Bürokratie bremst FinTechs in Deutschland aus

Sie brauchen mehr heimisches Venture Capital und fordern bessere Planbarkeit, Transparenz und Entbürokratisierung: Nur 28 Prozent der deutschen Fintechs würden bei Neugründung wieder hierzulande starten.

Im Urlaub per App in Fremdwährung zahlen, Versicherungsschäden online melden oder einfacher in Aktien, Fonds oder Kryptowährungen investieren: FinTechs verändern die Art und Weise, wie Finanzdienstleistungen entwickelt, angeboten und genutzt werden. Damit sind sie nicht nur wichtiger Innovationstreiber im Finanzsektor, sondern auch für andere Branchen.

Doch FinTechs sehen in Deutschland weiterhin erhebliche Standortnachteile. Vor allem von Regulierung und Bürokratie sehen sie sich gebremst: Dabei erwarten fast alle (96 Prozent), dass Künstliche Intelligenz den Markt künftig prägen wird. Das sind Ergebnisse der Studie „FinTechs in Deutschland“, für die der Digitalverband Bitkom 40 in Deutschland aktive FinTechs befragt hat.

Schwieriger Kapitalzugang hemmt Standortattraktivität

Für Finanzierung sind 55 Prozent der FinTechs auf ausländische Kapitalgeber angewiesen, 70 Prozent fordern mehr heimisches Venture Capital, während 58 Prozent Finanzierungen im Ausland als leichter einschätzen. Ob Bürokratie oder Finanzengpässe – die schwierigen Rahmenbedingungen haben ihre Konsequenzen: Nur 28 Prozent würden bei einer Gründung erneut Deutschland als Standort wählen.

Kredite schnell bekommen – mit Fintechs ganz einfach

„Mit rund 700 FinTechs zählt Deutschland pro Kopf bereits jetzt deutlich weniger FinTechs als viele andere europäische Länder. Das zeigt: Der Standort Deutschland hat Aufholbedarf, bietet aber auch großes Wachstumspotenzial“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Ein wesentlicher Standortnachteil bleibt auch die Dauer der Lizenzierungsverfahren: Im Schnitt dauert der Prozess in Deutschland mehr als zwei Jahre und fällt damit im europäischen Vergleich besonders lang aus. Entsprechend kritisch wird das aufsichtsrechtliche Umfeld bewertet: Nur 35 Prozent bewerten das deutsche Aufsichtsumfeld positiv, 78 Prozent nehmen es als innovationshemmend wahr. Wintergerst:

Fünf Maßnahmen für bessere Fintech-Rahmenbedingungen

Konkret fordert der Bitkom basierend auf den Ergebnissen fünf Maßnahmen für effizientere Aufsichtsprozesse, schlankere Bürokratie und eine verbesserte Kommunikation zwischen Stakeholdern:

  • Informelle Vorgesuchverfahren zur frühzeitigen Einschätzung von Lizenzanträgen.
  • Verbindliche Fristen und mehr Transparenz für bessere Planungssicherheit.
  • Feste Ansprechpartner und vollständig digitale Verfahren zur Entlastung von Unternehmen.
  • Behördenübergreifender Datenaustausch inklusive zentraler Betrugsbekämpfung.
  • Intensiverer, strukturierter Dialog zwischen Aufsicht, Wirtschaft und Politik.

Die vollständige Studie mit zahlreichen weiteren Ergebnissen steht hier zum Download bereit.

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