Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Das KAI­ROS-Prin­zip: Ursu­la Wag­ner ver­rät im Inter­view, wie Unter­neh­mer aus ihrer Bio­gra­fie lernen

Jedem Exis­tenz­grün­der wird immer wie­der gera­ten, er sol­le sich selbst aus­rei­chend prü­fen, ob er die­sem neu­en Lebens­ab­schnitt gewach­sen ist. Doch wie genau soll er das machen? Die Diplom-Psy­cho­lo­gin Dr. Ursu­la Wag­ner hat nun ein Buch geschrie­ben – einen Rat­ge­ber, der eine Tech­nik lie­fert, sich alle die­se Fra­gen struk­tu­riert und fun­diert zu beant­wor­ten. Wir haben mit der Unter­neh­me­rin und Coach über Ihre Tech­nik und Ihren Rat für Exis­tenz­grün­der gesprochen.

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Bevor man die lang geheg­te Idee vom eige­nen Unter­neh­men angeht, ste­hen oft lan­ge Zei­ten des Zwei­fels an: Kann man das, will man das? Ist man über­haupt ein Unter­neh­mer, mit dem ent­spre­chen­den Esprit, der Über­zeu­gung, der Arbeits­wut? Jedem Exis­tenz­grün­der wird immer wie­der gera­ten, er sol­le sich selbst aus­rei­chend prü­fen, ob er die­sem neu­en Lebens­ab­schnitt gewach­sen ist. Doch wie genau soll er das machen?

Die Diplom-Psy­cho­lo­gin Dr. Ursu­la Wag­ner hat nun ein Buch geschrie­ben – einen Rat­ge­ber, der eine Tech­nik lie­fert, sich alle die­se Fra­gen struk­tu­riert und fun­diert zu beant­wor­ten. Wir haben mit der Unter­neh­me­rin und Coach über ihre Tech­nik und ihren Rat für Exis­tenz­grün­der und Selb­stän­di­ge gesprochen.

Frau Wag­ner, als Kar­rie­re­coach und Buch­au­to­rin leh­ren Sie das KAIROS-PRINZIP. Was genau ist das?

Der Begriff „Kai­ros“ stammt aus der grie­chi­schen Mytho­lo­gie, es ist der Name für den Gott des „güns­ti­gen Augen­blicks“.  Der alt­grie­chi­sche Gott Kai­ros als Per­so­ni­fi­ka­ti­on des „güns­ti­gen Augen­blicks“ wird mit einer höchst eigen­wil­li­gen Fri­sur dar­ge­stellt: mit einer mäch­ti­gen Haar­tol­le an der Stirn, aber kurz gescho­re­nem Hin­ter­kopf. Daher stammt der Aus­druck, „die Gele­gen­heit beim Schop­fe zu packen“: Ver­passt man den rich­ti­gen Augen­blick, kann es zu spät sein, man greift ins Leere.

Es kommt also dar­auf an, das Rich­ti­ge zu tun und dann im rich­ti­gen Augen­blick umzu­set­zen – das gilt auch für eine genia­le Business-Idee.

Das rich­ti­ge Timing und das Gefühl für das Wesent­li­che sind gera­de in der heu­ti­gen Zeit wich­ti­ge Para­me­ter dafür, zufrie­den im Beruf zu sein oder immer wie­der zu wer­den. Dabei ist ein Para­dox des Kai­ros, dass wir uns zu bestimm­ten Zeit­punk­ten ver­än­dern müs­sen, um uns selbst treu zu bleiben.

Wie wich­tig ist es, als Exis­tenz­grün­der genau zu wis­sen, was man kann und was man will? Und wie fin­de ich es heraus?

Ich unter­schei­de da drei Din­ge: Lebens­the­men, Wer­te und Kom­pe­ten­zen. Unse­re Lebens­the­men oder auch Inter­es­sen zie­hen uns oft zu neu­en Ufern. Was uns wich­tig ist, unse­re Wer­te, glei­chen einem inne­ren Kom­pass, der uns anzeigt, ob wir ins­ge­samt in unse­rem Leben auf dem rich­ti­gen Kurs sind. Das alles nutzt aber wenig, wenn wir das, was uns inter­es­siert und wich­tig ist, nicht umset­zen kön­nen, wenn wir dort kei­ne Kom­pe­ten­zen hät­ten. Poin­tiert gesagt: Kunst kommt von kön­nen nicht von wol­len, sonst hie­ße es „Wunst“. Und für Grün­der gehört dann noch der Markt dazu – eine Ein­schät­zung, ob das was wir wol­len und kön­nen auch einen Bedarf bei einer Ziel­grup­pe trifft. Und ob die­se Ziel­grup­pe die­se Leis­tung oder Ware auch bezah­len kann und will.

