Moder­nes Geld: Finanz­fach­mann Jochen Sie­gert über den Com­pa­ny Buil­der Fin­Leap, den Vor­teil von Start­ups zu gro­ßen Kon­zer­nen und dem Finanz­stand­ort Berlin

Fin­Tech ist die Bran­che der Stun­de: Der Ber­li­ner Com­pa­ny Buil­der Fin­Leap will pro Jahr vier bis sechs Start­ups grün­den und mit einer Seed-Finan­zie­rung von 0,5 bis 5 Mil­lio­nen Euro aus­stat­ten. Erfah­re­ne Exper­ten wie Jochen Sie­gert sol­len den Grün­dern dabei nicht nur mit Rat zur Sei­te ste­hen. Der Finanz­fach­mann, der PayPal in Euro­pa mit auf­ge­baut hat, legt Wert dar­auf, dass man auch selbst zupackt. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che erklärt er das Geschäfts­prin­zip von Fin­Leap und ver­rät, was einen erfolg­rei­chen Entre­pre­neur ausmacht.

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Fin­Tech ist die Bran­che der Stun­de: Der Ber­li­ner Com­pa­ny Buil­der Fin­Leap will pro Jahr vier bis sechs Start­ups grün­den und mit einer Seed-Finan­zie­rung von 0,5 bis 5 Mil­lio­nen Euro aus­stat­ten. Erfah­re­ne Exper­ten wie Jochen Sie­gert sol­len den Grün­dern dabei nicht nur mit Rat zur Sei­te ste­hen. Der Finanz­fach­mann, der PayPal in Euro­pa mit auf­ge­baut hat, legt Wert dar­auf, dass man auch selbst zupackt. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che erklärt er das Geschäfts­prin­zip von Fin­Leap und ver­rät, was einen erfolg­rei­chen Entre­pre­neur ausmacht.

Herr Sie­gert, wie­so sind Fin­Tech-Unter­neh­men aus­ge­rech­net im Moment so spannend?

War­um die Bran­che erst jetzt und nicht schon vor zwei Jah­ren zum Hit wur­den, weiß ich lei­der auch nicht. Jetzt sind die Vor­aus­set­zung jeden­falls sehr attrak­tiv: Die Tech­no­lo­gie ist vor­an­ge­schrit­ten, Ban­ken haben von Anbie­tern wie PayPal gezeigt bekom­men, dass sie nicht schnell genug auf die neu­en Bedürf­nis­se im Inter­net- und Mobi­le-Sek­tor reagie­ren. Des­we­gen sind wir über­zeugt, dass wir mit unse­ren Erfah­run­gen wei­te­re Inno­va­tio­nen auf den Weg brin­gen können.

Wie unter­schei­den Sie aus­sichts­rei­che Ide­en für Start­ups von Ide­en, die viel­leicht nicht so erfolg­reich werden?

Unse­rer Erfah­run­gen aus der Ver­gan­gen­heit spie­len dabei eine gro­ße Rol­le. Wir haben natür­lich auch das Netz­werk, um schnell her­aus­zu­fin­den, ob es am Markt über­haupt einen Bedarf gibt: Über die Hit­fox-Grup­pe kön­nen wir recht ein­fach auf die Kun­den zuge­hen und unse­re Ide­en schmal pit­chen, um das Poten­zi­al abzu­schät­zen. Eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Bestä­ti­gung gibt es frei­lich nicht:

Am Ende des Tages müs­sen wir ein­fach an die Idee glau­ben und das Risi­ko ein­ge­hen, sie auszuprobieren.

Nach wel­chen Kri­te­ri­en ent­schei­den Sie, wel­cher Grün­der sei­ne Idee bei Fin­Leap ent­wi­ckeln darf?

In der Regel ist es so, dass wir die Ide­en haben und ein Unter­neh­men grün­den, für die wir dann Grün­der suchen. Es kommt zwar vor, dass wir in noch sehr jun­ge Unter­neh­men inves­tie­ren, wenn sich dar­aus Vor­tei­le für bei­de Sei­ten erge­ben, aber das ist eher die Ausnahme.

