vermittlungsplattform für Reinigungskräfte, auf der wir Privatkunden mit Putzkräften zusammenbringen. Wir vermitteln also geprüfte Reinigungskräfte und stellen den Reinigungskräften eine Plattform zur Verfügung, mit der sie ihr Business besser managen und wachsen lassen können. Privathaushalte bekommen auf der anderen Seite die Möglichkeit, ganz legal eine Putzkraft zu buchen.

Gründerküche: Warum muss man Putzkräfte online buchen?

Nikita Fahrenholz: Der Putzmarkt für Privathaushalte wird vom Schwarzmarkt dominiert. Der übliche Weg ist: Ich frage bei Freunden nach, ob sie jemanden empfehlen können. Oft sind die Putzkräfte dann aber nicht versichert. Man weiß nicht, wie sie arbeiten und wo sie herkommen.

Wir leisten mit unserer Online-Plattform einen großen Beitrag zur Bekämpfung von Schwarzarbeit.

Die große Nachfrage auf Kundenseite zeigt uns, dass Kunden tatsächlich Interesse daran haben, legal und einfach eine Reinigung zu buchen.

Gründerküche: Wie stellt BOOK A TIGER sicher, das bei den Putzkräften alles legal ist?

Nikita Fahrenholz: Wir haben ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren inklusive Testreinigung. Im Rahmen dieses Auswahl- und Aufnahmeprozesses wird jede Reinigungskraft streng und sorgfältig auf ihre Qualifikationen geprüft. Wenn sich beispielsweise eine Putzkraft, die sogenannten „Tiger“, bei uns bewirbt, muss diese Person bestimmte Unterlagen einreichen, wie zum Beispiel ein Führungszeugnis und eine Gewerbeanmeldung. Die Bewerber müssen auch über die entsprechenden Qualifikationen und Sprachkenntnisse verfügen und in einer Testreinigung bestehen.

Gründerküche: Wo finden denn die Test-Cleanings statt? Und wer kontrolliert die Qualität der Probearbeit?

Nikita Fahrenholz: Die Testreinigung findet bei realen Kunden statt. Wir haben einen ganzen Pool an Testkunden, die am Ende der Testreinigung einen Fragebogen ausfüllen.

Die letzte Frage lautet tatsächlich: Würden Sie den „Tiger“ auch zu Ihrer Mutter nach Hause schicken?

Wenn hier „Ja“ angekreuzt wird, dann ist das eine sehr gute Indikation dafür, dass es sich um eine verlässliche Reinigungskraft handelt. Das wird aber auch schon vorher im Prozess sichergestellt: Wir stellen sehr spezifische Fragen. Wer bei uns im Team in diesem Bereich arbeitet, wird speziell geschult und weiß, wie man gut putzt. Dadurch stellen wir sicher, dass unsere Mitarbeiter relevante Fragen stellen und die Antworten interpretieren können. Es reicht jedenfalls nicht, wenn die einzige Putzerfahrung das eigene Wohnzimmer ist.

Gründerküche: Bei BOOK A TIGER verdienen sich nach eigenen Angaben auch viele Studenten etwas dazu. Woher haben sie die Putzerfahrung?

Nikita Fahrenholz: Es gibt durchaus Studenten, die schon einmal geputzt haben – ganz klassisch in einer Reinigungsfirma oder im Hotel – und dadurch qualifiziert sind. Für sie gelten die gleichen Bedingungen, wie für alle anderen. Da machen wir keine Ausnahme. Wir nehmen – und das ist ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zum Wettbewerb – nur einen sehr kleinen Teil der Leute, die sich auf unserer Plattform bewerben. Wir bewegen uns hier im unteren einstelligen Prozentbereich.

Gründerküche: Wie ist denn die Idee für BOOK A TIGER entstanden?

Nikita Fahrenholz: Als wir noch bei Lieferheld waren, rief mich mein Mitgründer Claude Ritter eines Abends an:

Hey Nikita, ich war gerade bei Ikea. Kannst Du schnell vorbeikommen und mir helfen ein Regal aufzubauen? Auf gar keinen Fall, habe ich geantwortet.

