Gegen Text­wüs­ten: SEO-Exper­te Bas­ti­an Grimm über Goog­le Trends 2015, rich con­tent und Stra­te­gi­en für Gründer

Auch wenn Goog­le stän­dig die Algo­rith­men ändert: Frus­trie­rend ist die Arbeit als SEO mit­nich­ten, sagt Bas­ti­an Grimm. Im Gegen­teil: der Exper­te für Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung mag das Katz-und-Maus-Spiel. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che ver­rät er die Trends 2015 und gibt prak­ti­sche SEO-Tipps für Startups.

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Auch wenn Goog­le stän­dig die Algo­rith­men ändert: Frus­trie­rend ist die Arbeit als SEO mit­nich­ten, sagt Bas­ti­an Grimm. Im Gegen­teil: der Exper­te für Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung (Jahr­gang 1983) mag das Katz-und-Maus-Spiel. „Klar, die Schlag­zahl der Ver­än­de­run­gen hat sich in den letz­ten Jah­ren enorm erhöht. Es ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung, stän­dig am Ball zu blei­ben.“ Bas­ti­an Grimm nimmt’s sport­lich und freut sich auf die Ver­än­de­run­gen. Im Inter­view mit Grün­der­kü­che ver­rät er die Trends 2015 und gibt prak­ti­sche SEO-Tipps für Start­ups: Was soll­ten Grün­der sel­ber machen? Wofür braucht man Agen­tu­ren? Wie las­sen sich Abstra­fun­gen durch Goog­le verhindern?

Herr Grimm, wel­che SEO-Trends soll­te man in die­sem Jahr unbe­dingt auf dem Schirm haben?

Es ist immer ein Blick in die Glas­ku­gel, irgend­wel­che Trends vor­her­zu­sa­gen. Wenn man da anders­rum ran­geht, wird’s rea­lis­ti­scher: Man soll­te wis­sen, was in den letz­ten ein, zwei Jah­ren pas­siert ist. Auf wel­che The­men hat sich Goog­le in den letz­ten Jah­ren gestürzt?

SEO ist am Ende ja ein wenig wie Katz und Maus spie­len und schluss­end­lich eine Art von Beein­flus­sung der Suchergebnisse.

Das weiß natür­lich auch Goog­le. Des­we­gen soll­te man genau beob­ach­ten und ana­ly­sie­ren, was Goog­le tut.

Ein kon­kre­tes Beispiel?

Im letz­ten Jahr gin­gen die Link­netz­wer­ke durch die Pres­se: Sie die­nen dem geziel­ten Link­buil­dung, ver­sto­ßen aber gegen Goog­le-Richt­li­ni­en und vie­le wur­den abge­straft. Sol­che dras­ti­schen Maß­nah­men machen die Arbeit im SEO nicht unbe­dingt leich­ter. Aber wenn man genau hin­sieht, weiß man, in wel­che Rich­tung sich SEO in die­sem Jahr ent­wi­ckeln muss.

Ver­ra­ten Sie es uns!

Wir reden in ver­schie­dens­ten Dimen­sio­nen schon seit Jah­ren über das The­ma „mobi­le‟. Goog­le hat in den ver­gan­ge­nen drei Mona­ten zum Bei­spiel Tools auf den Markt gewor­fen, um zu tes­ten, ob Sei­ten mobi­le fri­end­ly sind. Oder Doku­men­ta­ti­on, die beim respon­si­ve Design hel­fen. Das sind wich­ti­ge Hin­wei­se, wohin die Rei­se geht:


2015 wird stark vom The­ma „mobi­le‟ geprägt werden.

Also tes­tet Goog­le dem­nächst, ob mei­ne Sei­te auch mobil gut funk­tio­niert und rankt mich dann hoch?

