Erfolgsrezepte für Startups und Gründer

Boot­strap­ping von Soci­al Start­ups – unschlag­bar in der Anwen­dung und so funk­tio­niert es

Sei­en wir ehr­lich: die Erfolgs­aus­sich­ten eines Soci­al Start­ups sind gering, zuvie­le Varia­blen haben einen Ein­fluss auf den nach­hal­ti­gen Erfolg. Wie jedes Start­up, suchen auch Soci­al Start­ups das geeig­ne­te Geschäfts­mo­dell. Boot­strap­ping ist in vie­len Fäl­len der ein­zi­ge Weg zum Pro­of-Of-Con­cept. Wie das funk­tio­niert, erklärt die­ser Fachartikel.

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Sei­en wir ehr­lich: die Erfolgs­aus­sich­ten eines Soci­al Start­ups sind gering. Zuvie­le Varia­blen haben einen Ein­fluss auf den nach­hal­ti­gen Erfolg eines Start­ups. Wel­che das genau sind, ist anfangs meis­tens unklar. Wie jedes Start­up, suchen auch Soci­al Start­ups das geeig­ne­te Geschäftsmodell.

No solu­ti­on, no money!

Glaubt man, den rich­ti­gen Pro­ble­m/­So­lu­ti­on-Fit gefun­den zu haben, zeigt der Pro­of-of-Con­cept (POC), ob das Start­up in der Lage ist,

  1. die „rich­ti­ge“ Lösung,
  2. dau­er­haft und
  3. in einer erfor­der­li­chen Qua­li­tät anbie­ten zu können.

Soweit die Theo­rie. Tat­säch­lich ver­schwen­den vie­le Start­ups ihre wert­vol­le Zeit mit der Jagd nach Kapi­tal für die Erstel­lung des POC. Auf­grund des hohen Risi­kos gilt ear­ly sta­ge (pre-seed und seed) zurecht als die schwie­rigs­te Pha­se, um Fun­ding ein­zu­sam­meln. Einer­seits ist die Inves­ti­ti­ons­nei­gung in die­ser Pha­se sehr gering, ande­rer­seits ist die Her­aus­la­ge von Unter­neh­mens­an­tei­len für Grün­der beson­ders teu­er, da Kapi­tal­ge­ber auf­grund des hohen Risi­kos ver­gleichs­wei­se vie­le Antei­le für rela­tiv wenig Kapi­tal­ein­satz verlangen.

Boot­strap­ping ist also in den meis­ten Fäl­len der ein­zi­ge Weg zum Proof-Of-Concept.

Boot­strap­ping – für wel­che Geschäfts­mo­del­le lohnt sich das?

Krea­ti­vi­tät beginnt, wenn man die letz­te Null von der erhoff­ten Fun­ding-Sum­me streicht.

Bootstrapping: „to pull oneself up by one’s bootstraps“, dt.: sich selber am eigenen Schnürsenkel hochziehen. (vereinfachte Abbildung von Sébastien Martin)
Boot­strap­ping: „to pull oneself up by one’s boot­straps“, dt.: sich sel­ber am eige­nen Schnür­sen­kel hoch­zie­hen. (ver­ein­fach­te Abbil­dung von Sébas­ti­en Martin)

Für die meis­ten Soci­al Start­up Geschäfts­mo­del­le passt Boot­strap­ping beson­ders gut, wenn das Lösungsangebot

  • einen eher nied­ri­gen tech­ni­schen Inno­va­ti­ons­grad vorweist,
  • eher eine Dienst­leis­tung statt Produkt,
  • eine nicht kom­ple­xe Fer­ti­gung bedarf und
  • eine Vor­fi­nan­zie­rung des Pro­dukts nicht not­wen­dig bzw. eher gering ist.

Boot­strap­ping ist prä­de­sti­niert für die ear­ly sta­ge-Pha­se. In die­ser kri­ti­schen Pha­se geht es dar­um, das Pro­blem­feld zu durch­drin­gen, Feld­er­fah­run­gen zu sam­meln, die betrof­fe­nen Nut­zer in ihrer Lebens­si­tua­ti­on bes­ser ken­nen­zu­ler­nen, um dann eine pas­sen­de Lösung zu entwickeln.

