1.600 Hid­den Cham­pi­ons in Deutsch­land: Stark in der Nische, schwach beim Wachstum

Mit Ide­en zum Welt­markt­füh­rer: Start-ups kön­nen zu „Hid­den Cham­pi­ons“ wer­den, auch ohne dem Wachs­tums­wahn zu verfallen.

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Die deut­sche Wirt­schaft hat vie­le inno­va­ti­ve mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men mit einer Spit­zen­po­si­ti­on auf dem Welt­markt her­vor­ge­bracht. Die Stär­ke die­ser soge­nann­ten „Hid­den Cham­pi­ons“ Unter­neh­men speist sich aus der Fokus­sie­rung auf rela­tiv klei­ne Märk­te und einem hohen Grad an Spe­zia­li­sie­rung. Nur weni­ge Hid­den Cham­pi­ons schaf­fen es, zu wirk­li­chen Groß­un­ter­neh­men zu wach­sen, wie der Inno­va­ti­ons­in­di­ka­tor 2015 von aca­tech – Deut­sche Aka­de­mie der Tech­nik­wis­sen­schaf­ten und des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Indus­trie (BDI) zeigt.

 

Eine Ana­ly­se des Zen­trums für Euro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung (ZEW) im Rah­men des Inno­va­ti­ons­in­di­ka­tors 2015 ergab, dass es in Deutsch­land der­zeit rund 1.600 mit­tel­stän­di­sche Welt­markt­füh­rer gibt. Doch die meis­ten die­ser „glo­ba­len Spe­zia­lis­ten“ sind sehr klein: Im Mit­tel haben sie weni­ger als 300 Beschäf­tig­te und einen Jah­res­um­satz von unter 100 Mil­lio­nen Euro. Die rela­tiv gerin­ge Unter­neh­mens­grö­ße rührt aus der gerin­gen Grö­ße der Märk­te, auf denen vie­le mit­tel­stän­di­sche Welt­markt­füh­rer tätig sind.

Klei­ne Typo­lo­gie: So unter­schied­lich sind „Hid­den Champions“

Die Unter­su­chung des ZEW zeigt, dass man drei Typen von Hid­den Cham­pi­ons unter­schei­den kann. Der Cham­pi­on in der klas­si­schen Nische hat sich auf sehr spe­zi­fi­sche Pro­dukt­an­wen­dun­gen spe­zia­li­siert. Die­se Nischen­märk­te sind für Groß­kon­zer­ne wirt­schaft­lich unat­trak­tiv, da sie dort ihre Grö­ßen­vor­tei­le bei For­schung und Ent­wick­lung oder im Ver­trieb nicht aus­spie­len kön­nen. Meist sind die Märk­te so klein, dass Unter­neh­men wirt­schaft­lich nur dann erfolg­reich sein kön­nen, wenn sie den gesam­ten Welt­markt bedienen.

Die zwei­te Grup­pe von Hid­den Cham­pi­ons ope­riert in schrump­fen­den Märk­ten. Die­se Märk­te boten in der Ver­gan­gen­heit einer Viel­zahl von Unter­neh­men Platz. Sie schrump­fen aber durch den tech­ni­schen Fort­schritt oder eine rück­läu­fi­ge Nach­fra­ge. Die Fol­ge: Unter­neh­men ver­las­sen das Geschäfts­feld und der Markt kon­so­li­diert sich. Unter den ver­blei­ben­den Unter­neh­men kön­nen die­je­ni­gen, die aktiv in den Welt­markt inves­tie­ren, eine tech­ni­sche Vor­rang­stel­lung in eine füh­ren­de Welt­markt­stel­lung ummünzen.

Start­ups mit Wachstumspotenzial

Die drit­te, in Deutsch­land jedoch sel­ten anzu­tref­fen­de Grup­pe Hid­den Cham­pi­ons sind jun­ge mit­tel­stän­di­sche Welt­markt­füh­rer in schnell wach­sen­den Märk­ten. Die­se blei­ben aber nicht lan­ge Hid­den Cham­pi­ons: Ent­we­der sie ent­wi­ckeln sich mit dem Markt schnell zu glo­bal agie­ren­den und inter­na­tio­nal bekann­ten Groß­un­ter­neh­men oder sie wer­den von bestehen­den Groß­un­ter­neh­men über­nom­men, die sich dadurch Wachs­tum erkaufen.

Die­ser Typ ist vor allem in den USA anzu­tref­fen. Dort gilt Unter­neh­mens­wachs­tum als beson­de­res Leis­tungs­kri­te­ri­um, und exter­ne Geld­ge­ber wie zum Bei­spiel Wag­nis­ka­pi­tal­fonds kon­zen­trie­ren sich stark auf die­se Grup­pe. Unter den Hid­den Cham­pi­ons in Deutsch­land sind jun­ge, schnell wach­sen­de Unter­neh­men dage­gen die Aus­nah­me. Hier ist der Begriff des Cham­pi­ons eher durch unter­neh­me­ri­sche Sta­bi­li­tät, ein lang­fris­tig ori­en­tier­tes, gemä­ßig­tes Wachs­tum und eine behut­sa­me Inter­na­tio­na­li­sie­rung geprägt.

Als Hid­den Cham­pi­ons wer­den Unter­neh­men mit welt­weit weni­ger als 10.000 Beschäf­tig­ten defi­niert, die pri­mär auf inter­na­tio­na­len Märk­ten tätig sind und in ihrem Haupt­ab­satz­markt einen hohen Markt­an­teil aufweisen.

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