Smart City Index: Deutschland hat eine neue Digital-Hauptstadt
Stuttgart schlägt München und führt erstmals den Smart City Index an. Auch kleinere Großstädte holen kräftig auf. Der Digitalverband Bitkom fordert indessen bessere Bedingungen für Start-ups bei kommunalen Digitalprojekten.
Stuttgart verdrängt München von der Spitze des Smart City Index 2026. Die baden-württembergische Landeshauptstadt erreicht 92,8 von 100 möglichen Punkten. München folgt mit 92,0 Punkten auf Rang zwei, Hamburg mit 91,5 Punkten auf Platz drei.
Der Digitalverband Bitkom untersucht für das Ranking 83 deutsche Großstädte in den fünf Bereichen Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung. Stuttgart punktet vor allem durch seine breite Digitalisierung: Als einzige untersuchte Stadt landet die Schwabenmetropole in allen fünf Kategorien unter den besten zehn.
Auf den weiteren Plätzen folgen Nürnberg und Düsseldorf. Neu in den Top 10 ist Aachen, das sechs Plätze gutmacht und mit 85,5 Punkten auf Rang zehn landet. Heidelberg fällt dagegen aus der Spitzengruppe auf Platz 13.
Erlangen und Hildesheim machen größten Sprung
Besonders viel Bewegung gibt es im Mittelfeld. Erlangen und Hildesheim verbessern sich jeweils um 19 Plätze. Erlangen steigt auf Rang 56 und profitiert vor allem von Fortschritten bei der digitalen Verwaltung. Nach Angaben von Bitkom sind dort inzwischen alle untersuchten Leistungen des Onlinezugangsgesetzes digital verfügbar.
Zu den größten Verlierern gehören Paderborn, Heilbronn und Koblenz die gegenüber dem Vorjahr jeweils 16 Plätze zurückfielen. Schlusslicht ist Remscheid auf Rang 83.
Insgesamt schreitet die Digitalisierung der Städte weiter voran. Im Durchschnitt erreichen die untersuchten Großstädte 73,8 Punkte nach 70,8 Punkten im Vorjahr. Gleichzeitig wird der Wettbewerb an der Spitze härter: Zwischen Stuttgart und dem drittplatzierten Hamburg liegen nur 1,3 Punkte.
Bitkom fordert bessere Chancen für Startups
Bitkom sieht allerdings Handlungsbedarf bei der Finanzierung und Verbreitung digitaler Lösungen. Viele Projekte seien durch zeitlich begrenzte Förderprogramme entstanden. Der Verband fordert deshalb eine dauerhaft finanzierte digitale Basisinfrastruktur und offene Standards, damit erfolgreiche Lösungen einfacher von anderen Kommunen übernommen werden können.
Für Startups besonders interessant: Kommunen sollen nach dem Prinzip „weniger entwickeln, mehr beschaffen“ stärker auf bereits vorhandene Lösungen setzen können. Bitkom fordert dafür einen zentralen Marktplatz, mehr Beratung und ein innovationsfreundlicheres Vergaberecht. So könnten auch junge Unternehmen leichter mit Städten und Gemeinden zusammenarbeiten.
Im Vergleich der Bundesländer liegt Bayern mit durchschnittlich 79,9 Punkten erstmals vor Baden-Württemberg mit 78,9 Punkten. Gleichzeitig holen kleinere Großstädte auf: Städte mit 100.000 bis 149.999 Einwohnern verbessern sich im Schnitt um 4,4 Punkte – stärker als jede andere Größenklasse.