Boot­strap­ping hat neben der mone­tä­ren eine viel­leicht noch wich­ti­ge­re psy­cho­lo­gi­sche Kom­po­nen­te. Kann das Soci­al Start­up zei­gen, dass es mit weni­gen Mit­teln aus­kom­men kann, um die Zie­le zu errei­chen, wird es die Moral des Teams deut­lich stär­ken. Es ist prak­ti­zier­te Selbst­wirk­sam­keit. Nicht zuletzt ist dies ja auch ein wich­ti­ges Ziel im Soci­al Entre­pre­neurship, näm­lich sich oder ande­re in die Lage zu ver­set­zen, die Pro­ble­me geschickt und nach­hal­tig zu lösen ohne durch die Lösung ent­mün­digt zu werden.

Wirk­sa­me Bootstrapping-Instrumente

Für ein erfolg­rei­ches Boot­strap­ping gibt es kei­ne immer funk­tio­nie­ren­de Geheim­for­mel, son­dern viel­mehr ein Arse­nal an Instrumenten.

Entre­pre­neu­ri­al Road­map: Klar­heit der Zie­le und Kon­se­quenz der Umsetzung

Um einer Ver­zet­te­lung vor­zu­beu­gen, ist es erfor­der­lich, dass das Soci­al Start­up eine „Entre­pre­neu­ri­al Road­map“ bis zum POC erstellt. Hier wer­den alle Mei­len­stei­ne fest­ge­legt, die in einem bestimm­ten Zeit­raum erreicht wer­den sol­len. Es ist eben­so wich­tig, ver­meint­lich kla­re Mei­len­stei­ne kri­tisch zu hin­ter­fra­gen – „Dient es wirk­lich dem POC?“. Ver­zet­te­lung ent­steht immer dann, wenn die Zie­le nicht über­zeu­gend genug sind. Wesent­li­che POC-Akti­vi­tä­ten soll­ten sich beschrän­ken auf „tes­ten, mes­sen, anpas­sen und von vor­ne begin­nen bis es klappt“.

Dienst­leis­tun­gen aus­la­gern: Fix­kos­ten in varia­ble Kos­ten umwandeln

Am Anfang ver­mei­det man idea­ler­wei­se jeg­li­che Fix­kos­ten. Erreicht wird dies, indem bestimm­te Dienst­leis­tun­gen aus­ge­la­gert wer­den und in varia­ble Kos­ten umge­wan­delt wer­den. Man braucht bspw. kein Büro mit einem lang­fris­ti­gen Miet­ver­trag, son­dern arbei­tet von zu Hau­se oder in einem Cowor­king-Space mit monat­lich künd­ba­ren Ver­trä­gen. Nicht immer, aller­dings öfter als man glaubt, kann man auch eine erfolgs­ab­hän­gi­ge Bezah­lung bzw. spä­te­re Bezah­lung für typi­sche Dienst­leis­tun­gen in der ear­ly sta­ge-Pha­se ver­han­deln, z.B. SEO-Kam­pa­gnen, Erstel­lung einer Web­site, Kos­ten eines Unternehmensberaters.

Mind bombs – die Kraft der Bot­schaft nutzen

Soci­al Start­ups sind in einer guten Posi­ti­on. Auf­grund ihrer Mis­si­on, ein gesell­schaft­lich-rele­van­tes Pro­blem inno­va­tiv zu lösen, ist die Sto­ry der Lösung oft­mals für die Öffent­lich­keit inter­es­sant. Wel­che Bot­schaf­ten trägt das Geschäfts­kon­zept in sich und wie kön­nen die­se Bot­schaf­ten posi­tio­niert wer­den? PR ist immer güns­ti­ger und über­zeu­gen­der als Werbung.
Die Mis­si­on des Start­ups kann auch hel­fen, ehren­amt­li­che Unter­stüt­zer zu fin­den. Sei es in Form von akti­ven Unter­stüt­zern, die beim Auf­bau des Soci­al Start­ups hel­fen, sei es in Form von pro bono – Dienst­leis­tun­gen, wie Steu­er­be­ra­ter, Anwäl­te, Pro­gram­mie­rer, Gra­fi­ker etc.

