Gründerstory Orda: Der digitalisierte Restaurant-Besuch

Normalerweise steht am Anfang die Idee, dann folgen die Entwicklung des Geschäftsmodells und Zusammenstellung des Teams. Bei ORDA lief die Gründung andersherum: Die Gründer arbeitete gemeinsam an einer Ernährungs-App für das United Nations World Food Programme in Kolumbien und stellten fest: Das Team funktioniert und wir wollen gemeinsam durchstarten.

Name: Orda Startup aus: München Gegründet: 2017 Webseite: www.orda-app.com

Das ist Orda:

Nie wieder warten im Restaurant, egal ob beim Bestellen oder Bezahlen. Wir wollen mit der ORDA-App den Restaurantbesuch von Grund auf umkrempeln, hin zum reinen Genuss-Erlebnis – für den Gast und den Gastronomen.

Der Pitch

Man ist zum Lunch verabredet, das nächste Meeting steht aber schon auf dem Terminplan und die Uhr tickt. Dieses Problem kennt wohl jeder. Bestellung und Bezahlung in Restaurants, gerade zur Mittagszeit, dauern. Das Servicepersonal ist am Rotieren, kommt bei der Menge der Bestellungen oft nicht nach. Die Lösung: Jederzeit vom Platz im Restaurant aus bestellen und bezahlen und nach dem Essen einfach aufstehen und gehen. Mit ORDA ist das jetzt möglich. Denn der Service digitalisiert die Bestellung und Bezahlung im Restaurant, beschleunigt damit Abläufe und macht so Kunden und Gastronomen glücklich.

Das ist unsere Zielgruppe und das ist unser Markt …

Wir haben ganz klar zwei Zielgruppen!

Zum einen sind da die Restaurantbesucher: Mit ORDA können Gäste jederzeit vom Platz aus bestellen und bezahlen. Dadurch sorgt ORDA auf der Endkundenseite für ein aufgewertetes, innovatives und vor allem komfortables Gastronomieerlebnis. Lange Wartezeiten und Warteschlangen zur Bestellung werden dadurch vermieden. Gleichzeitig wird jederzeit mobil also bargeldlos bezahlt, was viele Nutzer als sehr angenehm empfinden. Nach dem Essen kann der Gast ohne weiteres Warten einfach aufstehen und das Lokal verlassen. Bezahlt wurde ja bereits über die App. Neben diesen klar evidenten Vorteilen haben Nutzer über das digitale Menü mehr Übersicht während des Bestellprozesses und können zudem ihre Allergene und Unverträglichkeiten hinterlegen. Rechnungen und Bewirtungsbelege gibt es über die App bzw. via Mail. Zudem haben wir ein Feature entwickelt, mit dem Gäste ganz einfach für eine bestimmte Zeit zum Mitnehmen vorbestellen können, was besonders für die Mittagspause praktisch ist.

Zum anderen sind da die Gastronomen: Die Gastronomie ist eine Branche mit sehr hohen Betriebsausgaben und geringen Margen. ORDA steigert für Gastronomen die Umsätze durch höhere Durchschnittswarenkörbe, mehr Nachbestellungen und einen erhöhten Durchlauf pro Zeiteinheit, da Gäste ab Betreten des Restaurants bereits ihre Bestellungen aufgeben können und einfacher Entscheidungen treffen. Zudem konnten wir in einigen Betrieben das Trinkgeld über die App signifikant erhöhen, was in einer Zeit hoher Personalfluktuation für unsere Kunden einen echten Mehrwert darstellt.

ORDA setzt zudem am Problem des Fachkräftemangels an. Laut DEHOGA (Deutscher Hotel und Gaststättenverband) ist das tatsächlich das gravierende Hauptproblem der Gastronomie. Durch ORDA haben Gastronomen die Möglichkeit ihre Personalstruktur individueller und effektiver zu gestalten und gewinnen so Autonomie und die nötige Zeit, sich auf das zu fokussieren was wirklich zählt – die Qualität ihrer Produkte.

Das sind unsere Konkurrenten, das sind unsere USPs …

Klar, natürlich gibt es Konkurrenten. In der DACH-Region beispielsweise Smoothr oder Menu. Diese und weitere Mitbewerber arbeiten an ähnlichen Lösungen wie wir. Im US-Raum schreitet beispielsweise auch Allset schnell voran. Für uns ist allerdings nicht entscheidend, wer zuerst auf dem Markt ist, sondern wer zuerst den Product-Market-Fit erreicht. Also wem zuerst aufgrund von erstklassiger Performance das Produkt aus der Hand gerissen wird.

