10 Versicherungen, die Gründer und Startups 2021 brauchen

Neben vielen Zusatzversicherungen, mit denen ihr das ein oder andere Risiko minimieren könnt, gibt es Standards, die ihr in jedem Falle abgesichert haben solltet. Hier die wichtigsten zehn Versicherungen, die ihr 2021 benötigt.

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Studien haben ergeben, dass etwa 90 Prozent der Existenzgründer ihre Firma vermeindlich gut abgesichert wissen – tatsächlich lässt sich aber nur etwa die Hälfte umfassend beraten.

Als Geschäftsführer und Firmengründer tragt ihr große Verantwortung, nicht nur für das eigene Unternehmen und eure Mitarbeiter, sondern vor allem auch für euch selbst. Eine Vernachlässigung betrieblicher Risiken kann schnell zur Insolvenz führen und im schlimmsten Falle die eigene Existenz bedrohen. Eine pauschale Antwort auf die richtigen Versicherungen gibt es nicht: Zu individuell sind die Bedürfnisse, zu unterschiedlich die Unternehmen. Ihr solltet sich also unbedingt beraten lassen.

Nr. 1. Krankenversicherung für Gründer

Die Krankenversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, auch für Selbstständige. Gesetzliche oder private Absicherung ist möglich, auch eine Kombination ist denkbar. Die Versicherung sollte individuell abgestimmt auf eure Situation gewählt werden.

Gründer – Privat oder gesetzlich versichert?

Wenn ihr bislang in der gesetzlichen Krankenversicherung wart, könnt ihr als Gründer weiterhin dort versichert bleiben – dann als freiwillige gesetzlich versichert. Allerdings solltet ihr wissen, dass die private Krankenversicherung gerade für Gründer ein paar Vorteile mit sich bringt. Ihr könnt beispielsweise Geld sparen, da ihr nur für die Leistungen zahlt, die ihr braucht. Ihr könnt euren Versicherungsschutz individuell zusammenstellen und die Vorzüge einer privaten Krankenversicherung genießen, wie beispielsweise eine Chefbehandlung im Krankenhaus oder ein hochwertigere ärztliche Betreuung.

  • Wesentlicher Unterschied von privater und gesetzlicher KV: In der privaten richten sich die monatlichen Beiträge nach eurem Alter, eurem Geschlecht und bestehenden Krankheiten/Risiken. Die gesetzlichen orientieren sich an eurem Einkommen.
  • Außerdem könnt ihr den Beitrag bei den Privaten noch minimieren, indem ihre eine Selbstbeteiligung an den Krankheitskosten vereinbaren. Das lohnt sich vor allem für junge und selten kranke Existenzgründer. Solche Einsparungen durch Selbstbeteiligungen bieten gesetzliche Kassen nicht. Hier zahlen Existenzgründer 14,9 Prozent (ohne Krankentagegeld) oder 15,5 Prozent (mit Krankentagegeld) des Einkommens.
  • Und: Gesetzlich Versicherte müssen sich auf eine Betriebsprüfung gefasst machen, die Kassen wollen in aller Regel das tatsächliche Einkommen erfahren.
  • Ein weiterer Nachteil der gesetzlichen Versicherungen: Ihr zahlt nicht etwa alles, was ihr braucht sondern nur einen Anteil an den Standardleistungen. So kann es euch schnell passieren, dass ihr teuren Zahnersatz größtenteils alleine zahlt.

Übrigens: Ob private oder gesetzliche Krankenversicherung, eure Bemühungen zu mehr Gesundheit werden belohnt. Fragt also vor der Auswahl auch nach Bonusprogrammen und Vorsorgeangeboten.

Nr. 2. Berufsunfähigkeitsversicherung für Gründer

Jeder vierte Deutsche wird früher oder später einmal berufsunfähig. Dieses Risiko wird sehr häufig sowohl von Angestellten als auch von Selbstständigen unterschätzt. Um kein Wagnis einzugehen, solltet ihr deshalb so früh wie möglich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Je jünger ihr dabei seid, desto niedrigere Prämien müsst ihr an den Versicherer zahlen.

Die Versicherung greift dann, wenn ihr weniger als die Hälfte eurer Arbeitszeit in eurem bisherigen Job arbeiten könnt. Dann wird euch eine monatliche Rente ausbezahlt, die idealerweise etwa 75 Prozent eures bisherigen Nettolohns entspricht.

Eine Versicherung also, die vor allem für Unternehmer existenziell ist. Denn selbst ein ansehnliches Barvermögen kann den Vermögenswert eurer Arbeitskraft nicht absichern.