Das heißt kon­kret, dass Fin­Leap in der Regel die Ide­en hat und sich selbst mit Geld ausstattet?

Genau, wir brin­gen in unse­re Unter­neh­men Seed-Invest­ments zwi­schen 500.000 Euro und fünf Mil­lio­nen Euro ein. Sobald das Unter­neh­men läuft, holen wir über das Hit­fox-Netz­werk Busi­ness Angels und Ven­ture Capi­tal dazu. Die Grün­der müs­sen sich also nicht erst um Finan­zie­rungs­run­den küm­mern, son­dern kön­nen gleich mit dem Pro­dukt loslegen.

Wo kom­men die Grün­der her, wenn Sie alles intern regeln?

Das Kon­strukt ist so: Wir haben Ven­ture Part­ner und Entre­pre­neu­re in Resi­dence. Das sind Grün­der bei Fin­Leap, die mit uns zusam­men neue Ide­en suchen und ent­wi­ckeln. Wenn wir uns für eine ent­schei­den, über­nimmt ein Ven­ture Part­ner oder Unter­neh­mer die Idee: Er geht die ers­ten Schrit­te mit dem Unter­neh­men und sucht Mit­grün­der – ent­we­der bei uns im Netz­werk, unter den Leu­ten, die sich mit ihren eige­nen Ide­en bewer­ben, oder sie schrei­ben die Stel­len aus.

Was zeich­net einen guten Grün­der aus?

Smart muss er sein, schnell und struk­tu­riert den­ken kön­nen und gleich­zei­tig aber auch anpa­cken. Das heißt er muss mit sei­nen eige­nen Hän­den mit­ma­chen: Ich habe zum Bei­spiel eine Woche vor dem Start von Save­do noch eigen­hän­dig in Git­hub an der Sei­te gearbeitet.

Die Bereit­schaft, selbst Din­ge zu machen, erwar­te ich von einem guten Gründer.

Sie sind ein alter Hase in der Finanz­bran­che, mit füh­ren­de Posi­tio­nen bei gro­ßen Unter­neh­men: Was war Ihre per­sön­li­che Moti­va­ti­on, bei Fin­Leap einzusteigen?

Ich arbei­te­te seit mei­nen Anfän­gen im Jahr 2000 immer im Tech­no­lo­gie-Bereich, auch bei den gro­ßen Kon­zer­nen. Damals wur­de ich extra von der Uni geholt, um die Inter­net- und Tech­no­lo­gie­the­men bei Euro­card Deutsch­land auf den Weg zu brin­gen. Beson­ders die PayPal-Zeit hat mich geprägt: 2008 bin ich zu dem damals klei­nen, unbe­kann­ten Unter­neh­men gewech­selt. Mich hat­te das Poten­zi­al der Geschäfts­idee gereizt.

Im Prin­zip habe ich schon Fin­Tech gemacht, bevor es den Begriff über­haupt gab.

Es ist also nichts Neu­es für mich. Des­halb ist es für mich ganz logisch, bei Fin­Leap ein­zu­stei­gen. Zumal ich den klas­si­schen Weg vom Kon­zern in immer klei­ne­re Unter­neh­men gegan­gen bin: Mas­ter­card, Kar­stadt­Quel­le-Bank, Paypal und zuletzt Big­point, was im Prin­zip ein erwach­se­nes Start­up war. Jetzt bin ich end­gül­tig in der Grün­der­welt angekommen.

Sind Sie den Weg bewusst gegan­gen, oder hat er sich ergeben?

Den Weg bin ich ganz bewusst gegangen.

Sie hät­ten bei Cor­po­ra­tes wie Mas­ter­card und Paypal glo­bal agie­ren kön­nen: Was reizt Sie denn an Startups?

In gro­ßen Kon­zer­nen herr­schen häu­fig hoch­po­li­ti­sche Ver­hält­nis­se. Man kriegt dort gute Ide­en nicht schnell genug umge­setzt, weil man 5000 Ent­schei­dungs­we­ge lau­fen muss.