Erspar­tes und Love money

Ein Teil des Boot­strap­ping ist es auch, dass die Arbeits­leis­tun­gen der Grün­der anfangs unent­lohnt blei­ben. Manch­mal brin­gen die Grün­der ihr Erspar­tes ein oder arbei­ten in Teil­zeit. Ande­re kön­nen auf ‚love money’ von Fami­lie und Freun­den zurück­grei­fen. ‚Love money’ ist nicht unpro­ble­ma­tisch. Auf­grund des hohen Aus­fall­ri­si­kos emp­fiehlt es sich, eini­ge Spiel­re­geln fest­zu­le­gen, bspw. der expli­zi­te Hin­weis auf das hohe Risi­ko und wie die Par­tei­en mit einem Total­ver­lust umge­hen wol­len. Das klingt viel­leicht for­ma­lis­tisch und gera­de in der Fami­lie und unter Freun­den steht Ver­trau­en an ers­ter Stel­le. Den­noch, eini­ge schrift­lich fest­ge­leg­te Rege­lun­gen beu­gen etwai­gen Unstim­mig­kei­ten im Aus­fall des Start­ups vor.

Lean Finan­ce – Geld in preu­ßisch-schot­ti­scher Manier ausgeben

Wer in der glück­li­chen Lage ist, Ein­künf­te im ear­ly sta­ge zu erwirt­schaf­ten, ist gut bera­ten, die­se Gel­der direkt in die POC-Ent­wick­lung zu ste­cken. Hier­un­ter fal­len Preis­gel­der, Sti­pen­di­en, För­der­mit­tel und natür­lich auch die ers­ten Umsät­ze des Startups.

Soci­al Start­ups, die bereits eini­ge Kun­den und ers­te Umsät­ze haben, kön­nen dar­über hin­aus Zah­lungs­zie­le für einen kurz­fris­ti­gen Cash Flow ein­set­zen. Hier­bei wird ver­sucht, die eige­nen Zah­lungs­zie­le an Drit­te zu ver­län­gern und gleich­zei­tig die Zah­lungs­zie­le an eige­ne Kun­den zu ver­kür­zen. Die­se Metho­de eig­net sich auch, wenn das Start­up ihre Pro­duk­te vor­fi­nan­zie­ren muss. Das Spiel mit Zah­lungs­zie­len bedarf aller­dings ver­ant­wor­tungs­vol­ler Umsicht.

Fazit – Boot­strap­ping ist unschlag­bar und cool

Impact first“ ist das Mot­to des Soci­al Entre­pre­neurship. „POC first“ ist das Man­tra des Boot­strap­ping – schnell und kos­ten­güns­tig. Gera­de eine no / low bud­get-Stra­te­gie zwingt das Team, sich nur auf Akti­vi­tä­ten zu fokus­sie­ren, die der POC-Ent­wick­lung die­nen. Wer den POC besitzt, der darf ein Level auf­stei­gen auf dem Weg zu einem nach­hal­tig soli­den Start­up. Nicht zu unter­schät­zen ist auch der beschrie­be­ne Selbst­wirk­sam­keits-Effekt auf den Spi­rit des Teams.

Statt sich also der Illu­si­on des ear­ly sta­ge-Kapi­tals hin­zu­ge­ben, nut­zen erfolg­rei­che Soci­al Start­ups das Arse­nal des Boot­strap­pings. Mit einem POC bestehen gute Chan­cen auf eine Finan­zie­rung des Wachs­tums durch Inves­to­ren. Ganz im Sin­ne von Archi­me­des, der einst sag­te: „Gib mir einen sta­bi­len Punkt (POC) und ich hebe die Welt aus den Angeln (Ska­lie­rung).“ Auch wenn er den Hebel-Effekt im Kopf hat­te, kön­nen wir das Zitat leicht auf den Boot­strap­ping-Hebel übertragen.

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