Wichtige Regelung der Berufshaftpflichtversicherung im Kleingedruckten

  • Abstrakte Verweisung: Darauf sollte der Versicherer verzichten. Sonst ist eine Ablehnung der vereinbarten BU-Rente durch die “Verweisung” auf einen anderen Beruf möglich.
  • Sechs-Monats-Prognose: Der Versicherer sollte eine Berufsunfähigkeit anerkennen, wenn ein Mediziner diese für voraussichtlich ein halbes Jahr prognostiziert hat.
  • Rückwirkung: Ist eine ärztliche Prognose über den voraussichtlichen Zeitraum der Berufsunfähigkeit nicht möglich, war der Versicherte aber sechs Monate ununterbrochen berufsunfähig, sollte die Rente rückwirkend ab dem ersten Monat gezahlt werden.
  • Fünf-Jahres-Frist: Der BU-Versicherer sollte maximal fünf Jahre lang vom Vertrag zurücktreten können, sofern der Kunde seine “vorvertragliche Anzeigepflicht” verletzt hat.
  • Versicherungsschutz: Der sollte weltweit bestehen.
  • Nachversicherung: Die Erhöhung des Versicherungsschutzes oder eine Verlängerung der Versicherungsdauer sollte bei bestimmten Ereignissen, zum Beispiel Heirat oder Geburt eines Kindes, ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich sein.

Wichtige Tipps, wie ihr die richtige Berufsunfähigkeitsversicherung für euch finden, gibt euch unser Fachartikel “5 Tipps: Berufsunfähigkeitsversicherung für Existenzgründer” von Gabriele Krause.

Nr. 3. Betriebs-/Berufshaftpflichtversicherung für Gründer

Kleines Unternehmen – kleine Schäden? Dies ist ein gefährlicher Trugschluss, denn es können Schadensersatzansprüche von Kunden, Lieferanten oder sonstigen Dritten geltend gemacht werden, die auch für Sie als Kleinunternehmer leicht zum Alptraum werden.

  • Achten Sie auf die Mitversicherten: Sie selbst als Versicherungsnehmer, Ihre gesetzlichen Vertreter, Personen, die den Betrieb oder Teile davon beaufsichtigen, Betriebsangehörige in Ausübung ihrer Betriebstätigkeit, mitarbeitende Ehepartner und Familienangehörige sowie Betriebsfahrzeuge bis 6 km/h, die keine Kennzeichen führen müssen – alle dies sollte mitversichert sein,
  • Berechnungsgrundlage der Beiträge: Wichtig sind Anzahl der beschäftigten Arbeitnehmer, Bruttoumsatz des Vorjahres, Bruttojahreslohnsumme, Bausumme (bei der Bauherrenhaftpflichtversicherung) oder Bruttojahresmietwert (bei der Grundstückshaftpflichtversicherung). Doch Vorsicht: selbst bei ein und demselben Versicherer kann sich die Berechnung je nach Art der Haftpflicht deutlich unterscheiden. Lassen Sie sich alle Faktoren erklären – manchmal können Sie Risiken ausschließen, die Sie nicht betreffen.
  • Besonderer Service für Existenzgründer: Sie können durchaus in den Genuss von Rabatten bis zu 40 Prozent auf den Normalbeitrag kommen, die dann Jahr für Jahr aber auch wieder abgebaut werden.

Nr. 4. Rentenversicherung für Gründer

Auch für euer Alter solltet ihr so früh wie möglich vorsorgen. Als Gründer seid ihr nicht mehr unbedingt verpflichtet in die gesetzliche Rentenkasse einzubezahlen, es sei denn, ihr seid beispielsweise als Künstler, Hebamme, Lehrer, Trainer oder Krankenpfleger tätig. Allerdings habt ihr die Möglichkeit, freiwillig Beiträge an die gesetzliche Versicherung zahlen.

Daneben solltet ihr euch noch auf anderen Wegen absichern. Schließt eine sogenannte Rürup-Versicherung ab oder sucht euch eine private Rentenversicherung. Wichtig ist, dass ihr nicht zu lange damit wartest.

Nr. 5. Arbeitslosenversicherung – Absicherung fürs Scheitern

Die Notwendigkeit ist klar: Oft genug setzen Gründer alles auf eine Karte. Und das Projekt kann doch scheitern. Um dann nicht gleich in ALG II sprich Harzt IV zu fallen, solltet ihr möglichst freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.

Es ist nicht immer möglich als Gründer in die Arbeitslosenversicherung hineinzukommen. Ihr müsst innerhalb der letzten 30 Monate mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Dann könnt ihr unmittelbar nach eurer Gründung einen Antrag stellen. Solltet ihr aufgenommen werden, könntet ihr Arbeitslosengeld beziehen, wenn euer Unternehmen nicht erfolgreich war.