Gera­de bei US-Kon­zer­nen wird man an der kur­zen Lei­ne gehal­ten, weil die Leu­te dort Euro­pa oft gar nicht rich­tig ver­ste­hen. Sol­che lan­gen Vor­lauf­pro­zes­se gibt es bei einem Start­up gera­de nicht.

Da hat man eine Idee, setzt sie um, schaut ob sie funk­tio­niert und ent­schei­det dann nach vier Wochen, ob man sie grö­ßer auf­zieht. Das ist ein viel erfül­len­de­res Arbei­ten, weil man schnel­ler Ergeb­nis­se sieht.

Com­pa­ny Buil­der gibt es vie­le: War­um sind Sie aus­ge­rech­net bei Fin­Leap eingestiegen?

Was mich reiz­te ist, dass die Hit­fox-Grup­pe dahin­ter steht: Jan Beckers ist Entre­pre­neur des Jah­res und hat bereits bewie­sen, dass man rela­tiv schnell und pro­fi­ta­bel Ide­en ska­lie­ren und erfolg­rei­che Unter­neh­men auf­bau­en kann – hier trennt sich auch die Spreu vom Wei­zen. Fin­Leap setzt auf eine vor­han­de­ne Infra­struk­tur auf. Wir müs­sen nicht erst alles auf­bau­en, son­dern auf die zen­tra­len Res­sour­cen der Hit­fox-Grup­pe zurück­grei­fen: Wir kön­nen vom ers­ten Tag an Pro­duk­te bau­en. Außer­dem bekom­men wir inner­halb vom Hit­fox schnel­les Feed­back, sodass aus even­tu­ell auf­tre­ten­den Busi­ness­pro­ble­men neue Grün­dungs-Oppor­tu­nities werden.

War­um sind Sie mit dem ganz klar finanz­tech­nisch aus­ge­rich­te­ten Com­pa­ny Buil­der Fin­Leap nach Ber­lin gegan­gen und nicht in die Ban­ken­haupt­stadt Frankfurt?

Ich sel­ber ken­ne Frank­furt sehr gut durch mein Stu­di­um, bin aber trotz­dem ein Ver­fech­ter von Ber­lin, weil dort das Öko­sys­tem bes­ser ist.

In Frank­furt gibt es gute Ansät­ze, aber die Grün­der­sze­ne ist ein­fach zu klein.

Dort sit­zen zwar die gro­ßen Ban­ken, und die gute Uni bringt immer wie­der talen­tier­te Leu­te her­vor, die den Markt ver­ste­hen und wis­sen, wie Ban­ken funk­tio­nie­ren. Aber in Ber­lin sieht es bes­ser aus, wenn man Leu­te sucht, die sich mit Nut­zer­freund­lich­keit aus­ken­nen, oder Ent­wick­ler und Unter­neh­mer. Das ist beim Recrui­ting ein kla­rer Vor­teil. Dar­über hin­aus ist die Lebens­qua­li­tät in Ber­lin höher durch die unglaub­li­che Viel­falt der Stadt und die vie­len VCs vor Ort.

Zur Per­son Jochen Siegert

jochen_siegertJochen Sie­gert, 41 Jah­re alt, kennt sich in der Fin­Tech-Bran­che bes­tens aus. Nach dem Stu­di­um der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an der Uni Frank­furt, heu­er­te er bei Eurocard/Mastercard an, wo er mit­half, Kre­dit­kar­ten als Online-Zah­lungs­mit­tel zu eta­blie­ren. 2008 wech­sel­te er zu Paypal und bau­te den Online-Bezahl­dienst in Euro­pa mit auf. Vor sei­nem Ein­steig bei Fin­Leap war Jochen Sie­gert beim Online-Game Anbie­ter Big­point für die Geld­ab­wick­lung von 350 Mil­lio­nen Kun­den welt­weit zuständig.

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