Aktu­ell gibt es noch kei­nen direk­ten Bonus, wenn die Sei­te auch mobil ver­nünf­tig dar­ge­stellt wird. Ich wür­de aber durch­aus davon aus­geht, dass Goog­le 2015 sagt: Wenn die Sei­te auch mobil gut bedien­bar ist, kriegt sie ein Quänt­chen mehr Rele­vanz. Ja, ich glau­be, dass Goog­le den Schal­ter umlegt: 2015 führt kein Weg mehr am Respon­si­ve Design vor­bei, das ver­schie­de­ne Platt­for­men, nicht nur iPho­nes, abdeckt. Damit wird man bei Goog­le punk­ten müssen.

Was muss ich kon­kret tun?

Das klas­si­sche mobi­le-Sub­do­main „m.irgendwas‟ reicht nicht aus. Man muss sich genau anschau­en, mit wel­chem Gerät auf mei­ne Sei­te zuge­grif­fen wird und dann das per­fekt ange­pass­te Design aus­lie­fern. Ich kann mir gut vor­stel­len, das eine Algo­rith­mus-Kom­po­nen­te ein­ge­führt wird, die mobi­le fri­end­ly User Expe­ri­ence belohnt.

Die Stim­men­er­ken­nung hat im ver­gan­ge­nen Jahr einen extre­men Qua­li­täts­sprung gemacht: Die Men­schen stel­len ihren Han­dys mitt­ler­wei­le kon­kre­te Fra­gen. Wie wird Goog­le auf die neu­en Sprach­funk­tio­nen reagieren?

Die Art und Wei­se des Inputs ändert sich natür­lich: Such­an­fra­gen wer­den nicht mehr klas­sisch in Stich­wor­ten ein­ge­tippt. Hum­ming­bird war 2014 ein Rie­sen-Update, mit dem die Such­ma­schi­ne Fra­gen bes­ser erken­nen konn­te. Damit hat sich Goog­le für gespro­che­ne Fra­gen gerüs­tet und kann zum Teil schon gan­ze Sät­ze ver­ar­bei­ten. Mitt­ler­wei­le gibt es nicht nur die Sprach­su­che bei Smart­pho­nes, son­dern auch Smart Wat­ches, mit denen Such­an­fra­gen aus­ge­löst wer­den können.

Was bedeu­tet das für die Webseiten-Betreiber?

Gute Sei­ten müs­sen nicht nur ein­fach bedien­bar sein: Sie brau­chen auch einen ganz­heit­li­chen Con­ten­t­an­satz, um ver­schie­de­ne Fra­ge­stel­lun­gen rund um ein The­ma zufrie­den­stel­lend zu beant­wor­ten. Die User Expe­ri­ence wird mehr Gewicht bekommen.

Wel­che prak­ti­schen Tipps haben Sie parat, um die­se Anfor­de­run­gen umzusetzen?

Die SEO-Basics sind wich­ti­ger denn je. Der Sei­ten­ti­tel muss den Inhalt gut beschrei­ben, man braucht eine klick­star­ke Meta-Descrip­ti­on und nicht zuletzt attrak­ti­ven Con­tent. Die Zeit von Text­wüs­ten ist defi­ni­tiv vorbei.

Goog­le will gut struk­tu­rier­te Sei­ten mit „rich con­tent‟, also mit vie­len Visua­li­sie­run­gen. Ob das dann Vide­os oder Gra­fi­ken sind, ist egal. Man muss Sei­ten bau­en, die sich die Leu­te anse­hen wol­len. Das hono­riert Goog­le immer mehr.

Man kann Goog­le übri­gens ein­fach fra­gen, was gefragt ist! Die Auto­ver­voll­stän­di­gung Goog­le Sug­gest bie­tet ja eine schö­ne Aus­wahl an, wel­che Key­wor­ds, Fra­gen und Kom­bi­na­tio­nen am meis­ten gesucht werden.

Eine ket­ze­ri­sche Fra­ge: Wenn jeder SEO betreibt, dann müss­ten doch alle Sei­ten von Goog­le gleich gut gefun­den wer­den, oder?