Nr. 6. Unfallversicherung – für Unvorhersehbares abgesichert

Als Gründer könnt ihr euch zunächst bei einer Berufsgenossenschaft versichern. Dieser Schutz entspricht dann der herkömmlichen gesetzlichen Unfallversicherung. Falls ihr in eurem Gewerbe jedoch größeren Gefahren ausgesetzt bist, solltet ihr über eine private Unfallversicherung nachdenken. Hier genießt ihr einen weitaus größeren Schutz. Je nach Job müsst ihr allerdings höhere Beiträge zahlen. Es gilt also für euch, zu vergleichen und abzuwägen.

Nr. 7. Sach-/Sachinhaltsversicherung oder Inhaltsversicherung

Eure schicke Büroeinrichtung geht in Flammen auf, jemand räumt euch das Lager aus oder euer Computer mit allen Daten wird Opfer einer Sprinkleranlage. Hier hilft die Sach- und Sachinhaltsversicherung. Sie ist sozusagen das Äquivalent zur privaten Hausratsversicherung.

  • Versicherte Risiken: Einbruchdiebstahl, Elektronikschäden, Schäden durch Feuer, Leitungswasser und Sturm sind wohl die Klassiker, hinzu kommen Montageversicherung und die technischen Versicherungen. Bei einigen Versicherungsgesellschaften sind auch die Risiken der Maschinenversicherung, der Betriebsunterbrechung und des Warentransportes abgedeckt.
  • Achten Sie auf den Versicherungsort: Grundsätzlich gilt der Versicherungsschutz nur am Versicherungsort, also den im Vertrag benannten Betriebs-, Geschäfts- und Lagerräumen. Neu hinzukommende Betriebsgrundstücke sind automatisch mitversichert, allerdings nur bis zu einer bestimmten Entschädigungsgrenze und nur für bestimmte Zeit.
  • Entschädigungsleistungen: Habt ihr einen Schaden, dann könnt ihr auch für euren Aufwand bei der Wiederherstellung oder Wiederbeschaffung der gesamten technischen und kaufmännischen Büroeinrichtung, der elektronischen Geräte, der Software und verloren gegangenen Daten, der Geschäftsbücher, Akten sowie auch für Aufräumungs- und Schutzmaßnahmen und provisorische Sicherungsmaßnahmen Leistung verlangen.

Nr. 8. Ertragsausfallversicherung/Betriebsunterbrechung

Kommt es zu einem Schaden, der euren Betrieb lahm legt, dann gibt es für euch jede Menge Probleme. In Zweifel könnt ihr nicht weiter produzieren oder Gewerbe betreiben. Hier hilft euch eine Ertragsausfallversicherung für eine Betriebsunterbrechung. In einigen Fällen ist die in der Inhaltsversicherung enthalten.

  • Wie wird der Schaden berechnet: Gar nicht so einfach… Auf der einen Seite wollt ihr ja gar nicht, dass die Versicherung greift, ihr also eine Betriebsunterbrechung haben. Auf der anderen Seite wisst ihr im Voraus nicht, wie lange und wie komplett euer Geschäft brach liegt. Und drittens könnt ihr nur mutmaßen, welche Gewinne euch dabei entgehen. Deswegen ist die Festsetzung einer Versicherungssumme hier problematisch. Zur Lösung des Dilemmas gibt es verschiedene Modelle, die solltet ihr euch genau erklären lassen. Meist wird die Ersatzleistung durch eine Höchstentschädigung je Schadenfall begrenzt.
  • Haftzeit: Üblich sind 12 Monate, in denen die Versicherung den Ertragsausfall zahlt.
  • Für Freiberufler: gibt es übrigens auch ein Äquivalent, die Honorarausfallversicherung.

Nr. 9. Rechtsschutz – Gründer-Absicherung für den Streitfall

Manche Konflikte werden vor Gericht ausgetragen. Allerdings können die Kosten für Anwälte, Gutachten oder Prozesse ziemlich teuer werden. Dagegen kannst du dich mit einer Rechtsschutzversicherung schützen. Sie kommt für die anfallenden Kosten auf, wenn ihr euch vor Gericht behaupten müsst. Ihr solltet allerdings hier die Angebote sorgfältig miteinander vergleichen.

Nr. 10. Digitale Infrastruktur sichern mit Cyber-Versicherung

Die digitale Welt wird immer größer und mit ihr wächst die Kriminalität im Netz. Gegen eventuelle Schäden könnt ihr neuartige Cyber-Versicherungen schützen, beispielsweise wenn sich jemand in euer System gehackt hat und euch Daten gestohlen hat. Daneben solltet ihr generell für eine sichere IT-Infrastruktur innerhalb eures Unternehmens sorgen, damit es gar nicht erst zu solchen Zwischenfällen kommt.

 

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