Hessischer Gründerpreis 2016: Warum diese Gründer einen Preis verdient haben

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Es sind nicht immer die EInhörner, die Gründerpreise verdient haben. Innovation ist manchmal ganz klein aber besonders wirksam. Und auch eine Bäckerei kann in Zeiten sterbender Handwerksbetriebe ein Lichtblick in der Startup-Szene sein. Warum diese drei Gründer den Hessischen Gründerpreis nicht nur erhalten, sondern auch verdient haben – erfahrt ihr hier.

Handwerksbäckerei glutenfrei – Hessischer Gründerpreis für Geschaffene Arbeitsplätze

hessischer-gruenderpreis-gewinner-die-maistereiRobert Matheis hat sein Handwerk in der Biobäckerei seines Vaters gelernt. Bereits mit 19 machte er seine Meisterprüfung. Bald zog es ihn hinaus in die Ferne und er wurde Fachberater für Bäckereien. Sein Vater gab eines Tages sein eigenes Ladengeschäft ab und konzentrierte sich auf einen anderen Vertriebsweg. So stand sein Ladengeschäft leer. Robert Matheis hatte die Idee, im einst väterlichen Objekt eine eigene Bäckerei zu gründen. Aber es sollte eine Spezialbäckerei sein – für Kunden mit einer Glutenunverträglichkeit.

Robert Matheis überlegte, wie viele Kunden dieses Segments wohl in einem Umkreis von 20 km um Leun herum wohnen. Bei einer statistischen Gleichverteilung wären dies rund 2.000 Kunden, für die es bislang kein glutenfreies Angebot von Handwerksbäckereien gab. Diese Kunden, so seine Idee, sollten sich einmal pro Woche bei ihm mit frischer Ware eindecken und diese dann zu Hause einfrieren. So fing es an.

hessischer-gruenderpreis-gewinner-die-maisterei-portraitEine große Herausforderung war die Produktentwicklung. Klassische Bäckereien verwenden vor allem Mehl von Getreide, das immer glutenhaltig ist. Glutenfreie Mehle werden aus Buchweizen, Mais, Reis und Kartoffeln gewonnen. Diese gelten jedoch, so wird es in der Berufsschule für das Bäckerhandwerk gelehrt, als „nicht backfähig“. Und die industriell gefertigten glutenfreien Ersatzprodukte, die es im Handel zu kaufen gibt, schmecken oft eigentümlich, zum Beispiel nach Reis. Kein Vergleich zu klassischen Backwaren. Robert Matheis ist es gelungen, Rezepte zu entwickeln, die auch wirklich schmecken. Das Geheimnis liegt in besonderen Bindemitteln, der Verwendung von Sauerteig und im speziellen Mischungsverhältnis der verwendeten Mehle.

Robert Matheis gründete im September 2013 mit seiner „Maisterei“ die erste Handwerksbäckerei in Hessen, die ausschließlich glutenfreie Backwaren im Vollsortiment herstellt. Er backt Brot, Brötchen und Kuchen bis hin zu Hochzeitstorten. Sein Sortiment umfasst über 50 glutenfreie Produkte. Die Idee des Ladengeschäfts war so erfolgreich, dass er unterdessen sogar 3 Filialen betreibt. Zudem beliefert er deutschlandweit Reformhäuser. Der wachstumsstärkste Vertriebsweg ist allerdings der Onlinehandel. Hier hat Herr Matheis unterdessen 5.500 Kunden in ganz Deutschland gewonnen. Es gelingt ihm, den Produktions- und Logistikprozess so zu gestalten, dass die Waren frisch beim Kunden ankommen. 2016, also drei Jahre nach Gründung, erwartet Herr Matheis bereits einen Umsatz von einer halben Million Euro und der Gewinn kann sich ebenfalls sehen lassen.

Matheis hat bereits 17 Arbeitsplätze geschaffen. Bäcker klagen in der Regel über Personalmangel, weil die Arbeitszeiten eine Herausforderung sind. Nicht so Herr Matheis: Seine Mitarbeiter arbeiten zu „normalen“ Zeiten.