Klingt alles nicht so ein­fach, wie set­ze ich das prak­tisch um?

In mei­ner KBC-Metho­de arbei­te ich zen­tral mit der Bio­gra­fie, der „Geschich­te mei­nes Lebens“. Mit geziel­ten Übun­gen lei­te ich an, aus der Bio­gra­fie die Gold­stü­cke zu finden.

Denn in Ihrer Bio­gra­fie fin­den Sie alles, was Sie brau­chen. Ihre Wer­te, Ihre Moti­va­to­ren und das, was Sie bis­her schon alles gelernt und erfolg­reich umge­setzt haben, also Ihre Kompetenzen.

Die­se erwirbt man übri­gens nicht nur im Beruf, son­dern in allen Berei­chen des Lebens. Vie­le Grün­der haben wich­ti­ge Kom­pe­ten­zen in der Frei­zeit, im Ehren­amt oder in der Fami­lie entwickelt.

In Ihrem Buch „Das Kai­ros-Prin­zip. So fin­den Sie den rich­ti­gen Zeit­punkt für den beruf­li­chen Wech­sel“ erklä­ren Sie, wie man einen ehr­li­chen Blick auf sein bis­he­ri­ges Berufs­le­ben bekommt. Wie­so ist das so wichtig?

Gera­de Grün­de­rin­nen und Grün­der ste­hen mit ihrer gan­zen Per­son für das Pro­dukt, die Leis­tung. Sie „sind“ das Pro­dukt. Man steht für Krea­ti­vi­tät oder Zuver­läs­sig­keit, für per­sön­li­che Dienst­leis­tung oder für vir­tu­el­le Ange­bo­te. Des­halb müs­sen sich Unter­neh­mer noch mehr als Ande­re mit ihrer Tätig­keit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Auch um die nicht immer gerin­gen Belas­tun­gen, die eine Grün­dung unwei­ger­lich mit sich bringt, durchzuhalten.

Durch­hal­te­ver­mö­gen und Dis­zi­plin sind neben Krea­ti­vi­tät, Men­schen­kennt­nis und Team­spi­rit wich­ti­ge Fak­to­ren für eine erfolg­rei­che Grün­dung. Die gibt es als roten Faden bereits in jeder Bio­gra­fie von Gründern.

Wenn das nicht so ist, soll­te man ehr­lich zu sich selbst sein und sich für eine ande­re Opti­on im Berufs­weg ent­schei­den. Viel­leicht kann man ein bereits bestehen­des Geschäft über­neh­men? Oder mit ande­ren zusam­men grün­den, die Eigen­schaf­ten mit­brin­gen, die mir fehlen?
Im bio­gra­fi­schen Kar­rie­re­coa­ching, wie es die KBC-Metho­de dar­stellt, betrach­ten Sie zuerst Ihr Leben im Rück­blick. Und schrei­ben es dann wei­ter in die Zukunft fort.

Aus Ihren Erfah­run­gen als Coach: Sind die Moti­ve der Kli­en­ten, die sich selb­stän­dig machen wol­len, immer richtig?

Es gibt ein­fach unter­schied­li­che Grün­de sich selbst­stän­dig zu machen und das soll­te man bei der Wahl des Berufs gene­rell und den Rah­men­be­din­gun­gen mit berück­sich­ti­gen. Ich lei­te in mei­nem Buch zu einer Refle­xi­on der soge­nann­ten „Kar­rie­re­an­ker“ an, die der ame­ri­ka­ni­sche Orga­ni­sa­ti­ons­be­ra­ter Edgar Schein bereits seit den 1980er Jah­ren an Hand der Bio­gra­fi­en von Busi­ness-School Absol­ven­ten ent­wi­ckelt hat.
Grund­sätz­lich wer­den Kar­rie­re­ent­schei­dun­gen von unse­ren Wer­ten und Kom­pe­ten­zen beein­flusst, also von dem, was wir wol­len und was wir kön­nen. Edgar Schein nennt die­se Schwer­punk­te „Kar­rie­re­an­ker“, weil an ihnen unse­re beruf­li­che Iden­ti­tät ver­an­kert ist. Man­che Men­schen sind eben mit Leib und See­le Fach­ex­per­ten, ande­re wol­len eher mit Manage­ment­auf­ga­ben gan­ze Ein­hei­ten füh­ren, der nächs­te möch­ten wirk­lich sei­ne Geschäfts­idee auf den Markt brin­gen, ande­re möch­ten ein­fach unab­hän­gig arbei­ten und für wie­der ande­re ist die Work-Life Balan­ce wich­ti­ger – und all dies beein­flusst beruf­li­che Entscheidungen.