Die ORDA-App setzt ganz klar beim Endnutzer an, also beim Gast. Für uns ist das positive Erlebnis jedes einzelnen Gastes mit unserer App absolut weichenstellend. Das bedeutet konkret, dass wir die Bestellung und Zahlung als den Kernprozess in der Gastronomie anerkennen. Dieser Ablauf muss bei jedem Restaurant so gut funktionieren, dass Gäste die App-Benutzung dem „normalen“ Prozess vorziehen und die App deshalb regelmäßig und gerne nutzen. Unser Ziel ist es, für den Gast die Erfahrung in unseren Partnerrestaurants so reibungslos, effektiv und komfortabel wie nur möglich zu gestalten. Das erreichen wir durch die Einbindung aller Parteien, die mit unserer Technik interagieren. Insbesondere die Mitarbeiter unserer Partner binden wir in unseren Prozess ein. Nur so können wir langfristig gleichbleibende Produktqualität garantieren, die uns von unseren Mitbewerbern abhebt.

So kam uns die Idee …und so wurde aus der Idee ein echtes Unternehmen …

Wir haben uns beim gemeinsamen Studium am CDTM (Center for Digital Technology and Management) kennengelernt. Schnell stand fest: wir wollen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Wir haben von Anfang an das gleiche Verständnis von Teamkultur und Arbeitsweise geteilt: Gegenseitige Wertschätzung, kritisches Hinterfragen und ambitioniert auf eine gemeinsame Vision hinarbeiten. Wir haben gemeinsam an einer Ernährungs-App für das United Nations World Food Programme in Kolumbien gearbeitet. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts war uns klar, dass wir zusammen etwas Eigenes ins Leben rufen wollen. Der Weg zur Geschäftsidee war sehr spannend: Jeder durfte seine Vorschläge pitchen. Diese wurden dann nach festgelegten Kriterien evaluiert. Am Ende wurde gemeinschaftlich beschlossen, dass die Idee zu ORDA das größte Potential hat.

Das steckt hinter unserem Namen …

Kurz nach der Ideenfindung war ORDA nur ein „Working Title“. Der hat dem Team dann aber doch so gut gefallen, dass wir ihn behalten haben. Die Nähe zu „to-order“, also Englisch „bestellen“ ist natürlich bezeichnend, weshalb Nutzer mit dem Namen schnell das tatsächliche Produkt assoziieren.

Stichwort Lean Startup: So haben wir unsere Idee vorab getestet …

Lean Startup – definitiv. Allerdings war uns von vornherein klar, dass wir so lange testen würden, bis wir am Ziel sind.

Dazu vielleicht eine kleine Geschichte: Am Anfang ist man als Gründer immer total vorsichtig und bedacht. Man denkt, man sollte seine großartige Idee niemandem erzählen, da sie sonst geklaut würde. Weiter von der Realität könnte man allerdings nicht entfernt sein, da man nur durch ehrliches und wiederholtes Feedback seine Annahmen überprüfen kann. Als wir die Idee hatten und loslegen wollten, haben wir also mit einigen Freunden darüber gesprochen, darunter Franz, den wir aus der Uni kannten und der sich in der Food-Industrie sehr gut auskennt. Der hat uns ans Kaimug, eine thailändische Restaurantkette aus München verwiesen, das immer schon sehr innovativ gewesen ist. Also haben wir den Geschäftsführer angerufen, ihm von unserer Idee erzählt, zwei Tage später vor Ort gepitcht und drei Wochen später den ersten MVP (Minimum Viable Product), also eine Basisversion des Produkts im Kaimug in den 5-Höfen installiert und getestet. Dabei haben wir beiderseits von der Gastronomen- und der Gästeseite hohes Interesse an der Bestellung und Zahlung per Smartphone bemerkt, was uns motivierte weiterzumachen. Klar war das Ganze damals noch recht holprig, aber durch viel Beobachtung, Feedback und kleine Iterationen konnten wir das Produkt weiter optimieren. Dadurch konnten wir ORDA kurz darauf auch in den weiteren Kaimugs in München integrieren und nach und nach auch andere Partnerbetriebe angehen. ORDA wurde für mich persönlich dann ein echtes Unternehmen, als der erste wirklich verdiente Euro auf dem Geschäftskonto einging. Das war ein toller Moment fürs ganze Team!

So haben wir uns finanziert …

Wir haben im August 2018 unsere erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Wie wir die Investoren und Business Angel von uns überzeugen konnten? Wir denken das war durch eine gute Mischung aus Strategie, Struktur, Psychologie und Glück. Obwohl der Prozess einer Startup Finanzierung wahrscheinlich nie komplett nach einem bestimmten Muster verläuft, kann man als Gründer durch gezielte Vorbereitung und gelungenes Timing ein Momentum für den Deal aufbauen. Das ist für den erfolgreichen Abschluss entscheidend. Wir befanden uns zudem glücklicherweise in der komfortablen Situation, dass wir durch unser Netzwerk und Acceleratoren, wie das CDTM, das LMU Entrepreneurship Center, die UnternehmerTUM, XPRENEURS und das EXIST Gründungsstipendium bereits viele Kontakte geknüpft hatten. Diese Kontakte vernetzten uns schnell mit relevanten Ansprechpartnern wie Business Angel oder Venture Capital Partnern. Ab dann zählen Team, Produkt, Vision, ein gutes Bauchgefühl auf beiden Seiten und wie immer: ein Quäntchen Glück.