Dann haben wir uns gefragt, wie es ist, wenn man sofort jemanden braucht, der im Haushalt hilft. In dem einen Moment, in dem man wirklich ad hoc etwas erledigt haben will, ist die Preissensibilität sehr niedrig. Den Leuten ist es egal, ob sie 30 oder 50 Euro bezahlen: Hauptsache der Ikea-Schrank steht. Das war der Startschuss für unser neues Business. Wir kamen dann relativ schnell auf den Reinigungsmarkt, da er sehr fragmentiert ist und sich am besten für eine solche Plattform eignet. Weil wir beide aus dem Internetgeschäft kommen und diverse Modelle kennen, entwickelten wir die Idee zu BOOK A TIGER.

Gründerküche: Sie haben Ihre Firma BOOK A TIGER genannt und nicht Book A Putzkraft: Wollen Sie das Angebot ausweiten und auch die Ikea-Aufbauhelfer mit auf die Plattform nehmen?

Nikita Fahrenholz: Das kann durchaus passieren. Wir sind eine Technologiefirma. Was wir im Prinzip machen, ist, eine Plattform zu schaffen, um zwei Parteien miteinander zu verbinden – einen peer-to-peer Marktplatz also. Die ganzen Prozesse sollen automatisiert passieren. Die Bewerbungen der „Tiger“, die Bewertungen der Kunden und natürlich die Verknüpfungen mit den Kunden. Sobald das geschehen ist, können wir auch in anderen Bereichen starten und beispielsweise Handwerker oder Gärtner mit den Kunden verbinden.

Das ist langfristig das Ziel, aber aus meiner unternehmerischen Erfahrung weiß ich, dass man nicht alles auf einmal machen sollte.

Es sind komplexe Prozesse: Wenn man gleich mit drei Bereichen startet, ist die Chance, dass man scheitert, groß. Deswegen beschränken wir zunächst einmal auf den Putzmarkt. Der ist mittelfristig groß und spannend genug.

Gründerküche: Das Thema On-Demand-Economy ist im Moment sehr präsent: Es gibt für jede erdenkliche Dienstleistung ein BOOK A TIGER oder ein Uber. Warum ist das so?

Nikita Fahrenholz: Nicht zuletzt ist der Trend eine Folge der Evolution des Internets. Vor fünf bis zehn Jahren gab es die entsprechenden Technologien noch nicht. On-Demand-Economy braucht Geolocation, Mobile, schnelles Internet und eine gute Netzabdeckung. Dazu sind vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: Kunden und Anbieter. Die Kunden werden immer bequemer: Sie arbeiten acht Stunden am Tag und wollen den Rest der Zeit optimal nutzen. Die Kunden wollen sofort etwas buchen und direkt erhalten. Auf Anbieterseite wollen viele Leute effektiver arbeiten, in einem Bereich, der ihnen Spaß macht – ohne sich 40 Stunden pro Woche an einen Arbeitgeber zu binden. Das ist ein unaufhaltsamer Trend, der total viel Sinn macht.

Gründerküche: Könnte man aus diesem Trend zu mehr Convenience schlussfolgern, dass wir immer bequemer werden?

Nikita Fahrenholz: Es ist ein komplexes Thema, aber ich glaube, wir werden nicht fauler. Ganz im Gegenteil: Wir werden effizienter und vielseitiger. Und das Internet und die Technologien helfen uns dabei. Der Mensch von heute will mal schnell übers Wochenende nach London fliegen und die volle Transparenz über alle Möglichkeiten haben.

Gründerküche: Sie erwähnten vorhin, dass auch die Anbieter von Dienstleistungen profitieren. Aber wie sieht es deren sozialer Absicherung aus?