Robert Matheis hat sich im Handwerk selbstständig gemacht. Er bedient eine Nische und überzeugt durch Innovationen in der gesamten Wertschöpfungskette. Sein Unternehmen hat bereits 17 Arbeitsplätze geschaffen und wächst weiter. Er ist ein würdiger Preisträger in der Kategorie Geschaffene Arbeitsplätze.

Kontakt Die Maisterei GmbH

Robert Matheis
Am Hüttenfeld 4a
35606 Solms-Oberndorf
Web: www.maisterei.de/

Über den Hörparcour zum Gerät: Hessischer Gründerpreis für Innovative Geschäftsidee

hessischer-gruenderpreis-gewinner-homburger-hörhausMatthias Leppert und Thomas Weidmann sind zwei Hörakustikermeister aus Bad Homburg. Sie haben sich während ihrer Berufsausbildung kennen gelernt und waren viele Jahre gemeinsam im selben Betrieb angestellt. Der Inhaber dieses Betriebes hatte sich entschlossen, den Betrieb an einen Großfilialisten zu verkaufen. Die beiden Hörakustikmeister hätten ihren Arbeitsplatz behalten können. Aber das wollten sie nicht. Denn sie befürchteten, dass für sie die Entscheidungsfreiräume bei einem Großfilialisten deutlich reduziert werden würden. Und so entschlossen sie nach kurzer Überlegung, sich selbstständig zu machen. Ebenfalls in Bad Homburg.

Dafür überlegten sich die beiden Meister, wir sie ihr Geschäft möglichst gut auf ihre Kunden ausrichten können. Menschen mit Hörproblemen suchen durchschnittlich erst nach 8 Jahren Hilfe bei einem Hörakustiker. Die Hörsituation hat sich dann oft so verschlechtert, dass sich ganz andere Hörgewohnheiten eingestellt haben und das Gehirn Geräusche anders verarbeitet. Wenn ein gut hörender Mensch auf einem Kiesweg geht, dann hört er kaum das Knirschen, das seine Füße auf dem Kies verursachen, weil das Gehirn das Knirschen ausblendet. Ein schwerhöriger Mensch hört das Knirschen kaum und blendet es daher auch nicht aus. Wenn er jedoch plötzlich ein Hörgerät erhält, ist er von dem Geräusch überrascht, oft sogar erschrocken, weil er es verstärkt wahrnimmt. Das Gehirn muss sich erst wieder an das „gute Hören“ gewöhnen.

hessischer-gruenderpreis-gewinner-homburger-hoerhaus-portraitHerkömmliche Hörakustiker geben für Hörprobleme funktionale Lösungen. Der Kunde hat aber kaum die Möglichkeit, sich fundiert für das ihm passende Gerät zu entscheiden, weil er kaum etwas von der Materie versteht, er auch nicht die möglichen lieferbaren Geräte betrachten und vergleichen kann.

Matthias Leppert und Thomas Weidmann gründeten Ende 2015 das Homburger Hörhaus. Am 02. Februar 2016 eröffneten sie ihr Geschäft. Das Besondere an ihrem Angebot ist, dass sie verschiedene Hörgeräte ausstellen und auch den vergleichenden Test anbieten. In einem Hörparcours bieten sie die Möglichkeit, die Wirkung der Hörgeräte wirklich in Ruhe und mehrfach zu testen. So gibt es im Geschäft verschiedene Böden, einen Kiesweg, Fliesen, Teppich. Man kann auch seine Lieblingsschallplatte mitbringen und hören, wie sich diese mit verschiedenen Geräten anhört.

Das Homburger Hörhaus hat in einem dreiviertel Jahr bereits 700 Kunden gewonnen. Die Investitionen amortisieren sich und die Gründer können gut von ihren Erträgen leben. Unterdessen wurde eine dritte Meisterin eingestellt. Matthias Leppert und Thomas Weidmann haben mit Kreativität und einem Höchstmaß an Kundenorientierung ein innovatives Angebot geschaffen. Ihr Unternehmen steht nach kurzer Zeit bereits auf einer sicheren finanziellen Basis und wächst weiter. Matthias Leppert und Thomas Weidmann sind würdige Preisträger in der Kategorie „Innovative Geschäftsidee.