Wie fin­de ich mei­ne per­sön­li­chen Karriereanker?

Im All­ge­mei­nen sind zwei bis maxi­mal drei Kar­rie­re­an­ker bei einer Per­son deut­lich aus­ge­prägt, einer jedoch vor­dring­lich. Die Inhal­te die­ses Kar­rie­re­an­kers müs­sen in einer beruf­li­chen Situa­ti­on erfüllt sein, damit wir zufrie­den und moti­viert sind. Ent­schei­dun­gen ent­ge­gen unse­rer Kar­rie­re­an­ker füh­ren gene­rell zu gro­ßer Unzu­frie­den­heit und Demo­ti­va­ti­on, egal wie ver­lo­ckend die Begleit­um­stän­de aus­se­hen mögen. Bei Selb­stän­di­gen sehen wir meis­tens, dass ent­we­der der Kar­rie­re­an­ker „Unab­hän­gig­keit“ oder „Unter­neh­me­ri­sche Krea­ti­vi­tät“ trei­bend ist. Wenn jedoch als nächs­ter Anker noch „Gene­ral Manage­ment“ dazu kommt, müss­te das Unter­neh­men schon eine statt­li­che Grö­ße errei­chen, sonst wird der­je­ni­ge unzu­frie­den sein. Wäh­rend der „Unab­hän­gi­ge“  durch die zuneh­men­den Manage­ment­auf­ga­ben eher genervt sein wird, eben­so wie der „Fach­ex­per­te“.

Abra­ten wür­de ich den­je­ni­gen von der Selbst­stän­dig­keit, die als einen ihrer domi­nan­ten Kar­rie­re­an­ker „Sicherheit/Beständigkeit“ haben. Eine Selb­stän­dig­keit wird sol­che Per­so­nen eher über­for­dern, selbst wenn es gut läuft.

Die Angst im Hin­ter­grund ist dann immer da: Wie wird es nächs­tes Jahr sein? Um damit gut umzu­ge­hen, muss man anders gestrickt sein.

Wann war für Sie der rich­ti­ge Zeit­punkt für eine beruf­li­chen Wech­sel? Und wie haben Sie ihn gemeistert?

Ich habe immer sehr deut­lich gespürt, dass für einen Wech­sel „die Zeit gekom­men ist“. Mei­ne fach­li­che Neu­gier und mein Wunsch selbst­be­stimmt und unab­hän­gig arbei­ten zu kön­nen, haben mich ange­trie­ben. Ein­mal aber habe ich den­noch sehr lan­ge gezö­gert, zu wech­seln – bestimmt zwei, drei Jah­re, ein­fach weil die beruf­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen „objek­tiv“ gese­hen so gut waren. Dann hat mir mein Kör­per ein deut­li­ches Zei­chen gege­ben, ich wur­de ein­fach krank. Das hat mir gehol­fen, den Tat­sa­chen ins Auge zu sehen und den Wech­sel zu wagen – mit Erfolg!

Vie­len Dank für das Gespräch.

Zur Per­son Ursu­la Wagner

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Dr. Ursu­la M. Wag­ner, Diplom-Psy­cho­lo­gin, ist Unter­neh­me­rin, Coach und Autorin.
Sie ist Geschäfts­füh­re­rin des Coa­ching Cen­ters Ber­lin. Dort bil­det sie seit vielen
Jah­ren Coa­ches nach inter­na­tio­na­len Stan­dards aus und ent­wi­ckel­te die Inte­gra­le Coa­ching Metho­dik. Das Kai­ros-Bio­gra­fie-Coa­ching basiert auf Dr. Wag­ners lang­jäh­ri­ger Pra­xis in der Karriereberatung.

 

 

 

 

Das Kairos-Prinzip: So finden Sie den richtigen Zeitpunkt für den beruflichen Wechsel

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