Nikita Fahrenholz: Bei uns ist es so: Die Anbieter sind selbständig und müssen dafür selbst sorgen. Das ist bei uns Voraussetzung. Der Job ist kein Vollzeitjob. Alle unsere „Tiger“ arbeiten auf Teilzeitbasis und verdienen sich etwas dazu. So funktioniert unser Modell. Im Prinzip können wir als Marktplatz den Anbietern nur die Möglichkeit geben, etwas zu verdienen. Dabei greift das Leistungsprinzip. Wer besser ist als andere, verdient mehr. Wir sind also ein reiner Marktplatz und beschäftigen keine Reinigungskräfte, sondern vermitteln sie.

Gründerküche: BOOK A TIGER ist nicht die einzige Plattform für Putzkräfte. Helpling, das Rocket Internet Startup, scheint mit seiner finanziellen Übermacht den Markt unbedingt schnell konsolidieren zu wollen.

Nikita Fahrenholz: Wir haben keine Befürchtungen, dass sie uns aufkaufen wollen. Zumal es auch nichts Negatives ist, wenn ein Wettbewerber einen anderen Wettbewerber kauft. Es gibt aber keine Gespräche zwischen uns. Helpling ist einfach ein Mitbewerber, so wie es in jeder Industrie Wettbewerber gibt. Ich komme aus einem Markt, wo es zu Beginn fünf Konkurrenten gab.

Das Helpling gerade viel Geld ausgibt ist okay – sollen sie ruhig machen. Wir konzentrieren uns auf unser Business und haben eine andere Philosophie, wie man eine Firma baut.

Natürlich sind wir Fremdkapital-finanziert, aber uns geht es darum, ein vernünftiges Geschäft aufzubauen.

Gründerküche: Welche Empfehlungen können Sie Gründern geben? Wie trifft man den Nerv der Zeit? Wie bringt man ein Unternehmen erfolgreich an den Start?

Nikita Fahrenholz: Ein Grundsatz, an den ich sehr glaube ist: Wenn man Neuunternehmer ist, sollte man möglichst in einen großen Markt gehen. Das hat den Vorteil, dass es genug Platz für Wettbewerb gibt, der immer entsteht, und dass ein großer Markt Fehler eher verzeiht. Man kann einfach nicht alles vorhersehen.

Der zweite Grundsatz ist: Doing-by-doing, also entwickeln, während man eine Firma aufbaut. Also nicht erst lange die „Picture Perfect“-Website ausarbeiten, sondern online gehen und die Seite immer weiter entwickeln.

So machen wir es auch, weil wir dadurch besser verstehen, was unsere Kunden wirklich wollen.

Gründerküche: Wie wird der Putzmarkt in zehn Jahren aussehen? Gibt es dann noch klassische Putzfirmen oder wird über On-Demand-Plattformen abgewickelt?

Nikita Fahrenholz: Wir sind keine Konkurrenz zu klassischen Putzfirmen. Die wird es weiterhin geben, weil sie im Geschäfts- und Industriekundenbereich arbeiten. Im privaten Sektor glaube ich, dass 70 bis 80 Prozent der Aufträge über Plattformen wie BOOK A TIGER abgewickelt werden – transparent und legal. Welche Technologie dafür genutzt wird, sei erst einmal dahingestellt. Vielleicht klappt das dann ja mit der Apple Watch oder über eine Neuronenschaltung im Gehirn…

Zur Person Nikita Fahrenholz

Nikita-FahrenholzBOOK A TIGER, 2014 ins Leben gerufen, ist nicht das erste Unternehmen, das Nikita Fahrenholz gegründet hat. Zusammen mit seinem Co-Gründer Claude Ritter wurde er 2010 ein Lieferheld: Der Online-Dienst vermittelt Kunden den passenden Lieferservice und operiert mittlerweile mit 1400 Beschäftigten unter der Dachmarke Delivery Hero in mehr als 30 Ländern. Vor seinem Einstieg in die Gründerszene arbeitete Fahrenholz für die Unternehmensberatung McKinsey und den Finanzdienstleister Citigroup.

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