Kontakt Homburger Hörhaus:

Matthias Leppert und Thomas Weidmann
Haingasse 13-15
61348 Bad Homburg
Web: www.homburger-hoerhaus.de/

Eine Mutter macht sich in Fulda selbstständig und gewinnt den Hessischen Gründerpreis 2016 für die Mutige Gründung

hessischer-gruenderpreis-gewinner-der-schoene-herrEva Schönherr hat ihre Ausbildung zur Herrenschneiderin im Kloster Frauenberg in Fulda absolviert. Inspiriert und gefördert wurde sie dort von Bruder Gerhard, der die Schneiderei leitete. 2006 hat Frau Schönherr ihre Meisterprüfung abgelegt. 2010 kündigte sich Nachwuchs an und Frau Schönherr unterbrach für zwei Jahre ihre Berufstätigkeit, um sich voll ihrer Tochter widmen zu können. Danach war sie bis 2013 in Teilzeit wieder in der Klosterschneiderei tätig.

Leider beschloss der Orden 2013, die Schneiderei zu schließen. Frau Schönherr war arbeitslos. Da der Arbeitsmarkt für Maßschneiderinnen in Fulda und Umgebung mehr als schwierig ist, galt es, ein echtes Problem zu lösen. Eva Schönherr überlegte, entweder etwas ganz anderes zu machen, im Großraum Frankfurt eine Anstellung zu suchen oder aber sich selbstständig zu machen. Da sich die Arbeit in Frankfurt mit ihrer familiären Situation nicht vereinbaren lies und ein Umzug für die heimatverbundene Fuldaerin nicht in Frage kam, beschloss Eva Schönherr nach reiflicher Überlegung, sich selbstständig zu machen. Im September 2013 eröffnete die Mutter einer unterdessen dreijährigen Tochter ihre eigene Schneiderei. In Fulda. Starthilfe erhielt sie von der Handwerkskammer Fulda und von der Agentur für Arbeit durch einen Gründungszuschuss. Zudem nahm sie einen Kredit auf.

Sie nannte ihr Unternehmen „der schöne Herr“. Hier fertigt sie maßgeschneiderte Kleidung im klassischen Bereich. Damit bietet sie ihren Kunden, die langlebige, hochwertige Qualität mit 100% Tragekomfort zu schätzen wissen, das Erlebnis des Entstehens eines Maßanzuges und die Möglichkeit, sich komplett und individuell einzukleiden. Jedes Stück in diesem hochpreisigen Segment ist ein Unikat. Neben den Premiummodellen ermöglicht sie zudem preisgünstigere Angebote, indem sie mit Kooperationspartnern zusammen arbeitet.

hessischer-gruenderpreis-gewinner-der-schoene-herr-portraitVon vornherein beschäftigte Frau Schönherr eine Auszubildende. Und das mit großem Erfolg, denn ihr Azubi schloss im vergangenen Jahr als Kammersiegerin ab. Auch Frau Schönherr wurde bereits ausgezeichnet. 2014 wurde sie auf dem Bundeskongress der Maßschneider in Dortmund mit einer Goldmedaille im Atelierwettbewerb ausgezeichnet. Wirtschaftlich ist das Unternehmen ein Erfolg. Im letzten Jahr konnte Eva Schönherr ihren Umsatz verdoppeln. Das Unternehmen ist bereits schuldenfrei. Um dem steigenden Auftragsvolumen gerecht zu werden, hat Frau Schönherr unterdessen zwei Teilzeitkräfte angestellt, so dass mit der Gründung insgesamt 4 Arbeitsplätze geschaffen werden konnten.

Eva Schönherr hat sich als Mutter eines kleinen Kindes und aus der Arbeitslosigkeit heraus in einem sehr engen Markt in einem traditionellen Handwerk selbstständig gemacht. Ihr Unternehmen überzeugt durch eine hervorragende Qualität und ist wirtschaftlich erfolgreich. Eva Schönherr ist eine würdige Preisträgerin in der Kategorie „Mutige Gründung“.

Kontakt Maßschneiderei – Der schöne Herr:

Eva Schönherr
Ellerstraße 13
36043 Fulda
Web: www.der-schoene-herr.de/

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24. November 2016

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