Theo­re­tisch ja. Aber natür­lich gleicht kei­ne Sei­te der ande­ren, vor allem weil sich Goog­le mehr als 200 Para­me­ter anschaut. Einer hat mehr Con­tent, ein ande­rer mehr Links, beim nächs­ten ist die Ver­weil­dau­er der User beson­ders hoch. Ich muss natür­lich ver­su­chen, immer ein Stück vor­aus zu sein und SEO-Stra­te­gi­en anzu­pas­sen. Da geht es um agie­ren vs. reagie­ren: Zum Bei­spiel hat vie­le das The­ma Ver­lin­kung und Abstra­fung im ver­gan­ge­nen Jahr hart getrof­fen. Ande­re wie­der­um waren dar­auf vor­be­rei­tet und hat­ten ihre Link­struk­tur recht­zei­tig genug aufgeräumt.

Was kann man denn tun, wenn man von Goog­le abge­straft wurde?

Das Aller­wich­tigs­te ist: nicht in Aktio­nis­mus oder Panik zu ver­fal­len. Ist das Kind in den Brun­nen gefal­len, ist es ohne­hin zu spät. Eine gründ­li­che und ruhi­ge Ana­ly­se ist viel bes­ser. Es macht immer Sinn, sich exter­nen Rat zu holen. Weil der Blick von außen prä­zi­ser ist. Außer­dem ken­nen SEO-Exper­ten vie­le Straf­sze­na­ri­en und fin­den die Ursa­che für den Per­for­mance-Ein­bruch wahr­schein­lich leich­ter. Dann kann man einen gemein­sa­men Maß­nah­men­plan erstel­len und Ände­run­gen einleiten.

Wie lan­ge dau­ert es in der Regel, bis Goog­le wie­der besänf­tigt ist?

Es gibt zwei Arten von Pen­al­ties. Zum einen kann man von Algo­rith­mus-Ände­run­gen betrof­fen sein, zum ande­ren manu­ell abge­straft wer­den. Letz­te­res ist schnel­ler zu behe­ben: Bei manu­ell ver­häng­ten Stra­fen kann man das Search Qua­li­ty Team infor­mie­ren, dass bean­stan­de­te Män­gel an der Sei­te beho­ben sind. Dann gibt’s in der Regel inner­halb von zwei Wochen ein Feed­back. Pro­ble­ma­ti­scher sind Algo­rith­mus-Stra­fen. Ich kann nie­man­dem sagen: „Hey, ich bin fer­tig.‟ Ich muss natür­lich auch Gegen­maß­nah­men ein­lei­ten. Aber danach bleibt mir nur übrig, zu war­ten, bis Goog­le den Daten­be­stand aktualisiert.

Was sind die schlimms­ten Feh­ler, die man beim SEO machen kann?

Das ist theo­re­tisch eine lan­ge Lis­te. Aber ein paar grund­sätz­li­che Dont’s gibt es schon.

Man soll­te zum Bei­spiel kei­ne lose, unzu­sam­men­hän­gen­de Info­samm­lung auf die Sei­te stel­len. Schrei­ben um des Schrei­bens wil­len ist nicht mehr der Weg, um eine Sei­te zu optimieren.

Womit wir wie­der beim rele­van­ten Con­tent sind. Der nützt natür­lich nur etwas, wenn die Sei­te gut zugäng­lich ist: Die URL-Struk­tur muss pas­sen, die Ver­lin­kun­gen müs­sen sau­ber sein. Ein gro­ßer Feh­ler wäre es auch, die tech­ni­sche On-Page-Opti­mie­rung zu ver­nach­läs­si­gen. Die Sei­ten­ar­chi­tek­tur wird noch ein­mal rele­van­ter werden.

Wie viel­fäl­tig muss Con­tent sein, damit er gut ist?

Wenn ich kla­re Indi­ka­to­ren habe, was die User wol­len, dann muss ich ein­fach auch die ent­spre­chen­den Inhal­te lie­fern. Wenn Vide­os und Bil­der gesucht wer­den, dann gehö­ren Vide­os und Bil­der auf die Sei­te. Bei gene­ri­schen Anfra­gen hin­ge­gen muss die Sei­te breit auf­ge­stellt sein. Ein Bei­spiel: Bei Goog­le wird nach „Auto­ver­si­che­rung‟ gesucht. Was will der User? Tari­fe? Kon­di­tio­nen? Wech­sel­be­din­gun­gen? All­ge­mei­ne Infos? All die­se Infos muss Goog­le fin­den: Die Key­word-Recher­che ist immens wichtig.

