Softwareentwickler steigen in der Gunst der Business Angels

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Jeder dritte informelle Wagnisfinanzierer in Deutschland hat im dritten Quartal ein Jungunternehmen neu unter seine Fittiche genommen. Das entspricht dem langjährigen Durchschnitt. Die Summen, die dabei flossen, sind allerdings bescheiden. Beste Chancen auf künftige Unterstützung haben die Anbieter von Web-Services. Softwareentwickler schieben sich auf Platz 2 vor, Umwelttechniker belegen den dritten Platz.

Auch Engel müssen sich mal ausruhen. Nachdem die deutschen Business Angels im zweiten Quartal dieses Jahres reichlich investiert und verkauft hatten, schalteten sie zuletzt einen Gang zurück: Im dritten Quartal nahm nicht mehr jeder zweite Wagnisfinanzierer Geld in die Hand, sondern nur noch jeder Dritte. Und auch auf der Exitseite normalisierte sich das Treiben: Nicht mehr jeder zweite Engel konnte ein Jungunternehmen aus seiner Obhut entlassen, sondern nur noch jeder Dritte. Bedauerlich: Die Hälfte der Divestments endete mit einem Totalverlust. So hoch war die Abschreibungsquote zuletzt vor einem Jahr. Das sind Ergebnisse des jüngsten Business Angels Panels.

Die 23 Teilnehmer der Umfrage lassen den Kopf deshalb aber nicht hängen. Ihre Geschäftslage bewerteten sie mit immerhin 5,45 Punkten. Und bei den Geschäftsaussichten vergaben sie stolze 5,43 Punkte. Damit liegen beide Werte zwar knapp unterhalb der Ergebnisse aus dem 2. Quartal, jedoch weit oberhalb des Mittelwertes aus der gut zwölfjährigen Geschichte der Erhebung. Die Skala reicht dabei von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut).

Ein Grund für die leicht eingetrübte Stimmung dürfte das mangelnde Deal-Angebot sein: Durchschnittlich bekam jeder Umfrageteilnehmer nur knapp 15 Businesspläne vorgelegt. Das entspricht zwar dem langjährigen Mittel, ist aber von den Werten aus den drei Vorquartalen (je etwa 25) weit entfernt.

Dementsprechend sank auch die Zahl der Beteiligungsgespräche. Rein rechnerisch lud jeder Business Angel nur 2,17 Teams zu Vertragsverhandlungen ein. Neun Monate zuvor waren es noch mehr als doppelt so viele.

Unter diesen Vorzeichen ist es positiv zu werten, dass die letztlich alles entscheidende Zahl – nämlich die der neuen Beteiligungen – immer noch den Durchschnittswert erreicht. Demnach hat jeder dritte Business Angel Geld locker gemacht für eine neue Beteiligung.

Besonders üppig fiel der Geldregen aber nicht aus. Im Durchschnitt hat jeder Umfrageteilnehmer gerade mal 34 000 € locker gemacht. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren war der Wert noch knapp fünf Mal so hoch.

Fairerweise muss gesagt werden, dass die Wagnisfinanzierer ziemlich bescheiden bleiben, wenn es um die Gegenleistung für ihr Hilfe geht: Drei Viertel aller Beteiligungen umfassen maximal 10 % des Unternehmens. Mehrheitsbeteiligungen wurden gar nicht gemeldet. Sechsstellige Investitionssummen werden in absehbarer Zeit wohl nicht wieder aufgerufen. Denn die Engel haben durchschnittlich 65 % ihrer für einschlägige Investitionen vorgesehenen Mittel bereits ausgegeben.

Zwischen 2007 und 2012 tauchte eine solche Quote nie auf. Seit dem aber ist sie normal. Ein Durchschnittsportfolio beinhaltet aktuell gut sechs Beteiligungen. Und wer darf angesichts knapper Kassen noch auf eine himmlische Kapitalspritze hoffen? Vor allem die Anbieter von Web-Services und E-Commerce-Lösungen. Sie stehen nunmehr seit einem Jahr ununterbrochen auf Platz 1 in der Hitparade der beliebtesten Investitionsziele. Auf Platz 2 vorgeschoben haben sich Softwareentwickler. So nahe am Gipfel waren diese noch nie. Sie haben Umwelttechniker und Medizintechniker auf die Plätze 3 bzw. 4 verwiesen. Materialwissenschaftler, die lange in den Top 3 zuhause waren, wurden durchgereicht auf Platz 5.

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28. November 2014

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