Mehr Tempo für Uni-Startups: Neues Framework soll Spin-offs einfacher machen
Deutschlands führende Forschungseinrichtungen und Wagniskapitalgeber unterstützen gemeinsames Spin-Off-Framework: Das Ziel sind schnellere Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Deutschland gehört zu den weltweit führenden Forschungsstandorten. Doch wenn aus vielversprechenden Ideen erfolgreiche Startups werden sollen, gerät der Prozess häufig ins Stocken. Zu lange Verhandlungen, komplizierte Lizenzmodelle und schwer finanzierbare Unternehmensstrukturen bremsen viele Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus.
Das soll sich ändern: Mehr als 40 Organisationen aus Forschung, Venture Capital und Technologietransfer unterstützen inzwischen das German Spin-Off Framework (GSOF). Ziel des gemeinsamen Rahmenwerks ist es, Ausgründungen aus der Wissenschaft schneller, transparenter und investorenfreundlicher zu gestalten.
Mehr Planungssicherheit für Gründer und Investoren
Das GSOF versteht sich als praxisnaher Leitfaden für Forschungseinrichtungen, Gründer und Investoren. Mitentwickelt wurde das Framework von Business Angels Deutschland (BAND). Zu den Autoren gehört BAND-Vorstand Nikolaus D. Bayer.
Im Mittelpunkt stehen standardisierte und transparente Regeln für die Lizenzierung von geistigem Eigentum (Intellectual Property, IP). Diese sogenannten „Landezonen“ sollen klare Orientierung bieten, damit langwierige Einzelverhandlungen seltener werden und junge Unternehmen schneller an den Markt kommen können.
Gerade für Deep-Tech-Startups ist das ein wichtiger Punkt. Sie basieren häufig auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und sind darauf angewiesen, dass Patente und andere Schutzrechte frühzeitig rechtssicher übertragen oder lizenziert werden. Gleichzeitig müssen die Beteiligungsstrukturen so gestaltet sein, dass spätere Finanzierungsrunden nicht erschwert werden.
Auch das „Berlin Model“ soll den Technologietransfer beschleunigen
Parallel zum GSOF entsteht derzeit mit dem Berlin Model ein weiteres standardisiertes Rahmenwerk für den IP-Transfer an Universitäten. Der Entwurf sieht unter anderem ein systematisches IP-Audit, eine einheitliche Bewertung von Schutzrechten sowie fünf standardisierte Transferwege vor.
Das ambitionierte Ziel: Der gesamte Ausgründungsprozess soll auf maximal 13 Wochen verkürzt werden. Damit könnten Forschungsergebnisse deutlich schneller in marktfähige Unternehmen überführt werden.
Deutschland will mehr aus seiner Forschung machen
Beide Initiativen verfolgen dasselbe Ziel: Weniger Bürokratie und Reibungsverluste beim Technologietransfer sowie bessere Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Ausgründungen. Angesichts des internationalen Wettbewerbs um Zukunftstechnologien gilt das als wichtiger Hebel, um mehr Deep-Tech-Startups in Deutschland entstehen zu lassen.
Nikolaus D. Bayer sieht darin einen entscheidenden Schritt für den Innovationsstandort Deutschland. Zwar verfüge das Land über eine hervorragende Forschungslandschaft, häufig gehe jedoch zu viel Zeit in komplexen Verhandlungen verloren. Gleichzeitig würden Investoren durch ungünstige Beteiligungsstrukturen abgeschreckt.
Nach seiner Einschätzung schaffen das German Spin-Off Framework und das Berlin Model erstmals gemeinsame, praxiserprobte Standards, von denen Gründer, Forschungseinrichtungen und Kapitalgeber gleichermaßen profitieren. Nur so lasse sich aus exzellenter Forschung eine größere Zahl international wettbewerbsfähiger Deep-Tech-Unternehmen entwickeln.
Hier kannst du das German Spin-Off Framework herunterladen. (PDF)