Wie wich­tig ist „Soci­al Media‟, um bei Goog­le rele­vant zu sein?

Es gibt The­men, die deut­lich vira­ler sind als ande­re. Die Inte­gra­ti­on von Soci­al But­tons ist dort, wo es sinn­voll ist und the­ma­tisch passt, nicht falsch. Aber ich muss mich nicht dar­auf ver­stei­fen, zwin­gend irgend­wel­che Sha­res und Likes auf Face­book ein­zu­sam­meln, wenn der Con­tent nicht zur Ziel­grup­pe passt, die sich eben auf die­sen Netz­wer­ken auf­hält. Soci­al Media ist defi­ni­tiv kein All­heil­mit­tel. Im Gegen­teil: Face­book und Co. sind Teil einer ganz­heit­li­chen Mar­ke­ting­stra­te­gie, zu der auch SEO gehört.

Was soll­te man als Start­up mit eige­ner Web­sei­te im Bereich SEO sel­ber kön­nen und machen?

Ganz wich­tig ist erst­mal: Ruhe bewah­ren. SEO bringt nie sofort Ergeb­nis­se. Man hat immer eine Ver­zö­ge­rung von sechs bis zwölf Mona­ten, ehe Maß­nah­men sicht­ba­re Wir­kung zei­gen. Für Grün­der ist es am Anfang sicher schwer, einen Invest zu machen, ohne einen direk­ten Return zu gene­rie­ren. Ande­rer­seits: Je län­ger ich war­te, umso län­ger brau­che ich spä­ter, den eigent­lich hoch­pro­fi­ta­blen SEO-Kanal nut­zen zu können.

Des­we­gen ist mein Rat: So früh wie mög­lich anfan­gen, und zunächst eige­ne Res­sour­cen nut­zen. Damit las­sen sich die On-Page-Auf­ga­ben erledigen.

 

Für vie­le Platt­for­men wie Wor­d­Press oder Dru­pal gibt es her­vor­ra­gen­de Stan­dard-Plug­ins, die struk­tu­rel­le und all­ge­mei­ne SEO-The­men auf­fan­gen können.

Für wel­che Auf­ga­ben soll­te man sich Exper­ten ins Boot holen?

Schwie­ri­ger wird SEO bei den The­men Link-Buil­dung und Con­tent-Mar­ke­ting. Es ist oft­mals eine Res­sour­cen­fra­ge in den Start­ups. Hier kön­nen SEO-Agen­tu­ren sicher hel­fen. Ab einer bestimm­ten Unter­neh­mens­grö­ße macht aber eine eige­ne SEO-Abtei­lung Sinn. Auch in Hin­blick dar­auf, dass das Wis­sen einen Com­pa­ny Value hat, der nicht aus­schließ­lich extern gela­gert wer­den sollte.

Zur Per­son Bas­ti­an Grimm

bastian-grimm-seoBas­ti­an Grimm, Jahr­gang 1983, blickt auf knapp zehn Jah­re Erfah­rung im Per­for­mance Mar­ke­ting zurück. Bei der Online-Mar­ke­ting Agen­tur Peak Ace ist er für die Berei­che Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung sowie Con­tent & Online PR ver­ant­wort­lich. Grimm ist zudem häu­fi­ger Speaker auf ver­schie­dens­ten Kon­fe­ren­zen und Ver­an­stal­tun­gen im In- und Aus­land, wie zum Bei­spiel SMX, Inter­na­tio­nal Search Sum­mit und SEO­komm. Tech­ni­sches SEO, Infor­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur und inter­na­tio­na­ler Lin­kauf­bau sind die Schwer­punkt­the­men sei­ner Vorträge.

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