Namhafte Investoren…

Ja, wir haben eine Reihe an Investoren und Business Angel von unserer Idee überzeugt. Mit an Bord sind: 42 Cap Venture Capital, Käfer Kapital (Clarissa Käfer, Michael Käfer), Stefan Jeschonnek, Jan Deepen (Discovery Ventures) -> ehemals SumUp Gründer (Unicorn), Christian Kohlhof (Gründer Cicco di Cafè), Christian Gaiser (Serial Entrepreneur & Investor), Roland Grenke (Gründer Dubsmash), Gerald Schönbucher (Gründer Hitmeister -> Exit Real.de) . Vor unserer Finanzierungsrunde haben wir unter anderem stark vom CDTM profitiert. Acceleratorprogramme, an denen wir teilgenommen haben, sind das LMU Entrepreneurship Center, XPRENEURS der UnternehmerTUM sowie das Burda Bootcamp.

Alle Programme haben uns enorm geholfen und wir sind dankbar für die Teilnahme. Hier wurde uns eine strukturierte Herangehensweise an die Gründung von ORDA beigebracht, weshalb wir sie uneingeschränkt weiterempfehlen können. Sinnvoll ist es allerdings sich im Vorfeld klar mit dem Betreuungsangebot auseinanderzusetzen und zu prüfen, ob die Leistungen auf die Bedürfnisse des Start-Ups sowie die Stage passen. Vorsichtig sollte man bei Programmen sein, die Equity nehmen. Hier ist es ratsam, sich mit Start-Ups auszutauschen, die die Programme bereits durchlaufen sind.

Das sind unsere bisher erreichten Meilensteine …

Die ORDA-App ist inzwischen im Raum München angekommen und kann in knapp 30 namhaften Restaurants wie beispielsweise Dean & David, OhJulia oder Ruff’s Burger genutzt werden, was für uns ein großer Erfolg ist. Neben dem waren weitere Erfolge: die Zusage über das Exist-Gründerstipendium, das uns am Anfang finanzierte und jetzt – ganz klar – unsere Seed-Finanzierungsrunde.

Das ist unsere Vision… und das die nächsten wichtigen Meilensteine …

Das Ziel des ORDA-Teams ist es, den ORDA-Nutzern bis Ende 2019 eine Auswahl von 300 Restaurants in der App anzubieten. Bis 2028 will ORDA Vorreiter für digitale Bestellung und Bezahlung in der Gastronomie in Europa sein. Alle Zeichen stehen auf Expansion und deshalb soll das ORDA-Team bis Ende 2018 auch um weitere 7 Mitarbeiter wachsen.

Von allen unseren Marketing- & PR-Maßnahmen, war am effektivsten …

Innerhalb der Restaurants aktiv auf die Gäste zugehen. Das ist natürlich nicht auf Dauer skalierbar, ermöglicht aber mit den Menschen, die unser Produkt nutzen, eine Beziehung aufzubauen und ihr Feedback direkt im Betrieb zu hören und zu verstehen.

Diese Fehler würdet wir beim nächsten Mal vermeiden …

Keinen. Das soll jetzt auch keine erzwungen coole Antwort sein, aber als Gründer musst du viele Fehler machen, damit du danach weißt, wie es geht. Trial & Error ist elementar wichtig und sollte noch viel mehr als tatsächlicher Weg zum Erfolg anerkannt werden.

Apps & Tools, die wir regelmässig nutzen …

  • Slack für die Teamkommunikation
  • G-Suite für Mail, Dokumente etc.
  • Gira und Asana für Projektmanagement und
  • HubSpot für CRM & Sales.

Alle diese Tools sind sehr intuitiv und bieten einen großen Funktionsumfang, was für Startups relevant ist.

Eure Buchtipps für Gründer …

Lesen, Lesen, Lesen. Und zwar alle relevanten Bücher zu Startups bzw. Gründung. Das verschafft einem am Anfang einen sehr großen Vorteil und man vermeidet jede Menge Fehler. Wir haben ein Abo bei Audible und verwenden die wenig freie Zeit, die wir haben, darauf und tauschen uns im Anschluss darüber im Gründerteam aus. Ein paar Bücher, die wir empfehlen würden sind:

  • Lean Startup
  • From zero to one
  • Inside the Tornado
  • The Alliance
  • Scaling Up
  • The hard thing about the hard things

Überblick Unternehmensdaten Orda

Name:ORDA Technologies GmbH
Logo:
Gründungsdatum:2017
Gesellschaftsform (heute/angestrebt):GmbH
Gründer:Janis Marquardt, Peter Juras, Christian Feuerbacher
Hier findet ihr uns:Prannerstraße 2-4, 80333, München
Website:www.orda-app.com
Social Media:

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